Donnerstag, 18. Juli 2019
In Leknes geht’s auf Einkaufstour im Rema 1000 – so heisst der Laden. Danach fahren wir bei schönem, nicht heissem Wetter, auf der E10, der Hauptverbindungsstrasse, die Lofoten runter. Ursi hat verschiedene Zwischenstopps herausgesucht, welche uns die Schönheit der Inseln zeigen sollen und eine angenehme Unterbrechung der Fahrt darstellen. Da ist z.B. Anitas Sea Food Restaurant, in welchem wir, wie vor 4 Jahren bereits, einen Fischburger geniessen wollen. Wir haben Glück und können unser Fahrzeug gerade noch zwischen einer Durchfahrt und einem Parkplatz platzieren. Der Burger ist gut, dafür muss man jedoch einen fantastischen Preis von 140 NOK (ca 16.- Fr.) hinblättern.
Zeitweise ist die Strasse so eng, dass man gar nicht oder nur knapp kreuzen kann. Immer wieder sind mal Ausweichstellen markiert. Wenn da nicht alle etwas vorausschauend fahren kommt es bald einmal zu einem Stau an einer Engstelle und man muss sich aneinander vorbeizwängen. Highlights hier sind aber auch immer wieder die Brücken, welche zuerst steil in den Himmel hinauf führen um danach entsprechend wieder runterzugehen. Die Lofoten bestehen aus mehreren Inseln, welche durch Brücken und Tunnels miteinander verbunden sind.
Mehrere Aussichtspunkte müssen wir leider auslassen. Die Parkplätze sind bereits so voll, dass wir keine Chance haben uns auch noch hinzustellen. Wir hoffen, dass es in Reine besser ist. Reine ist ein kleines beliebtes Lofoten Dorf mit dem typischen Hafen und den Fischerhäusern, welche auf Stelzen an den Fjord gebaut sind. Im Hintergrund sind die Felswände und Berge zu sehen, ein bekanntes Fotosujet der Lofoten. Die Touristen werden mit Pfeilen und Tafeln geleitet. Die PW’s nach links, die Womos und andere grössere Fahrzeuge weiter nach rechts. Auf einer im Hafen aufgeschütteten Schotterfläche dürfen wir parkieren, nach Wunsch sogar übernachten. Mittlerweile ist es 14:00 Uhr. Kaum ausgestiegen machen wir uns schlau, welchen Obulus wir für diesen ‚luxuriösen‘ Parkplatz entrichten müssen. Von 08 – 15 Uhr kostet es 100 NOK (ca 11.50 Fr.) und von 15 – 08 Uhr sind nochmals 23.- Fr geschuldet. Ich glaube da wohnen Kanibalen – die Leben vom Tourismus. Für uns bedeutet dies, dass unser Besuch des Dorfes 33.- Fr kosten würde. Das ist uns definitiv zuviel. Ursi macht einige Fotos aus dem fahrenden Auto.
Wir fahren weiter durch die wunderbare Landschaft, vorbei an Fjorden, Bergen und Dörfern. Wir entdecken ein Holzgestell, an dem noch Stockfisch hängt. Es sind eigentlich vor allem die Köpfe, welche hier hangen. Der Duft ist auch ziemlich penetrant. Der Stockfisch muss aber eine Delikatesse sein und wird auch exportiert.
Bei einem Wasserfall wollen wir uns die Beine vertreten und natürlich das eine oder andere Foto schiessen. Das Navi führt uns fehlerfrei hin, dass aber auch hier der Parkplatz mehr als nur voll ist, konnten wir ja nicht ahnen. Enttäuschung, ja gar etwas Frust macht sich in mir breit. Vor vier Jahre war hier vieles noch idyllisch, sicher es hatte auch Touristen, aber nun ist es so voll hier, dass es kein Genuss mehr ist. Wir fahren weiter nach A. Ja die Ortschaft heisst wirklich A, der kürzeste Ortschaftsname der Welt! Die Strasse führt durch ein kurzes Tunnel endet unmittelbar danach an einem Aussichtspunkt. Hier können wir auf dem sehr vollen Grossparkplatz noch halten und die wenigen Meter zum Meer spazieren. Wir setzen uns in die Sonne und geniessen die sagenhafte Aussicht. Die Ruhe nach dieser ernüchternden Fahrt tut uns gut!
Wir entscheiden uns die Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen, auf welchem der Touristenrummel nicht so nervend spürbar ist. In Fredvang werden wir am Meer fündig. Das Wetter ist immer noch gut, der Blick gen Norden ist frei, ein erneuter Abend mit Mitternachtssonne steht bevor. Zuvor legen wir jedoch einen grossen Lachs auf den Grill.
Freitag, 19. Juli 2019
Wir beschliessen noch eine Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen. Wir haben also einen ganzen freien Tag vor uns. So frei nun auch wieder nicht, da wir auf die glorreiche Idee kommen, unsere Wäsche zu waschen. Gegen Mittag können wir die Waschmaschine für uns ergattern. Schnell sind die Wäschestücke reingestopft und das Waschmittel eingefüllt. Aber welches Programm muss man nehmen? Die meisten Programme sind nur 30°, jene mit 60° haben eine Laufzeit von über 4 Stunden! Wir entscheiden uns die Einstellung zu nehmen, wie wir die Maschine vorgefunden haben. Ein schlechter Entscheid. Die ersten 3-4 Minuten will die Maschine gar nicht damit anfangen die Trommel zu drehen. Wir sind irritiert. In der zwischenzeitlich gefundenen Anleitung stellen wir fest, dass da Programm für sehr ultradelikate, also äusserst heikle Wäsche ist. Wir drehen am Programmknopf und stellen auf Wolle – haben wir ganz toll gemacht, die Trommel dreht sich, wir zotteln davon, stellen auf dem Handy einen Alarm, um zeitig wieder bei der Waschmaschine zu sein. Sobald nämlich die Maschine eine gewisse Zeit fertig ist, stellt der Strom automatisch ab und die Türe kann nicht mehr geöffnet werden, ausser man spendiert nochmals die geforderten 20 Kronen 😉
80 Minuten später kommt die Ernüchterung. Die Jeans von Urs haben abgefärbt und das eine oder andere Wäschestück damit ‚veredelt‘. Zudem hat die liebe Waschmaschine die Wäsche nicht geschleudert, so dass wir sie tropfnass rausnehmen. Wir wringen sie von Hand aus und bugsieren sie in den Tumbler. Bei mittlerer Temperatur wird das wohl was werden… Für den nächsten Waschgang haben wir nun alles ziemlich unter Kontrolle und finden ein Programm mit knapp 2 Stunden Laufzeit und 40°.
Die Sonne scheint schön und ich will unser, für diese Reise gekauftes Sonnensegel, montieren. Die Montage geht problemlos vonstatten, wie wenn wir das schon x-mal gemacht hätten. Und es sieht auch noch grandios aus.
2 Stunden später kommt der nächste Hammer: Die Wäsche im Tumbler ist sehr, sehr heiss, dafür aber immer noch sehr sehr nass. Wir nehmen sie mit um sie beim Womo zum trocknen aufzuhängen. Bei erneuten Auswringversuchen stellen wir fest, dass noch viel gefärbtes Wasser herauskommt. Wir machen uns wieder auf zur Waschküche, um am Trog alles nochmals zu spülen.
Nun heisst es bei unserem Sonnensegel noch zusätzlich eine Waschleine zu ziehen und die Wäsche aufzuhängen. Es ist fast 17:00 Uhr, als wir das letzte Stück zum Trocknen auf die Schnur legen. Zum Glück haben wir ja noch einige Stunden Sonnenschein vor uns… Von neuankommenden Campern wird unser Bauwerk immer mit grossen Augen bewundert – was sie wohl denken mögen. Wir müssen ab dieser Situationskomik immer wieder lachen.
Vom Waschen kriegt man Hunger. Wir haben Lust auf Waffeln und Ursi bereitet eine rechte Portion Teig. Unter dem Sonnendach und der aufgehängten Wäsche stellen wir unser Tisch auf und stecken das Waffeleisen an und geniessen. Mittlerweile können wir das Waffeleisen schon recht gut bedienen und sie werden immer schöner und besser.
Samstag/Sonntag, 20./21. Juli 2019
Wir füllen noch unseren Wasservorrat auf und verabschieden uns von unseren Abwässern und dem Abfall. Mit einem tränenden Auge verlassen wir den schönen Campingplatz mit den vielen gemachten Erlebnissen. Als nächstes wollen wir den wunderschönen weissen Haukland Strand anfahren, den wir von unserem letzten Besuch her kennen und sehr schön ist. Auch hier hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Am Strand scheint es eine Surfschule oder was auch immer zu haben. Der Parkplatz wurde für Wohnmobile gänzlich versperrt, die Ambiance ist eine komplett andere als früher. Da man nirgends mehr halten kann, müssen weiterfahren. Der Utakleiv Strand liegt auf der anderen Hügelseite und ist durch einen kurzen Tunnel einfach erreichbar. Als wir vor 4 Jahren mit den Fahrrädern hierhin fuhren, war da so ziemlich nichts los, nur einige Zelte und Natur und Ruhe. Heute ist da ein Parkplatz, mit Parkticketmaschine, Einweisern, WC, Wasser, Abfallentsorgung etc. Falls sich ein Car hierher verirrt, um die Mitternachtssonne zu bestaunen, so darf er für 2 Stunden parkieren ca 170.- Franken bezahlen.
Das Wetter macht nicht mehr so richtig mit, es ist bedeckt, wer weiss, ob es sogar noch zu regnen anfängt. Am gegenüberliegenden Hang können wir beobachten, wie Nebel hinunterfliesst – so etwas haben wir noch nie so klar gesehen. Wir besuchen den Strand mit den grossen schönen Bollensteinen, welche für immer auf Fotos festgehalten werden. Auf der Suche nach dem idealsten Fotostandort tritt Ursi mit beiden Beinen in den tiefen, stinkenden Seetangmorast, aus dem sie sich mit Ekel herauswindet. Ich bin mit der Kamera leider nicht bereit, so dass ich nur noch die dreckigen Schuhe und Hosen festhalten kann. Ich hab schon lange nicht mehr so von Herzen gelacht.
Wir fahren weiter ostwärts, denn langsam wollen wir die Lofoten verlassen. Es kommt Nebel von den Hängen herunter, ein imposantes Schauspiel. Wir finden einen Parkplatz bei Tengeljord. Es wird immer nebliger und man kann den Fjord nicht mehr sehen. Wir hören nach Mitternacht das Hurtigruten-Schiff vorbeifahren, sehen es aber wegen des dichten Nebels leider nicht. Heute Abend ist unsere erste Gasflasche leer geworden. 60 Tage, also 8 ½ Wochen haben wir mit dieser einen Flasche gekocht, geduscht, abgewaschen und zum Teil geheizt.
Am Sonntag entscheiden wir uns, auf die Walsafari in Andenes zu verzichten. Wir hatten vor vier Jahren ein so tolles Erlebnis damit, dass wir Angst haben, nur enttäuscht zu werden. Wir verbringen den ganzen Tag auf dem Platz, machen uns Gedanken wohin unsere Tour uns weiter führen soll. Blog schreiben, Fotos sichern etc steht auch auf dem Programm.
Montag, 22. Juli 2019
Nach einem gemütlichen Morgen verlassen wir den Parkplatz und bald auch die Lofoten. Heute Morgen haben wir uns auch definitiv wegen des regnerischen Wetters gegen die Vesteralen entschieden. Eine Fahrt durch die Vesteralen werden wir sicher irgendeinmal nachholen, denn auch diese Inselgruppe ist sehr schön. Schöne Küstenstrassen im Regen und Nebel zu fahren, reizt uns nicht. Nun geht’s Richtung Narvik. Hier hoffen wir geeignete Lebensmittelgeschäfte zu finden, in denen wir noch unsere norwegischen Produkte zum mitnehmen kaufen können, bevor wir Norwegen verlassen. Ob wir der norwegischen Küste entlang südwärts oder direkt nach Schweden fahren ist noch unklar. Nach dem dritten Einkaufsladen haben wir beinahe alles zusammen und steuern auf Schweden zu. Irgendwie stimmt es mich ein bisschen wehmütig, nach 4 Wochen Norwegen so schnell zu verlassen. Es kommt nun so plötzlich, da wir dies erst heute Mittag so entschieden haben. Da ich mich auch auf Sonne freue, muss ich mich wohl damit abfinden. Unsere letzte Nacht in Norwegen verbringen wir nicht weit von der Grenze an der E10. Urs meint: „Mer sind nonig i Schwede, mer chönd morn susch immer no umchere und i Norwege südwärts fahre.“ Ich werde Morgen sicher noch einmal die Wetterprognosen studieren und dann werden wir ja sehen.