Sonntag, 7. Juli 2019
Die Insel Senja gilt bei vielen Touristen als Geheimtipp. Mit wundervoller Natur und noch nicht so touristisch überlaufen bietet sich diese Insel mit den verschiedenen Fingern an. Die Strassen hier sind im Durchschnitt ein gutes Stück enger, aber trotzdem noch gut machbar mit dem Wohnmobil. Immer wieder kommen zum Teil sehr schmale Felsentunnels, in denen man nur bei Ausbuchtungen kreuzen kann.
Hier im Norden von Norwegen scheinen die Touristen, wie auch wir, länger unterwegs zu sein. Und so treffen wir an einem Rastplatz bereits zum dritten Mal ein deutsches Ehepaar und tauschen unsere zwischenzeitlich gemachten Eindrücke und Erfahrungen aus.
Im Reiseführer haben wir von einer kurzen Wanderung auf den Aussichtshügel Knuten gelesen. Dies nehmen wir von dem Rastplatz aus in Angriff. Nach knapp einer halben Stunde habe wir den Gipfel erklommen und werden mit einer überwältigenden Aussicht belohnt. In Norwegen gilt auch das sogenannte Jedermanns-Recht. Es ist erlaubt, auf öffentlichem Grund, in nicht unmittelbarer Distanz zu einem Haus, für eine Nacht zu campen. So entdecken wir auch hier auf dem Hügel, auf ebenen und schieferen Flächen mehrere kleine Zelte – idyllisch. Wir entscheiden uns hier zu übernachten, natürlich auf einer ebenen Fläche. Die Plätze mit Blick auf den Fjord sind alle schon besetzt und so wählen wir einen anderen aus. Das Wetter ist super und mit schon 15° vormittags angenehm warm, wenn nicht gar heiss. Ein langer Abend resp. Lange Nacht steht vor uns. Die Mitternachtssonne wollen wir uns an diesem grandiosen Ort sicher nicht entgehen lassen. Sie steht auch um Mitternacht immer noch ein gutes Stück übe dem Horizont, aber doch nicht mehr so hoch, wie wir das bei den letzten Malen beobachtet haben.
Montag, 8. Juli 2019
Die Sonne heizt das Wohnmobil auf und treibt uns aus dem Bett. Heute ist ‚dolce far niente‘ Tag, also süsses nichts tun ist angesagt. Die Liegestühle sind rasch ausgepackt und aufgestellt. Natürlich direkt an der Sonne – wir hatten ja bekanntlich in den letzten Tagen wenig von ihr abbekommen und unser Wärmebedarf war noch sehr ungenügend gedeckt. Widerwillig machen wir von der Sonnencreme Gebrauch. Wir schlürfen heissen Tee und nach 30 Minuten suchen wir bereits nach Alternativen, wie wir mit der Hitze der direkten Sonnenbestrahlung umgehen oder diese minimieren können. Wir wählen Stufe 1 und kehren der Sonne den Rücken zu. Dies ist bereits viel besser und lässt uns die nächste Runde gemütlich draussen sitzen. Der Tagesrhythmus wie zu Hause kennen wir hier im Norden ja schon lange nicht mehr. So verwundert es auch nicht, dass wir selbst um 14:30 Uhr noch nichts gegessen haben. Ursi zaubert uns einen wunderbaren Salat, Chips und feine gebratene Käsewürste auf den Teller.
Eigentlich steht einkaufen im Dorfladen auf dem Programm. Unser Wasser- und Getränkevorrat neigt sich rasant dem Ende zu und der Lunch für die Wanderung von morgen fällt sonst eher knapp aus. Nur leider fehlt uns beiden die Lust alles einzuräumen und hinzufahren. Da wir noch am Abend resp. in der Nacht an den Ausgangspunkt der Wanderung in Fjordgard fahren wollen, hoffen wir, dass wir dann den Einkauf noch tätigen können. Hier in Norwegen haben die meisten Läden bis 22:00 oder 23:00 Uhr offen. Wir geniessen also weiter die Nachmittagssonne.
Das Womo meldet sich, es will Gassi gehen J. Um 22:00 Uhr fahren wir los. Das Einkaufen hat sich schnell erübrigt. Hier im nirgendwo schliesst der Laden bereits um 18:00, nix von 11 Uhr abends. Die Strecke zu Fjordgard führt durch mehrere enge Tunnels. Kreuzen mit entgegenkommenden Fahrzeugen kann man nur in Ausweichstellen, weshalb wir die Strecke bewusst nicht am Tag machen wollen. Es ist darin wirklich eng und das eine Tunnel ist stockfinster, so dass wir froh sind, diese Löcher verlassen zu können.
Wir erwarten einen wunderschönen Übernachtungsplatz an einem Rastplatz, doch wir werden enttäuscht. Die Strasse zum Platz ist wegen Baustelle abgesperrt. Wir stellen uns temporär auf einen Kehrplatz, wohlwissend, dass das keine Lösung für die Nacht ist. „Es muss noch einen Wanderparkplatz beim Einstieg in die Tour zum Hesten (Berg) haben“, meint Ursi. Zu Fuss machen wir uns auf durchs Dorf. Die erste Ernüchterung ist eine Zufahrtsstrasse bei der Kirche, die vermutlich so 15 – 20 % Steigung bringt. Die bringt unseren Puls und die Atmung ganz schön auf trab. Oben angekommen finden wir keinen Platz, wo wir unser Womo parkieren könnten. Für PW oder den VW Bus wäre das kein Problem. Ob uns das etwas sagen will?
Info Tafeln zur Route und eindeutige Schilder wie man sich in der Natur verhalten, oder eben nicht verhalten soll, lässt auch den unkundigen Berggänger nicht im unklaren.
Der Weg führt vorbei an einem gemütlichen Unterstand mit Rentierfellen und Feuerstelle direkt die Falllinie in die Höhe. Mir beginnen die Knie nur schon beim Anblick zu schmerzen. Gedanklich klebt die Zunge für die Tour von morgen bereits am Boden, komplette Erschöpfung macht sich breit – wohlgemerkt – wir haben noch keinen Schritt auf dem Weg zurückgelegt. Die Vernunft regiert – auch bei uns. All diese suboptimalen Erkenntnisse begünstigen unsere äusserst reife Entscheidung. Wir blasen die Tour von morgen ab. Die Wanderung hätte uns auf den Hesten geführt, von dem man einen atemberaubenden Blick auf den Segla hat. Wir werden im Internet einige solcher Fotos suchen, um mit ihnen schwelgen und um angeben zu können.
Wir durchfahren 23.45 Uhr nochmals alle Tunnels und kehren an unseren Ausgangspunkt zurück, wo wir den Nachmittag so gemütlich verbracht haben, und vergessen das Ganze. Auf der Fahrt werden wir mit einer wunderschönen Mitternachtssonne beschenkt.
Dienstag/Mittwoch 9./10. Juli 2019
Die Entdeckungstour durch die Insel Senja geht weiter. Eine Zeitungsschlagzeile lautet „Endlich Sommer!“ Und so ist es auch. An einem schönen Sandstrand sind – jetzt, unter der Woche – alle Parkplätze belegt, die Leute baden oder lassen sich in den Badehosen bräunen. Wir kommen an zwei Aussichtspunkten vorbei und der Blick aufs Meer und in die Berge ist wunderschön.
Wir finden, ganz für uns alleine, einen schönen Übernachtungsplatz mit Aussicht auf eine See und in die Berge. Die Pouletbeine vom Lotus-Grill schmecken vorzüglich.
Am anderen Morgen lassen wir die Drohne kurz steigen. Beim letzten Mal hatte die Drohne Fehler gemeldet und wollte zum Schluss gar nicht mehr abheben. Der Start verläuft problemlos. Doch schon bald meldet sie, dass das GPS Signal zu schwach sei, die Übertragung der Bilddaten aufgrund zu schlechter Verbindung nicht stattfinden kann. Wir sind etwas frustriert, haben wir doch die Drohne von unseren Kindern auf den Geburtstag mit Hinblick auf unsere Reise erhalten. Wir wollten doch so viele coole Clips nach Hause bringen. Wir werden wohl mal das Internet um Rat fragen müssen.
Froh darüber, dass wir die Drohne sicher landen können, packen wir zusammen und fahren weiter um die letzten Winkel der Insel, die uns interessieren zu sehen. Man sagt, dass man auf der Insel Senja ganz Norwegen auf kleinem Raum landschaftlich erleben kann.
Über die Brücke bei Finnsnes verlassen wir am frühen Abend die Insel. Einkaufen ist angesagt. Die tollen Tipps von Ruth müssen in die Tat umgesetzt werden. Der Einkaufswagen füllt sich, norwegischer Käse en block (hell), der braune, caramelisierte Käse, fertige Waffelmischung … Einen Käsehobel führen sie nicht, damit werden wir im übernächsten Laden fündig. Nebenan ist ein Elkjop, ein Geschäft für Elektrogeräte, vergleichbar mit dem Mediamarkt. Zielgerichtet steuern wir zu den Waffeleisen, denn ohne Waffeln wollen wir nicht weiterleben. Unsere Wunschmodelle benötigen leider eher zu viel Strom, so dass wir sie im Womo knapp oder knapp nicht benutzen könnten. Wir entscheiden uns deshalb zu einer kleineren Ausführung und verlassen den Laden als stolze Besitzer – fast wie ein Norweger. Die Enttäuschung kommt im Wohnmobil, als ich feststellen muss, dass ich keinen entsprechenden Stecker Adapter dabei habe. Schnüff, wir haben uns doch so darauf gefreut. Ein Lichtblick tut sich auf. Wir kommen an die Steckdose unseres Wechselrichter ran – wir können es doch betreiben. Juuppii!!! In den nächsten Tagen werden wir von unseren eigenen Waffelerfahrungen berichten.
Super toll!
Danke für all die Eindrücke, die ihr rüberbringt.
Wir geniessen Norwegens Süden und die kühlenden Glace und senden euch sonnige Grüsse.
Erich