Sommerferien 2024 Burgund – Teil 2

Donnerstag, 1. August 2024

Tages-Highlight

  • Vézelay: Dorf und die Basilika Sainte-Madeleine (12. Jhd.) UNESCO Weltkulturerbe
  • Chapelle St. Gregoire: 14. Jhd., 18. Jhd wieder aufgebaut, idyllisch im Wald

Nach einem gemütlichen Morgen verlassen wir den Campingplatz und fahren wir nach Vézelay. Diese Gemeinde hat 448 Einwohner und ist ein, weit über Frankreich hinaus, bekannter Wallfahrtsort. Über Jahrhundertee kamen Tausende Pilger hierher, um die Reliquien der heiligen Maria Magdalena zu verehren, bevor sie weiter anch Santiago de Compostela wanderten. Im Dorf wurden Szenen aus dem Film mit Louis de Funès (Die grosse Sause) gedreht. Das Dorf erstreckt sich bis auf einen kleinen Hügel, auf dem die romanische Basilika Sainte-Madeleine aus dem 12. Jhd. steht. Dieser ganze Komplex gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir schlendern die gepflasterte Hauptgasse hinauf zur Kirche. Einige Boutiquen, Ateliers, Shops und Weinhandlungen säumen die Gasse. Mit Freude entdecken wir zwei «Gelateria’s» und eine davon werden wir am Ende unseres Rundganges aufsuchen. Es ist eine dreischiffige Basilika mit einer Aussenlänge von 120 m und einem 35 m hohen Kirchenturm. Vom Aussichtspunkt bei der Kirche hat man einen schönen Blick ins Umland.

Es geht wieder hinab und in einer Gelateria kaufen wir uns ein sehr leckeres Glace. Dies schmeckt wunderbar, also auch die Franzosen können gutes Glace zubereiten, nicht nur die Italiener. um 15h45 verlassen wir Vézelay. Wir müssen einkaufen und suchen uns daher eine Stadt mit einem Supermarche. Wir stellen fest, dass das Burgund nicht so stark besiedelt ist, viele kleine Dörfer und Weiler ohne Einkaufsladen hat. In Avallon werden wir fündig. Im «Auchan» füllen wir unsere Vorräte auf. Da es bereits späterer Nachmittag ist, folgen wir dem Wegweiser zur «Chapelle St.Grégoire». Sie wurde im 14. Jhd. gebaut und im 18. Jhd. wieder aufgebaut. Beim kleinen Wanderparkplatz finden wir einen ruhigen coolen Platz zum Übernachten. Den Picknicktisch nutzen wir fürs Kochen und Essen. Nach kurzem Fussmarsch sind wir bei der Kapelle, welche in einer Waldlichtung steht. Vor der Kapelle stehen moosbewachsene Holzbänke und warten auf Ruhesuchende. Wieder zurück machen wir es uns gemütlich, kochen Abendessen und geniessen den Abend draussen. Es ist sehr einsam hier und Handyempfang hat es nicht, aber uns stört dies nicht. Wieder hören wir ein Donnerrollen und irgendwann beginnt es leicht zu regnen. Die Gewitter in der Nacht halten mich wiederum eine Zeit lang vom Schlaf ab.

Freitag, 2. August 2024

Tages-Highlight

  • Kirche in Quarré les Tombes: 112 Sarkophargteile, verteilt rund um die Kirche
  • Parc naturel régional du Morvan: Teiche, Flüsse, Bäche, Wald, Moos, Farn
  • Roche des Fées: verschiedene Felsgruppen, Druidische Denkmäler, Opfersteine
  • Dolmen Chevresse: Pseudodolmen oder Stapel von Granitblöcken.
  • See Pannecière: herrlicher Stellplatz mit Blick auf den See

Nun geht unsere Fahrt weiter durch den 281 400 ha grossen Naturpark Morvan. 6 grosse Seen mit Staumauern befinden sich in diesem Gebiet. Dazu kommen die Teiche, Flüsse und Bäche, welche die Landschaft prägen. 60 % des Morvan Naturparkes ist von dichtten Mischwäldern bedeckt. Dies erleben wir auch so, denn wir fahren viel durch Laub- und Tannenwald. Auffallend sind die grossen Farne, welche die Strassenränder säumen. Alles ist grün und moosig. Die Fahrt durch diesen Naturpark ist sehr entschleunigend und beruhigend. Wir nutzen gerne die schmalen Strässchen und durchfahren hübsche kleine Dörfer und Weiler. Auf den Wiesen weiden Kühe und alles wirkt saftig grün, friedlich und entspannt.

Als erstes Ziel ist die Kirche in Quarré les Tombes einprogrammiert. Die Kirche steht leicht erhöht inmitten des Dorfes. Rundum verteilt liegen Sarkophageteile. Diese wurden nie gebraucht und hier deponiert. Der Grund dafür ist unbekannt. Es scheint, aufgrund der Steine, dass diese aus Steinbrüchen bis 50 km Entfernung stammen. Die Kirche selbst ist nichts Besonderes und auch das Dorf ist schnell gesehen. Unser Auto haben wir auf dem offiziellen Stellplatz abgestellt. Kaum zurück beginnt es zu regnen und wir sind froh, im Trockenen zu sein. Wir essen ein kleines Mittagessen und kommen danach mit einem Paar aus Enlgand ins Gespräch. Die Frau ist gezwungen das erste Mal den Kastenwagen zu fahren, denn der ihr Mann hat sich vor zwei Tagen am Knie verletzt und trägt eine Schiene. Hier im Dorf wird ihm eine Krankenschwester den Verband wechseln. Wir wünschen ihnen, trotz allem, noch schöne Tage im Burgund. Solche Begegnungen sind immer wieder schön und Urs hat sich mit seinem Englisch wacker geschlagen.

Für uns geht es weiter im Naturpark zu den «Roche des Fées». Wir entdecken den kaum sichtbaren Weg mit einem, mit Pflanzen bewachsenen, Wegseiser. Vom Parkplatz sind es nur 300 m bis zu den bis zu 8 m hohen Granitfelsen, welche in Felsgruppen im Wald stehen. Es sind Druidische Denkmäler, flache Opfersteine etc. Die Druiden waren eine kultische und geistige Elite in der keltischen Gesellschaft und Mythologie.

Der nächste Stopp ist der Domen Chevresse. Der sogenannte Dolmen von Chevresse ist ein Pseudodolmen oder ein Stapel von Granitblöcken. Unser Navi führt uns von Süden her an den Dolmen heran, aber beim Fahrverbot müssen wir umkehren. Von Norden her kommend kommt man bis auf ca. 1,3 km heran. Wir müssen das Auto abstellen und folgen dem Weg entlang des Baches und dann hinauf auf einen Hügel. Der Waldboden fasziniert mich ganz besonders. Alles ist moosüberzogen und leuchtend grün! Schön ist dieser Wald! Immer wieder bewundern wir die grossen Farne, welche hier zu wuchern scheinen. Wir kommen auf unserem Weg mehr ins Schwitzen als gedacht, bis wir beim mächtigen Dolmen stehen. Livia ruft uns an und wir hören gespannt ihren Erzählungen vom Unwetter im Klettgau. Sie ist während dem telefonieren am Wasser aufnehmen im Wintergarten. Vor dem Kellereingang stand das Wasser auch 15 – 20 cm hoch, aber zum Glück war die Türe mehr oder weniger dicht. Bei diesem Unwetter entstanden kräftige Gewitterzellen, die sich prktisch an derselben Stelle immer wieder regenerierten und damit lokal zu hohen Niederschlagsmengen und Hagel führten. In Oberhallau und Gächlingen wurden Keller und Tiefgaragen überflutet. In Hallau traf es das Gewerbegebiet besonders stark. Beim Rimus stand der ganze Keller unter Wasser. In der Wetterstation Hallau wurden in zwei Niederschlagsintervallen innert 2 Stunden ca 72 mm gemessen. Wir sind dankbar, dass bei uns zu Hause nichts passiert ist.

Nun begutachten wir den Dolmen und sind beeindruckt von dessen Grösse. Ob ein Dolmen oder ein Stapel Granitblöcke – alleweil interessant zu entdecken und zu studieren, wie so ein «Bauwerk» zustande kommen kann. Der Rückweg hinab ist bedeutend kürzer.

Wir fahren auf kleinen Strässchen durch den Naturpark zum Lac de Pannecière. Im Vorfeld habe ich bei der App park4night gesehen, dass es hier etlche freie Übernachtungsplätze gibt. Dumm nur, dass ausgerechnet heute Abend die App technische Probleme hat und wir die Koordinaten der Plätze nicht anzeigen lassen können. So müssen wir selber suchen und werden beim dritten Versuch fündig. Wir landen an einem wunderschönen Plätzchen direkt am See. Es hat viel Platz und diese Ecke scheint ein Paradies für Camper zu sein. Wir geniessen die Ruhe und den schönen Blick auf den See in vollen Zügen. Es freut uns sehr, dass wir diesen wunderbaren Platz gefunden haben. Neben uns richten sich zwei Fischer mit Zelt, Fischerausrüstung etc. ein. Unermüdlich werfen sie ihre Angeln aus, ziehen sie wieder zurück und werfen wieder aus. Das wäre nichts für mich, aber jedem das Seine. Sie sind leidenschaftliche Fischer aber vielleicht keine Herzblut-Camper, so wie wir. Wir bleiben sehr lange draussen sitzen und freuen uns über den schönen Sommerabend.

Samstag, 3. August 2024

Tages-Highlight

  • Lac de Pannecière: baden, spielen, faulenzen, geniessen
  • Telefon mit Livia: Sie feiert heute Geburtstag!

Wir entscheiden uns heute den Tag hier zu verbringen! Der Lac de Pannecière ist der fischreichste See des Morvan-Naturparkes. Er hat eine 22 km Uferlinie und eine Fläche von 520 Hektaren. Der See ist etwas moorig, aber mit herrlich angenehmer Wassertemperatur zum baden. Immer wieder lassen wir den Blick über den See schweifen, beobachten die Fischer, die immer noch unermüdlich am Fischen sind. Ob sie auch etwas fangen? Am Nachmittag nutzen wir den Schatten der Markise und den aufgehängten Tüchern. Auch heute bleiben wir lange draussen sitzen und sehen einige Lagerfeuer von anderen Campern brennen.

Sonntag, 4. August 2024

Tages-Highlight

  • Paldenshangpa La Boulaye: Buddhisten Tempel
  • Les Rochers du Carnaval: Aussichtspunkt auf den Naturpark Morvan mit kleinen Felsformationen

Der Himmel ist bedeckt. In der Nähe von uns bereiten weitere Fischer ihren Fischertag vor. Sie stellen alle möglichen Utensilien auf. Zur Hilfe nehmensie ein ferngesteuertes «Boot», welches sie regelmässig über hinaus und zruück an Ufer steuern. Dies ist die moderne Version vom «immer wieder Angelauswerfen und zurückziehen» Ob man so die Fische anlockt? Um 9h50 sind wir bereit zur Abfahrt und dies ist für uns geradezu früh. Wir haben heute Morgen etwas ganz Besonderes vor. Nach einem kurzen Stop für Wassereinkauf, sind wir 11h10 an unserem Ziel. Die Landschaft gefällt uns sehr gut!

Wir sind beim buddhistischen Tempel Paldenshangpa La Boulaye. Übersetzt heisst dies: Der Tempel der Tausend Buddhas. Der 1987 gegründete Tempel folgt der Karma-Kagyü Tradition. Er liegt inmitten von einem buddhistischen Rückzugszentrum, das 1974 vom tibetischen Lama Kalu Rionpoche gegründet wurde. Dieser mann war ein tibetisch uddhistischer Meditationsmeister, Gelehrter und Lehrer und war einer der ersten tibetischen Meister, die im Westen lehrten. Wir werden zum ersten Mal in unserem Leben mit einem Buddisthischen Tempel konfrontiert. Das Aussengelände und den Shop kann man immer kostenlos besuchen, aber für den Bsuche des Innere des Tempels muss man 5 Euro bezahlen. Ein Mann mit roter Kute gibt uns die Tickets. Es geht in den ersten Stock und auf einer Galerie kann man das Innere anschauen. Die Farbenpracht ist enorm. Drei grosse Statuen sind der Mittelpunkt des Tempels, welcher als Nachbildung eines bhutanischen Tempels von Buddhisten aus Buthan gebaut wurde. Unglaublich, was wir da sehen. Eine uns völlig fremde Welt mitten in Frankreich! Anhand eines Infoblattes in Deutsch, erfahren wir einiges über die verschiedenen Symbole.

Kurz vor 12h30 verlassen wir den eigenartigen Ort und auf schmalen Strassen geht auf und ab auf einen 684 m hohen Gipfel des Massivs von Uchon, dem Roches du Carnaval. Bevor wir den Aussichtspunkt besuchen essen wir ein Picknick neben unserem Auto. Es kommen immer mehr Besucher und Wanderer und auch wir spazieren den kurzen Weg zum Aussichtspunkt. Wir schauen, leider bei schlechter Sicht, hinab in den Naturpark Morvan. Wir haben kein Wetterglück, aber dafür die Gleitschirmpiloten, welche bereit für den Abflug sind.

Für uns ist es Zeit aufzubrechen und ein grosses Stück ostwärts zu fahren. Wir möchten heute noch in die Nähe der Räucherei in Gilley kommen. Wir haben ja im ersten Teil unserer Sommerferien diese Räucherei und ihre Produkte kennengelernt. Die Morteau-Wurst und die Zunge schmeckten wunderbar und wir möchten dort Morgen nochmals einkaufen. Auf Landstrassen kommen wir gut voran und finden in der Umgebung Épenoy einen Übernachtungsplatz auf einer grossen Wiese, welche einst ein Fussballfeld war. Die Aussicht hinab ist schön und wir lassen bei Kuhglockengebimmel mit einem Essen und einem Spiel den Abend ausklingen.

Montag, 5. August 2024

Tages-Highlight

  • Le Rocher de Hautepierre: Aufstieg zum Aussichtspunkt
  • Cascade de Syratus: durchwaten und im Badegumpen erfrischen
  • Le Tuyé du papy Gaby / Fromagerie les Suchaux: Einkauf, schmeckt einfach gut!

Wir haben gut geschlafen und geniessen die Sonnenstrahlen bei einem Zitronen-Ingwer-Drink. Im Hintergrund bimmeln die Kuhglocken und wir lesen uns ein Kapitel aus dem Büchlein von Clemens Bittlinger vor. Um 10h30 brechen wir auf, denn wir haben noch ein paar Stopp’s vor uns. Bei der Kirche in Hautepierre parkieren wir usner Auto und folgen dem Wegweiser zum Aussichtspunkt Le Rocher de Hautepierre. Mein Blick schweift nach oben und wir merken, dass der Aussichtspunkt oben auf dem Felsen ist. Sollen wir da wirklich da hochlaufen? Ich bin skeptisch, aber wir beginnen mit dem Treppensteigen. Wir gewinnen schnell an Höhe und das Umkehren ist kein Thema mehr. Nach ca. 15 Minuten sind wir oben und werden mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Wir entdecken eine bretere Schlucht, an deren Felswand eine Strasse entlangführt. Dies wäre sicher auch eine interessante Strecke. Beim Kreuz lädt eine Bank zum Verweilen ein! Schön, diese Aussicht! Auf dem Rückweg begegnen uns tatsächlich ein paar Franzosen, die zwei Kinderwagen hochschleppen…das wäre uns früher nie in den Sinn gekommen, denn wir hätten die Rückentrage bevorzugt. Die zwei Frauen kommen auf jedenfall arg ins Schwitzen.

Der nächste Halt ist nicht weit entfernt. Uns lockt der «Casdade de Syratus» Diesen Wasserfall habe ich auf google maps entdeckt. Nach einem kleinen Fussmarsch zu einem schönen Picknickplatz, sind wir beim Bach und folgen dem kleinen Weg nebenan. Bald schon hört der Weg auf und wir waten im Bach, welcher über Steine plätschert. Mit Stativ und Kamera in der Hand muss ich aufpassen, dass ich nicht ausrutsche. Urs sucht den Weg bachaufwärts und wir entdecken einen schönen Badegumpen. Da wäre doch ein Bad cool! Ich finde das Waten durch den Bach cool! Weiter oben ist es am Schönsten und das Wasser fällt über mit Pflanzen überwachsene Steine. Schön anzusehen und zu fotografieren.

Wieder hinabsteigen ist bedeutend schwieriger als hinauf. Beim einladenden Badegumpen ziehen wir die Badehosen an und erfrischen uns im kühlen Wasser. Es ist kalt, aber herrlich und gut tuend. Ganz erfrischt und happy sind wir bald am Picknickplatz, auf dem wir nun ein spätes Mittagessen geniessen. Jetzt sind wir schon 1 Stunde später dran als gedacht und müssen uns ein bisschen beeilen. Über Hügel bis 1000 m Höhe gehts Richtung Gilley zur Räucherei. Die Strecke durch die Natur ist sehr schön!

Da wir wissen was wir kaufen wollen, dauert der Einkauf nicht lange. Da wir in Morteau vorbeikommen ist es nur ein kleiner Umweg in die Käserei, in welcher wir nochmals Compté-Käse kaufen. Jetzt ist es kurz nach 16h und wir machen uns endgültig auf den Heimweg. Wir fahren über Land nach La Chaux de Fonds und weiter durch schöne Landschaft bis nach Solothurn. Ab hier gehts auf die Autobahn. Um 19h15 Uhr sind wir zu Hause. Die 9 Tage sind uns sehr lange vorgekommen und wir konnten es in vollen Zügen geniessen. Wir sind nicht so weite Strecken gefahren und hatten dadurch viel weniger Stunden im Auto verbracht. Das Burgund ist eine sehr schöne Region, die wir gerne wieder bereisen möchten!

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