Skandinavien 23 Schweden – Südwärts mit Abstecher

Freitag, 2. August 2019

Auf der E6 fahren wir südwärts und kommen durch Landschaftsgebiete, die wir bis jetzt in Norwegen noch nicht gesehen haben. Weizenfelder, Weideflächen mit Kühen und Bauernhöfe ziehen an uns vorbei. Man merkt, dass wir schon merklich südlicher sind. In Steinkjer treffen wir den ersten grösseren Rema 1000. Diesen Laden lassen wir uns nicht entgehen. Alles was wir noch so auf der Liste haben findet in unserem Einkaufswagen Platz und voller Freude verstauen wir alles irgendwie im Wohnmobil. Nun nehmen wir auch den Wohnmobilkühlschrank wieder richtig in Betrieb. Da unsere erste Gasflasche so lange gehalten hat, können wir nun ohne Bedenken den Kühlschrank auch mit Gas betreiben, denn in Deutschland könnten wir bei Bedarf die Gasflasche auswechseln, da wir auch nicht mehr so lange in Skandinavien bleiben werden. Auf der E6 steuern wir auf Trondheim zu. Wir werden immer stiller und nehmen den zunehmenden Verkehr, die Industrie, die dichte Besiedlung, den stockenden Verkehr, Fast Food Restaurants und Radarkontrollen wahr. Upps, das alles sind wir uns nicht mehr gewohnt. Wir haben viele Wochen in Einsamkeit und stiller Natur verbracht, so dass wir nun beinahe überfordert sind. Ist es doch auch ein krasser Unterschied zu gestern! Das hätten wir nicht gedacht. Uns drängt es beide die E6 zu verlassen und wieder die Nebenstrassen zu suchen. Dies tun wir auch und es geht uns bald wieder besser. Wir kommen gut voran und auf einem Parkplatz in den Pampas finden wir unser Nachtlager. Schnell huscht noch ein Rentier an uns vorbei. Dies wird sicher eines der letzten Rentiere sein, denn eigentlich sind wir doch schon fast zu südlich für Rentiere.

Samstag, 3. August 2019

Kurz vor Mittag verlassen wir den Übernachtungsplatz und folgen der Strasse weiter südwärts. Schon bald kommen wir durch Roros. Wir wissen, dass dies eine ehemalige Kupferstadt war und nun zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Eigentlich haben wir keinen Halt geplant, doch beim Durchfahren reizt es mich schon sehr hier Halt zu machen. Urs spürt dies und wendet das Wohnmobil. Wir müssen auf einem für Wohnmobile gekennzeichneten Parkplatz parken und bemühen uns vergeblich mit dem Lösen des Parkticket. Trotzdem machen wir uns auf für einen kurzen Besuch der Altstadt. Die beliebteste Strasse kann man nicht verfehlen, denn der Touristenstrom führt uns automatisch ans richtige Ort. So viele Touristen haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Trubel macht aber auch den Reiz des Städtchens aus. Galerien, kleine Restaurants, Boutiquen, Shops etc. säumen die Strasse. Die farbigen alten Holzhäuser sind sehenswert.

Nach gut einer Stunde sind wir wieder unterwegs und fahren durch lichte Wälder. Moosbewachsene Steine liegen im Wald und geben ein schönes Bild ab. Selten kommt ein Auto entgegen und wir geniessen die Fahrt durch die Pampas. Wir passieren wieder die Grenze und sind nun endgültig in Schweden. Meist haben wir ohne Probleme einen Übernachtungsplatz gefunden, doch dies kann auch mal ein eher schwieriges Unterfangen sein. Dies gehört auch zum Wohnmobilalltag. Der erste Platz ist zu klein, der Zweite besetzt, der Dritte strassenmässig nicht einfach zu erreichen, der Vierte direkt unter der Starkstromleitung und nun ist der Fünfte im Navi einprogrammiert, stellen dann aber fest, dass das Navi den bedeutend weiteren Weg von der Südseite her nimmt. Das muss doch auch von Norden her gehen. Ich programmiere das Navi um und nun möchten wir es von Norden her versuchen. Ein Sackgassen – Schild hindert uns aber daran. Also doch die längere von Süden her kommende Route. Nach einer Weile müssen wir in eine schmale Strasse einbiegen. Wir kommen zu einer Gabelung. Das Navi führt rechts über eine autobreite Holzbrücke. Nicht ohne vorher die Schilder mit den Gewichts und Lastangaben (Höchstgewicht 4 t, maximale Achslast 2 t) studiert zu haben, folgen wir zögernd dem Strässchen über die Brücke. Das Auto hinter uns nimmt die linke Strasse. Was der Fahrer sich wohl gedacht hat! Wir sehen vor uns einen Hof, dann einen geparkten Laster und dann auch unser weiterführendes Schottersträsschen. Quer über die Strasse ist ein Schlauch verlegt und die Hausbesitzer sitzen Garten. Wir fahren ihnen gefühlsmässig beinahe durch den Garten und bei uns schleichen sich komische Gefühle ein. Urs meint zu mir nur noch: «Muesch eifach höflich winkend grüesse.» Dies tut er dann auch und ich getraue mich kaum hinzuschauen. Wenn man die Gedanken der Besitzer lesen könnte… – ist aber vielleicht besser man kann es nicht. Wir kommen unserem einprogrammierten Ziel immer näher und stehen bald auf einem kleinem Platz. Mitten im Wald bei einer Kehrschlaufe können wir uns hinstellen. Da entdecke ich das Fahrverbotsschild mit dem Vermerk Privatweg. Jetzt wissen wir, dass wir hier gar nicht hätten durchfahren dürfen. Dieser Privatweg gehört zu diesem Haus, bei dem wir mitten durchs Grundstück gefahren sind. Oh, das tut uns leid, denn wir wollten niemanden verärgern. Mit dem Velo gehen wir auf Erkundungstour. Wir sehen, dass wir von Norden her hätten kommen müssen und bei der Sackgasse unsere Koordinaten sind. Am nächsten Morgen werden wir sicher den offiziellen Weg fahren. Mit etwas schlechtem Gewissen schlafen wir bald ein mit dem Wissen, dass wir nächsten Morgen eher früh wegfahren werden.

Sonntag, 4. August 2019

7.40 Uhr! Wir sind abfahrbereit! Dies ist für uns eine Glanzleistung. Als erstes steuern wir die sehenswerte Holzkirche in Älgaras an. Leider ist die Kirche geschlossen und nach einem Frühstück fahren wir weiter. Unser heutiges Ziel ist der Tiveden-Nationalpark. Bei einer herzigen Selbstbedienungstouristeninformation kann man sich mit Prospekten und Infos zu den zahlreichen Wanderrouten eindecken. Eine kleine Wanderung würde uns guttun und so fahren wir zu einem der zwei Parkplätze im Nationalpark. Zum Glück haben wir noch eine einzelne deutsche Infobroschüre gefunden. Wir müssen das Auto auf dem für Wohnmobile gekennzeichneten Parkplatz abstellen. Urs und ich wählen eine Rundtour aus. Jede Tour hat eine Farbe mit unterschiedlich vielen Punkten. Wir wählen die schwarze Tour für 30 Minuten mit der Option währenddessen auf die orange Tour von 50 Minuten zu wechseln. Im Tiveden-Nationalpark wird alles im Wald so gelassen wie es ist und es entsteht immer mehr ein urwaldähnlicher Wald mit zum Teil riesigen Findlingen. Schnell ist der Bändern markierte schwarze Weg gefunden und es kann losgehen. Wir sind beeindruckt von den Steinen und dem naturbelassenen Wald. Immer wieder findet auch eine Heidelbeere den Weg in unseren Mund. Nach einer gefühlten Ewigkeit finden wir es seltsam, dass wir dem orangefarbenen Weg noch nicht begegnet sind. Laut Plan müsste dies doch längst geschehen sein. Ich frage Urs: «Du, chas sii, dass mir statt em schwarze Wäg em wisse Wäg gfolgt sind?» Wir kontrollieren den Plan und stellen fest, dass wir tatsächlich den falschen Bändern an den Bäumen gefolgt sind. Wir sind dem weissen Band mit Schwarzen Punkten gefolgt, statt dem Schwarzen Band mit weissen Punkten. Toll! Wie lange der weisse Weg dauert wissen wir nicht so genau. Immer wieder bewundern wir die Pflanzen, die Steine und Bäume. Nach 1 Stunde 50 Minuten sind wir wieder beim Auto. Es hat trotz falschem Weg Spass gemacht!

Da man im Nationalpark nicht übernachten darf, finden wir anhand eines Smartphone Apps ein wunderbares Plätzchen für uns alleine. Die Zufahrt ist leicht zu übersehen und sehr schmal. Die Bäume streifen das Wohnmobil. Wir stehen wieder einmal mehr einsam an einem See mit Feuerstelle und Badesteg. Schnell sind wir im Wasser und es ist herrlich! Wir hätten nicht gedacht, dass wir in Skandinavien so viel baden werden. Zum Znacht gibt’s heute den super feinen, grossen Lachs in der Grillschale aus Norwegen.

Montag, 5. August 2019

Heute klingelt wieder um 7.25 Uhr unser Wecker. Da es dem Vater von Urs nicht gut geht, möchten wir in grösseren Schritten südwärts fahren, um näher an der Schweiz zu sein. Wir lassen es uns aber nicht nehmen heute noch ein Morgenbad im See zu geniessen. Bei 14° Lufttemperatur braucht dies, diesmal für Urs, schon ziemlich Überwindung. Es ist aber herrlich und wir fühlen uns im Anschluss sehr frisch und munter. Zügig kommen wir voran und halten in Karlsborg bei einem Picknickplatz. Wir kaufen noch die feinen schwedischen Haferguetzli um sie nach Hause zu nehmen. Danach gibt es Frühstück am Vätterensee. Wir könnten noch lange hier sitzen, doch unsere Strecke ruft. Wir sind jetzt jeden Tag etwa 2 Breitengrade südlich gekommen. Wir sind schon bei 58°. Das Nordkapp liegt auf dem 71° Breitengrad und bei 47° sind wir daheim. Wir müssen uns auch wieder an die Dunkelheit gewöhnen und dies ist ein spezielles Gefühl. Einerseits ist es bereits August und die Tage werden überall sowieso kürzer, andererseits fahren wir immer südlicher und so ist der Unterschied von Tag zu Tag sehr gut zu bemerken.

Da wir auf unserem Heimweg statt nur Autofahren auch noch etwas erleben möchten, steuern wir in Südschweden in Ryd einen Autofriedhof mit einer besonderen Geschichte an. Ein Mann begann mit ca. 21 Jahren in einem Sumpfgebiet mit dem Torfabbau. Als die Zeit der Autos kam und immer mehr Menschen ein Auto besassen, begann er altersbedingt stehen gelassene Autos einzusammeln und zu sich ins Gelände zu holen. So begann er für sich aus den alten Autos Maschinen zusammen zu bauen und startete zudem einen Handel mit Ersatzteilen. Immer mehr kamen Leute von weit her zu ihm, welche ein Ersatzteil für ihren Wagen suchten. Er war damit einer der Recycling-Pioniere. Gewissenhaft entfernte er alle Autoteile (z.B. Batterien) und Flüssigkeiten (Öl,…), welche der Umwelt schaden würden. So sammelte er bis 150 Autos. Der Mann wurde alt und zog in ein Altersheim. Eigentlich wollte man danach den Sumpf von all dem rostigen Schrott frei räumen, doch verschiedene Interessengruppen schalteten sich ein und schlussendlich liess man die Räumaktion bleiben. Nun ist das Gelände frei zugänglich und man kann sehen, wie die Natur sich immer mehr den Platz zurückholt. Wir sind gespannt!

Nach einem stündigen Mittagshalt an einem wunderschönen See mit Seerosen sind wir bald in Ryd. Leider studiere ich nicht sehr viel und bin mit ¾ Hosen und Flipp Flopp unterwegs im Sumpf. So kassiere ich doch den einen und anderen Mückenstich. Der Autofriedhof ist eine Sehenswürdigkeit anderer Art. Rostige Autos können bewundert werden und zusammen mit der Natur, welche alles zurückerobert, gibt das Ganze ein etwas sonderbares Bild ab. Moosüberwachsene Autoreifen und kleine und grössere Bäume, welche durch die Rostteile wachsen, sehen als Kontrast zu den nun farblosen rostigen Autohüllen interessant aus. Wir sehen ein 40-jähriges Foto und da ist der Wandel der Zeit deutlich sichtbar. Wie sieht das Gelände wohl in weiteren 40 Jahren aus?

Ein Arbeitskollege von Urs hat mit seiner Frau im Norden Schwedens ein Ferienhaus. Nun ziehen sie um in ein Haus im Süden, in der Umgebung Karlshamn. Wir wissen, dass sie heute mit Sack und Pack an ihrem neuen Ort ankommen werden. Da wir nur 45 Minuten entfernt sind, schreiben wir eine Whatsapp Nachricht und fragen, ob sie schon eingetroffen sind und ob wir ihnen einen kurzen Besuch abstatten können. Sie freuen sich wenn wir kommen und so fahren wir nach Karlshamn. Ausserhalb der Stadt führt ein enge Privatstrasse zu ihrem Haus. Wenn uns jemand sieht wird man wieder denken, was das Wohnmobil wohl hier zu suchen hat. Auf jeden Fall schön grüssen und weiterfahren (grins). Wir werden freudig begrüsst und sind die ersten Gäste in ihrem neuen Ferienhaus. Sie selbst sind erst seit gut 2 Stunden da. Wir dürfen alles anschauen und sitzen danach an einem kleinen Gartentischchen zusammen. Etwas später tragen decken wir mit den vorhandenen Lebensmitteln den Tisch. Es gibt Knäckebrot mit Käse, Lachs etc. Wir lernen einen schwedischen Käse kennen – Prest, welchen wir am Folgetag dann auch noch kaufen gehen. Fröhlich erzählen wir gegenseitig von unseren Erlebnissen. Aus dem kurzen Besuch wird doch ein Längerer. Das Haus sieht auch im Dunkeln mit all den Lämpchen sehr romantisch aus. Wir dürfen auf ihrem Parkplatz übernachten.

Dienstag, 6. August 2019

Um 8.00 Uhr treffen wir uns nochmals zum Frühstück mit Tee, Kaffee und Knäckebrot. Wir dürfen auch ihre Dusche benutzen und dies ist sehr schön. Kurz nach 11.00 Uhr verabschieden wir uns und fahren winkend davon. Ein herzliches Danke an euch beide für eure Spontanität! Es war ein schöner Besuch bei euch. Auf welchem Weg wir Schweden verlassen, haben wir nun entschieden. Wir nehmen nicht eine der Fährvarianten, sondern wählen die Brücken. Die mautpflichtige 7845 m lange Öresundbrücke führt über das Meer nach Dänemark. Die 6790 m lange Storebältbrücke bringt uns dann nochmals übers Wasser. Die zwei Brücken kosten für uns mit dem Wohnmobil 170 Euro. Mit Tränen in den Augen haben wir Schweden verabschiedet. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so schwer fällt, Skandinavien zu verlassen. Ich vermisse jetzt schon die Natur, die Einsamkeit, die einsamen Seen und die freien Stellplätze in der Wildnis. Während Urs uns am Steuer durch den vielen Verkehr in Dänemark bringt, kämpfe ich mit den Tränen. An die vollen und manchmal auch engen Stellplätze in Deutschland werden uns erst wieder gewöhnen müssen. Um 18.30 Uhr treffen wir in Middelfart auf einem Picknickplatz am Wasser ein.

Mittwoch, 7. August 2019

Während ich am Blog schreibe bin, macht Urs den Haushalt. Er wäscht Geschirrtücher, denn die haben bei unserer Waschaktion auf dem Campingplatz in Fredvang auf den Lofoten einen eigenartig säuerlichen Geschmack abbekommen. Es ist für ihn kaum zum Aushalten und so macht er sich an die Arbeit. Heute werden wir noch etliche Kilometer hinter uns bringen, denn Morgen haben wir spontan mit unseren Freunden Lis und Frank an der Mosel abgemacht. Sie kommen aus dem Urlaub von England zurück und wir freuen uns sehr, sie an der Mosel auf einem Stellplatz zu sehen. Dies macht uns die Ankunft in der Zivilisation doch einfacher!

One Kommentar to “Skandinavien 23 Schweden – Südwärts mit Abstecher”

  1. Lis+Frank

    Guets Mörgeli
    Muss nicht einfach sein, nun wieder in der Zivilisation zu sein …
    Wir denken fest an Euch und an Urs’s Vater!
    Nun Richtung Süden mit Cali .. wir freuen uns für Euch!
    Sind schon gespannt wo es Euch hingeschlagen hat :-)))
    Schöne und behütete Weiterreise und herzliche Grüsse!
    Franky & Lis

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