Montag, 21. September 2026
Wir haben keine Eile und geniessen ein gemütliches Frühstück. Der heutige Übernachtungsplatz gefällt uns, aber bei diesem Wetter ist alles ein bisschen matschig. Nach unserer Abfahrt halten wir bald wieder, denn der alten überdachte Holzbrücke, die «Hammerbru» statten wir einen Besuch ab. Sie ist jetzt für uns nicht einen Anfahrtsweg wert, aber wenn man vorbeikommt, dann kann man sie sich auch anschauen. Sie ist die mit 30 Metern überdachte Holzbrücke die längste Holzbrücke Norwegens. Solche Brücken waren im späten 19. Jhd. In Kanada und zum Teil auch in Norwegen üblich. Die Fachwerkbauweise verbindet eine Kombination von Stangen und Knoten, um das Gewicht der Brücke zu stabilisieren und zu tragen. Diese Technologie wurde Mitte des 19. Jhd. benutzt, denn so konnte man auf Stützpfeiler verzichtet werden. 1885 wurde hier die erste Brücke so gebaut. Sechs Jahre später wurde sie überflutet und wieder aufgebaut. Auch 1925 musste sie saniert werden. Die letzte Restauration erlebte sie in den 1990er Jahren.
Nur ein Kilometer später stoppen wir erneut, um unserem Auto Gutes zu tun. Wir tanken, füllen Wasser und leerem das WC. Jetzt sind wir bereit für neue Abenteuer.
Wir folgen der Fv17, welche zu den Landschaftsrouten gehört. Wir kommen durch einsame Gegenden, an Seen und Fjorden vorbei. Immer wieder scheint die Sonne und dann regnet es wieder. Manchmal tut es dies auch gleichzeitig, so dass wir einen Regenbogen nach dem andern am Himmel entdecken. Purer Sonnenschein wäre zwar schöner und angenehmer, aber dieses Wetter ist eigentlich ganz interessant.
Kurz vor Gutvik finden wir einen kleinen Joker-Laden. Hier decken wir uns noch mit Brot, Tee, Früchten und Süssgebäck ein. Der kleine Laden ist breit assortiert und deckt viele Bereiche des Lebens ab. Man bekommt: Lebensmittel, Putzmittel, Kosmetik, Unterwäsche, Wolle, Stricknadeln, Hundefutter, Stanzwerkzeug, Weihnachtskugeln, Süssigkeiten, «Füdlipop-Schlitten»… Unglaublich, was da so alles auf wenigen Quadratmetern zu finden ist. Der Mann an der Kasse nutzt seine übers Hören gelernten Deutschkenntnisse und es ist schön, mit ihm ein paar Worte zu wechseln und zu sehen, wie er sich Mühe gibt.
Wir fahren zur Fähranlegestelle und verpassen die 15h10 Fähre wegen 5 Minuten. Wir sehen sie davonfahren. Kein Problem, denn in einer Stunde sollte die nächste kommen. Wir bereiten uns Kaffee und Tee zu und essen unsere Süssigkeiten zum Zvieri. Jetzt sind wir gespannt auf die Insel Leka. Sie soll landschaftlich, geologisch etwas Besonderes sein. Pünktlich um 16h10 verlässt die kleine Fähre Gutvik. Auf dem Meer schaukelt es ein bisschen. 20 Minuten später sind wir auf der Insel Leka. Wir fahren nur knapp 10 Minuten zu einem Picknickplatz. Von hier aus könnte man Wanderungen unternehmen. Die Insel Leka ist ein Wanderparadies. Auf Tafeln wird auch in deutscher Sprache darüber genaustens informiert. Es gibt gut 50 Wanderrouten auf der kleinen Insel. Vielleicht können wir das eine oder andere trotz Urs Fuss unternehmen. Den restlichen Mittag und Abend verbringen wir auf dem Wanderparkplatz.
Dienstag, 22. September 2026
Heute ist es trüb und nass und dies spornt uns nicht für eine Wanderung an. Wir verbringen den Tag im Auto und erledigen Bürosachen, Fotos bearbeiten, Route nachtragen und recherchieren über für uns mögliche Wandervorschläge. Im Laufe des Tages wechseln wir den Parkplatz und finden einen mit Sicht in die Berge. Es ist immer gut, nicht zu lange auf einem Platz stehen zu bleiben, denn für das sind diese Wanderplätze nicht gedacht. Ob wir das einzige Wohnmobil in dieser Jahreszeit auf der Insel sind? Könnte sein, denn wir haben auf der Fähre und bis jetzt keines gesehen. Am Abend spielen wir ein Yazzee mit einer neuen Regel. Man darf in den ersten drei Reihen pro Reihe zwei Würfe vom andern übernehmen und in den letzten drei Reihen ein Wurf. Ich würfle schon bald zwei Yazzee und Urs freut sich natürlich diese zu übernehmen. So bleibt das Spiel bis am Schluss spannend. Wir hoffen morgen auf besseres Wetter, so dass wir die Insel erkunden können.
Mittwoch, 23. September 2026
Heute frühstücken wir nicht und fahren auf den Wanderparkplatz an der «Ringstrasse». Schon jetzt sehen wir eine fantastische Landschaft. Hier kann man zum Stoyped und Ornerovet wandern. Wortwörtlich über Stock und Stein führt der Weg. Also das heisst, man muss nach eventuellen Trampelpfaden suchen und über die Steine den nächsten markierten Wanderpfosten anpeilen. Die Pfosten sind gut sichtbar montiert, aber es ist nicht leicht, über die Steine und Felsen zu laufen. Wir haben zum Glück die Wanderschuhe angezogen. Für Urs Fuss ist dies kein guter Weg. Nach einer Weile kommen wir zu einer Tafel, auf der Interessantes über die Steine, die geologische Sicht beschrieben wird. Die Insel Leka besteht aus ozeanischer Erdkruste und des darunterliegenden Erdmantels. Da der Meeresboden bei tektonischen Plattenkollisionen normalerweise tief in der Erde versinkt, ist es extrem selten, dass solche Fragmente unbeschadet auf das Festland geschoben werden. Leka bietet eine der weltweit vollständigsten und am besten erhaltenen Beispiele dieser Art. Leka wurde nicht nur angehoben, sondern im Laufe der Zeit auf die Seite gekippt. Die Schichten liegen heute quasi horizontal. Für uns spannend, aber für Geologen sicher noch viel interessanter. Wir sehen da einfach eine spezielle und untypische Landschaft für Norwegen. Nach einer Weile gibt Urs seine Wanderversuche auf diesen Steinen auf und ich gehe alleine noch das letzte Stück zum Ziel. Der Weg führt einen kleinen Bachlauf hoch und ich muss mir regelrecht trockene Plätze suchen. Nachdem sich die zwei Wanderwege sich getrennt haben, führt ein klassischer guter Weg zu meinem Ziel. Die vielen schön, farbigen Steine faszinieren mich. Bei der Rückkehr ist es schwieriger den Bachlauf herunterzukommen. Ich kann nicht verhindern, dass ich auf einem nassen Stein ausrutsche und auf den Po falle. Dabei stosse ich mein Knie und meinen Ellbogen an Steinen an und meine Hose ist nass. Ich bin froh, dass ich mich nicht verletzt habe und wandere weiter. Die angeschlagenen Stellen werden sicher blau und grün werden. Wieder bei Urs geht’s über die Steine von Wanderposten zu Wanderpfosten zurück zum Auto. Jetzt haben wir unseren Picknick aber verdient.
Um 13h30 fahren wir los und umrunden die kleine Insel. Es sind nur 28 km auf der Ringstrasse. Danach sehen wir den Abzweiger über eine schmale Brücke zur Insel Madsoya. Das ist mehr ein Inselchen als eine Insel. Aber auch hier sind ein paar Häuser zu finden. Wir sehen auch eine Strasse rundum und dieser folgen wir. Bald geht diese über in Schotter und wird immer mehr zu einem Weg mit Schlaglöchern. Da diese mit Wasser der letzten Regenfälle gefüllt sind, sieht man die Tiefe der Löcher nicht. So kommt es, dass Urs anfangs zu schnell fährt und im Aufbau alles schäppert. Jetzt wissen wir, dass diese Schlaglöcher auch tiefer sein können und wir passen unsere Geschwindigkeit an. Es ist an einigen Orten ziemlich matschig und es ist gut an diesen Stellen nicht anzuhalten. Wir möchten ja nicht steckenbleiben. Während unserer kleinen Rundfahrt entdecken wir 6 Rehe, die auf einer Wiese grasen, innehalten und uns entgegenschauen. Die Rehe begegnen sicherlich nicht vielen Autos. Wieder auf Leka suchen wir den im Internet angegebenen Aussichtspunkt an der Küste vergeblich und kehren wieder auf den Platz von letzter Nacht zurück. Es ist erst 15h und wir geniessen den Nachmittag mit Kaffee/ Tee und Kuchen und lesen im Buch über die Früchte des Geistes, welches wir im Hauskreis durcharbeiten. Nach dem Abendessen und Aufräumen machen wir einen Video-Call mit Frank und Lis. Mein Knie tut doch recht weh und ich kühle es, nehme ein Schmerzmittel und schmiere es mit Salbe ein. Dies tut sicher gut und ich hoffe, dass es morgen besser ist.
Donnerstag, 24. September 2026
Heute schlafe ich doch beinahe bis 8h. Ist das nicht eine reife Leistung? Ich spüre den Schmerz im Knie markant weniger und das freut mich. Auch dem Fuss von Urs geht es nicht so schlecht und da bin ich froh. Es wäre schade, wenn der gestrige Ausflug wieder mehr Schaden angerichtet hätte. Wir haben es heute nicht eilig, denn am Nachmittag soll es sonnig werden. Da sind wir ja mal gespannt, denn im Momet um 10h40 sieht es noch nicht danach aus. Wir heizen das Wasser richtig auf, denn eine Dusche in Auto wartet auf uns. Das ist eine Aktion, die ein bisschen Zeit braucht. Alles gut Staubsaugen, WC aus der Dusche, Bretter der Duschwanne rausbringen, alle Körbchen und Waschlappen aus dem Bad nehmen, Duschvorhang richten – dann kann es losgehen. Wir haben extra noch Magnete für den Duschvorhang mitgenommen und an der Wand Haftpunkte angebracht. Alles schön und gut und durchdacht, aber wenn man sich bückt, dann flutsch, fällt schon ein Magnet hinunter. Also von dem her nicht ganz praktikabel. Die Dusche macht mir aber dennoch grosse Freude.
Um 13h30 verlassen wir unseren Übernachtungsplatz und starten einen zweiten Versuch mit dem Suchen des Aussichtspunktes. Diesmal werden wir fündig, parkieren das Auto an der schmalen Strasse und spazieren die letzten Meter zu Fuss. Man hat einen sehr schönen Blick auf die Küste. Immer wieder schweift unser Blick auf den imposanten Berg in der Ferne, welcher sich zum Teil auch im Wasser spiegelt. Wunderschön und für uns ein toller Abschluss unserer Inselfahrt auf Leka. Am Aussichtspunkt gibt es einen Unterstand, welcher auf einer Seite mit Scheiben von Wind und Wetter schützt. Dieser Punkt ist ideal für die Beobachtung der Mitternachtssonne und Nordlichter. Wir setzen uns auf die Holzbank im Unterstand und geniessen die Küstenlandschaft.
Um 16h40 wird die Fähre fahren und uns aufs Festland zurückbringen. Die Zeit bis dahin nutzen wir noch für einen kleinen Zvieri. Kaum auf der Strasse sichten wir auf einer Wiese zwei Elchdamen. Wir lassen die Scheibe zu und beobachten die Tiere. Natürlich gibt es auch das eine oder andere Foto. So schön, dass wir diese zwei Elchkühe gesehen haben. Morgen beginnt die offizielle Elchjagd. Sie dauert bis am 23. Dez, kann verlängert oder auch gekürzt werden. Es gibt strenge Regeln für die Jäger und ein bestimmtes Kontingent. Am liebsten werden Kälber und Jährlinge geschossen. Die im guten Alter gebärfähigen Elchkühe lässt man eher leben. Von den Elchbullen lässt man auch eher die gestandenen Elche leben und schiesst auf die Jährlinge. Das Fleisch der Kälber und Jährlinge ist zudem viel zarter. Oft überleben Kälber den ersten Winter sowieso auch nicht. Aber alles sehr streng organisiert und reglementiert. Wenn Elche die Jagdsaison spüren, ziehen sie sich oft in die tiefen Wälder zurück. Wir fahren weiter und kurze Zeit später finden wir einen schönen Parkplatz an einem See an der Sonne. Wir entscheiden uns hier zu bleiben und die Abendsonne vor dem WoMo zu geniessen. Das tut richtiggehend gut und wir geniessen es in vollen Zügen. Als die Sonne verschwunden ist wird es kalt und wir kochen uns ein feines Abendessen und verbringen einen gemütlichen Abend.
Freitag, 25. September 2026
Der Himmel ist wolkig und zum Teil kommt die Sonne durch. Wir folgen der Fv17 und stehen bald wieder an einem Fährhafen. Leider ist sie kurz zuvor abgefahren und wir müssen 50 Minuten warten. Ja, mit dem muss man auf der Küstenstrasse Fv17 rechnen. Die Fähre ist diesmal auch im September kostenpflichtig. Auf der anderen Seite des Fjords folgen wir weiter der Fv17 und bald sehen wir wieder Elche. Diesmal stehen zwei Männchen da und schauen uns entgegen. So cool! Eines der Männchen hat schon ein Geweih mit kleinen Schaufeln. Der andere Elchbulle hat ein kleineres Geweih und ist vielleicht auch jünger. Es ist aber nicht immer so, dass Bullen mit grösseren Geweihen älter sind. Im Alter werden die Geweihe wieder kleiner. Das Geweih wird im Spätherbst / Winter abgestossen. Die Grösse des Geweihs ist auch abhängig von der Veranlagung, des Futters und der Gegend. Die Elche in Alaska tragen z.B. grössere Geweihe, als die skandinavischen Elche. Nach der Paarungszeit sinkt der Testosteronspiegel, wodurch sich das Geweih am Kopf durch spezielle Enzyme an der Knochenbasis von selbst löst. Das spart im Winter wertvolle Energie.
Wir kommen an einem Kriegsdenkmal vorbei. Ein kurzer Weg führt zu Bunkern, Schächten und einer Kanone auf einem Hügel. Auch ein alter Scheinwerfer mit einem Generator ist zu sehen. Es wäre interessant, die Gänge und Bunker mit der Taschenlampe zu erkunden, aber alles ist voll Ziegenkot, so dass es keinen Spass macht.
Wenig später sind wir in Bronnoysund. Hier finden wir an einer VE Wasser und füllen freudig unseren leeren Tank. Dieses reicht nun wieder für gut 3 Tage. Mit unserer Filteranlage können wir gut davon trinken und haben praktisch keine Petflaschen mehr. Im nahen grösseren Lebensmittelgeschäft kaufen wir noch Vorräte und dann sind wir bereit für die Insel Vega. Auf Vega leben 1220 Einwohner, also gut doppelt so viele als auf Leka. Die Überfahrt ist im September kostenlos und dauert 50 Minuten. Wir steigen aus und im warmen Aufenthaltsraum ist die Fährpassage ganz gemütlich. Die Fähre kommt auf Vega an und wir suchen uns einen Platz zum Übernachten. Die ersten zwei Plätze könnten zur Not gehen, aber wir fahren noch andere Plätze an. Die Insel ist ja nicht gross und man ist auch schnell von einer Seite auf der anderen Seite. Wir finden einen schönen Wanderparkplatz am Meer. Es ist Ebbe und Urs und ich unternehmen einen kleinen Wattspaziergang zu einer Felserhebung. Dier Fels ist sicher bei Flut eine kleine Insel. Wir finden Muscheln, Seegras, Steine etc. Es macht Spass und tut gut noch ein bisschen draussen zu sein. Im Anschluss gibt es Abendessen und dann spielen wir Quando.
Samstag, 26. September 2026
Dieser Stellplatz ist einfach schön und wir geniessen die Landschaft rund um uns herum. Auf einem Wanderweg spazieren wir zu einem Strand. Der weitere Weg führt nach norwegischer Manier wieder über Stock und Stein und wir kehren um.
Um 10h50 verlassen wir den schönen Stellplatz. Es geht zurück und weiter um die Insel. Im Gegensatz zu Leka hat es hier nicht eine Ringstrasse, sondern ein Teil der Insel hat keine Strasse. Wir kommen zum Parkplatz der Veg-Trappa. Dies ist eine Holztreppe, die gebaut wurde, um auf den 350 m hohen Ravnefloget zu kommen. Die Treppe wurde im Jahr 2019 fertiggestellt. Das Bauprojekt wurde zu grossen Teilen durch Spenden von Einheimischen, Unternehmen und Urlaubern übernommen. Die Namen und Treppenstufennummer sind auf den Stufen notiert.Um 12h25 machen wir uns auf den Weg. Unser Blick schweift in die Höhe und wir sehen die Treppe vor uns. Wow, wie weit wir es wohl schaffen? 500 Tritte wären schon cool. Bis zum Berg führt der Weg auf Bohlen und kleinen Treppchen über die Steine und Moorlandschaft. Wir kommen zu einem Kaffee mit Picknickmöglichkeiten, welches leider geschlossen hat. Schon bald entdecken wir in einer Höhle einen Picknickplatz. Der Weg ist cool angelegt. Es sind wenig Wanderer unterwegs. Lange begegnet uns niemand. Wir steigen die Treppen hoch. Wie viele Stufen werden wir erklimmen? Je höher man kommt, je grösser ist der Ausblick. Immer wieder gibt es eine Bank, wo man sich ein bisschen ausruhen kann. Als wir 500 erreichen, packt uns der Ehrgeiz und wir steigen höher und höher. Als wir schnaufend bei 1000 Stufen angelangt sind, schweift unser Blick wieder nach oben. So weit kann es doch nicht mehr sein. Ein Norweger hat uns irgendwann zügig überholt und wir sehen ihn schon wieder herunterkommen. Als er bei uns ist kommen wir kurz ins Gespräch und fragen ihn, ob es noch viele Treppenstufen sind. Er verneint und zeigt zur Engstelle am Berg und meint, dass man dort noch hindurch müsse und dann sei man da. Es sei oben sehr windig.
Das müssten wir doch noch schaffen. Tatsächlich kommen wir dem Spalt immer näher und dann geht’s hindurch. Dieser Engpass ist wie ein Kamin, durch den es sehr windig ist. Wir sind oben und haben Freude die 1338 Stufen geschafft zu haben! Die Rundsicht ist genial und wunderschön. Schade, dass die Sicht nicht ganz optimal ist, aber es ist dennoch ein wunderbares Gefühl hier oben zu stehen. Nun heisst es den Rückweg antreten. Wir müssen die 1388 Treppenstufen wieder hinunter und spüren bald, wie unsere Beine schwabelig und zittrig werden. Schnell verlieren wir an Höhe und dank dem Geländer geht es zügig voran. Einmal machen wir Pause und dann sind wir unten! Es ist nun 15h. Wow, wir waren auf dem 350 Meter hohen Berg!
Auf einem Parkplatz trinken wir Tee und Kaffee und essen Zvieri. Dabei recherchiren wir den Fährfahrplan direkt nach Tjotta. Leider kommen wir zu unterschiedlichen Informationen, denn die Fähre fährt nicht an jedem Tag dort hin. So entschliessen wir uns zum Hafen zu fahren, in der Hoffnung, etwas Angeschriebenes zu finden. Leider nein und für uns ist klar, dass wir noch eine Nacht auf Vega verbringen und morgen früh über Horn weiter nach Tjotta zu fahren.
So wenden wir und fahren nach Nes und zum Infozentrum der Insel. Das Infozentrum und Museum hat geschlossen, aber draussen sehen wir uns kurz um. Im Archipel, welcher zum UNESCO Kulturerbe gehört, kann man anscheinend manchmal Seehunde und diverse Vögel sehen, aber heute ist alles still. Nes ist ein kleines ursprüngliches Fischerdorf mit roten Häuschen und einem kleinen Hafen. Die roten Häuser und die Boote sind fotogen und wir freuen uns Nes bei Abendsonne noch besucht zu haben.
Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz zwischen Meer und Berge. Es ist ein wundervolles Plätzchen und mit dem Sonnenuntergang beinahe kitschig schön. Dies war ein wunderschöner, aber auch intensiver Tag und wir werden sicher gut schlafen. Hoffentlich haben wir morgen nicht all zu sehr Muskelkater. Ein Magnesium haben wir schon mal genommen.
Sonntag, 27. September 2026
Heute Morgen klingelt wieder einmal der Wecker. Wir müssen früh los, um pünktlich am Fähranleger zu sein. Die Fähre fährt um 8h40 ab, aber wir wollen um 8h in der Reihe stehen, um unbedingt Platz zu haben. Wir haben keine Ahnung, wie viele Leute die Fähre nehmen wollen. Wir sind die Ersten und stellen uns in die Reihe 1. Pünktlich verlässt diese die Insel. 50 Minuten später sind wir in Horn. Hier haben wir 10 Minuten Zeit um umzusteigen auf die nächste Fähre. Es klappt bestens und wir werden mit zwei anderen Fahrzeugen über den nächsten Fjordarm geschippert. Die Überfahrt dauert nicht lange und bald kann es auf der Fv17 losgehen. So kommen wir nach Forvik und hier müssend wir 50 Minuten warten bis zur Abfahrt der nächsten Fähre. Wier werden langsam geübte Fährenfahrer. Wir nutzen die Wartezeit mit WC leeren und neu einstreuen, Pipitank leeren und Frühstücken. Pünktlich sind wir fertig und die Fähre kommt. Auch hier steigen wir aus und verbringen eine sehr schöne Fährüberfahrt auf Deck bei sonnigem Wetter. Die Überfahrt dauert mehr als eine Stunde, da sie ca. 4 Zwischenstationen macht. Diese norwegischen Fähren sind so was von effizient. 2 ½ Minuten bevor sie anlegt wird die grosse Klappe ausgefahren. Sie legt präzise an, dann fahren die Autos raus und rein und in 1 – 2 Minuten legt sie schon wieder ab. Das ist krass und beindruckend. Sicher kann das Halten auch etwas länger dauern, je nach Autos, aber es läuft alles total zügig. Nachdem sie abgelegt hat, geht die Klappe wieder zu. Um 13h15 sind wir in Tjotta. Damit wir nicht aus der Übung kommen wartet bald die vierte Fährüberfahrt auf uns. Auch das klappt wie am Schnürchen. Jetzt geht’s auf der Strasse nach Mo i Rana.
Wir möchten das Marmorslottet besuchen. Das ist nicht wortwörtlich ein Schloss, aber ein türkisfarbener Fluss, welcher durch ein Bachbett aus Marmorgestein fliesst. Wir haben es ein bisschen eilig, denn wir möchten heute noch die kleine Wanderung unternehmen, denn morgen ist Regen angesagt. Wir parkieren auf dem Wanderparkplatz. Kaum sind die Wanderschuhe an unseren Füssen gehts los. Der 1,5 km lange Weg führt durch den Wald, über Wurzeln, Steine und vor allem durch viele matschige Stellen. Man muss zirkeln, wo man am besten durchgeht. Es geht nicht ohne schmutzige Schuhe und wir sind froh um die Wanderschuhe. Für Urs geht es so einigermassen. Er muss sich konzentrieren, wo er auftritt und wo nicht. Extreme Stellen sind mit einem Bolenweg bestückt, der aber auch ein bisschen in die Jahre gekommen ist und diverse Latten fehlen. Die 1,5 km sind gefühlt 3 km. Man kommt leider nur langsam vorwärts. Uns kommen ein paar Wanderer entgegen. Die fragen sich sicher, was wir noch so spät machen.
Der letzte Teil der Wanderung ist der schwerste Abschnitt.. Man muss über Steine hinabklettern. Bei Regen und Nässe ist dies gefährlich und sollte nicht gemacht werden. Wir suchen uns den besten Weg und steigen langsam hinab. Mit Händen und notfalls auf dem Hinter geht es hinab. Dann sind wir am Fluss und bestaunen das türkisblaue Wasser, welches durch die Marmorsteine fliesst. Leider kommen wir nicht noch mehr dem Fluss entlang, denn es ist ein zu hoher Stein, den man hinab müsste. Hinab ist das eine, man sollte ja auch wieder raufkommen. Wir wollen keine Risiken eingehen und schauen geniessen den Blick von unserem Standort aus. Es gibt immer wieder Naturschönheiten, welche einem ins Staunen bringen.
Urs drängt mich für den Rückweg und ich folge ihm natürlich artig. Schritt für Schritt kraxeln wir wieder hoch. Geschafft und dann wandern wir durch den Wald auf dem Matschweg zurück. Wir schaffen es noch vor der Dunkelheit. Auf der Infotafel des Parkplatzes entdecken wir den Hinweis für ein kostenloses Welan. Super, wir loggen uns ein und aktualisieren unsere Handys und laden noch Landkarten runter. Zum Abendessen gibt es Resten und Schweinefillet-Stückchen. Nach dem Abwasch stricke ich noch ein bisschen und Urs liest mir aus dem Rentenalter-Büchlein eine amüsante Geschichte vor.
Montag, 28. September 2026
Es beginnt zu regnen und wir sind froh, gestern Abend das Marmorslottet noch besichtigt zu haben. Jetzt haben wir Lust auf ein Frühstück und lassen es uns schmecken. Für die Planung unserer weiteren Route müssen wir uns einen anderen Parkplatz suchen, der Internetempfang hat. Es geht wieder dieselbe Strasse zurück, auf der wir gekommen sind. Am See finden wir einen guten Parkplatz, um unsere weitere Route zu besprechen. Entweder fahren wir von Mo i Rana die E6 hoch oder wir fahren ca. 1h zurück und nehmen wieder die Fv17, welches deutlich die schönere Strecke wäre. Wir entscheiden uns für die Fv17. Wir folgen der Strasse bis zur nächsten Fährüberfahrt. Es wäre bei sonnigem Wetter sicher eine schöne Fahrt, aber bei bewölktem und regnerischem Wetter verbringen wir die Überfahrt mit Lesen und Stricken im warmen Innern der Fähre. So Fährüberfahrten sind abwechslungsreich zum Fahralltag mit dem Auto und entspannend. Wir fahren mit dem Schiff über den Polarkreis! Dieses Ziel haben wir erreicht und jetzt hoffen wir natürlich auf ein paar schöne Nordlichter. Nach 80 Minuten sind wir in Jektvik und auch bald auf einem schön gelegenen Übeernachtungsplatz. Es ist bereits 18h45 und es dämmert. Die Tage werden merklich kürzer und es wird mit jedem Tag um etliche Minuten weniger hell sein. Nach einem Suppenznacht arbeiten wir am Notebook und bemerken gar nicht, wie spät es geworden ist. um 1h finden wir den Weg ins Bett, werden aber diese Nacht heftig vom Wind durchgeschüttelt.












































































































































































