Skandinavien 18 Norwegen – Lofoten, eine Inselgruppe 1

Samstag, 13. Juli 2019

Wir machen uns auf zu den Lofoten. Heute brauchen wir unbedingt eine Versorgungsstation. Das Chemie WC voll und der Wassertank nach unserer Dusche heute leer. Unser Auto braucht also einen Vollservice. Dies ist zum Glück in Norwegen einfacher als in Finnland. So geht’s dem Fjord entlang, abseits der Hauptroute und wir kommen zu einer Baustelle. An der Felswand wird gearbeitet und nun heisst es warten. Wenige Autos stehen schon da und wir stellen uns hinten an. Erst nach 5 Minuten kommt das nächste Fahrzeug hinter uns an. Wir warten und warten und nach gut 20 Minuten können wir fahren. Das könnte man sich in der Schweiz nicht vorstellen. Wenn man an einer Baustelle über 20 Minuten warten müsste, würde man ausflippen. Dies scheint hier normal zu sein. Nach unserem Service am Auto und einem Einkauf, sehen wir uns in der Nähe von Harstad die Trondenes-Kirke an. Diese haben wir schon im Winter während unserer Hurtigrutenfahrt besucht. Im Sommer sieht alles ganz anders aus. Hier sind auch Überreste des 2. Weltkrieges zu sehen.

Unser Hunger meldet sich und wir weihen unser neu erstandenes Waffeleisen ein! Wir rühren den Teig aus dem Beutel mit Wasser und Butter an und dann geht’s los. Dazu essen wir natürlich norwegischer brauner Käse, aber auch Marmelade etc. Unsere Waffeln schmecken wunderbar! Während dem Essen kommen Ideen, für andere Teigvariationen oder was man auch noch dazu essen könnte.

Weiter geht unsere Fahrt Richtung Sortland. Die Strasse endet an einem Fjord und eine Fähre bringt uns für 280 Kronen (ca. 32.- Franken) nach Flesnes. In Norwegen gibt es unzählige solcher Fähren. Oft würde eine Umfahrung viel zu lange dauern oder ist gar nicht möglich. Wegen des Wetters entscheiden wir uns zuerst für den Besuch der Lofoten, statt der Vesteralen. Im 2015 waren wir schon einmal hier und haben die Lofoten mit den traumhaften Sandstränden, den schönen Orten, den imposanten Bergen und den tollen Übernachtungsmöglichkeiten meist mit Ausblick in bester Erinnerung.

Sonntag, 14. Juli 2019

Uns sind schon gestern die vielen Wohnmobile aufgefallen. Die Lofoten scheinen ja völlig überfüllt zu sein. Dies bestätigt auch ein Paar aus Deutschland, mit denen wir auf einem Rastplatz ins Gespräch kommen. Sie seien schon an sehr vielen Orten gewesen, in Europa, Kanada etc. aber so viele Wohnmobile wie auf den Lofoten haben sie noch nie gesehen. Da hat sich aber in den letzten 4 Jahren mächtig etwas verändert. Dies zeigt sich auch an den Schildern an Rastplätzen entlang der E10, mit dem Hinweis nicht zu übernachten, sondern nur zu rasten. Diese Tafeln werden aber eher ignoriert, denn das ist eigentlich nicht das Norwegen, welches man kennt. Wir sind gespannt, wie wir diesmal die Lofoten erleben werden.

Montag /Dienstag, 15./16. Juli 2019

Nachdem wir gestern schon mal kurz in Svolvaer waren und ausserhalb übernachtet haben, kehren wir früh nach Svolvaer zurück, damit wir auch einen Parkplatz fürs Womo finden. Als erstes geht es ins Kriegsmuseum. Das kleine Museum liegt nahe beim Hafen und ist voll mit kleineren Gegenständen und Bildern des 2. Weltkrieges. Da sind z.B. die verschiedenen Uniformen der Deutschen, Russen, Norweger und Amerikaner ausgestellt. Man findet einen Zahnarztstuhl, wie auch das Operationshandbuch für die deutschen Militärärzte.  Bilder des dt. Schlachtschiffes Tirpitz fehlen ebenso wenig wie die detaillierte Beschreibung einer Seeschlacht. Das Ganze ist sehr abwechslungsreich angeordnet, einiges ist auch auf deutsch, das Meiste aber in englisch und norwegisch beschrieben. Ein Besuch lohnt sich.

Um 12:00 Uhr verlassen wir das Museum, damit wir pünktlich zu unserem Ausflug, den wir gestern gebucht haben, zum Trollfjord und Seeadlerbeobachtung kommen. Zuerst erhalten wir einen Schutzanzug gegen Kälte und Wind. Danach ziehen wir die Rettungsweste über und zum Schluss kommt noch ein Helm mit Visier auf unser Kopf. „Weil es so kalt bläst und der Wind hart ins Gesicht peitscht“, meint unser Führer. Er muss es ja wissen, macht er doch diese Tour im Sommer jeden Tag. Wir sind etwa 10 oder 11 Teilnehmer auf dieser Tour. Mit einem Speedboot geht es schon bald rasant aufs Meer. Wir werden an eine Stelle mit Seeadlern geführt. Neun Seeadler konnten wir zählen, sei es etwas näher oder ferner. Leider hat sich keiner auf den Fisch gestürzt, welcher unser Guide ihnen zuwarf. Weiter geht die rasante Fahrt mit bis zu 60 km/h zum Trollfjord. Den kennen wir von aussen bereits von unserer Hurtigrutenreise. Der Eingang ist lediglich 100 m breit und wird von steilen Felswänden umgeben. Danach geht’s wieder zurück nach Svolvaer. Dieser Ausflug hat uns sehr gefallen!

Nun fahren wir zu einem Campingplatz mit Blick nach Norden aufs Meer. Also ideal für die Mitternachtssonne.  Der Fotoapparat muss nochmals schwer arbeiten, für die vielen Fotos bis Mitternacht, leider verschwindet die Sonne dann aber in einem Wolkenband.

Obwohl uns ein kalter Wind um die Ohren bläst, kosten wir die Zeit auf dem Campingplatz aus. Wir sitzen immer wieder auch draussen, obwohl wir uns ein bisschen wie „Weicheier“ vorkommen. Während wir in Windjacken und in Wolldecken eingewickelt sind, gibt’s harte Männer, sicher Nordländer, die in kurzen Hosen Zelte abbrechen oder frühstücken. Wir denken unsere Sache und sie werden ihre Gedanken über uns haben.

Am späteren Nachmittag machen wir uns auf den Weg.  Nach einstündiger Fahrt kommen wir in Eggum an – mit Blick aufs Meer. Was das wohl bedeuten soll? Klar, heute gibt es wieder gute Chancen für die nächtliche Sonne. Dies wird einer der letzten Tage sein, denn schon in Kürze geht die Sonne auf den Lofoten wieder unter.

Für die Mitternachtssonne geben wir nochmals alles. Ursi packt ihr Stativ aus und stellt es vor unserem Wohnmobil auf. Sie will alle 30 Minuten eine Foto machen und dann mal auf dem PC schauen, wie sich der Sonnenverlauf arrangieren lässt. Ich gehe mit meinem Handy einen anderen Weg. Zuerst reinige ich bestmöglich die Beifahrertürscheibe und platziere mein Handy auf einem Sandsack. Es ist ein Gebastel, bis der Bildausschnitt so einigermassen passt und das Meer auch noch in etwa horizontal ist. Bei der Videofunktion wähle ich die Zeitraffereinstellung, so nimmt das Handy alle 4 Sekunden selbständig ein Bild auf und fügt das zu einem Video zusammen. Für 1 Sekunde Film muss die Kamera also 2 Minuten aufnehmen, oder pro Filmminute läuft die Kamera 2 Stunden. Neben dem Fahrzeug geht leider der Spazierweg vorbei, welcher ausserordentlich gut frequentiert ist. So ergibt es sich halt, dass ganz viele Leute unfreiwillig für einen Sekundenbruchteil auf dem Film verewigt werden. Ursi steigt also alle 30 Minuten aus dem Auto, um den Auslöser zu drücken, währendem ich gemütlich die Sonne von innen her verfolge. Nach etwa 4 ½ Stunden hat die Filmerei und Knipserei ein Ende. Es ist etwa 02:30 Uhr und die Sonne ist so weit nach rechts gewandert, dass sie unseren Aufnahmebereich verlassen hat. Wir nehmen dies zum Anlass, uns hinzulegen und ein Mütze voll Schlaf zu nehmen. Es war eine wunderbare Nacht.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Nachdem am Vormittag die meisten anderen Wohnmobilisten abgereist sind, packen wir unsere Drohne aus und lassen sie fliegen. Das letzte Mal hatten wir ja grosse Probleme. Nach dem erneuten Studium der Anleitung haben wir nun nochmals mehr Infos, auf was alles zu achten sei. Wir machen einen zaghaften Versuch in überblickbarer Distanz und haben ein Hochgefühl, als wir das Fluggerät wieder landen können und einige Bilder im Kasten haben.

Bevor wir abfahren verabschieden wir uns von dem Schweizer Ehepaar, welches mit ihrem Land Rover 5 Monate unterwegs sein wollen. Wir sind am Vortag mit ihnen ins Gespräch gekommen und haben einmal mehr mit anderen Reisenden unsere Erfahrungen ausgetauscht.

Nächste Station ist das Wikingermuseum, welches nur etwa 20 Minuten Fahrt entfernt ist. Gemäss Google haltet man sich im Durchschnitt etwa 1 Std. 50 Min. dort auf – wir bringen es problemlos auf 4 Stunden. Mit 83 m Länge ist hier ein Häuptlingshof ausgegraben worden. Nun völlig rekonstruiert steht der grosse Hallenbau da und kann besichtigt werden. Man kann den Wikingern bei verschiedenen Arbeiten zuschauen. Der Besuch bringt die eine oder andere bestehende Falschvorstellung ins Wanken resp. wird gar umgeworfen. Der Begriff Wikinger, welcher wir mit den Skandinaviern assoziieren ist falsch. Der Wikinger ist nichts anderes als ein Pirat. Natürlich gab es Piraten, die aus Skandinavien kamen, deswegen sind jedoch nicht alle Skandinavier Piraten. Auch die allgemeinbildende Serie „Wiki und die starken Männer“ will uns weismachen, dass die Wikingerhelme Hörner hatten. Interessant jedoch ist, dass im ganzen europäischen Raum lediglich 2 oder 3 Helme aus Eisen gefunden wurden und keiner davon hatte Hörner. Man geht heute davon aus, dass die Wikinger, wenn überhaupt, Lederhelme trugen die mit Peck und Harz getränkt und dadurch gehärtet wurden. So wird man des angeblichen Wissens beraubt… Die archäologischen Fundstücke sind auch sehenswert. In 15 Minütiger Entfernung kann auch die originalgetreue Nachbildung eines Wikingerschiffes besichtigt oder auch gefahren werden.

Für die Übernachtung suchen wir wieder einen Picknickplatz auf. Aus zwei drei Wohnmobilen wurden es plötzlich deren zehn. Der Tourismus auf den Lofoten hat zugenommen, wir wie am Folgetag so richtig feststellen sollen.

One Kommentar to “Skandinavien 18 Norwegen – Lofoten, eine Inselgruppe 1”

Schreiben Sie einen Kommentar