Samstag, 11. Juli 2020
Eigentlich wollten wir uns bereits am Freitag auf den Weg machen, aber es war noch so viel zu erledigen. Am Samstagmittag war es dann soweit. Der VW California ist mit allem nötigen und unnötigem vollgestopft. Jeder hinterste und letzte Platz ist ausgenützt. In letzter Minute haben wir noch eim kleines Gestell gezimmert, in welches die Schlarpen einfach versorgt werden können. Auf so engem Raum wie in einem Cali, ist man um jede Fläche froh, auf der etwas versorgt werden kann. Wir sind froh um unseren Heckauszug, der mit 80 kg beladen werden kann und den Raum super ausnützt und wir doch alles bequem erreichen können.
Der Weg führt uns durch den Schwarzwald, dann auf die Autobahn nach Stuttgart. Nach einem Stopp mit Fahrerwechsel geht es rassig weiter nordwärts, auf Höhe Heilbronn nach Osten Richtung Nürnberg. Mit Ursi am Steuer fliegen die Kilometer nur so an uns vorbei. Mit der gleichen Geschwindigkeit nimmt unser Diesel Bestand ab, ja der Verbrauch steigt massiv, bei dieser sportlichen Fahrweise. Bayreuth lassen wir links liegen. Wir haben in einer App einen Stellplatz bei einem Badeweiher entdeckt, den wir anfahren wollen. Er liegt bei Helmbrechts, etwas ausserhalb, ideal für einen Bus.
Es hat abgekühlt, trotzdem braten wir unsere Pouletspiesse auf dem Gaskocher in der Grillpfanne und geniessen unser Mahl draussen sitzend. Für baden ist es uns zu kalt, aber das Kneippbecken lassen wir uns nicht entgehen. Die Beine fühlen sich im Anschluss herrlich an. Unsere Nachbarn laden uns zum Bier und Hugo ein und so kommen wir miteinander ins Gespräch. Die Schnacken, aber noch viel mehr die Kälte, setzen uns zu, so dass wir uns in unser Womo zurückziehen. Während ich diesen Bericht tippe versucht sich Ursi im lismen. Der Tag klingt so ganz gemütlich aus.
Sonntag, 12. Juli 2020
Nach einem gemütlichen Morgen und einem Geplauder mit einem Zürcher VW-Bus Päärchen, verlassen wir unseren Übernachtungsplatz und weiter geht’s Richtung Polen. Um 14.30 Uhr haben wir die Grenze erreicht. Man merkt kaum, dass man über die Grenze in ein anderes Land gefahren ist. Auf der Autobahn fahren wir zügig voran, nur Urs muss mich zwischendurch erinnern, dass in Polen die Höchstgeschwindigkeit 140 km/h ist. Unterwegs sehen wir zwei sonderbare Fahrzeuge… von einer Strassenzulassung in der Schweiz könnte man nur träumen.
Auf einem Parkplatz bei einer Tankstelle kommt es eher zu einer ungemütlichen Situation. Urs sitzt am Steuer und eine Frau klopft an die Scheibe. Urs lässt die Scheibe ein bisschen herunter und sie quaselt uns in einer uns fremden Sprache den Kopf voll. Wir verstehen kein Wort. Sie ist dreist, macht die Tür auf und gibt Urs eine Schachtel. Er will diese Schachtel nicht, verneint alles mit Worten, aber sie lässt nicht locker. Ein Blick auf die Schachtel weist auf einen 80% Alkohol hin. Ob die Frau Geld will oder mitfahren will – wissen wir nicht, aber Urs drückt der Frau die Schachtel wieder in die Hand, schliesst das Auto und dann gibt sie auf. Wir sind froh wieder unterwegs zu sein. Für unsere Übernachtung müssen wir uns ein sicheres Plätzchen suchen. Mit Hilfe von Park4night werden wir auch fündig. Am Rande eines Feldweges zwischen zwei Baggerseen stellen wir uns hin. Leider überziehen schnell dunkle Wolken den Himmel, so dass es kühl wird. Urs geniesst das warme Auto mit dem Computer, während ich warm angezogen draussen stricke und dem Vogelgezwitscher zuhöre. Später kommt die Sonne wieder und ich geniesse die Wärme der Abendsonne.
Montag, 13. Juli 2020
Schlafen im Aufstelldach vom Bus ist ein bisschen wie zelten. Man hört rundherum alles sehr gut und so weckt mich sehr schönes Vogelgezwitscher. Der Himmel ist bedeckt, aber ideal für einen weiteren Fahrtag. Wir kommen Litauen immer näher. Wir sind gespannt, ob an der Grenze kontrolliert wird woher die Einreisenden kommen. Wegen Corona veröffentlicht Litauen jede Woche eine aktualisierte Liste mit Ländern und deren Zahlen mit Ansteckungen pro 100 000 Einwohner. Kommt man von einem Land mit mehr als 16 Ansteckungen muss man bei der Einreise in die Quarantäne. Kommt man aus einem Land mit über 25 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner, so darf man schon gar nicht einreisen. Länder unter 16 Ansteckungen können frei einreisen. So habe ich die Zahlen während den Reisevorbereitungen in den letzten Wochen immer wieder verfolgt. Die letzten Angaben zur Schweiz mit 8,9 sollten demnach zum Einreisen kein Problem sein. Ob dies an der Grenze kontrolliert wird? Lassen wir uns überraschen. Auf der Autobahn kommen wir schnell voran. Uns begegnen nur sehr wenig Ausländer. Nach dem Verlassen der Autobahn kommt immer mehr die Fahrweise der Polen zum Ausdruck. Grundsätzlich fahren sie ca. 20 km/h zu schnell . Also mit 70 statt 50 durch das Dorf, mit über 100 statt 90 Überland. Das macht das Fahren für uns pflichtbewussten „braven Schweizer“ nicht ganz einfach. Kaum fährt man nur 10 zu schnell, kann es sein, dass man von einem Laster überholt wird. So ist das Fahren nicht mehr ganz so entspannt wie auf der Autobahn. Nach 536 km Fahrt steuern wir einen Platz an einem See an. Wir sind noch ca. 1 Stunde von Litauen entfernt. Da die Stadt Augustow nicht weit entfernt ist, sind wir nicht die Einzigen auf dem Parkplatz. Es scheint ein beliebter Platz zu sein, um Boote einzuwassern oder zu Fischen.
Uns reizt ein kurzes Bad und schnell sind wir im See. Schnell gewöhnt man sich an die Wassertemperatur und wir geniessen unser Bad. Danach machen wir es uns bequem und bald ist unser Waffelteig für ein feines Abendessen zubereitet. Unser Waffeleisen aus Norwegen kommt also auch hier in Polen zum Einsatz. Wir geniessen unser Nachtessen mit Blick auf den See. Zwei Männer brausen auf ihren Wassertöffs auf dem See an uns vorbei. Wir schauen ihnen gespannt zu und machen Fotos und Filmaufnahmen. Nachdem sie ihre Fahrt beendet haben kommen sie auf uns zu und fragen uns in Englisch und in Zeichensprache, ob wir von ihnen Fotos machen und dann ihnen mailen. Nun sind die Einstellungen der Fotokamera gefordert, die zwei aufeinanderzufahrenden Wassertöffs zu fotografieren. Wir zeigen ihnen im Anschluss die Bilder und sie sind richtig stolz und glücklich. Sogleich mailen wir die Bilder an die uns angegebene Adresse. Als Dankeschön bekommen wir eine Flasche Whisky! Winkend verabschieden wir uns von den zwei Polen. Später am Abend kommt ein Fischer und fragt uns in gebrochenem Deutsch: „Guten Morgen oder guten Abend?“ „Guten Abend,“ meinen wir schmunzelnd. Solche Begegnungen mit den Einheimischen machen Freude!
Dienstag, 14. Juli 2020
Heute passieren wir die Grenze zu Litauen. Ein Zollbeamte steht am Zoll und beobachtet die einreisenden Autos. Nun sind wir in Litauen und müssen unsere Uhren eine Stunde vor stellen. Schon bald fallen uns nebst Backsteinbauten die einfachen Holzhäuser auf. Zum Teil sehen sie verwittert und leicht verfallen aus, haben aber einen gewissen Charme. Vor uns fährt ein Bus, also nach unseren Vorstellungen eher ein Lieferwagen mit Fenster. Auf einer Landstrasse ist die Mitte geteert und links und rechts ist der Schotter zu sehen, welcher für die Laster zum Überhohlen benutzt wird. Da die Geschwindigkeit kaum gedrosselt wird, ist man als nachfolgendes Auto in einer Staubwolke verschwunden. Immer wieder sichten wir Störche auf der Wiese oder in Nestern auf Masten. Dies sind unsere ersten Eindrücke von Litauen. Wir besuchen die Stadt Druskininkai.
Man hat halt einfach so seine Vorurteile über so östlichere Staaten und deren Bewohner. Man muss trotzdem einfach mutig das Auto auf einem Parkplatz abstellen ohne sich zu viele Gedanken zu machen, denn sonst könnte man nichts unternehmen. Diese Stadt ist ein Kurort mit Hotels, Restaurants, Kaffees, mit schönen Blumengeschmückte Troge, schöne verzierte Holzhäuser inmitten moderner Bauwerke oder verfallener Betonbauten. Vor dem Erkunden essen wir eine sehr gute Pizza in einem italienischen Restaurant. Eine mächtige Kirche lockt für einen Besuch, wie auch die blaue russisch orthodoxe Kirche. Interessant ist auch der Musik-Brunnen. Man kann aus mehr als hundert Songs auswählen, muss dann via SMS per Handy bezahlen und dann wird das Lied abgespielt. Wir setzen uns auf einen der rundum verteilten Bänke und schauen uns das Brunnenspiel an. Aus Lautsprechern ertönt die Musik und der Springbrunnen spritzt dementsprechend zur Musik mit Wasser.
Heute finden wir nicht weit entfernt einen schönen Badeplatz auf Wiese in einem lichten Nadelwald. Die Wiese ist als Zeltwiese angegeben. Überdachte Picknicktische und Feuerstellen wie auch ein Trockenklo stehen zur Verfügung. Da fühlen wir uns wohl und geniessen noch den restlichen Nachmittag und Abend.
Ja also Mami, sollte ich dich auch für den WAB-Kurs anmelden, damit du Neues zum ‹ökologische Fahren› lernen kannst?
Sehr spannend, danke für die Berichte!
Hoi Ihr Womoler.
Einmal mehr tolle Bilder und teils spezielle Begegnungen in diesen uns eher fremden Ländern. Da werden wieder Schubladen mit Erlebnissen gefüllt!! Wünsche Euch viele , angenehme und sonnige Ferien- oder eher Reisetage – unfallfrei und pannenfrei. Seid Gott befohlen. Emil und Eliane.
Hallöchen Ihr Lieben!
Wie schafft Ihr das immer so spannend und schön zu beschreiben? Es liest sich wie „Butter“! Gratuliere!
Tolle Begegnungen! (die Türen sind bei uns bereits beim Abfahren immer geschlossen…😳 wohl so eine Ami-Sicherheitsgewohnheit)
Tolle Fotos! Danke fürs mitnehmen!
Herzlichi Grüessli
Tendys
Hoi ihr Liebe
Danke vielmal, dass ihr eus uf dem Wäg mit is Baltikum nämed! Wie immer ganz tolli Fotos!
Liebi Grüess und e gueti, erläbnisrichi Ziet
Erich und Annette