Skandinavien 7 Finnland – Im Land der 1000 Seen

Sonntag/Montag, 9./10. Juni 2019

An unserem Traumplätzchen bleiben wir 2 Nächte und geniessen den Blick auf die Seen und das schöne Wetter. Leider windet es extrem, so dass wir nicht mehr baden können.

Wir verlassen ihn am 10. Juni und fahren weiter. Mit so wenig Verkehr sollte man auch in der Schweiz unterwegs sein können. Herrlich zum fahren! Links und rechts der Strasse säumen sich Nadelwälder und Birken. Immer wieder kommt man an einem See vorbei. Das ist typisch Finnland. Es heisst ja auch: Das Land der 1000 Seen!

Nun möchten wir den Nationalpark Pyhä-Häkki besuchen. Auf verschiedenen ausgeschilderten Rundtouren kann man den Nationalpark erkunden. Wir entscheiden uns für die 6,5 km lange Tour. Der Weg führt auf weichem Waldboden und auf Holzstegen durch Moor und Wald. Uns geht es wunderbar! Die Vögel zwitschern und es gibt in diesem urwaldähnlichen Wald beim genauen Hinsehen viel zu entdecken. Leider haben wir noch etliche Wegbegleiter. Die Mücken schwirren um uns herum und psychisch tut es gut, die Antimückenkleidung zu tragen. Ja, die lieben Mücken sind in Finnland immer wieder ein Thema. Man muss sich mit diesen kleinen surrenden «Monster» einfach arrangieren und die wunderschönen Plätze an den Seen mit ihnen teilen und – ganz wichtig – sich die Freude am Moment nicht nehmen lassen.

Dienstag, 11. Juni 2019

Bis auf eine Mückenkillaktion um 6.00 Uhr, haben wir gut geschlafen. Wir besuchen ein Steinzeitdorf in der Nähe von Saarijärvi. Heute ist im Museum der Start der Saison. Wir werden freundlich empfangen und nach einigem Suchen finden sie auch noch einen deutschen Plan für uns, welcher uns leider nicht so viel nützt, denn bei den Objekten sind die Informationen nur in Finnisch vorhanden. Man scheint hier nicht mit anderssprachigen Touristen zu rechnen. Sehr interessant wird das damalige Leben veranschaulicht. Spannend, mit welchen Hilfsmitteln man gelebt hat. Auf solche Ideen kämen wir gar nicht mehr. Die verschiedenen Fallen für die verschiedensten Tiere sind spannend anzusehen. Auch die «Häuser» mit Baumstammgerüst, gedeckt mit Baumrinde und abgedichtet mit Moos und Flechten sind imposant. Urs versucht sich mit einem Steinhammer an einem Baumstamm und ich male mit einer angemixten Farbe mit einem getrockneten Grasbüschel. Auch die verschiedensten Werkzeuge können bewundert werden. Wir bekommen einen guten Eindruck über die damalige Zeit.

Wir verlassen das sehenswerte Museum und fahren einen Picknick-Platz, von unserm App park4night, an. Zwei Wohnmobile stehen schon da und wir stellen uns dazu. Eine Frau begrüsst mich (Ursi) und merkt schnell, dass ich kein Finnisch spreche. Sie versucht stolz ihr Deutsch aus der schon länger zurückliegenden Schulzeit hervorzuholen. Schön, ein paar Worte zu wechseln. Sie fragt mich, wie wir aus der Schweiz auf Finnland als Reiseland kommen, denn sie reisen nur in Finnland. Man sieht – andere Länder, andere Sitten.

Wir verbringen einen schönen Abend und geniessen das Unterwegssein in vollen Zügen!

Mittwoch, 12. Juni

Eigentlich wäre heute ein Hausputz an der Reihe, aber da es schon ziemlich spät ist, verschieben wir dies. Wir möchten einige Strassen, welche in der Landkarte als landschaftlich schön markiert sind, abfahren. Leider sehen wir viel Wald und weniger Seen als erhofft. Wir gelangen auf eine Schotterstrasse, was in Finnland gar nicht so ungewöhnlich ist. Sehr viele Strässchen, die von der «Hauptstrasse» abgehen, sind Schotterstrassen. Wieder auf Asphalt kommen wir gut voran, finden bei einem Caravan-Händler in der Nähe von Kuopio eine Versorgstation, an welcher wir unser WC leeren, Wasser füllen und das Abwasser los werden können. Dies muss auch sein, ist in Finnland jedoch nicht so einfach zu finden. Ebenso sind in der heutigen Region die Übernachtungsplätze nicht so zahlreich und wir brauchen das erste Mal länger einen Schlafplatz zu finden.

Aber wir werden fündig! Es gibt eine Grillhütte, Holz, Freiluft-Feuerstelle, Umkleidekabinen, ein Häuschen, bei dem eine Seite offen ist und natürlich einen See mit Steg und kleinem Strand. Zudem gibt es ein Trocken-WC. Vielleicht wissen nicht alle was das ist? Ein WC in der Natur, oft in herzigen Häuschen, ohne sanitäre Leitungen und Installationen. Eine «Holzsitzbank» mit Loch und Deckel. Unten dann eine Grube, in die die «grösseren und kleineren Geschäfte» fallen. Manchmal steht noch ein Kessel da mit so was wie «Sägemehl» zum darüber streuen. Es gibt also keine Spülung und keinen Trog zum Händewaschen. Eben – ein Trocken-WC.

Wir geniessen die Sonnenstrahlen auf dem Steg bis wir eine besondere Idee haben. Wir möchten in diesem auf einer Seite offenen Häuschen am See mit unserem Spirituskocher ein Fondue kochen! Schon bald sitzen wir geschützt mit Blick auf den See in unserem Häuschen, essen bei Kerzenschein (Zitrusduft angeblich gegen die Mücken) unser Fondue. Herrlich! Für die Romantik wäre eine Dämmerung oder Nacht besser, aber wir haben es uns doch sehr romantisch gemacht. Nur die Mücken möchten unsere Gemeinschaft auch geniessen, aber wir nehmen dies relativ locker und sind selbst erstaunt über uns.

So lassen wir den Abend ausklingen, bevor wir uns in unser verdunkeltes Wohnmobil legen. Neben uns steht noch ein älterer Finne mit einem Miniwohnwagen.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Der Hausputz ist heute wieder ein Thema. Urs übernimmt unser Schlafzimmer und das Bad, ich den Essbereich und die Küche. Das tönt nach einem mega grossen Haus! Ha,ha – unser momentanes Haus ist schnell geputzt. Urs kommt doch richtig ins Schwitzen und überlegt sich ein Bad im See zu nehmen. Sollen wir dies tun, bei 11° Aussentemperatur? Es spinnen die Römer! sagt man doch so schön und wir nehmen unser Bad, welches aber sehr kurz ausfällt. Dennoch fühlen wir uns wieder sauber und frisch!

Wir verlassen den Platz und fahren nordwärts. Heute fahren wir 3 ½ Sunden durch immer einsamere Gegenden. Sogar die ersten Rentiere überqueren die Strasse. Strassenschilder weisen auf diese Gefahr hin. Unser Übernachtungsplatz finden wir in der Nähe von Soumussalmi wieder an einem See. Wir geniessen die Sonne bei wenig Wind und beobachten einen Fischer, welcher sein Motorboot wassert, um sein Glück zu versuchen. Heute soll es gut zum Fischen sein, meint er.

In absoluter Stille und Einsamkeit verbringen wir einen ruhigen Nachmittag und Abend und irgendwann auch eine ruhige Nacht. Um 3.00 Uhr morgens weckt mich die Sonne, welche durch die Ritzen der Verdunkelung scheint. Unglaublich, diese Nächte! Ich kann es nicht lassen einige Bilder zu knipsen.

Immer hell

Je nördlicher wir kommen, je länger bleibt es hell. Für uns ist dies eine ungewohnte Situation! Habt Ihr schon mal nachts um Mitternacht draussen ohne Licht gelesen? Wenn man vor 23h ins Bett möchte, geht man bei Sonnenschein ins Bett. In den Wetterprognosen liest man an sonnigen Tagen nicht von 11h Sonnenschein, sondern hier, wo wir jetzt sind, von 22 Stunden. Der gewohnte Rhythmus, also die Essenszeiten und Schlafzeiten, geraten schon ein bisschen durcheinander. Zu Beginn unserer Reise habe ich zu Urs gesagt, dass man eigentlich ohne Uhr unterwegs sein sollte. Kurze Zeit später ging meine Uhr kaputt. Dies ist vielleicht gut so!

Die folgenden 3 Bilder wurden zwar an unterschiedlichen Orten aufgenommen, jedoch jeweils um Mitternacht!

Irgendwie werden wir abends nicht so schnell müde, und wir legen uns irgendwann einfach mal ins Bett, verdunkeln alles und danach schlafen wir relativ schnell ein. Die Sonne bleibt hier nur kurze Zeit weg und so werde ich (Ursi) auch immer relativ früh wach. Heute zum Beispiel weckte mich die Sonne durch die Ritzen der Verdunkelung schon um 3.00 Uhr. Die Stimmung draussen war so schön, dass ich mit Freude einige Fotos knipste.

Wir kommen nun immer weiter in den Norden und hoffen, dass wir auch die Mitternachtssonne erleben werden.

2 Kommentare to “Skandinavien 7 Finnland – Im Land der 1000 Seen”

  1. Annette+Erich

    Liebe Ursi und Urs
    Auch wir mussten unser Fernweh unterdrücken, als wir euren Bericht gelesen haben und eure super Fotos sahen. Wir hörten die Mücken surren, spürten den Wind um unsere Ohren, froren mit euch im kalten Wasser und rochen das Fondue in der Wildnis. Nur mit dem wenigen Schlaf hatte ich meine Mühe😉
    Schön, dass ihr es in vollen Zügen geniessen könnt!
    Liebi Grüess Annette und Erich

  2. Lis+Frank

    Good Morning Ihr „Römer“!
    Heute habe ich zwei Auftritte, da musste ich mein Fernweh etwas unterdrücken…aber da konnte ich Euren aktuellen Blog lesen und da geht es mir schon wieder viel besser!
    Wunderbare Erzählungen und Berichte von Euch!
    Hhmm Fondue mit Sturmkocher!
    Baden im See, offenes Feuer!!
    Wir geniessen mit Euch!! Enjoy!
    Danke!
    Auch die Dronenbilder sind gelungen… hebet eu wieter sorg! herzlichi Grüessli
    Lis & Franky
    👌🥂🏝👍⛺️💐

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