Skandinavien à discrétion Teil 3

Mittwoch, 9. September 2026

Heute haben wir es nicht eilig. Während Urs in seinem Buch liest, bearbeite ich Fotos. Das gibt doch immer einiges zu tun, macht aber auch Freude. Im Anschluss essen wir Frühstück. Um 12h45 verlassen wir den Schlafplatz. Es dauert nicht lange und wir stehen an der Anlegestelle der Fähre, die uns nach Oanes bringen wird. Eine längere Reihe Autos, Wohnmobile und Lastwagen steht schon da und wir schliessen uns an. Wie gross diese Fähre wohl ist und ob es für uns noch reicht um mitzufahren? Sie fährt alle 30 Minuten. In 15 Minuten, also um 13h15 soll sie kommen. wir sehen schnell, dass wir nicht mitfahren können. Das heisst 30 Minuten warten bis zur nächsten Fähre. Pünktlich um 13h45 kommt sie, aber es kommt noch ein grosser Tiertransporter mit Anhänger und es reicht wieder nicht für uns. So müssen wir nochmals 30 Minuten warten. Um 14h15 schaffen wir es und fahren über den Fjord. Es ist ziemlich windig und alle bleiben für die kurze Zeit im Auto sitzen. In Oanes sind wir schnell draussen und die Strasse geht weiter. Das ist in Norwegen oft so. Man fährt auf einer Strasse und diese endet an einem Fjord. Es geht dann mit der Fähre auf die andere Seite und dann geht’s der Strasse entlang weiter. Manche Fähren muss man bezahlen, andere sind kostenlos. Neuerdings erst ab September. Wir fahren weiter bis zur nächsten Fähre, die uns nach Nesvik bringt. Diese ist für uns kostenlos. Hier müssen wir nicht lange warten, denn sie ist grösser. Wir folgen der Strasse einem Fjord entlang. Immer wieder öffnet sich ein schöner Blick hinab. Hinauf, hinunter und wieder hinauf – das ist Norwegen. Man kommt nicht so schnell vom Fleck, aber dafür ist die Landschaft einfach wunderschön.

Wir fahren ein paar Schlafplätze entlang der Strasse an, geben uns aber noch nicht mit den ersten zufrieden. Entweder sind sie zu nah an der Strasse, zu schräg, zu uneben, zu eng oder was auch immer. Wir sind dankbar, dass wir kurz nach 18h ein Plätzchen gefunden haben. Den Abend verbringen wir am Notebook. Das Vorbereiten der weiteren Strecke, das Schreiben der Berichte, das Bearbeiten der Fotos gibt zu tun und gehört momentan zu unserem Alltag.

Donnerstag, 10. September 2026

Die Sonne scheint, der Himmel ist mehrheitlich blau – aufstehen, Zmorgen essen und los geht’s. Bei schönem Wetter haben wir Programm, denn es ist viel schöner bei Sonnenschein zu fahren und etwas zu unternehmen. Heute begeben wir uns auf Wasserfalltour. Dies gehört in Norwegen einfach dazu. Das Land hat sehr viele imposante Wasserfälle. Es dauert nicht lange und wir kommen zum Svandalsfossen. Es ist ein beeindruckender Wasserfall, der schon von weitem zu sehen und zu hören ist. Die Kraft des Wassers ist einfach faszinierend! Es gibt schöne Aussichtspunkte, von denen man den Wasserfall aus verschiedenen Perspektiven genießen kann. Es kann sogar vorkommen, dass die Polizei die Auto auf der Strasse durch die Gist leiten muss, wenn der Wasserfall sehr viel Wasser führt. imposanter. Wir bestaunen ihn zuerst von unten und auch den schönen Regenbogen, der durch die Sonneneinstrahlung und der Gist entsteht. Anschliessend steigen wir die Treppen nach oben. Nach dem Frühstück ist dies geradezu ein bisschen anstrengend, wie Frühsport nach dem Essen.

Wir folgen einer der 18 Landschaftsrouten. Diesmal ist es die Ryfylke-Route. Wunderschön bringt uns die Strasse 520 in die Berge. Wow, wir sind begeistert. Das ist eine sehr schöne aussichtsreiche Strasse. Natürlich ist das Wetter topp und die Landschaft leuchtet uns entgegen. Die Bäume beginnen sich langsam zu verfärben. Bevor die Route hinab nach Roldal führt, dürfen wir nochmals einen wunderschönen Blick auf den Fjord sehen.

Nun kommen wir zur Stabkirche in Roldal. Diese Kirche wird gerne von Touristen besucht. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1250 nach Christus. Sie ist die einzige Stabkirche, die noch als funktionierende Kirche fungiert. Mit Mittelalter reisten Pilger in grosser Zahl zur Kirche, um das wundersame Kruzifix zu sehen, dass Heilkräfte haben soll und au der Gründungszeit der Kirche stammt. Die Wahlfahrten dauerten bis 1835 an und so wurde das kleine Dorf Roldal ziemlich wohlhabend. Wir schauen die Kirche nur von aussen an, denn es wird eine ziemlich hohe Gebühr für den Innenraum verlangt. Im nahen Lebensmittelgeschäft kaufen wir etwas zum Mittagessen und dies geniessen wir beim Picknickplatz neben der Kirche.

Unser nächstes Ziel ist der Langfossen. Dieser Wassesrfall hat eine Fallhöhe von über 600 m. Er gehört zu den Top 10 Wasserfällen der Welt und ist einer der 5 grössten Norwegens. Imposant, kraftvoll und man kommt sich völlig klein vor. Es ist so schön, dies alles sehen und erleben zu können.

Wir kehren um und der Latefoss wartet auf uns. Diesen Zwillingswasserfall ist bekannt in Norwegen und wir haben ihn mit unseren Kindern im 2007 schon besucht. Das ist schon eine Weile her. Aber auch 19 Jahre später fliesst noch Wasser hinab. Am späten Nachmittag steht die Sonne super und wir sehen wieder einen Regenbogen. Wunderschön!

Da es in dieser Gegend nicht ganz einfach ist etwas zum Übernachten zu finden und dürfen wir nicht zu wählerisch sein. So entscheiden wir uns auf einen Parkplatz neben einer gut befahrenen Strasse zu fahren. Wir werden sogar mit etwas Abendsonne überrascht. Das ist toll und schnell sind die Stühle draussen. Urs grilliert unser Abendessen draussen in der Grillpfanne und ich bereite den Rest zu. Wir essen im Auto, denn bald ist die Sonne weg. Das war ein vollgepackter und erlebnisreicher Tag! Voller schöner Eindrücke schlafen wir ein.

Freitag, 11. September 2026

Wir wissen, dass uns heute ein Regentag erwartet. Wir machen es uns gemütlich im Auto. Wir lesen, schreiben und erledigen so dies und das. Am späteren Nachmittag hört es auf zu regnen und die Sonne begrüsst uns sogar für einen Moment. So entscheiden wir uns doch noch weiterzufahren. Es ist kurz vor 16h als wir den Platz verlassen. Vorbei am Latefoss folgen wir der Hardanger Route. Diese Gegend ist bekannt für Obstbäume. Die Strasse ist zum Teil ziemlich schmal, aber Urs fährt super. Ein Kreisel in einem Tunnel ist für uns auch eine Besonderheit. Er ist blau beleuchtet und sieht noch cool aus. Uns fällt auf, dass an vielen Orten am Strassenrand kleine überdachte Stände stehen, an denen man Äpfel kaufen kann. Oft sind aber schon alle verkauft. Wie die norwegischen Äpfel wohl schmecken? Das müssen wir doch probieren. Wir halten an einem Aussichtspunkt und auch da gibt es zu unserer Freude einen Obststand, welcher auch noch Früchte im Angebot hat. Man kann Heidelbeeren, verschiedene Pflaumensorten, Äpfel und Kirschen kaufen. Bezahlen kann man mit NOK oder via App. Wir kaufen Pflaumen und Äpfel und die letzte Schale Heidelbeeren. Da kann ich nicht widerstehen. Im Wald ist ziemlich alles abgeerntet. Für die Beeren sind wir wohl etwas spät im Jahr unterwegs. Wir sind gespannt, wie die norwegischen Früchte aus dieser Region schmecken.

Morgen soll das Wetter am Morgen noch gut sein, danach ist wieder Regen angesagt. Da morgen ein weiterer Wasserfall auf uns wartet, fahren wir noch in dessen Nähe. So können wir ihn vor dem angesagten Regen noch besuchen.

Samstag, 12. September 2026

Wir essen nichts zum Frühstück, sondern fahren die restlichen Kilometer hinauf zum Vöringfossen. Dies ist eigentlich auch ein Zwillingswasserfall. Ein kräftiger Wasserfall trifft unten auf einen dünnen «bachartigen» Wasserfall. Das ist der Vöringfossen, wieder eine bekannte Sehenswürdigkeit Norwegens. Dieser Ort wird oft auch von Cars angefahren, denn er ist gut zugänglich, sieht toll aus und kann von Oslo aus über die Geilo Hochebene angefahren werden. Es ist nun 10h15 und wir parkieren auf dem ersten unteren Parkplatz. Wir marschieren los und hoffen, dass es für den Fuss von Urs geht. Schnell sind wir beim grossen Wasserfall. Der Weg führt stetig nach oben. Auf die andere Seite gelangen wir über die seit 2020 gebauten Treppenbrücke, die 47 Meter lang und 99 Stufen imposant über den Wasserfall führt. Dank der Brücke bekommt man noch ganz neue Blickwinkel, im Gegensatz zu früher.

Auf der anderen Seite führt der Weg nach oben. Leider ist er ziemlich uneben und steinig, aber Urs macht das gut. Er geht langsam und vorsichtig. Oben angelangt können wir an verschiedenen Orten hinabsehen. Diese Aussichtspunkte teilen wir mit vielen Asiaten, die sehr wahrscheinlich auf Europatour sind. Es ist eindrucksvoll und schön. Wir sind dankbar um das trockene Wetter.

Wieder auf dem Parkplatz, entdecken wir inmitten der Autos und «normalen» Wohnmobilen ein merkwürdiges Gefährt. Ein gelbes auffallendes Fahrzeug, dass wirklich speziell aussieht. Ja, jedem das Seine. Auch so ein Auto kann ein Wohnmobil sein. Wir verlassen den Parkplatz und folgen der Strasse 7. In einer Reiseapp habe ich einen Parkplatz in der Hardangervidda herausgesucht, auf dem wir bleiben könnten. Leider sind die 900 m Schotterstrasse bis zum Parkplatz kostenpflichtig und wir entscheiden uns vor der Mautstrecke an einem Plätzchen stehen zu bleiben. Es ist auch schön hier und unser Blick aus dem Fenster ist toll. Hier verbringen wir den restlichen Nachmittag. Irgendwann beginnt es zu regnen und wir sind froh im Trockenen zu sein. Es wird sicher eine kühle Nacht geben, denn wir sind auf 1100 Metern.

Sonntag, 13. September 2026

Der heutige Tag verspricht ein Schönwettertag zu werden und deshalb fahren wir nicht zu spät los. Mit dem Sonnenlicht am frühen Morgen sieht die Landschaft richtig malerisch aus. Die Strasse führt uns über die Hochebene nach dem Winterferienort Geilo. Viele momentan nicht besetzte Ferienhäuser warten auf Gäste. Am Ortsrand gibt es eine Versorgungsstation für Wohnmobile, welche beheizt und kostenlos ist. Wunderbar, denn es ist nicht immer ganz einfach Wasser zu finden. Je mehr Winter es wird, je schwieriger wird es werden. Vielerorts werden die Wasserhähne abgestellt. Diese VE ist im Winter offen und das ist super. Voll Wasser, voll Diesel, leerer Pipitank – das fühlt sich gut an.

Wir haben für heute zwei Offroad Strecken aus unserem Offroadbuch geplant. Man kann die zwei Routen gut miteinander verbinden. Wir starten die Erste und schon bald begegnet uns die Mauttafel. Sie scheint neuer zu sein, denn im Buch wird die Strecke noch als kostenlos beschrieben. Urs lädt das App herunter und wir werden mit einer Kamera gescannt. Am Ende der Tour wird man wieder fotografiert und der Preis ist dann im App ersichtlich und man bezahlt dann den angegebenen Preis. In welche Kategorie wir fallen wissen wir noch nicht so genau. Lassen wir uns mal überraschen.

Die gut ausgebaute Schotterpiste führt uns hinauf. Ferienhäuser prägen das Landschaftsbild. Irgendwann sind diese dann vorbei und wir kommen immer mehr in die Höhe. Das Fjell leuchtet in den verschiedensten Herbstfarben. Man hat das Gefühl, dass die Bäume und Pflanzen von Tag zu Tag sich mehr verfärben. Im Sonnenlicht sieht alles wunderschön aus.

Auf unserer Weiterfahrt sehen wir eine Tafel mit einem Hinweis zu einem Kaffee. Im Buch wird auch so was erwähnt. Wir wenden und folgen dem Wegweiser. Es dauert noch eine ganze Weile, bis wir zu einem Haus kommen. Hier scheint das Kaffee zu sein. Auf der Tafel stand, dass Samstag und Sonntag geöffnet sei. Heute ist Sonntag und wir schauen mal nach. Ein bisschen scheu gehen wir zum Haus. Die Tür steht offen und es steht Kaffee. Wir treten in eine urchige Stube und werden freundlich begrüsst. Heimelig sieht es hier aus. Wie in einer Alphütte. Urs kommt mit der Besitzerin ins Gespräch. Sie kann englisch und so erfahren wir, dass heute der letzte offene Tag ist. Danach ist Winterpause. Die Familie hat drei Kinder und wohnt den Sommer über hier auf dem Fjell. Ab dem 1. Juli bis Mitte August ist täglich offen, danach müssen die Kinder wieder im Tal in die Schule und das Vieh wird auch hinuntergebracht. Ab dann ist nur noch am Wochenende offen bis Mitte September. Dieses Jahr haben drei Generationen den Sommer hier oben verbracht. Ab dem nächsten Jahr übernimmt die Familie den Betrieb alleine und man wird sehen, wie es weiter geht. Es ist einfach eingerichtet und es gibt warme Pancackes mit Marmelade und einer Sauce. Vor mir schöpft eine Frau und ich schaue genau zu, denn so weiss ich wie viel von was man nimmt. Urs bestellt noch einen Kaffee und ich einen Tee. Die Pancackes schmecken gut und wir essen eine Zweite. Wir verabschieden uns von der netten Frau und draussen spricht Urs noch mit ihrem Mann. Er erzählt uns vom Stall, welcher zum Restaurant umgebaut worden sei. Wir dürfen uns den Saal anschauen und sind beeindruckt. Schön ist es hier! Wir verabschieden uns dankend und machen uns auf den Weg zurück zur Hauptroute. Es ist nun 15h15. Dies war eine tolle Erfahrung und ein schönes Erlebnis. Mit Einheimischen in Kontakt zu kommen ist immer etwas Besonderes.

Es dauert nicht lange und wir kommen zum Startpunkt der nächsten Offroad Route, der Flaevassvegen Tour. Auch diese Route führt hinauf aufs Fjell. Es ist wunderschön und wir geniessen es in vollen Zügen. Die Farben leuchten, die Seen sind tiefblau und mit den Bergen im Hintergrund ergibt alles eine tolle Kulisse.Wir halten Ausschau nach einem Plätzchen für die Nacht. Bald werden wir fündig und entscheiden uns die letzten Sonnenstrahlen noch draussen vor dem Auto zu geniessen. Urs liest in seinem Buch und ich fotografiere einige Büsche und Pflanzen. Dies macht mir Freude. Mein Buch liegt zwar bereit auf dem Stuhl, aber die Seiten bleiben ungelesen. Urs bratet unsere Fiskekakker in der Grillpfanne. Wegen der Kälte hat die Gasflasche ein bisschen Mühe und Urs wärmt sie am Heizungsausströmer vor. Dann steckt er sie in einen Beutel und dann klappt es. Die Sonne geht unter und wir essen an der Wärme mit Blick in die Weite. Nach dem Essen räumt Urs draussen auf und ich wasche ab. Wir sind gleichzeitig fertig und geniessen den restlichen Abend. Das war ein wunderschöner Tag bei herrlichem Sonnenschein! Diese Nacht schlafen wir auf 1200 m. Es wird nicht mehr lange dauern bis hier der erste Schnee fällt und die Strasse geschlossen wird.

Montag, 14. September 2026

Am Morgen bearbeite ich wieder meine Bilder und Urs geniesst noch ein bisschen das kuschelige und warme Bett. Es war absolut ruhig, aber ich habe nicht ganz so gut geschlafen. Immer wieder sind mir ängstliche Gedanken durch den Kopf geschwirrt. Wenn jetzt Urs etwas passieren sollte, was dann? Wir haben hier praktisch keinen Handyempfang, das Auto bin ich noch nie gefahren und wir sind absolut alleine in der Pampas. Solche Gedanken hatte ich früher nie. Das liegt sicher auch plötlichen Tod unseres Freundes letztes Jahr. Das sind auch Spuren, die das Geschehene bei mir hinterlassen haben. Am nächsten Morgen erzähle ich Urs von meinen Gedanken und wir beschliessen, dass es gut ist, wenn ich mich mit dem Auto auch einmal kurz auseinandersetze und einige Kilometer fahre. Dies tun wir dann auch und nach ein paar Kilometern wechseln wir wieder das Steuer, denn ohne gültigen Fahrausweis in eine Kontrolle oder in einen Unfall verwickelt zu werden wäre nicht so toll. Bald kommen wir zum Startpunkt der nächsten Schotterpiste. Wir fahren durch Ferienhäuser durch lichten Wald. Die Birken sind goldgelb und immer wieder finden wir schöne Picknickplätze am Strassenrand. Schafe oder Kühe auf der Strasse ist in diesem Land normal. Wir kommen unserem nächsten Ziel, dem Elgland (Elchland), immer näher. Uns fällt auf, dass die Häuser und derer Grundstücke meist mit einem Holzhaag umzäunt sind. Die dient dem Schutz vor Elchen. Hier soll es eine grosse Population von Elchen geben. Im Herbst ist Brunstzeit und die Männchen suchen Weibchen und sind aktiver als sonst, aber auch gefährlicher. Sie verteidigen Weibchen und ihr Revier. Wir hoffen, dass wir von der Strasse Fv255 Elche sehen werden. Die Chance besteht durchaus. Sie sammeln sich auch hier, um dann im Winter in die Berge zu ziehen. Wir sind bereit für die Suche nach Elchen. Es wäre Hammer, wenn wir einen sehen würden. Ich recherchiere nach den besten Zeiten im September. Abends ab 19h15 bis 20h30 und morgens 5h45 und 6h45. Wir suchen uns zuerst einen guten Platz zum Schlafen, und finden diesen bei der Fjell Kike.

Es ist völlig ruhig hier und wir sind alleine. Man sagt, dass die Elche abends am See trinken, vielleicht haben wir Chancen welche zu sehen. Zuerst machen wir uns zu Fuss auf die Suche. Ich habe davor grossen Respekt, denn ich möchte keinen grossen Elch gegenüberstehen. In der Brunstzeit können die sonst friedlichen Tiere auch angriffiger sein. Man müsste sich rückwärts zurückziehen, ihm nicht in die Augen schauen und sich niemals bücken. Man sollte bei einer Begegnung ein Hindernis zwischen sich und dem männlichen Els suchen. Dies kann ein Auto, ein Baum oder sonst was sein. Mir kommt in den Sinn, dass wir einmal gelesen haben, dass man zu Fuss weniger Sichtungschancen hat, denn die Elche hören und riechen einem schon lange zuvor. Man sollte deswegen auch im Auto nicht die Scheibe runterlassen, sondern durch die Scheibe fotografieren. Das Auto stellt für sie keine Bedrohung dar. Wir suchen mit dem Feldstecher das Seeufer ab, sehen aber nichts. Später fahren wir mit dem Auto die Strasse entlang, denn die Elche überqueren auch gerne die Strasse. Nichts, schade, aber mit dem muss man rechnen, denn man kann bei uns auch nicht mit Touristen in den Wald spazieren und einfach Rehe finden. Ohne Erfolg kehren wir zurück auf unseren Platz und kochen uns ein Abendessen. Um 21h30 essen wir und gehen bald ins Bett.

Dienstag, 15. September 2026

Der Wecker klingelt um 5h30. Das ist ja wie zu früheren Zeiten. Ein Blick aus dem Dachfenster genügt um zu sehen, dass es noch zu dunkel ist um Elche zu suchen. Wir dösen weiter und beim nächsten Wecker stehen wir auf. Wir machen kein Licht und hoffen, dass unsere Wiese von den Tieren besucht wird. Leider nicht und so starten wir den Motor und fahren die Strasse ab. Beim Damm wenden wir und fahren wieder zurück. Die Augen stets offen, links und rechts absuchend, in der Hoffnung eine Bewegung zu entdecken. Wieder ohne Erfolg. Mit dem muss man bei Tierbeobachtungen rechnen, aber es ist dennoch schade. Nur ein kleiner Hase, der aussieht wie ein Osterhase, hoppelt vor unserem Auto auf der Strasse.

Wir entdecken eine Schotterstrasse, welche um den See Olstappen führt. Auch hier sollen Elche gesichtet werden. Es ist auffallend, wie alles Private mit Holzzäunen alles umzäunt ist. Dies zum Schutz vor den Tieren. Im Gegensatz zu anderen Gebieten, findet im Elgland jeden Frühling und Herbst eine mehrwöchige Elchwanderung mit bis zu 600 Tieren statt. Sie ziehen in der Region Elgland jeden Winter in die gleichen höheren Lagen, bevor sie im Frühling auf der gleichen Route wieder zurückkehren. Es ist schön, frühmorgens um den See zu fahren, aber leider sichten wir keinen Elch.

90 Minuten später sind wir wieder auf unserem Platz, auf dem wir es uns heute gemütlich machen. Urs legt sich wieder ins Bett und ich arbeite am Notebook.

Heute regnet es immer wieder. Meist fällt ein Nieselregen vom Himmel, den man im Auto gar nicht wahrnimmt. Während einer Regenlücke ziehen wir los und erkunden die Umgebung. Ein Wanderweg führt um den See. Hinter der Holzkirche im Wald finden wir eine Holzbrücke, welche auf eine Halbinsel führt und so führt der Weg nur um den einen Teil des Sees. Nach der Brücke entdecken wir einen Friedhof, den Gravholmen. Es ist einer der ungewöhnlichsten, landschaftlich faszinierendsten Friedhöfen Norwegens. Er befindet sich auf einer Halbinsel mitten im See Espedalsvatnet und befindet sich auf einer bewachsenen Felskuppe. Die Grabsteine stehen inmitten von Kiefern, Moos, Heidekraut und Beeren. Der Friedhof wird seit dem frühen 19. Jahrhundert benutzt. Seine wichtigste Phase erlebte er ab 1845 zu Zeiten des alten Nikkelwerks. Als dort im Bergbau Boom Hunderte von Arbeitern lebten, diente Gavholmen als Ruhestätte für die Minenarbeiter und deren Familien. An diese Zeit erinnert eine Gedenktafel. Wir finden sehr alte Grabsteine und Holzkreuze, wie auch neuere. Alte Menschen und Kinder sind hier begraben. Solch einen Friedhof haben wir noch nie gesehen. Die Steine stehen locker verteilt auf der Kuppe, umgeben von Heidelbeeren und Preiselbeeren, Heidekraut und Moos. Es sind sogar noch Heidelbeeren an den Sträuchern, nicht abgeerntet wie sonst überall. So pflücken wir zwischen den Grabsteinen einige und lassen es uns schmecken. Kurz vor Beginn des nächsten Regens sind wir zurück und verbringen den restlichen Mittag im Auto. Dieser kleine Spaziergang hat gutgetan. Die Hintergrundinformationen über den Friedhof zu lesen war interessant. Morgen soll das Wetter besser sein und wir möchten einen weiteren Elchspot anfahren, das Naturschutzgebiet Fokstumyra. Dies ist ein Feuchtgebiet, in dem auch Elche leben. Vielleicht haben wir mehr Glück?

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