Skandinavien 22 Schweden – Auf dem Vildmarksvägen

Dienstag, 30. Juli 2019

Der Vildmarksvägen ist eine Wildnisstrasse, welche von Strömsund über das Bergplateau Stekenjokk und weiter nach Vilhelmina führt. Auf der durchgehend asphaltierten Strasse kommt man an wunderschöner Landschaft, an Wasserfällen, an Bergen, an samischen Kulturplätzen und an zahlreichen Wandermöglichkeiten vorbei.

Bevor wir uns auf diese Wildnisstrasse begeben, besuchen wir in Stenele noch die grösste Holzkirche Schwedens. Sie stammt aus dem Jahre 1865 und wurde für 2000 Besucher konzipiert. Nicht weit von der schönen Kirche entfernt liegt der Aussichtsberg «Stenseleberget». Eine schmale Strasse führt auf den Aussichtsberg. Vom Parkplatz aus kann man auf einen hölzernen Aussichtsturm steigen, von dem man bei klarem Wetter eine kilometerweite Sicht geniessen kann. Unsere Blicke schweifen über den See und bis auf die weit entfernten Berge.

Kurz nach 15h verlassen wir den Stenseleberget und fahren nach Vilhelmina. Hier beginnt der Vildmarksvägen. Wir sind diese Strecke im 2015 schon einmal gefahren. Die Landschaft haben wir als sehr schön in Erinnerung, aber damals fuhren wir aufgrund einer Baustelle ca. 120 km auf Schotter. Nun hoffen wir doch, dass diese Baustelle beendet ist und wir diese Wildnisstrasse mehr geniessen können. Auf unserer Fahrt kommen wir an zahlreichen roten, weissen oder auch gelben Häusern aus Holz vorbei. Viele davon haben einen schönen Garten und blumengeschmückte Holzverandas. Einen Übernachtungsplatz finden wir auf einem Parkplatz neben der verkehrsarmen Strasse.

Mittwoch, 31. Juli 2019

Wir fahren weiter auf dem «Vildmarksvägen» und kommen zu einem ersten Wasserfall, dem Litsjöforsen. Es ist vielleicht eher eine Stromschnelle, aber es ist schön, dem Rauschen des Flusses zuzuhören. Da im Moment keine anderen Besucher da sind, nutzen wir die Gelegenheit, die Drohne zu starten. Es ist ein komisches Gefühl, sie über den Fluss und den Wasserfall fliegen zu lassen. Hoffentlich stürzt sie nicht ab und landet im Wasser. Wir sind gespannt auf den Film.

Jetzt haben wir Hunger, wärmen unseren restlichen Risotto vom Vortag, packen Teller und Besteck ein und mit der Pfanne in der Hand steigen wir über die grossen Steine. Ein Plätzchen für unser Mittagessen ist schnell gefunden – wir lassen es uns schmecken. In der herrlichen Natur im Freien zu essen ist einfach schön.

Unser nächster Halt ist beim «Trappetsforsen», wieder einem Wasserfall, welcher breit über kleine Stufen hinunterfliesst. Es reizt mich, mit dem Stativ und dem Filter einige Fotos zu schiessen.

Entlang dieser Strasse kann man zwei Sami-Kulturorte besuchen. Zum einen Ankarede und Fatmomakke. Wir besuchen heute die Sami Begegnungsstätte Fatmomakke mit einer langen Geschichte. Hier trafen sich die Samen schon seit vielen Hundert Jahren, immer wenn sie ihre Rentiere von den Bergen in die Wälder trieben. Während der Christianisierung entstand hier ein Kirchendorf, also eine Ansammlung Gebäude, wo die Menschen bei ihrem Kirchenbesuch übernachten konnten. Sie treffen sich hier immer noch jedes Jahr, um den Mittsommer zu feiern. Wir sehen uns die alten und neueren Behausungen an. Es ist spannend, etwas über das Leben und die Geschichte der Samen zu erfahren.

Es ist nun 16.30 Uhr und wir verlassen das Kirchendorf. Wieder auf dem  «Vildmarksvägen» kommen wir immer höher in die Berge und gelangen auf die Hochebene (879 m)  am Stekenjokk. Dieser Pass ist einer der höchstgelegenen asphaltierten Passstrassen Schwedens und ist nur von Anfang Juni bis Mitte Oktober offen. Im Winter gibt es hier grosse Schneemengen und Schneeverwehungen. Diese Tundra und Fjellgebiete sind im Frühjahr Brutplätze vieler seltener Vögel. Wir stellen uns zu den vielen anderen Wohnmobilen und verbringen eine sehr ruhige Nacht.

Donnerstag, 1. August 2019

Am Morgen unternehme ich einen Spaziergang, denn die karge Landschaft hat einen besonderen Reiz. Ein Vogel hüpft am Boden herum und lässt ein speziell ungewohntes Pfeifen von sich hören. Die Stille rundum tut gut und ich kehre ganz entspannt zum Wohnmobil zurück.

Um 10.15 Uhr verlassen wir das Hochplateau und unser nächstes Ziel ist der Hällingsfalled, ein 43 m hoher Wasserfall. Zuerst müssen wir aber gut 20 km Schotterstrasse zurücklegen. Die Strasse ist zum Teil eher schmal. Vom unteren Parkplatz aus unternehmen wir eine kleine Wanderung 2,6 km dem Fluss entlang. Der schmale Wanderweg führt über Bachläufe, an liegenden Baumstämmen vorbei, über Wurzelstöcke und Steine zum Wasserfall, welcher in die längste wassergefüllte Schlucht Schwedens von 800 m Länge verläuft. Wir geniessen die Wanderung und danach auch den Blick auf den Wasserfall, indem sich ein schöner Regenbogen im Sprühnebel zeigt. Dieser Sprühnebel schafft gute Wachstumsbedingungen für Flechten und Moose auf den Felsen. Nun sind wir beim oberen Parkplatz angekommen und kehren auf der Schotterstrasse zu unserem Wohnmobil zurück.

Auf der Schotterstrasse geht’s zurück nach Geddäde. Nach reiflichn Überlegungen entscheiden wir uns den «Vildmarksvägen» zu verlassen und wieder nach Norwegen zu fahren. Da Gäddäde ein Grenzdorf ist, sind wir schnell in Norwegen. Wir möchten nochmals Käse, eingelegten Fisch und  Lachs kaufen. Bei dem Gedanken läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen. Wir sind gespannt wann der erste Laden kommt. Wir fahren weiter und weiter, durch einsame Gebiete, Flüssen entlang und nur durch ganz kleine Dörfer. Vor allem die Fahrt über ein Fjell ist sehr schön. Die Abendsonne lässt die Natur in schönes Licht eintauchen. Da unser Wassertank leer ist, sind wir nebst dem Lebensmittelgeschäft auch auf der Suche nach einer Wasserzapfstelle. Nach einem erfolglosen Anfahren eines Platzes mit Wasser tanken wir unser Auto und sehen bei der Tankstelle einen Wasserhahn. Urs fragt nach und wir dürfen unser Auto füllen. Wir sind sehr dankbar wieder Wasser zu haben. Einen Übernachtungsplatz finden wir auf einem Wanderparkplatz umgeben von Wald. Zum Abendessen gibt’s etwas Feines vom Grill.

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