Skandinavien 15 Norwegen – Tromsö

Donnerstag, 4. Juli 2019

Es ist elf Uhr, der Motor läuft, es geht los. Heute werden wir etliche Stunden hinter dem Steuer verbringen, denn wir müssen am Abend zumindest in der Nähe von Tromsö sein, denn wir treffen am Folgetag eine ehemalige Schulkollegin von Ursi. Ca. 400 km liegen vor uns, wären alles Schweizer Autobahnen ohne Verkehr, so wäre dies fast ein Klacks. In Norwegen geht alles etwas langsamer und mit weniger Hektik. Autobahnen gibt es hier im Norden gar nicht. Die Hauptstrassen sind je nach Streckenführung auf 60 bis 80 km/h beschildert, es ist also eher ein gemütliches Tuckern gen Süden.

Für einen Abstecher nehmen wir uns trotzdem die Zeit. Eine enge Strasse führt uns entlang des Jokelfjord. Dort wo sie aufhört liegt ein kleiner Parkplatz. Wir müssen nur etwa 200 m dem Wanderweg folgen und schon haben wir eine tolle Sicht auf den Gletscher Oksfjordbre. Der Weg ist aber um einiges komplexer zu bewältigen als gedacht. Er ist mehr ein Pfad als ein Weg, der über Stock und Stein geht. Da es kürzlich geregnet hat, ist es weich und wir ziehen doch mal einen Schuh raus. Wir kommen gerade noch rechtzeitig. Die Sicht ist klar, uns gelingt das eine oder andere Foto. Kurz danach beginnt sich der Berg mit dem Gletscher in Wolken zu hüllen, was anfangs ebenfalls ein super Fotomotiv ist. Je länger wir dem Spektakel zuschauen, desto weniger sieht man vom Gletscher. Wir sind froh, dass wir sofort losgegangen sind und nicht zuerst noch etwas gegessen haben.

Im Verlaufe des späteren Nachmittags kommen wir am Aussichtspunkt auf Skorpa-Noklan vorbei. Die Sicht ist schlecht, es ist windig und viel zu kalt. Das höchst der Gefühle waren heute 7°! Trotzdem macht Ursi Fotos, mich zieht es ins windgeschützte Womo zurück. Viertel nach sechs Uhr abends sichten wir Tromsö in der Ferne. Wir durchqueren die Stadt und finden ausserhalb in Tonsvik einen geeigneten Stellplatz, dessen Zufahrt in einem so miesen Zustand ist, dass uns unser Wohnmobil leidtut.

Freitag, 5. Juli 2019

Wir haben es nicht verlernt zeitig aufzustehen und loszufahren. Wir parken unser Fahrzeug um halb neun auf dem Parkplatz bei Ursis Schulkollegin Ruth. Sie hat uns zum gemeinsamen Frühstück eingeladen, auf das wir uns sehr freuen. Ruths Mutter ist auch auf Besuch und so verbringen wir eine unterhaltsame Zeit zusammen. Unser Vorrat an frischen Kleidern ist so gut wie nicht mehr existent. Wir sind froh, dass wir die Waschmaschine benützen dürfen. Nachdem die erste Maschine durchgelaufen und aufgehängt und die Nächste am laufen ist, machen wir uns für einen Spaziergang auf. Sicherheitshalber haben wir auch Lunchbrote dabei. Etwa eine Fahrstunde ausserhalb Tromsö brechen wir auf und folgen einem Wanderweg dem Ullsfjorden entlang. Kaum gestartet kommt ein wunderschöner Rastplatz mit Klo Häuschen, das einen direkten Blick auf den Fjord hat. Der Fotoapparat hat viel zu arbeiten, gibt es hier doch schöne Felsen und Steine, welche wir jetzt bei Ebbe gut sehen können.

Später zweigen wir nochmals vom Wanderweg ab und gelangen zum Strand. Die steigende Flut lässt immer wieder Wasser am Fels aufspritzen. Diesem Naturschauspiel schauen wir lange zu und versuchen es auf Bild und Film festzuhalten. Auf der anderen Fjordseite erheben sich die Lyngen Alpen und stehen majestätisch vor uns. Ich könnte einen Stuhl nehmen und dieses Panorama stundenlang (bei gutem Wetter) bestaunen.

Zurück beim Auto essen wir den Lunch und entscheiden zusammen, dass es zum Znacht Fondue geben soll. Ohne einkaufen geht es nicht. Währenddessen erhalten wir von Ruth wertvolle Tipps was die norwegischen Produkte betrifft. Da ist z.B. Susild, Fischstückchen im Essigwasser mit Zwiebeln. Wenn es das bei uns gäbe, würde ich nie mehr Rollmops kaufen. Dass nordnorwegische Erdbeeren die besten seien, denn Mitternachtssonne tut ihnen gut. Auch über den braunen norwegischen Käse werden wir aufgeklärt. Es handelt sich hierbei nicht um einen Käse in herkömmlicher Art, sondern eher um eine süsse Variante, bei welchem die Zutaten caramelisiert werden. Dieser hätte gut zum Rentiergeschnetzelten gepasst. Wir erzählen von unserer positiven Waffelerfahrung vom Nordkap, dass Ruth vorschlägt, dies morgen zu machen. Nun wissen wir, dass wohl jeder norwegische Haushalt mindestens ein, wenn nicht gar mehrere, Waffeleisen besitzt.

Samstag, 6. Juli 2019

Wir suchen zusammen das XXL Sportgeschäft auf und kaufen eine Kniebandage für mich. Anschliessend fahren wir in die Innenstadt von Tromsö und gehen spazieren. Es findet gerade ein Oldtimertreffen statt und wir können die alten Fahrzeuge hautnah erleben.

Wieder zurück in Ruths Zuhause stellt sie sich in die Küche und bereitet den Waffelteig zu und bäckt diese. Die Zutaten werden so nach Gefühl dazugegeben. Ein Rezept wie viel Gramm von welcher Zutat gibt es nicht. „Irgendwann hast du das im Gefühl“, meint sie und lacht. Wir machen uns mit einem Heisshunger über den riesigen Berg an Waffeln her.

Nun haben wir wieder frische Wäsche und Ursi hat sich schon selten so über frisch gewaschene Wäsche gefreut. Gegen Abend machen wir uns auf, um noch ein Stück Richtung Senja-Insel fahren zu können. Wir haben zwei wundervolle Tage hier verbracht und sehr gute Gespräche geführt. Wir durften einiges über Norwegen und die Menschen erfahren. Ein herzliches Dankeschön an Ruth und für ihre Gastfreundschaft! Es war fast wie zu Hause.

One Kommentar to “Skandinavien 15 Norwegen – Tromsö”

  1. Lis+Frank

    Good Morning Ihr Zwei!
    Ja, dass kann ich mir gut vorstellen…frische Wäsche wird dann zum Luxus!!
    Schön habt Ihrs.
    Bestimmt habt Ihr Gespräche mit «Dritten» und dann noch Schweizer genossen.
    Ich nehme an, jetzt kommt dann die Zeit wo Ihr soooooo viele Eindrücke habt,
    diese auch wieder zu verarbeiten nicht ganz einfach ist. Der Blog hilft Euch bestimmt :-))
    Weiter gute Fahrt und herzliche Grüsse!
    Franky & Lis

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