Skandinavien 10 Finnland – Lappland

Mittwoch, 19. Juni 2019

Wir haben uns langsam an die langen Tage gewöhnt. Das Schlafengehen ist mehr von der Müdigkeit oder von der Uhrzeit gesteuert und nicht nach Tag und Nacht. Auch die Zeit aus den Federn zu kriechen wird dadurch relativiert. Wir nehmen es wie es kommt. Der Platz bietet sich an, dass Urs mit dem neuen Haarschneider seine Mähne wieder kürzt. Bei 11° Lufttemperatur geht das – natürlich Outdoor – vonstatten. Ein abschliessendes Bad im See, welches die geschnittenen Haare wegspült, vertreibt auch noch die letzte Restmüdgikeit.

In Sondankylä, welches die südlichste Sami (die Lappen, einziges Urvolk Europas) Stadt in Finnland ist, besuchen wir eine Holzkirche aus dem Jahre 1689. Es ist eine der ältesten Holzkirchen Finnlands.

Wir finden wieder ein idyllisches Örtchen, wo wir uns zur Nachtruhe betten werden.

Donnerstag, 20. Juni 2019

Wir kommen an Tankavaara vorbei, bekannt für das Goldmuseum und -dorf. Wer hätte das gewusst, dass hier und an einigen anderen Orten vor allem in Lappland in den 1870er Jahren ein Goldrausch stattfand? Das Museum gibt einen guten Einblick in die damalige Situation und in die Lebensumstände der Goldsucher. Wer will, kann sich als Goldwäscher selber versuchen. Wenn ich nur schon daran denke, Tag für Tag, Stunde um Stunde, mindestens die Hände im kalten Wasser zu haben, kriecht mir das Rheuma, Arthritis, Arthrose und vieles mehr in die Gelenke.

Wir übernachten auf dem Kaunispää, auf welchem wir die Mitternachtssonne erleben. (Link)

Freitag, 21. Juni 2019

In der Nacht ist das Wetter gekippt. Es regnet und die Temperatur ist nochmals zurückgegangen. Wir fahren zum Bärenhöhlenfelsen, ein bekanntes Touristenziel. Wie der Name schon vermuten lässt, gibt es hier bei einem Felsen eine Höhle, die (angeblich) von Bären benutzt worden sei. Eine Holztreppe führt hinauf. In Anbetracht des Niederschlags lassen wir dies aus und begnügen uns den Shop anzusehen und Rentiergeschnetzeltes mit Kartoffelstock zu geniessen. Wunderbar! Schade, dass wir Rentierfleisch nirgends kaufen können.

Die Landschaft hat sich verändert. Es kommen mehr Steine und Fels zum Vorschein. Das Wasser in den Seen ist nun plötzlich klar, nicht mehr so moorig wie weiter südlich und es ist vor allem wesentlich kälter. Dies liegt daran, dass während ca. 6 Monaten Schnee und Eis liegt. Auch sind die, hauptsächlich Nadelwälder, lichter geworden. Die Steine sind stellenweise mit verschiedenen Flechten überzogen. Uns gefällt die Landschaft, welche an uns vorüberzieht.

Samstag, 22. Juni 2019

Das Wetter ist schlecht, weshalb wir den Vormittag vertrödeln. Infolge der fortgeschrittenen Zeit verschieben wir den Besuch des Sami Museums auf den Folgetag. Gemäss Wetterprognose müsste es dann auch noch einige Aufhellungen geben, welche wir für die Besichtigung des Freigeländes des Museums nutzen wollen.

Ursi hat noch einen Wegweiser zu einer Stromschnelle entdeckt, welchem wir auf unserem Weg zum nächsten Übernachtungsplatz folgen. Ein Wanderweg führt nach ca. 500 m zur Brücke über den Fluss, von welcher wir die reissende Flut beobachten können. Auf der anderen Seite erwartet uns eine tolle Feuerstelle mit Holz und Trockenklo. Da kommt auch schon eine finnische Familie mit Rucksack. Schnell brennt das Feuer und es wird gegrillt. Wir staunen immer wieder, wie die Finnen trotz Regenwetter wandern, ein Feuer machen und im Freien essen. Bei uns Schweizer müsste das Wetter doch schon ein bisschen mitspielen. Wir denken immer wieder, wie toll und vorbildlich hier in Finnland solche Grillplätze eingerichtet und unterhalten werden.

Sonntag, 23. Juni 2019

Beim Aufstehen ist es bitterkalt. Lediglich 3° zeigt der Aussenthermometer. Wir sehnen uns nach den gegenwärtigen Schweizer Temperaturen. Mit unseren Gasvorräten müssen wir äusserst haushälterisch umgehen, da wir nicht wissen, wo wir die Flaschen füllen lassen können. Hat man kein Gas mehr, dann gibt es warmes Essen nur noch vom Grill oder vom Sturmkocher. Auch warmes Wasser fürs abwaschen oder duschen bleibt dann aus. Darum ist sparsamer Umgang nötig. Wir heizen deshalb nicht mit Gas, sondern temperieren das Womo mit unserem Elektrogebläse während dem Morgenessen. Mit unserer Batteriekapazität können wir den Heizlüfter für ca 2 ½ Stunden benutzen. Richtig warm wird es nicht, aber die klamme Kälte und Feuchtigkeit verschwindet doch rasch.

Auf der Fahrt zum Sami Museum drücken die ersten Sonnenstrahlen durch. Juhuiii!!! Das Museum besteht aus einer Ausstellung im Gebäude und einem Teil im Freien. Drinnen sind alle Informationen, Bilder und viele Ausstellungsstücke aus dem Leben der Sami ausgestellt. Spannend ist auch der Rundgang in Wort und Bild über das Verhalten der Tiere und Pflanzen in den verschiedenen Jahreszeiten in Lappland. Der lange Winter, ein kurzer Frühling, der kurze intensive Sommer ohne Dunkelheit und ein kurzer Herbst werden dargestellt. Alle Informationen sind auch in Deutsch vorhanden. Draussen sind diverse alte Gebäude à la Ballenberg platziert, welche besichtigt und zum Teil auch betreten werden können. Wer sich für das Leben der Lappen interessiert, findet hier viele Informationen und ist einige Stunden mit dem Rundgang beschäftigt.

Wir fahren noch etwa 50 Minuten an einen wunderbaren Badesee, wenn nur die Mücken nicht wären. Es bewahrheitet sich, was ich weiter oben beschrieben habe. Klarer See, kaltes Wasser. Doch die 14° halten uns von einem kurzen Bad nicht ab…

Montag, 24. Juni 2019

Heute heisst es von Finnland Abschied zu nehmen. Wir sind enttäuscht, nur wenige Rentiere gesehen zu haben. Vom Museumsbesuch wissen wir jetzt jedoch, dass gerade in dieser Zeit die Markierung der Jungen stattfindet und somit die Herden dazu zusammengetrieben werden. Kaum hatten wir davon gesprochen überquerte doch eine Herde von 15 – 20 Tiere vor uns die Strasse. Der Smile auf unseren Gesichtern hätte nicht grösser sein können. 5 km überqueren wir die Grenze nach Norwegen. Jetzt sind wir schon weit gekommen! Wir haben die 2 ½ Wochen Finnland mit so tollem Wetter sehr genossen. Nun freuen wir uns auf eine ganz andere Landschaft, auf Norwegen!

2 Kommentare to “Skandinavien 10 Finnland – Lappland”

  1. Lis+Frank

    Einfach toll Eure Reise!! Auch das Ihr immer in den doch kalten Gewässern baden geht…mega! Da wäre ich auch immer dabei (Betonung auf ich😉)
    WarmWasser, ja da wäre so ein Elektroboyler auch gut ☺️..
    Ihr seit schon WomoLebenskünstler, Kompliment wie Ihr das alles macht!!
    Heben Euii wiiter sorg!!

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