Skandinavien 12 Norwegen – Im Norden Finnmark 1

Wir sind seit einigen Tagen in Norwegen. Schön, dass Ihr uns schon bis hier hin begleitet habt.

Kaum da, sind uns schon einige Dinge klar geworden:

  1. Das Einkaufen macht weniger Spass als in Finnland und Schweden, da das Meiste merklich teurer ist. So können wir also getrost mal unser Auto leer essen.
  2. Es ist im Moment kalt, mehrheitlich deutlich unter 10° – einmal sogar nur 1+ – und windig! Sich an diese Gegebenheiten zu gewöhnen ist nicht so einfach und wir hätten gerne etwas von der Schweizer-Hitze.
  3. Es hat viel weniger Mücken, ja schon beinahe vernachlässigbar…
  4. Leider ist das Internet nicht so stabil. Je nach dem wo wir sind, haben wir gar kein Netz. Deshalb kommen jetzt diese Blog Einträge erst jetzt und nicht mit der vorherigen Gleichmässigkeit. Die Übersichtskarte wird jedoch zumindest mit den Übernachtungspunkten aktuell gehalten – ausser den fehlenden Fotos, welche wir auch erst im Nachhinein bei den Kartenpunkten publizieren.

Was haben wir in den letzten Tagen so erlebt?

Montag, 24. Juni 2019

Über das Verlassen von Finnland haben wir bereits berichtet. Nun sind wir in Norwegen und es wird bergiger und felsiger. Schon bald nach der Grenze kommen wir zu einem «Miniwasserfall», dem Skoltefoss. Mit dem Stativ und dem Graufilter ist es cool ein paar Fotos zu machen.

Weiter geht unsere Fahrt nach Kirkenes, wo wir unser Auto mit Frischwasser füllen, sowie das WC und das Abwasser leeren können. Hier kommen wir ins Gespräch mit einem Schweizer, der voller Begeisterung von seinen Reisen erzählt. Sein Wohnmobil musste schon einiges mitmachen, denn er freut sich an jeder Schotterstrasse mit Schlaglöchern etc. Wir erzählen, dass wir nun zur russischen Grenze fahren möchten, nach Grense Jakobselv. Dies möchte der Berner morgen auch tun. Er warnt uns noch vor der Grenzregion Norwegen –  Russland und dass man sich absolut an die Regeln halten muss, das heisst nichts militärisches fotografieren.

Schon aus anderer Quelle haben wir gehört, dass man ja nicht auf die Idee kommen solle, einen Fuss auf russischen Boden zu setzen, oder rot/grün gestreifte russische Grenzpfosten zu berühren etc. Es hätte zum Teil auch einen Strich am Boden und vieles ist videoüberwacht. Die Russen kennen da anscheinend kein Pardon, es müsse gar mit Verhaftung gerechnet werden… Mit diesem Wissen machen wir uns auf den Weg. Wenn wir von mulmigen Gefühlen anderer gelesen oder gehört haben, haben wir dies eher ein wenig belächelt und übertrieben gefunden. Nun geht es uns aber auch ein bisschen so. Nach einigen Kilometer sieht man eine Grenze und Strassentafeln in russischer Schrift. Wir biegen ab und fahren auf einer schlechten Asphaltstrasse weiter unserem Ziel entgegen. Schöne Landschaft zieht an uns vorbei. Zufällig richte ich meinen Blick nach rechts aus dem Fenster und sehe eine Elchdame auf einer Wiese zwischen Büschen stehen. Wow, ein Elch! Urs wendet und dann sieht er ihn auch. Cool, dass wir in freier Natur einen Elch sehen dürfen. 

Nun kommt das Sperrgebiet. Die Grenze verläuft im Fluss, dem wir entlang fahren.  Auf einer Infotafel wird man über die Verhaltensregeln informiert und das vieles Videobüberwacht sei. Eigentlich komisch, auf der anderen Flussseite sieht die Landschaft gleich aus und doch darf man nicht einmal keinen Fuss darauf setzen. Ja, die Regeln sind streng. Wir sehen gelbe norwegische und grün/rote russische Grenzpfosten.

Die 30 km Schotterstrasse bringen wir mit gelegentlichem ausweichen von Schlaglöchern hinter uns und sind nun in Grense Jakobselv. Ein schönes, beinahe überfülltes Plätzchen zum Übernachten direkt am Meer umgeben mit glatten Steinflächen. Diese eignen sich hervorragend für schöne Fotoaufnahmen tagsüber, wie auch nachts mit Mitternachtssonne. 

Dienstag / Mittwoch, 25. / 26. Juni 2019

An der hübschen Steinkirche «König Oscar II» vorbei geht’s den gleichen Weg zurück nach Kirkenes. In Norwegen sieht man Wegweiser, z.B. Narvik 1060 km. Die Distanzen sind enorm und man spult etliche Kilometer ab. Es  ist kalt und eher trüb und regnerisch bei unter 10°. Ein bisschen Schweizerhitze würde uns gut tun.

Unser nächstes Ziel ist Hamningberg. Zwischendurch gibt es aber noch etliche Zwischestopps. Wir besuchen in Nesseby die weisse Holzkirche, welche an schöner Lage auf einer Halbinsel steht. Wir können die Kirche besichtigen und der Pfarrer fragt uns woher wir kommen. Auf unsere Antwort – aus der Schweiz –  ist er einen Moment still und meint dann in Englisch: «Freu dich am norwegischen Sommer und fahr vorsichtig!» Dieser Zuspruch, sich am norwegischen Sommer zu freuen, ist sicher gut, denn die kalten Temperaturen machen uns schon ein bisschen zu schaffen und drücken auch auf die Stimmung.

Wir kommen nach Ekkeroy, ein kleines Dorf mit einem bekannten Vogelfelsen. Hier gibt es Tausende von Möwen, welche hier brüten. Dies möchten wir uns ansehen und auch höre. Ausgerüstet mit Fotoapparat und Tele studieren wir die Infotafel. Ein Schwede kommt auf uns zu und erklärt uns, dass es in der Regel etwa 22 000 Brutpaare seien, aber dieses Jahr habe er kein einziges Brutpaar gefunden. Er komme seit 11 Jahren jedes Jahr hier her, es wurden zwar von Jahr zu Jahr weniger Möwen, aber keine – das habe er noch nie erlebt. Vielleicht liegt die Ursache am fehlenden Fisch im Meer. Wir drehen dennoch unsere Runde auf dem Felsplateau, aber wir finden wirklich keine brütenden Möwen.

Weiter geht’s nach Vardö, danach wird die Strasse immer enger, aber auch spektakulärer. Man fährt durch imposante Felsformationen. Für den Fahrer ist der Genuss nicht ganz so gross, muss er sich doch auf die Fahrt konzentrieren. Vor allem bei entgegenkommenden Fahrzeugen kann man leicht ins Schwitzen kommen. Zum Glück hat es nicht viel Verkehr. Nach einer schönen Fahrt gelangen wir nach Hamningberg. Dieser Ort besteht nur aus einer Handvoll Häusern. Wir stellen uns auf eine Schotterwiese und geniessen den Blick auf’s Meer. Es sind noch andere Wohnmobile da. Manchmal trifft man sogar solche wieder, die man schon an einem anderen Platz getroffen hat. Mit weidenden Rentieren verbringen wir eine sehr ruhige Nacht in der Einsamkeit.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Heute darf Urs aus dem Fenster schauen und ich fahre dieselbe Strasse wieder zurück. Wir haben die GoPro (Action Camera) montiert und freuen uns an den Filmaufnahmen während der Fahrt. Unterwegs schaut mich ein Tramper mit grossem, schwerem Rucksack so treuherzig an, dass wir ihn ca. 60 km mitnehmen. Er ist Belgier und seit 10 Monaten in Skandinavien unterwegs. Urs kann im Gespräch sein Englisch aufbessern und es ist interessant, was er alles zu erzählen hat. In Vadsö steigt er aus und versucht noch nach Finnland zu kommen.

Wir stellen uns auf den offiziellen Stellplatz. Obwohl die Sonne scheint, ist es kalt. Während Urs es sich versucht mit einer Decke und einem heissen Kaffee gemütlich zu machen, unternehme ich einen Spaziergang zum Meer und einem See mit vielen Vögeln.

Frieren macht keinen Spass und wir überlegen uns, ob wir möglichst schnell Nordnorwegen verlassen, oder auf wärmere Temperaturen hoffen sollen. Eigentlich weiss man ja, dass es in Norwegen auch im Sommer kalt sein kann. Aber im Stillen hofft man doch, dass das Wetter so einigermassen mitspielt. Urs träumt vom draussen sitzen und vom grillieren. Ich träume von sonnigeren Tagen. Wenn die Sonne scheint, sieht alles schon viel freundlicher und wärmer aus. So überlegen wir zwischendurch mal hin und her. Wir entscheiden uns zumindest im Wohnmobil zu heizen, obwohl es Gas braucht und wir gerne wissen würden, wie weit wir ohne Heizen mit einer Gasflasche kommen würden. Wir sind doch schon seit dem 22. Mai unterwegs und immer noch an der ersten Flasche. Das hängt sicherlich auch mit unserer neuen strombetriebenen Kompressorkühlbox zusammen, welche gute Dienste leistet. Dort lagern wir die Kühlschrank-Lebensmittel und im Wohnmobilkühlschrank bringen wir das Gemüse unter. Dieser Kühlschrank wird nur während der Fahrt mit 12 V gekühlt, verbraucht also kein Gas. Für das Gemüse reicht das, zudem legen wir jeweils noch Kühlelemente rein, damit die Kälte länger hält. Mit dem Heizen wird es auch sofort gemütlicher!

Unsere geplanten nächsten grossen Ziele sind das Wohnmobil-Nordkapp und das wirkliche Nordkapp mit ein paar Zwischenstopps. Wir werden sehen, wie es weiter geht.

2 Kommentare to “Skandinavien 12 Norwegen – Im Norden Finnmark 1”

  1. Lis+Frank

    Oh Ihr Arme! Frieren und wenig Sonnenschein, ja das schlägt auf die Psyche… Aber gut macht Ihr das, ja heizt… wärme tut Euch gut!😘
    Wunderbare Strassen, Landschaften… gefällt mir sehr gut!!!
    Was für ein cooler Filter hast Du da an der Camera?
    Danke für Eure Berichte und Arbeit!!!
    Sonnige Grüsse aus der Schweitz!! 😘😘😘

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