Skandinavien 21 Schweden – Lappland

Wir sind nun schon mehr als 8 Wochen unterwegs und hatten immer Ziele vor Augen. Konzert in England, Fährüberfahrt nach Finnland, Nordkapp, Tromsö, Senja, Lofoten – und jetzt? Nur den Weg zum Ziel entschieden wir oft spontan je nach Situation, Sehenswürdigkeiten oder Wetter. Jetzt sind wir so ein bisschen in Narvik gestrandet und wissen nicht so recht ob jetzt schon südwärts nach Schweden, weiter der norwegischen Küste entlang oder möglichst schnell nach Hause und noch ein bisschen Sommer im Süden? Alles ist offen und so schön dies auch ist, kann es aber auch ein Gefühl der Orientierungslosigkeit auslösen. Dies fällt gerade mir nicht so einfach, denn ich bin die Ferienplanerin, recherchiere ich doch vieles, wie Sehenswürdigkeiten, schöne Übernachtungsplätze etc. Nach einigem hin und her entscheiden wir doch nun auf der E10 nach Schweden zu fahren.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Auf unserem Übernachtungsplatz sind wir gestern Abend mit einem Polen ins Gespräch gekommen, der mit dem Motorrad und Zelt unterwegs ist. Nun, es ist ca 10:00 Uhr, ist er bereit zur Abfahrt und wir verabschieden uns, aber nicht ohne eine ernst gemeinte Einladung nach Polen bekommen zu haben.

Auch wir verlassen nun Norwegen und kommen auf der E10 schnell südwärts. Unterwegs fällt die Eisenbahnlinie Kiruna – Narvik auf. In regelmässigen Abständen sehen wir lange Güterzüge, welche Erz nach Narvik zum verschiffen transportieren. Wir zählen die Waggons und kommen doch tatsächlich auf 68! Die Gemeinde Kiruna (vielleicht so etwas wie ein Kanton) ist halb so gross wie Holland und um die Stadt Kiruna herum ist ein riesiges Erz-Abbaugebiet.

Auf der Strecke besuchen wir den Wasserfall „Silverfallet“. Ein Weg führt beidseits des Wasserfalls entlang. Im Anschluss steht die Abisko-Schlucht auf dem Programm. In Abisko gibt es ein Touristenzentrum, denn diese Gegend ist ein beliebtes Wandergebiet von kurzen, bis mehrtägigen Touren. Wir unternehmen eine Wanderung in die Schlucht. Immer wieder können wir sehr schöne Ausblicke auf den schäumenden Fluss und auf die Felsen geniessenn. Die Idylle wird regelmässig nur vom Signalton der Erzeisenbahn unterbrochen.

Einen Übernachtungsplatz finden wir 20.45 Uhr auf dem Skiberg (ca.700 m.ü.M.) bei Kiruna. Die Schotterstrasse hinauf ist steil, mit Schlaglöchern übersät und zum Teil mit nicht ungefährlichen Auswaschungen. Die Augen sind also offen zu halten um diesen Stellen bestmöglich ausweichen zu können. Urs hat dies aber voll im Griff und oben angekommen erwartet uns eine sehr schöne Aussicht. Zum Abschluss des Tages gibt es Lachs vom Grill!

Als Verdauungsspaziergang erklimmen wir noch die restlichen steilen Meter bis zur Spitze des Skiberges. Die Aussicht auf die Stadt Kiruna ist nicht sehr schön, denn riesig sind die Erz – Abbaugebiete. Ein Donnergrollen ertönt immer wieder aus dem Untergrund. Ob dies Sprengungen sind? Auch rund um den Skiberg (Liftanlage mit ca. 3 Abfahrten) wurde abgebaut und zum Teil pyramidenförmig in Terrassen wieder aufgefüllt. Wie sieht es wohl im Innern dieses Berges aus? Vielleicht durchlöchert wie ein Käse. Wir sind uns einig, diese Stadt und Gegend gefällt uns nicht. Paradox ist, dass das Ortszentrum von Kiruna umgesiedelt wird, da das Abbaugebiet immer grösser wird. Das heisst praktisch, dass etliche Einwohner umziehen müssen und sogar die sehenswerte grosse Holzkirche voraussichtlich im 2025 versetzt wird.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Heute sehen wir uns die Kirche von Kiruna an. Unglaublich die Vorstellung, dass diese Kirche versetzt werden soll! Der Glockenturm steht auch neben der Kirche, wie wir das schon oft im Norden Skandinaviens gesehen haben. Das Innere der Kirche soll an eine Kote (samische Behausung aus Holz und Fellen) erinnern. Die Konstruktion der Balken, das von oben herabfallende Licht und die dunklen Wände treffen diese Vorstellung.

Für uns geht’s nur wenige Kilometer weiter nach Jukkasjärvi, zur ältesten Holzkirche Lapplands aus dem Jahre 1608. Durch den nebenanstehenden Kirchturm kommt man in die Kirche. In dieser Ortschaft gibt es noch eine spezielle Attraktion. Dass es Ice-Hotel’s im Winter gibt weiss man, aber dass es auch ein Eishotel gibt, wo man 365 Tage im Jahr sich diesem kalten Vergnügen hingeben kann? Ihr habt richtig gelesen, man kann eine Nacht mitten im Sommer in einem Hotelzimmer aus Eis mit Betten aus Eis, Figuren aus Eis, einer Bar und einer Rezeption aus Eis buchen. Dieses „Vergnügen“ hat aber sicher auch seinen Preis. Dies zeigt sich auch am Preis für die Besichtigung von 30 Fr. Wir schauen uns diese Absurdität deshalb erst recht nur von aussen an. Es wäre spannend zu wissen, wieviel Energie gebraucht wird, um diesen Komplex zu kühlen.

Mittlerweile ist in Lappland das Thermometer in die Höhe geklettert und wir haben 25°. Für uns ist klar, dass wir uns nun einen Badesee suchen. In der Nähe von Gällivare werden wir fündig. Mit etlichen Schweden geniessen wir das Bad im warmen See mit schönem Sandstrand. Zum Übernachten suchen wir uns aber ein einsameres Plätzchen, welches wir nach einigen Fehlversuchen auch finden. Eine selbstgebaute Feuerstelle und wenig Holz ist vorhanden, so dass wir am Grillspiess unsere Würste braten. Das ist Sommerfeeling!

Freitag – Montag, 26. – 29. Juli 2019

In Porjus kann man nach Angaben des Reiseführers, ein altes Wasserkraftwerk besichtigen. Wir sind zur angegebenen Zeit da, aber es kommt niemand. Es sind auch noch ein paar Schweden da und niemand scheint so genau zu wissen, wie wo was. Unverrichteter Dinge fahren wir wieder ab. Unterwegs treffen wir noch auf mehrere Kraftwerke. Wasserkraftwerke liefern in Schweden 50 % der elektrischen Energie, der Rest kommt von Kernkraftwerken. Damit dies erreicht wurde, musste die natürliche Form verändert werden. Dies wurde durch Umleitungen und Staumauern erreicht. Fürs Auge ein nicht immer schöner Anblick, denn enorm sind auch die Stromleitungen, welche sich durch die Landschaft ziehen. Ein ehemaliges Flussbachbett kann auf einem kurzen Weg mit Aussichtspunkten besichtigt werden. Imposant sind die geschliffenen Steine und die Wucht von Wasser wird uns hier deutlich vor Augen geführt. Gerne würden wir aber das Tosen der Wassermassen erleben wie es vor über einhundert Jahren der Fall war.

Kurz nach Jokkmokk überfahren wir den Polarkreis. Ein bisschen Wehmut kommt auf, denn wir haben einige Wochen oberhalb des Polarkreises verbracht. Es ist mittlerweile ziemlich heiss geworden. Erlebt Lappland die heissesten Sommertage des Jahres? In uns kommt der Wunsch nach einem schönen Badeplatz auf. Bei 30° wünschen wir uns doch auch ein kühlendes Bad. Natürlich geniessen wir die Hitze auch, denn diesbezüglich sind wir im hohen Norden nicht so verwöhnt worden. Wir finden ein Traumplätzchen! Bei angenehmen Wassertemperaturen von 24° ist es herrlich zum baden und faulenzen. Für uns ist schnell klar, hier bleiben wir! Mit einem deutschen Wohnmobil und einem Rentier, welches hier wohl sein Revier hat, verbringen wir schöne Stunden an unserem Badeplatz! Am Samstag klettern die Temperaturen noch über 30° und so ist es herrlich immer wieder einmal ins Wasser zu springen. Auch den Sonntag geniessen wir in vollen Zügen mit Nichtstun, Lesen, Gesprächen, in der Hängematte liegen und Musik hören, Sudoku lösen, etwas Feines kochen und natürlich baden. Die langen Tage, die heissen Temperaturen und die wunderschönen Abendstimmungen an „unserem See“ haben uns sehr gut gefallen.

Montag, 29. Juli 2019

Es ist nun wieder beinahe 20 Grad kühler als am Samstag und nach einem erfrischenden Bad verlassen wir unser herrliches Plätzchen um 12.00 Uhr. Wir möchten heute einen Quellsee besuchen. Über 7 km Schotterstrasse erreichen wir den kleinen Parkplatz und auf einem Weg aus Holzstegen geht’s nun durch Wald und Moor. Das Antibrumm ist eingepackt, denn hier dringen wir auch in Wohngebiete der Mücken ein, fühlen diese sich in Wald- und Moorgebieten doch sehr heimisch. Nach 600 m kommen wir zu einem kleinen glasklaren blauen See. Beim genauen Hinschauen sieht man auf dem Grund an einigen Stellen das Wasser leicht sprudeln. Leider ist es heute mehrheitlich bedeckt, denn in der Sonne würde das Blau des Sees noch mehr zur Geltung kommen. Im Wald entdecken wir zu unserer Freude die ersten reifen Heidelbeeren! In Skandinavien sind die Waldböden oft flächendeckend mit Heidelbeerstauden bedeckt. Die Beeren sind oft kleiner als die Kulturheidelbeeren im Laden, schmecken aber köstlich. So findet doch die eine oder andere Beere den Weg in den Mund. Auf dem Rückweg fällt auf, dass wir uns hier auch auf dem Winterweg der Schneemobile befinden. An den Bäumen weisen rote Kreuze den Weg.

Nach einem Mittagessen und einem Nickerchen verlassen wir erst um 16.00 Uhr den Parkplatz. Unser nächstes Ziel ist eine Tankstelle und einen Einkaufsladen. Ein Übernachtungsplätzchen finden wir wieder an einem Badesee mit Sandstrand in der Nähe von Sorsele. Heute Nacht werden wir zwischen 23h und Mitternacht mit einem wunderschön leuchtend farbigem Himmel beschenkt!

2 Kommentare to “Skandinavien 21 Schweden – Lappland”

  1. Lis+Frank

    Woah, was wollt Ihr in den Süden?
    Ihr habt ja das Paradies dort!!!
    Das ist Freiheit!
    Habt Ihr auch schon gefischt?
    Das würde uns auch gefallen!!!
    Wir freuen uns sehr für Euch, verstehen aber auch, dass nach gut 8 Wochen etwas die Luft raus ist…
    Es sind so viele Eindrücke, die erstmal verarbeitet werden müssen.
    Nehmt Euch die Zeit!!!!
    Herzlichi Grüessli

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