29. September 2026
Nach der stürmischen Nacht verlassen wir kurz nach 12h den Platz. Wir haben uns heute Morgen Zeit gelassen. Immer wieder fallen Regengüsse auf uns herab. Es ist eher stürmisches Wetter. Das sind die Herbststürme von Norwegen. Die Bäume verlieren immer mehr ihre Blätter. Die Landschaft wäre toll, aber in diesem Regenwetter kommt alles nicht zur Geltung. Wir fahren dem Fjord entlang und kommen zu zwei Aussichtspunkten, wo man den Svartisen-Gletscher sehen kann. Der Svartisengletscher ist mit 370 km2 der zweitgrösste Gletscher Norwegens. Er hat insgesamt 60 Gletscherarme. Von dem Parkplatz aus kann man den Gletscher sehen, aber leider ist alles sehr wolkenverhangen. Wir warten eine Weile und erwischen ihn dann in einer Wolkenlücke. Weiter folgen wir der Fv17. Wegen des schlechten Wetters suchen wir uns bald einen Stellplatz an der Strasse, denn es ist schade bei diesem Wetter weiterzufahren und die schöne Landschaft zu verpassen. Ein Schweizer aus dem Welschland steht schon da und wir stellen uns dazu. Den restlichen Mittag und Abend verbringen wir im trockenen, warmen Wohnmobil. Gegen Abend dürfen wir über dem See noch eine tolle Stimmung erleben.
30. September 2026
Noch vor 9h sind wir unterwegs! Wow, eine Seltenheit für uns, aber heute ist schönes Wetter und wir möchten diesen Tag ausnützen. Den ersten Stopp machen wir bei der Storvika Bucht. Danach folgen wir einem Strässchen zu einem Aussichtspunkt. Der eigentliche Aussichtspunkt gefällt uns nicht so gut, aber etwas Anderes weckt unser Interesse. Die Aussicht zuvor und ein Picknicktisch am See und an der Sonne! Die Sonne mag auf der anderen Seeseite kaum über den Berg. Es reicht aber für unseren Picknicktisch. Schnell halten wir an und bereiten uns das Frühstück zu. Wir geniessen das Essen an der warmen Sonne in vollen Zügen. Kaum sind wir fertig und haben abgewaschen, kommt der Schatten. Wow, das war schön und hat gutgetan.
Um 12h verlassen wir unseren Zmorgenplatz und fahren zu einem weiteren Höhepunkt, der Borsteinhola. Vom Parkplatz am Strassenrand führt ein 600 m langer Weg in die Höhe zum grossen Höhleneingang. Es ist eine natürliche Höhle, welche einst durch die Brandung, die enorme Kraft des Meeres, geformt wurde. Nach der letzten Eiszeit wurde das Land in dieser Region durch das Abschmelzen der Gletschermassen gehoben. So liegt die Höhle heute auf rund 60 m über dem Meeresspiegel. Im Innern ist feiner weicher Sand, welcher in der Entstehungszeit vom Meer hineingespült worden ist. Diese Höhle möchten wir uns nun ansehen. Den Wegweiser entdecken wir schnell. 600 m ist ja keine Sache und wir sehen sie von der Strasse aus auch schon. Gesagt getan, aber der Weg gestaltet sich schon bald nach Norwegischer Manier! Mit unseren Halbschuhen und der Kamera in der Hand suchen wir uns den Weg auf möglichst trockenem Boden. Es ist wieder überall matschig, nass und steinig. Ich bereue die Entscheidung ohne Wanderschuhe losgezogen zu sein. Auch der Rucksack fehlt mir, denn so könnte ich die Kamera darin versorgen. Ich kann mich dann mehr auf den Weg über die Steine konzentrieren. Nach dem Frühstück ist es anstrengender als angenommen. Endlich stehen wir vor dem grossen Eingang. Im ersten Moment finden wir den Weg nicht hinab und wir wollen schon aufgeben. Das kann doch nicht alles gewesen sein ist mein Gedanke und ich suche nach einem einfachen Weg in die Höhle zu kommen. Urs hält meine Kamera und ich finde tatsächlich den Weg. Wow, cool! Ich stehe im riesigen Eingang und kann hineingehen. Für Urs Fuss ist es nicht so ideal und so verzichtet er darauf. Es geht denselben Weg wieder zurück zum Auto.
Vier Kilometer später kommt das nächste Highlight. Die Lonngangen Höhle besteht aus einem schmalen Korridor, welcher einst aus Wasser und Eis geschliffen wurde. Man kann gut parkieren und es dauert nicht lange, da kommen wir zu einem coolen durch einen Fels überdachten Picknickplatz mit Feuerstelle. Wenige Meter später stehen wir am Eingang des Ganges. Was uns da erwartet? Ausgerüstet mit Taschenlampen wagen wir uns in den Berg. Das ist cool und gefällt uns mega gut. Ohne Lampe ist es stockdunkel, aber mit Lampe sehen wir die schön geschliffenen Steine. Wir können ca. 200 m durch den Korridor laufen. Es ist super und gefällt uns sehr gut.
Um 15h15 verlassen wir die Gegend mit den Höhlen. Wir möchten noch bis zum Langsanden fahren. Das ist ein schöner langer Sandstrand. Es sollen hier auch oft Elche an den Wiesenrändern an der Strasse gesichtet worden sein. Wir kommen auf einen Parkplatz am Strand, auf welchem das Stehen mit dem Wohnmobil offiziell erlaubt ist. Der kostenlose Platz ist einfach super. Dazu gehört sogar ein WC-Haus und was wir kaum glauben können, eine Dusche mit warmem Wasser. Wie schön ist das denn! Diese werden wir heute Abend sicher noch nutzen. Zuerst aber unternehmen wir aber einen Strandspaziergang. An einigen Orten sind Picknicktische zu finden. Hier muss im Sommer viel los sein, aber jetzt teilen wir diesen fantastischen Strand nur mit wenigen Menschen. Es stehen noch 2 – 3 andere Wohnmobile da. Der Strand gefällt uns sehr und im zunehmenden Abendlicht leuchtet alles in warmen Tönen. Schön, dass wir hier übernachten können.
1. Oktober 2026
Das Wetter ist auch heute gut und so möchten wir nicht den Morgen verschlafen. Nach dem Frühstück sind wir bald bereit für neue Abenteuer. Eigentlich möchten wir den Saltstraumen, den grössten Gezeitenstrom der Welt, besuchen. Da bei unserer Ankunft die Zeit von Ebbe und Flut nicht so passt, verschieben wir dies auf Morgen. Unsere Fahrt geht nach Bodo und zum Mjelle Strand. Der Wanderparkplatz ist mit einigen Autos besetzt. Die Norweger erleben zur Zeit nochmals ein paar Sommertage mit 15°. Sie unternehmen Wanderungen, Picknicken und sind draussen. Das tun wir auch und machen uns auf den Weg zum 1,3 km entfernten Mjelle Strand. Der Weg ist gut ausgeschildert und führt entlang der Küste. Der Strand von Mjelle ist etwas Besonderes, denn er schimmert rot. Er verdankt seine markante rötliche bis violette Färbung winzigen Granatmineralien im Sand. Man sieht die Farbe des Sandes deutlich, an einigen Stellen mehr, an anderen Stellen weniger. Natürlich lädt der rote Strand zum Fotografieren ein. Es ist eher Ebbe und in kleinen Wasserläufen im Sand sieht man deutlich den roten Sand im von der Sonne erleuchteten Wasser. Es sieht sehr fotogen und interessant aus. Urs lässt die Drohne fliegen, denn von oben gibt es sicher ein paar tolle Bilder. Nun essen wir einen kleinen Zvieri, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Beim Parkplatz zieht eine rote Holzhütte am Wasser noch die Aufmerksamkeit auf sich. In der Abendsonne leuchten die Farben besonders schön.
Die Nacht verbringen wir auf einem Wanderparkplatz in den Hügeln. Wir werden einen Wecker stellen, so dass wir morgen den Saltstraumen pünktlich besuchen können.
2. Oktober 2026
Der Wecker klingelt, noch 10 Minuten, dann stehen wir auf und machen uns abfahrbereit. Um 7h10 geht’s los. Wow, heute dürfen wir einen langen Tag erleben. Wenn bei uns der Berufsverkehr so wäre, wie hier in Bodo, dann wäre das ja super! Ohne Probleme kommen wir durch die Stadt, sehen ausserhalb auf einer Wiese an einem Wäldchen einige Rehe grasen. Schön, so am Morgen unterwegs zu sein. Zwischen 8h20 und 10h20 ist die stärkste Zeit, in der man am meisten grosse Strudel sieht. Alle sechs Stunden werden ca. 400 Millionen Kubikmeter Wasser durch eine nur 150 Meter breite und 2,2 km lange Meerenge gepresst. Dadurch verbinden sich der Saltenfjord un der Skjerstadfjord. Das Wasser erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h. Dabei bilden sich gewaltige Strudel mit einem Durchmesser von bis zu 10 – 11 Metern und einer Tiefe von bis tu 5 Metern. Bei Vollmond und drei Tage danach und bei Neumond und drei Tage danach ist es am intensivsten. Dieses Naturschauspiel ist spannend anzusehen und von der Brücke aus sieht man es besonders gut. Wenn die Flut kommt, sind auch viele Vögel bereit, denn sie bringt Fische. Die Bewölkung nimmt immer mehr zu und es ist auch ziemlich windig und frisch.
Unser heutiges Ziel ist der Leuchtturm Tranoy. Wir fahren über eine Brücke auf die Insel. Die Fahrt zum Leuchtturm gefällt uns sehr gut. Immer wieder sieht man Wasser, Sumpfgebiete und die Berge. Im Abendlicht sieht sowieso alles sehr schön aus. Wir fahren zuerst zum Hafen, aber da ist nicht viel los.
Unser heutige Ziel ist der Tranoy Leuchtturm. Dieser wurde 1864 gebaut und ist noch immer in Betrieb. Er ist über einen 250 m langen Holzsteg über das Wasser zu erreichen. Es ist ein beliebter Spot für Mitternachtssonne und zur Beobachtung der Nordlichter. Leider ist das Wetter dafür nicht passend. Wir stellen uns auf den Parkplatz und sehen uns um. Der Holzsteg mit dem Turm ist sehr fotogen und dies gefällt mir natürlich besonders gut.
Im Leuchtturmkaffee möchten wir ein Abendessen geniessen. Der Betreiber ist sehr freundlich und wir sind die einzigen Gäste. Sie bekochen uns und wir essen Elchfleischbällchen mit Kartoffeln, Erbsenpuree und Karotten. Die Atmosphäre in diesem Kaffee ist schön und gemütlich. Wir geniessen die herrliche Umgebung, das Essen und ein Glas Wein. Es ist einfach schön, so unterwegs zu sein. Der Betreiber erzählt uns, dass so in 10 Tagen das Restaurant schliesst und er dann mit seiner Freundin mit dem Wohnmobil in den Süden fahre. Er ist Italiener und sie halb Norwegerin. Sie kommen dann im Frühsommer wieder zurück und arbeiten wieder im Kaffee. Sie führen auch noch ein Kaffee im kleinen Ort. Man kann hier auch frühstücken und wir nutzen diese Gelegenheit und melden uns an. Um 20h schliesst das Lokal. Wir schlendern zum Auto zurück, schauen uns einen Film an und schlafen bestens in dieser Einsamkeit.
3. Oktober 2026
Wir stellen den Wecker, aber ich brauche ihn nicht. In der Morgendämmerung werde ich wach, schaue aus dem Fenster und stehe auf, um den leuchtenden Turm zu fotografieren. Alles ist still und ruhig und langsam wird es Taghell. Die Sonne geht auf und es verspricht einen schönen Tag zu werden. Um 8h30 sind wir bereit für unser bestelltes Frühstück. Ein Paar ist schon am Essen. Wir setzen uns an einen schönen Fensterplatz und bedienen uns am Buffet. Das Buffett ist typisch Norwegisch, aber nicht allzu gross und üppig bemessen. Wir wählen Lachs, Käse und dazu Kernenbrot. Es gibt hier einige solcher Brote. Weissbrot sieht man weniger. Irgendwie das pure Gegenteil von den Einkaufsläden oder Bäckereien in Frankreich, mit ihren Baguettes und Croissant.
Um 11h25 verlassen wir den Parkplatz und fahren zurück zur Hauptroute (E6) nach Norden. In Bognes müssen wir die Fähre nehmen. Sie lässt nicht lange auf sich warten und wir werden wieder einmal gescannt und müssen direkt mit der Karte bezahlen. Wieder bezahlen wir den Pkw Tarif. Glück gehabt!
12h20 sind wir auf dem Parkplatz der gigantischen Felsplatte Verdenssvaet. Es ist eine der weltweit grössten zusammenhängenden Felsplatten, die bis u 350 Meter breit und 1,5 km lang ist. Das sind unvorstellbare Ausmasse für eine Felsplatte. Die Wanderung über die Granitfläche ist ein ganz besonderes Erlebnis. Über unzählige Jahre hat das Eis hier ganze Arbeit geleistet und die Granitfelsen der Berghänge zunächst flach geschliffen und sie anschliessend noch regelrecht poliert. Auf der anderen Strassenseite des Parkplatzes beginnt der Wanderweg. Zuerst führt der Weg durch ein Wäldchen. Wieder gibt es matschige Stellen, aber dann stehen wir auf der Granitplatte. Bis ganz oben wäre cool, aber je weiter man wandert, desto steiler wird es. Es ist nicht gewaltig steil, aber da der ganze Fels in dieser Jahreszeit im Schatten liegt und es in den vergangenen Tagen viel geregnet hat, ist es zum Teil auf den Felsen nass und rutschig. Vor allem auf den veralgten oder vermoosten Stellen kann es dann auch gefährlich werden. Es macht Spass auf der Platte hochzulaufen, aber zunehmend ist es uns nicht mehr wohl. Es wird immer rutschiger und wir entscheiden, wie einige andere Besucher auch, umzukehren. Für den Abstieg brauchen wir wesentlich länger als für den Aufstieg. Immer wieder müssen wir Ausschau nach Trockenen Stellen halten. Urs fällt auch einmal auf seinen Hintern, da er ins Rutschen kommt. Ohne Wanderschuhe wäre es wirklich gefährlich. Es ist sicher nicht die idealste Herbstwanderung, da die Steinfläche meist im Schatten liegt.
Wir trinken Kaffee und Tee und besprechen unsere weitere Route. Zunehmend steigen die Chancen Nordlichter zu sehen, aber momentan ist der Himmel nachts oft bewölkt. Laut Wetterapp zeigt sich das Wetter in Abisko in Schweden nachts von der freundlicheren Seite. So entscheiden wir uns für den Abstecher nach Schweden. Kurz vor der Grenze finden wir in den norwegischen Bergen einen Parkplatz, der gut für eine Übernachtung ist. Es ist ziemlich frisch heute Abend auf 448 m.ü.M. Ich koche uns ein Essen und wir verbringen einen gemütlichen Abend. Morgen Abend stehen die Chancen auf Nordlichter nicht schlecht. Hoffen wir, dass sich die Bewölkung genug lockert, so dass wir auch etwas sehen können. Es muss für Nordlichter doch einiges zusammen passen. Das Wetter, die Itensität etc. Wir werden sehen.
4. Oktober 2026
Heute ist es bewölkt und wir haben keine Eile. Der Abisko Nationalpark ist nicht mehr weit entfernt. Wir erledigen noch einige Bürodinge und ich bearbeite Fotos und schreibe Berichte.
Im Abiskonationalpark gibt es verschiedene Wanderwege. Eine Eisenbahnstrecke führt von Kiruna nach Narvik. Diese Linie wird von Güterzügen genutzt, die vor allem Erz von Kiruna nach Narvik in den Hafen bringen. Ein einziger vollbeladener Erzzug ist rund 750 m lang und besteht aus 68 (Urs hat 70 gezählt) Waggons und wiegt insgesamt bis zu 8500 Tonnen. Geladen sind rund 6880 Tonnen Eisenerz aus den Minen in Kiruna. Das Erz wird zum eisfreien Hafen nach Narvik transportiert. Diese Züge haben uns schon bei unserem letzten Besuch fasziniert. Unglaublich diese langen Züge!
Wir folgen einem Wanderweg entlang des Flusses, welcher sich hier durch Felsen zwängt. Auch auf der anderen Strassenseite sind Wanderwege angelegt, auf denen man dem Flusslauf folgen kann.
Um 15h40 verlassen wir den Nationalpark und fahren einige Kilometer Richtung Norwegen zu einem Parkplatz am See mit Sicht nach Norden. Es steht schon ein Wohnmobil da und wir stellen uns dazu. Es gibt auch eine Hütte und zwei Feuerstellen bei diesem Rastplatz. Wir sind gerüstet für die Sichtung der Polarlichter. Jetzt muss sich nur noch die Bewölkung lichten und dann kommen wir vielleicht in den Genuss der Nordlichter. Zum Znacht gibt es bei uns etwas Besonderes. Wir lassen uns ein Raclette aus der Schweiz schmecken.
Nach dem gemütlichen Essen schauen wir immer wieder aus dem Fenster. Dank hoher Itensität können wir durch die Wolkendecke das Grün mit der Kamera sehen. Mit blossem Auge sind einfach gräuliche Schleier sichtbar, aber mit der Kamera sehen wir die ersten Polarlichter. Schade, dass die Bewölkung doch noch vieles verschluckt hat. Müde und zufrieden über diesen Polarlichtauftakt schlafen wir ein.



















































































































































