Samstag, 29. August – Abschied tut weh
Donnerstag abfahren? Schaffen wir nicht. Freitag abfahren? Am Abend wären wir fertig geworden mit den ToDo’s, aber wir sind müde. Nun steht Samstagmorgen auf dem Plan! Leider haben wir noch etliche Tage verbracht mit Packen, nähen des Mückennetzes, Besorgungen, wie Schneeketten, Winterpneu montieren lassen bei unserem Garagisten und dies bei über 30°. Solch einen Auftrag hat er noch nie bekommen. Vor der Hochzeit von David und Isabelle hat uns die Hitze blockiert und mich sicher auch die Hochzeitsvorbereitungen, nach der Hochzeit wurde Urs krank und am Donnerstag verknackste er sich noch den Fuss und musste zum Arzt. Auf dem Röntgenbild ist an den Knochen nichts sichtbar und da sind wir froh. Es werden wohl die Bänder sein. Er wird nun 4- 6 Wochen eine Fussgelenkbandage tragen müssen und Wanderungen können wir momentan nur bedingt unternehmen. So hat sich unserer Abfahrt ziemlich hinausgezögert. Jetzt ist Samstagmorgen und Sara, Stefan mit Leyn und Livia mit Nayla kommen zu uns. Es freut uns, dass via zoom auch noch Simon und Simona dazustossen. Wir essen ein paar Brötchen zusammen und plaudern. Um 12h30 steigen wir nach einer letzten Umarmung mit unseren Lieben ins Auto. Die Tränen stehen zu vorderst und der Abschied fällt uns allen schwer. Wir werden alle vermissen. Schön, dass wir einige Fotos im Fahrzeug aufgehängt haben, denn so kommen alle auch ein bisschen mit uns mit. Und mit den heutigen Medien ist es auch einfach miteinander in Kontakt zu treten.
Wir kommen gut voran. Über Stuttgart geht’s weiter nach Würzburg. Wir finden einen Übernachtungsplatz in Elfershausen. Ausserhalb der Ortschaft stellt die Gemeine einen Wohnmobilstellplatz kostenlos zur Verfügung und dies freut uns sehr. Nach dem Abendessen vertreten wir uns noch ein bisschen die Beine, fotografieren die beleuchtete Burg und kommen ins Gespräch mit einem redseligen älteren Ehepaar. Sie schwärmen über ihre Pfadfinderzeit in der Nähe und fahren deshalb oft in diese Gegend. Solche Kurz-Kontakte sind immer wieder schön und gehören zum Reisealltag. Wir verbringen hier eine gute erste Nacht.
Sonntag, 30. August 2026 – Fahrtag
Heute steht ein Fahrtag auf dem Programm. Wir möchten den Sonntag ohne Lastwagen nutzen. Wir kommen überall gut durch die etlichen deutschen Autobahbaustellen. Zwischendurch machen wir Pausen um zu essen oder für ein Nickerchen. Es ist ideal, immer ein bereites Bett zur Verfügung zu haben. Da wir uns beim Fahren nicht abwechseln können, sind solche Pausen mit Schläfchen wichtig. Nur Urs hat die C1 Prüfung gemacht, die wir für unser Auto brauchen. Wir kommen gegen Abend nach Walsrode. Hier befindet sich ein grosser schöner Vogelpark, auf dessen Parkplatz man übernachten kann. Diesen Ort kennen wir schon aus früheren Reisen. Da das Wetter eher kühl und regnerisch ist, verbringen wir den Abend im Auto. Wir spielen Quirkkel und ich gewinne mit grossem Abstand. Das gefällt mir natürlich besonders gut!
Montag, 31. August 2026 – Lüneburger Heide
Wir entscheiden uns heute über Land Richtung Hamburg zu fahren. So erleben wir die norddeutsche Landschaft und malerischen Dörfer mit den typisch norddeutschen Backsteinhäusern. Dies sieht man entlang der Autobahn alles nicht. Meine Recherche über das Blühen der Heidenfelder hat ergeben, dass wir momentan noch gegen Ende der Blütezeit sind. Das Naturschutzgebiet der Lüneburger Heide ist nah und so unternehmen wir diesen Abstecher. Ich habe schon von der Schönheit der blühenden Heide gehört, aber gesehen haben wir sie noch nie. Nun sind wir gespannt was uns erwartet. Es gibt etliche Parkplätze entlang der Lüneburger Heide. Wir fahren zwei davon an und spazieren durch die blühenden Felder. Es ist wunderschön und auch das Fotografieren macht Spass. Mit meiner neuen Kamera muss ich noch ein bisschen üben, aber diese Reise eignet sich ja bestens dazu. Für Urs mit seinem bandagierten Fuss geht es noch nicht besonders gut und er kommt nur eine kurze Zeit mit.
Ich entdecke eine Hummel, die von Blüte zu Blüte fliegt, einen Stall – der auf die Rückkehr der Heideschnucken wartet. Was sind das? Ja, das haben wir uns auch gefragt und uns bei google schlau gemacht. Dies ist eine alte, robuste Schafrasse. Sie haben meistens ein silbergraues Fell und Männchen und Weibchen haben grosse Hörner. Die Lämmer kommen mit einem ganz schwarzen Fell auf die Welt. Sie sind die sogenannten Landschaftspfleger. Sie fressen junge Triebe und kleine Bäume ab, damit die Heidelandschaft nicht zuwachsen und sich in einen Wald verwandeln kann. Das Wort Schnucke kommt von dem plattdeutschen Wort schnucken, was so viel heisst wie naschen. Im Büsenbachtal führen romantische Wege durch die blühende Heide.
Jetzt rückt die Zeit heran und wir müssen die Lüneburger Heide verlassen, um noch weiter nordwärts zu kommen, denn heute Abend wartet noch ein besonderes Abendessen auf uns. Durch Hamburg kommen wir ohne Stau. Links und rechts sehen wir Container und Schiffkrans. Da sieht man, was für ein grosser Hafen Hamburg hat. Auf einmal kommen wir in eine Gewitterfront und ein Starkregen prasselt auf unser WoMo. Das Sehen auf der Autobahn wird schwierig und Urs fährt sehr langsam. Die Temperatur sinkt von 22° auf 14°. Krass und beinahe unheimlich. Kurz nach 17h sind wir in Schleswig. Wir schlendern durch die Altstadt zum Steak House Mühlenbach, in dem wir einen Tisch reserviert haben. Den Tipp haben wir von Gaby und Beat, die auf ihrer Deutschland – Dänemark – Tour hier gegessen haben. Wir werden zu unserem Tisch geführt. Uns gefällt das Interieur. Schon bald bekommen wir unsere bestellten Haussalate. Zum Essen wählen wir den Steakteller mit Pommes. Man bekommt 300 g saftig gegrilltes Fleisch. Es schmeckt wunderbar. Den Rest müssen wir uns einpacken lassen. Es war ein sehr schöner und feiner Restaurantschmaus. Um 20h Uhr verlassen wir Schleswig mit einem gut gefüllten Magen. Wir entscheiden uns nach Flensburg auf den kostenlosen Stellplatz bei einem Einkaufszentrum zu fahren. Ob wir noch einen Platz bekommen? 40 Minuten später sind wir da, aber es sieht ziemlich voll aus. Scheint ein beliebter Durchgangsplatz zu sein. Neben der Abfallentsorgung ist noch ein offizieller Platz frei und wir stellen unser Auto da hin. Noch nie haben wir so nahe an Abfalleimern gestanden. Es geht hier nicht um schön stehen, sondern bloss um eine Übernachtung. Das werden wir verkraften, denn wir werden noch viele schöne Plätze finden.
Dienstag, 1. September 2026 – Dänemark wir kommen!
Den Morgen verbringen wir mit Reisebericht schreiben und Bürokram. Zwischendurch schweift unser Blick auf die Preise der Tankstelle nebenan, denn noch den Dieseltank füllen wäre eine gute Idee. In Dänemark sind die Dieselpreise merklich höher als in Deutschland. Der Preis ist bei 2.17, aber um 13h45, unserer Abfahrzeit, bei 2.39. Unglaublich. Wir tanken nicht und fahren los. Schon bald sind wir in Dänemark. Flott geht’s voran bei wechselhaftem Wetter. Sonne und Regen wechseln sich ab. Während Urs fährt, nehme ich meine Beifahrerplichten wahr und suche nach einem guten Übernachtungsort. Dazu verwenden wir verschiedene Apps und so finde ich einen Bauernhof, welcher Wohnmobilstellplätze anbietet. Ein älterer Mann begrüsst uns und wir können uns leider kaum unterhalten. Seine ganz wenigen Deutschbrocken und unsere nicht vorhandenen Dänischkenntnisse reichen nicht für ein Gespräch. Dank google Übersetzter kommt doch noch ein kurzes Gespräch in Gange. Der 79 jährige Mann heisst uns herzlich willkommen und wir freuen uns, dass wir hier stehen dürfen. Wir kaufen einen Honig und stellen uns auf die Wiese. Schön ist es hier! Es hätten ca. 10 Fahrzeuge Platz. Ein paar Holztische mit Bänken stehen zur Verfügung. Schnell haben wir unsere Stühle aufgestellt und wir machen es uns an der Sonne gemütlich. Diese scheint nun wirklich und wir erwischen den restlichen Mittag keinen einzigen Regenguss mehr. Um 18h30 beginne ich das Abendessen zuzubereiten. Wir essen im Auto, denn nach Sonnenuntergang wird es rasch kühl. Nach dem Abwasch schauen wir uns einen Film an und lassen den Tag ausklingen. Wir verbringen eine ruhige Nacht auf diesem schönen Platz.
Mittwoch, 2. September 2026 – Im Sand
Während unserer Fahrt regnet es immer wieder. Dänemark zeigt sich uns heute eher von der trüben Seite. Wir hoffen, dass der Wetterbericht für heute Nachmittag stimmt, und es an der Küste im Norden sonnig wird. Unser erstes Ziel ist der Autostrand von Blokhus. Beinahe am Ziel entdecken wir den ersten Rema 1000. Da können wir nicht widerstehen und machen den dänischen Laden unsicher. Immer wieder spannend, was es in fremden Ländern für Lebensmittel gibt. Urs hat Lust auf Schokolade, auf Snickers oder Bounty, aber solche Dinge sind sehr teuer. Nun geht’s weiter die letzten Kilometer zum Autostrand. Es gibt in Dänemark einige Strände, die mit dem Auto befahren werden dürfen. Dies gefällt nicht nur den Dänen, sondern auch den Touristen. Unser gewählte Autostrand hat eine Länge von knapp 15 km. So lange dem Meer entlang auf dem Sand – cool! Wir parkieren auf dem Sand und haben Hunger. Schnell wärme ich die Teigwaren mit Speckwürfeli und Erbsli. Im Windschatten unseres Autos lassen wir es uns schmecken. Nach dem Essen nehmen wir unsere Strandfahrt wieder auf und es macht uns so richtig Spass.
Nach knapp 15 km, kurz vor Lokken, müssen wir leider den Strand verlassen. Jetzt dauert es nicht mehr lange bis zum Leuchtturm. Kurz davor halten wir an einem Aussichtspunkt und Startpunkt der Wanderung zu den Dünen. Wir stellen das Auto ab und durchqueren die Tür des Zauns. Von hier aus könnte man zu den Sanddünen wandern, aber dies ist uns zu weit. Wir entdecken alte Grabsteine. Dazwischen weiden einige Schafe und lassen sich kaum stören.
Jetzt geht es für uns aber weiter zum Leuchtturm. Dieser Leuchtturm hat eine besondere Geschichte. Der Sand um den 120 Jahre alten Leuchtturm wird vom Wind zu riesigen Dünen aufgewirbelt und der Hang erodiert, so dass sich die Küstenlinie immer mehr landeinwärts verschiebt. Der Abgrund kam dem Leuchtturm so nah, dass man im Nov. 2019 beschloss, ihn zu versetzen. Er wurde dann auf Rollen gestellt und mit Hilfe eines Schienensystems 70 m landeinwärts verschoben. Er rollte mit 12 Metern pro Stunde und in einem halben Tag war er am neuen Ort. Seit diesem Ereignis wurde er ziemlich bekannt und wird heute gern besucht. So gehören auch wir zu den Besuchern. Wir hoffen, dass es Urs bis dorthin schafft. Auf dem grossen Parkplatz können wir unser Auto abstellen. Von hier aus geht man dem Weg entlang bis zu den Sanddünen. Es ist weiter als gedacht. Vielleicht täuscht es auch, denn im Wind und mit havariertem Fuss dauert alles länger. Der Wind peitscht ins Gesicht. Man hat Sand im Mund und es knirscht zwischen den Zähnen. Sand im Gesicht, in den Haaren, überall. Wir wissen nicht, in welcher Geschwindigkeit der Wind bläst, aber ziemlich heftig. Wir kämpfen uns bis hinauf zum Turm. Urs ist selber erstaunt, dass er es bis hierhergeschafft hat. Ich steige die Treppen im Innern des Leuchtturmes hoch und von oben habe ich eine wunderbare Aussicht auf die Küste, die grosse Sanddüne und das Meer. Schliesslich ist es Dänemarks grösste Wanderdüne. Das Innere des Turmes ist auch sandig. Nun machen wir uns auf den Rückweg. Das war ein Abenteuer! Der heutige Tag war bestimmt durch Sand, Sand und nochmals Sand. Wir fahren zurück zum alten Friedhof. Zum Glück hat es noch ein Plätzchen für uns. Obwohl das freie Übernachten in Dänemark verboten ist, wagen wir es mit ein paar anderen zusammen. Auch im Auto ist alles sandgestrahlt. Ob wir das alles wieder rauskriegen? Dies ist die unangenehme Seite des Sandes. Voller toller Erlebnisse schlafen wir schnell ein und verbringen eine ungestörte Nacht. Nur der Wind rüttelt immer wieder an unser Auto.
Donnerstag, 3. September 2026 – Auf der Fähre nach Norwegen
Heute müssen wir spätestens um 11h am Hafen sein. Die Fähre nach Norwegen haben wir vor drei Tagen gebucht und alles verlief reibungslos. Wir planen um 10h30 beim Check In zu stehen. Auf dem Weg nach Hirtshals kommen wir an der Vennebjerg Molle vorbei. Das ist eine holländische Windmühle. Die erste Mühle an diesem Ort wurde schon im Jahr 1859 – 1861 errichtet. Die Mühle wurde mehrmals restauriert, da das Mauerwerk grosse Risse bekam. Die heutige Mühle wurde 1842 in Bindslev errichtet, dann nach Tversted gebracht und 1934 hierher. Sie wurde betrieben bis 1961. Danach kaufte sie ein Künstler, der sein Atelier darin einrichtete. 2007 und 2009 wurde ein Flügel der Mühle zerstört und ein Förderverein nahm sich der Mühle an. Mit Spenden standen sie dafür ein und sie wurde wieder renoviert.
In wenigen Kilometern sind wir da. Das Check In verläuft ohne Probleme und schnell. Es ist nun 10h50. Wir stellen uns in die Kolonne und nun heisst es warten. Es sind noch einige Wohnmobile, die nach Norwegen übersetzen. Im Sommer wird hier alles voll sein. Jetzt hält sich der Andrang in Grenzen. Die Fähre kommt ca. 11h15, spuckt ihre Fahrzeuge aus und dann können wir in den Schiffsbauch fahren. Pünktlich um 12h15 legt sie ab. Der Himmel ist grau und auch in Norwegen wird es nicht anders sein. Wir fahren mit der Color Line, der Super Speed 1. Mit ihrer Länge von 211 m beherbergt sie eine Spurlänge von 1990 m für LKW. Zudem können 750 PW befördert werden und über 2000 Passagiere. Mit ihren 51’408 PS starken Motoren erreicht sie eine Geschwindigkeit von 50 km/h. Zuerst schauen wir uns um, beobachten vom Deck aus die Abfahrt aus dem Hafen. Die Fähre dreht sich an Ort und Stelle um die eigene Achse, bevor sie endgültig Hirtshals verlässt. Nun haben wir Hunger und im Selbstbedienungsrestaurant wählen wir Pommes mit Speck und Sauce. Es schmeckt ganz gut für ein Schiffsessen. Erstaunlich, wie wenige Passagiere es hat. Viele leere Stühle, Tische und Restaurants zeugen von ganz anderen Zeiten. Im Sommer ist hier sicher regen Betrieb. Wir setzen uns auf die andere Seite in bequeme Stühle an einen Tisch und spielen Quando. Ich habe das Glück zu gewinnen! Danach liest Urs in seinem Buch und ich stricke an meinem neuen Dreieckstuch. Die Fahrt ist schneller vorbei als gedacht und kurz vor 15h30 heisst es das Auto aufsuchen. Pünktlich fahren wir raus aus der Fähre und sind nun auf norwegischem Boden. Wir folgen der Strasse 9, welche uns direkt von Kristansand ins Hinterland zu unserem ersten Ziel führt. Nach einem kurzen Stopp an der Tankstelle und in einem kleinen Laden kommen wir zum Parkplatz der Setesdalsbanen, auf dem wir unsere Nacht verbringen werden. Immer wieder regnet es, aber das stört uns nicht. In unserem Fahrzeug haben wir es gemütlich. Morgen sollte das Wetter besser werden.





















































































Super, was ihr schon alles gesehen habt. Bei den Sand Fotos am Strand von Dänemark hat ich gleich ein Déjà-vu😘
Schweiz, Deutschland, Dänemark und schwupp-di-wupps in Norwegen. Danke für die tollen Einblicke in eure ersten Reiseerlebnisse. Die Fähre hat mich sehr beeindruckt, sieht richtig stylisch und grosszügig aus. Weiterhin frohe Fahrt, vollständige Genesung für Urs und siegreiche Spiele für Ursi :-)). Bhüet öi Gott! Eliane und Emil
Ihr händ i dene paar Tag scho einiges gseh und erläbt! Es wartet no vieli tolli Abentür uf eu. Danke für‘s Mitneh. Hebed Sorg und gueti Besserig em Urs sim Fuess!