Spanien: Hinterland von Girona

Donnerstag, 18. April 2024

Es ist schwierig die richtige Feriendestination zu finden. Die Wetterprognosen sind in ganz Europa leider ziemlich instabil. Man kann momentan hin wo man will und es ist kalt, windig oder nass. Der Winter ist zurückgekommen und es wird diese Woche bis in tiefe Lagen schneien. Dort wo die Sonne scheint, weht dafür ein starker Wind teils bis über 90 km/h. Ursprünglich wollten wir das Burgund kennenlernen, aber dort ist es momentan so kühl, dass es keine Freude macht. Wir entscheiden uns heute Morgen ganz spontan für Frankreich und Spanien. Wohin die Reise geht, wissen wir noch nicht definitiv. Erst um 11h30 sind wir abfahrbereit. Der erste Stopp ist bereits nach einigen Kilometern im OBI. Wir machen uns auf die Suche nach einem neuen Griff für den Campingbackofen Omnia. Die Suche nach einem Griff und der passenden Schraube zieht sich in die Länge, aber endlich haben wir es geschafft. Mit Schraube, Griff, Unterlagscheiben und einem süssen Zvieri verlassen wir den OBI um 13h. Unterwegs gibt es einen Zvierihalt mit Plunder, Kaffee, Tee und Zitronenmuffins. Nun sind wir in Frankreich! Bis Dole fahren wir auf der kostenpflichtigen Autobahn, danach geht’s über gut ausgebaute Landstrassen weiter. Die Autobahngebühren sind in Frankreich ziemlich hoch, vor allem wenn man in der «Classe 2» ist. Als Pkw ist man in der Classe 1 und zahlt die Hälfte. Mit dem VW-Bus werden wir bei älteren Zahlstationen zur «Classe 1» gezählt, aber bei Neuen in die «Classe 2», wie die Wohnmobile. Neu werden auch immer mehr Mautstrecken ohne Zahlstelle vor Ort gebaut. Man wird mit einer Kamera registriert und muss auf einer Webseite innerhalb 72 Stunden bezahlen. Wenn man dies nicht tut, wird die Rechnung nach Hause geschickt und dazu gibt es 90 Euro Busse. Um 20h30 sind wir in Randan und übernachten auf dem kostenlosen Stellplatz der Gemeinde. Wir sind ziemlich müde und gehen somit früh ins Bett. Wir freuen uns sehr auf die freien Tage nach den strengen letzten Wochen.

Freitag,19. April 2024

Es ist 11° und die mit Schnee gezuckerten Vulkanhügel bei Clermont Ferrand erinnern uns deutlich an die tiefen Temperaturen der letzten Tage. Kaum abgefahren entdeckt Urs in Dorf Thuret eine Bäckerei. Jetzt wäre ein französisches Croissant super! Gegenüber der Bäckerei steht eine schöne Kirche, welche sicherlich einen Blick wert ist. Die Kirche Saint-Limin  ist eine katholische Kirche im romanischen Stil. Erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert. Sie wird als historisches Denkmal eingestuft. Die Kirche besteht aus weißem Kalkstein aus den nahegelegenen Steinbrüchen.

Während unserer Weiterfahrt auf der kostenlosen Autobahn, macht uns der Duft nach frischen Backwaren «gluschtig». Eine schön gelegene Raststätte lädt zum Frühstück ein. Während dem Essen lassen wir unsere Blicke südwärts ins Tal schweifen.

Mittlerweile scheint die Sonne, aber es ist immer noch kühl. Erst kurz vor Lodève wird es zunehmend wärmer. Wir sind heute extra früh losgefahren, dass wir den Nachmittag an der Sonne in Südfrankreich bei wenig Wind geniessen können. In Corneilhan bei Béziers finden wir einen geeigneten Stellplatz bei einem ausgewanderten deutschen Paar. Sie bieten einen Stellplatz in einer ruhigen Umgebung an. Wie wir später bei einem kurzen Gespräch erfahren, wohnen sie schon seit etlichen Jahren in Südfrankreich und könnten es sich nicht mehr vorstellen nach Deutschland zurückzukehren. Sie lieben die Freiheit, Unkompliziertheit, die Weite und möchten dies nicht mehr missen. Das Auto steht auf einem Schotterplatz und in der Wiese nebenan können wir es uns gemütlich machen. Am späten Nachmittag spazieren wir ins 10 Minuten entfernte Dorf. Vom Platz bei der Kirche hat man einen schönen Blick ins Umland, sonst bietet das Dorf nicht viel. Wieder zurück geniessen wir den restlichen Mittag und Abend mit einem Apèrol-Drink mit Maracujasaft, Lesen, dösen und stricken – und die Zeit vergeht wie im Fluge. Zum Znacht kochen wir auf unserem Kocher im Freien einen Gemüse-Teigwaren-Eintopf. Wir fühlen uns auf diesem Platz in Südfrankreich sehr wohl.

Samstag, 20. April 2024

Wir schlafen gut und bald gibt es Tee und Kaffee. Wir begutachten das Wetterapp und diskutieren hin und her, wohin der Weg uns führen soll. Heute wird es hier stark winden. Wir entscheiden uns für Spanien. Um schneller voranzukommen wählen wir die Autobahn. Der Wind nimmt zu und die Windwimpel entlang der Autobahn stehen waagrecht. In der Nähe von Girona haben wir einen Stellplatz im Navi einprogrammiert. Hoffentlich können wir ein bisschen draussen sitzen. Dies ist in Spanien bekanntlich nicht so einfach. Schön, dass es erst 13h40 ist, als wir auf dem Wiesen- Schotterplatz in Sant Gregori ankommen, auf dem schon einige WoMos stehen. Die Spanier halten sich an die Regeln und nichts deutet bei ihnen auf Camping hin. Hingegen bei den Ausländern sieht dies anders aus. Ein Holländisches Paar hat alles aufgebaut, von Markise über eine Trennwand etc. An der Markise eines deutschen Wohnmobiles hängt die gewaschene Wäsche. Wir stellen uns neben einen Deutschen, der am Dach an einer Stange ein Hängesessel montiert hat. In seinem, wohl selbst ausgebauten Wohnmobil, steht ein Vogelkäfig mit Vögeln. So etwas haben wir noch nie gesehen. Reisende mit Hunden und Katzen ja, aber mit Vögeln? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Wir tun es wie die Ausländer und machen es in unseren Stühlen bequem. Auf dem Scottigrill grillieren wir unsere mitgebrachten Feuersteaks. Es ist herrlich zu kochen und das schöne Wetter zu geniessen. Zu Hause in der Schweiz ist es sehr kalt geworden und auch Schneeflocken sind gefallen. Wir fühlen uns wohl auf diesem Platz. Nur schade, dass hier campieren eigentlich verboten ist, denn Der Platz bietet sich dafür förmlich an. Wir sitzen am Rand und sind nicht direkt einsehbar von der Strasse. Schade, dass dies in Spanien auf den zahlreichen offiziellen Stellplätzen der Gemeinden so ist. «Bei Privat» gelten diese Bestimmungen meist nicht, es sei denn, das Grundstück liegt in einem besonderen Naturpark etc. Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, wird es kühl und wir verbringen den restlichen Abend bei einem Spiel im Auto.

Sonntag, 21. April 2024

Am Morgen plane ich den heutigen Tag. Da wir ganz kurzfristig unser Ferienziel definiert haben, haben wir keine Ahnung, was es in dieser Region so zu sehen gibt. Dank google maps finden wir aber einige Sehenswürdigkeiten. Ich entdecke in der Nähe den «Parc Natural de la Zona Volcànica de la Garrotxa» und Wanderwege zu kleinen Wasserfällen. Auf der Webseite lese ich, dass um die Natur zu schonen, täglich nur ca. 300 Personen zugelassen sind und man ein Ticket für 5 Euro pro Person braucht. Werktags brauchen wir dies in dieser Saison aber noch nicht und somit werden wir morgen diesen Naturpark besuchen. Wir fahren Richtung Banyoles und schauen uns dort den Eichenwald der Feen «Les Estunes» an. Die Geschichte der Gegend wird auf einer Infotafel dokumentiert. Seit Jahrhunderten betreten Jungen und Mädchen aus aller Welt den Wald und entdecken die unterirdische Welt der Feen. Was ist das für ein besonderer Wald? Der Untergrund besteht aus Travertin, einem sehr weichen Gestein. Dies hat in Verbindung mit der Seismizität der Gegend riesige Risse und unterirdische Gänge geschaffen. Dies kann man sich auf zwei ausgeschilderten Wegen anschauen. Das Gebiet ist nicht sehr gross, aber sehenswert, wenn man in dieser Gegend unterwegs ist. Wir würden jetzt nicht extra hierherfahren, aber im Vorbeikommen ist es ein netter Spaziergang. Besonders eine Spalte gefällt uns sehr gut. Ein Weg führt durch sie hindurch und man befindet sich mittendrin.

In wenigen Minuten sind wir am «Estanyol de Banyoles. Dies ist der grösste See in ganz Katalonien. Er ist etwa 2100 m lang und max. 750 Meter breit. Die durchschnittliche Tiefe ist 15 m und die tiefste Stelle misst 46 m. Bei diesem schönen Wetter scheint dies am heutigen Sonntag ein netter Familienausflug der Spanier zu sein. Somit teilen den mit Platanen umsäumten Uferweg mit den Spaniern. Interessant und fotogen sind die kleinen weissen Häuschen, welche vom Ufer in den See gebaut wurden. Sie dienten der Fischerei. Die Banyoles-Fischerei bestand aus zwanzig hausförmigen Seegebäuden, die am Ost- und Südufer des Sees auf der Seite der Stadt im 19. und 20. Jhd. errichtet wurden.

Nach unserem Spaziergang geht’s kurz nach 17h weiter nach Santa Pau. Hier stellt die Gemeinde einen kostenlosen Stellplatz zur Verfügung, den wir gerne nutzen. Das mittelalterliche Dorf mit seinen rund 1600 Einwohnern, den alten Steinhäusern und den engen, gepflasterten Gassen möchten wir uns ansehen. Eine Burg aus dem 13. / 14. Jahrhundert thront über dem Ortskern. Davor ist die «Placa Major». Dieser Platz wird volkstümlich auch als Ochsenmarkt bezeichnet, den auf ihm verkauften die Bauern der Umgebung ihr Vieh. An den Aussichtspunkten dürfen wir unsere Blicke in die grüne, hügelige Umgebung schweifen lassen. Heute haben wir viel gesehen und haben etliche Schritte auf unserem Schrittzähler gesammelt. Wir essen eine Kleinigkeit und lassen den Abend ausklingen.

Montag, 22. April 2024

In der Nacht hat es geregnet, aber am Morgen ist der Himmel wieder blau und es zieht uns hinaus. Der Picknicktisch am Rande des Stellplatzes lädt uns zum Frühstück ein. Die Temperatur beträgt zwar nur 6°, aber an der Sonne und ohne Wind ist es angenehm. Wir sind dankbar, dass bei uns in Spanien die Sonne scheint und wir nicht im Regen und Schnee sind, wie unsere Lieben zu Hause. Heute sehen wir uns die Umgebung von Les Planes d’Hostolles mit den kleinen Wasserfällen an. Um 11h30 parkieren wir auf dem Parkplatz mit Infotafel über die verschiedenen Wasserfälle und Wege. Unterwegs begegnen wir einem alten Mann, der in Spanisch etwas zu uns sagt. Leider verstehen wir ihn erst nach seinen Artikulationen. Er meint, dass es kalt sei. Es scheint, dass es momentan auch für spanische Verhältnisse kühl ist. Bald stehen wir in einer schönen waldigen moosigen Umgebung mit einem kleinen See samt kleinem Wasserfall, «Els gorgs de les Planes» Der Pfad führt noch einige Meter weiter zu einem weitern kleinen Wasserfall. Wir kehren zurück und folgen nach einigem Recherchieren im OsmAnd dem Wegweiser «Gorg del Moli dels Murris». Die Ecke im Wald ist schön und wir geniessen die Stille und die Umgebung, während ein Spanier sich ein kühles Bad gönnt. Insgesamt waren wir 2 ½ Stunden unterwegs.

Über eine kleine kurvige Strasse fahren wir durch die Berge. Auf 1000 m Höhe ist es nur noch 8,5° und die Vegetation ist beinahe noch im Winterschlaf. Die Fahrt gefällt uns sehr gut und immer wieder haben wir die Felswände eines markanten Berges im Blick. Ca. 100 Minuten später kommen wir zum privaten Stellplatz Bosc la Riba. Schnell haben wir uns auf einen der 20 Stellplätze gestellt. Im Moment wählt man sicherlich einen Platz mit möglichst viel Sonne. Leider sind diese Plätze unter einer Stromleitung und wir hoffen, dass diese uns nicht all zu sehr zu schaffen macht. Neben uns steht eine junge Frau mit ihrem Kastenwagen aus Deutschland und wir kommen schnell ins Gespräch. Mit anderen Reisenden auszutauschen ist immer sehr schön und bereichert den Reisealltag. Wir freuen uns, dass wir hier wirklich guten Gewissens campieren dürfen. Wir machen uns einen Drink und geniessen das Draussen sein. Bald gibt es Abendessen, welches wir wieder zusammen kochen. Das gemeinsame Kochen gefällt mir. Am Abend spielen wir ein Yazee und das ist immer cool Ich gewinne das Spiel mit grossem Abstand. Müde sinken wir ins Bett.

Dienstag, 23. April 2024

Wenn man von der Stromleitung absieht, ist der Platz von unserem Gastgeber Marc super und sehr ruhig gelegen. Wir bleiben noch einen Tag hier und ich würde auch, trotz Stromleitung, wieder hierherkommen. Die Bergkulisse gefällt uns sehr gut und man könnte vom Platz aus sicher einige Wanderungen unternehmen. Wir machen uns heute einen gemütlichen Tag mit Lesen, Spielen, Relaxen und einem Spaziergang zum Stausee Pantà Sau. Unser Gastgeber wohnte einst mit seiner Familie und Eltern in einem Haus, welches wegen dem Bau des Stausees überflutet wurde. Eine der wenigen Familien, die sich hier in der Nähe mit einem neuen Heim eine neue Existenz aufgebaut hat. Sie führten ein Restaurant, welches aber nun geschlossen ist. Nun betreibt er eine Farm mit Kühen, betreibt den Stellplatz und bietet Disc-Golf im angrenzenden Waldstück an. Der Stausee hat momentan nicht mehr viel Wasser und einzelne einst überflutete Gebäude, samt der Kirche, sind deswegen wieder sichtbar. Wir nehmen den 1,6 km langen Weg unter die Füsse und schauen uns diesen See, oder was davon übrig ist, an. Man sieht, dass dies noch nicht lange so ist, denn die Baumgrenze zeigt deutlich den ehemaligen Pegelstand an. Es sieht interessant aus, aber die Dürre ist auch beängstigend. Wir fragen uns, wie lange der Wasserpegel wohl schon so tief ist? Ein Mann erzählt uns auf Spanisch, dass der Kirchturm vor 2 – 3 Jahren noch mit Wasser bedeckt war. Kann das sein, dass in 2 – 3 Jahren der See so leer sein kann? Die verschiedensten Gefühle machen sich in uns breit. Wie war es für die Menschen, die für den Stausee ihr Zuhause verloren? Füllt sich dieser See je wieder mit Wasser? Was hat das für Auswirkungen für die Menschen, für die Landwirtschaft? In uns kommen noch einige Fragen auf und es wäre interessant, einen Einheimischen in unserer Sprache zu fragen.

Im Nachgang habe ich im Internet recherchiert und einen Bericht über diesen See vom März 2023 gefunden. Dort steht: Als die Kirche von Sant Romà de Sau im Wasser versank, war man sich sicher, dass es sich lohnt. Der Stausee von Sau sollte Wasser und Energie schenken. Dafür verzichtete man im katholischen Spanien sogar auf ein Gotteshaus. Das ist mehr als 60 Jahre her, 1962 wurde das Großprojekt vollendet. Nun ist die Kirche wieder da, das Wasser aber weg. Und wann und wie es wieder kommt, ist unsicherer denn je. Bis auf zehn Prozent seines Volumens schrumpfte der Inhalt des Stausees schon in den vergangenen Monaten. Doch wenn die Kirche wieder im Trockenen steht, ist die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen in Gefahr. Es ist März und der See praktisch leer. Es ist der niedrigste Pegelstand seit 1990. Die Ufer des Flusses Ter, der den See normalerweise speist, sind schon seit Monaten weitgehend ausgetrocknet. Um das Schlimmste zu verhindern, wird der Stausee nun abgefischt. Mit bis zu fünf Booten sollen über Tage hinweg Tausende Fische gefangen und getötet werden. »Wenn wir nichts unternehmen und es nicht regnet, werden die Fische sowieso sterben und die Wasserqualität beeinträchtigen«, sagte Jordi Ruiz von der Regionalregierung. Im Stausee werden bis zu 60 Tonnen Fisch vermutet, von denen 80 Prozent invasive Arten sein sollen. Die Welse, Karpfen und Zander wurden mutmaßlich zum Angeln eingesetzt. Den invasiven Fischen droht nun der Tod, den heimischen Arten die Umsetzung in andere Gewässer. Insgesamt sollen mindestens 16 Tonnen Fisch gefangen werden, vielleicht auch noch mehr.

Es handelt sich um die schlimmste Dürre seit 200 Jahren. Sie dauert bereits über 40 Monate an. Die Folgen treffen die Bewohner, die Landwirtschaft und den Tourismus. Brunnen in Barcelona sind leer, Strandduschen abgestellt, Bewässerung der Stadtgärten geschieht nur noch über Lastwagen mit aufbereitetem Abwasser, etc. Überall erinnern in Barcelona und Umgebung Plakate an den Wassernotstand und bitten die Bevölkerung und die Touristen sehr sparsam damit umzugehen.

Nach der Besichtigung des Stausees machen wir uns, vorbei an Pedaloausleihstellen im Trockenen, auf den Rückweg zum Stellplatz. Nun ist Abendessenszeit. Heute gibt es Waffeln mit Lachs und verbringen einen gemütlichen Abend zusammen. Sobald die Sonne weg ist, wird es kühl und wir ziehen uns lieber ins Auto zurück.

Mittwoch, 24. April 2024

Heute werden wir weiterziehen. Wir haben uns für den Campingplatz Montagut entschieden. Diesen Platz kennen wir aus unseren letzten Herbstferien. Das Wetter wird aufs Wochenende hin ziemlich regnerisch, aber heute ist es noch sonnig. Beim Frühstück kommt Marc, unser Gastgeber, auf den Platz und wir wechseln noch einige Worte mit ihm in Englisch. Wir fragen ihn nach dem Stausee. Er bestätigt die Aussage des alten Mannes gestern. Vor 2 bis 3 Jahren war die Kirche noch nicht sichtbar. Er erklärt uns, dass nicht nur die Dürre schuld sei, sondern auch die Stromgewinnung. Es herrsche einen gewissen Interessenkonflikt. Die Staumauer sei privat und letztes Jahr wurde der See bis zur Hälfte des damaligen Standes abgelassen. Einerseits soll das Wasser zur Stromerzeugung der Einwohner von Barcelona und Umgebung dienen, andererseits als Trinkwasser für die Menschen hier. Dies sei ein grosses Problem. Er bekommt nun sein Wasser mit dem Tankwagen, auch für seine Kühe.

Für uns geht es weiter dem Stausee entlang, bevor wir über eine schöne Strecke den Bergen entlang unserem neuen Ziel näherkommen. Jetzt steht ein Einkauf an und Urs wünscht sich einen typisch spanischen Laden und den finden wir in Vic. Wir kaufen schön grosse Fleischstücke für den Grill, zwei Rotweine, Ingwer und Zitronen für unsere Drinks, Gemüse und sonst noch einige Kleinigkeiten. Unser nächstes Ziel ist ein Aussichtspunkt auf die Flussschlaufe des Riu Ter. Erst im zweiten Anlauf finden den richtigen Trampelpfad. Dank sei dem OsmAnd-App, welches uns immer wieder hilft, den richtigen Weg zu finden. Irgendwie haben wir nicht mit einem ausgetrockneten Flussbeet gerechnet. Auf den Bildern im Internet ist er schön mit Wasser gefüllt. Eigentlich hätten wir es uns aber denken können, in Anbetracht des leeren Stausees. Wenn man die Waldgrenze sieht, kann man nur erahnen, wie gross der Fluss, vor nicht allzu langer Zeit, einmal gewesen sein muss. Dies wäre ein Zufluss zum Stausee. In unserer Recherche erfahren wir, dass der Riu Ter vor zwei Jahren noch Wasser führte.  

Bald sind wir auf dem Campingplatz in Montagut. Wir suchen uns ein sonniges Plätzchen aus und schnell fühlen wir uns «zu Hause». Wir bestellen Croissants und ein Baguette für das morgige Frühstück und beginnen bald mit einem Apèro und danach heute gibt es zum Abendessen das Entrecôte und das Gigot-Stake. Dazu gibt es leckeres Gemüse. Wir essen draussen an der Sonne und erledigen sogar noch den Abwasch mit den letzten Sonnenstrahlen. Heute Abend spielen wir ein Spiel und schauen einen Film. Es ist so richtig gemütlich. Unsere schönen Windlichter mit den Akkulampen und Urs schöne Lampe erfreuen uns mit einem romantischen Ambiente.

Donnerstag, 25. April 2024

Wir werden nochmals einen Tag hierbleiben. Für Morgen Mittag sind die Wetterprognosen eher schlechter. Wir verbringen den Tag mit einem guten Frühstück, Gesprächen, mit Spielen etc. Der Tag vergeht schneller als man denkt und schon ist wieder Abend. Wir kochen Gemüse und braten Bratwürste draussen auf dem Kocher. Es ist so schön mit Urs unterwegs zu sein. Wir freuen uns sehr am guten Miteinander!

Freitag, 26. April 2024

Heute ist es doch sonniger als wir gedacht haben. Nach einer Dusche holt Urs die Croissants und das Baguette ab. Zeit für ein Frühstück muss sein. Aus dem Buch von Clemens Bittlinger lesen wir uns, wie fast täglich, vor. Nach unserer Abfahrt schauen wir uns das nahegelegene Dorf Castelfollit de la Roca an. Der Ort liegt auf einem mehr als fünfzig Meter hohen Felsmassiv aus Basaltgestein. Das ursprüngliche Erscheinungsbild eines typisch katalanischen Dorfes, dessen Häuser überwiegend aus vulkanischem Gestein aus der nahen Umgebung erbaut wurden, ist weitgehend erhalten geblieben. Wir schlendern durch den Ort, finden ihn aber nicht so etwas Besonderes. Klar, die Lage ist super, aber es gibt eine einzige Gasse und etliche der Häuser sind renovationsbedürftig und werden momentan zum Teil auch saniert. Der Ort ist klein und bald stehen wir auf dem Platz an der Spitze des Felsens mit Blick hinab ins Tal und auf die Kirche.

Unsere Reise geht nun nordwärts, denn wir haben doch noch einige Kilometer Heimweg vor uns. Auf einem Parkplatz in der Einkaufsmeile von Jonquera essen wir eine Kleinigkeit und den restlichen Zucchetikuchen. Hier reiht sich Parfümerie an Parfümerie, Supermarkt an Supermarkt. Wir beobachten Franzosen, die ihre Autos bis unters Dach füllen mit ihren Einkäufen. Ohne Autobahn geht’s bis Millas in Frankreich. Dort suchen wir die, von uns schon oft besuchte Olivenmühle Saint Pierre, auf. Nach 17h sind wir bei der Mühle und werden von einem älteren Mann mit einem Kopfnicken begrüsst. Kurze Zeit später werden wir schon an eine Führung eingeladen. Ein Paar mit einem Kind und wir zwei werden von der Chefin des Hauses durch die Produktion geführt. Die Maschinen sind um diese Jahreszeit natürlich nicht in Betrieb, aber man bekommt dennoch einen Eindruck von der Herstellung des wertvollen Öles. Für einen Liter Öl braucht es 12 kg grüne Oliven. Üblicherweise produzieren sie 40 000 Liter Öl, aber letztes Jahr waren es wegen der Trockenheit nur 35 000 Liter. Schon jetzt wurde ein Verbot für das Befüllen von Pools und für die Bewässerung von Pflanzen, Bäumen etc. ausgesprochen und die Familie ist im Ungewissen, mit was für einem Ertrag sie dieses Jahr rechnen dürfen. Auch hier ist die Trockenheit zu spüren. Im Shop tätigen wir unsern Einkauf und die Chefin lädt uns zum Übernachten ein. Dieses Angebot nehmen wir sehr gerne an und stellen uns hinter die Gebäude an den Rand der Olivenhaine. Hier standen wir auch schon in früheren Jahren mit dem Wohnmobil. Wir hätten nicht gedacht, dass wir heute bei diesem regnerischen Wetter tatsächlich noch draussen sitzen können. Zum Znacht gibt es Hamburger, welche wir aber im Auto essen. Wir schätzen die Wärme und wenn nötig die Heizung im VW-Bus.

Samstag, 27. April 2024

Via Landstrassen fahren wir nordwärts. Wir freuen uns auf die Zeit, in der wir aus Zeitgründen nicht mehr die Autobahn brauchen. Es dauert sicherlich einige Zeit länger, bis wir in Béziers sind, aber dafür war der Weg kostenlos. Jetzt folgen wir der Autobahn A75, welche uns nach Clermont Ferrand bringt. Die kostenpflichtige Brücke von Millau umfahren wir. In der Stadt Millau folgen wir, für unseren Mittagsrast, dem Wegweiser zu einem Aussichtspunkt mit Blick zum Viadukt. Uns ist aber nicht bewusst, dass es zu diesem Parkplatz einige Kilometer Umweg sind. Dummerweise geraten wir auch noch in ein Radrennen, aber schaffen es dennoch auf den Parkplatz. Es windet so stark, dass an ein Rausgehen kaum zu denken ist. Während Urs nach dem Mittagessen ein Schläfchen macht, übernehme ich das Steuer und wir folgen weiter der A 75 Richtung Norden. Immer wieder regnet es und der Wind fegt über das Land. Es ist uns ein Bedürfnis den letzten Abend noch zu geniessen und so suchen wir uns in der Nähe von Issoire einen Übernachtungsplatz. Wir wünschen uns einen windgeschützten Platz, so dass wir das Aufstelldach für die letzte Nacht öffnen können. Momentan sind wir uns aber nicht sicher, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht. Wir fahren den Stellplatz in Solignat an, doch es windet stark und wir suchen versuchen unser Glück auf dem uns bekannten Stellplatz Tourcel. An diesen Platz haben wir sehr schöne Erinnerungen. Aber heute steht kein Womo da, das Gras ist ziemlich hoch, ein Container ist wegen des starken Windes umgekippt und der Platz wirkt somit nicht sehr einladend. Der Wind bläst enorm und wir flüchten, um unser Wunsch nach weniger Wind auf dem Stellplatz in Champeix zu suchen. Wir haben Glück und hier windet es wirklich merklich weniger! Wir stellen uns auf eine der 31 Stellflächen. Der Platz liegt am Waldrand und in der Nähe einer Strasse, aber diese stört uns nicht besonders. Sind wir doch froh, das Dach öffnen zu können. Leider ist es wegen unserer längeren Suche bereits 18h30, aber schnell haben wir ein Abendessen bereit. Im Anschluss spielen wir ein Spiel, bevor wir ins Bett kriechen. Wir verbringen bei angenehmen Windgeschwindigkeiten eine gute Nacht.

Sonntag, 28. April 2024

Die Vögel aus dem Wald zwitschern uns ein Morgenständchen. In die Vogelgeräusche mischt sich ein schussfreudiger Auspuff eines vorbeirasenden Autos. Jetzt sind unsere Ferien endgültig vorbei und die restliche Heimreise steht heute auf unserem Tagesprogramm. Bis Dole fahren wir auf der Überlandstrasse. Ab dann benutzen wir die Autobahn bis Mulhouse und Basel. Ausser einem Tankstopp und einer Pause von 60 Minuten auf einem Parkplatz eines Friedhofes, machen wir keine Pause. Um 18h07 sind wir in der Schweiz und um 19h30 zu Hause. Wir haben die Ferientage sehr genossen! Eigentlich wollten wir nicht bis Spanien, mussten aber der Kälte und dem Wind ausweichen und so wurde es Spanien! Für uns war es super so. Die Sonne und das Draussen kochen und Spiele spielen hat uns beiden sehr gut gefallen.

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