Baltikum 2 – Unterwegs im Süden Litauens

Mittwoch, 15.07.2020

Kaum zu glauben, aber die Hitze treibt uns aus dem Bett. Die Sonne strahlt vom Himmel und wieder erwartet uns ein prächtiger und warmer Sonnentag. Heute besuchen wir Antanas Cesnulis. Diesen Mann kennt ihr bestimmt, oder? Nein? Kein Problem, wir kennen ihn auch nicht. Heute lernen wir ihn kennen, zumindest seine Holzschnitzereien. Dieser Mann ist 1948 geboren und begann 1977 mit der Holzschnitzkunst. Er ist hier sehr bekannt und im ganzen Land stehen Kunstwerke von ihm. Bei sich zu Hause hat er ein Museum mit den verschiedensten Schnitzkunstwerken eingerichtet. Man spürt bei seinen Arbeiten die Liebe zum Detail, die Darstellung verschiedenster Charaktere und den Wunsch, das Leben darzustellen. So kann man z.B. drei Bilder christlicher Feste aus dem Leben sehen, die Taufe, die Hochzeit und die trauernden Menschen einer Beerdigung. Auch wird den Besuchern ein Rätsel gestellt. Was geht zuerst auf 4 Beinen, dann auf 2 Beinen und zum Schluss auf 3 Beinen?

Zwischendurch sorgen Geräuscheffekte während des Rundgangs für Abwechslung. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir geniessen den schön angelegten Garten mit den Holzschnitzereien.

Nach einem Abstecher bei einem Kloster und der Besteigung eines Aussichtsturms finden wir heute Abend wieder ein schönes Plätzchen an einem See mit Badestrand. Das Auto steht im Schatten unter den grossen Bäumen und wir sitzen gemütlich am See in der Sonne. Hier lässt es sich leben! Der flache Sandstrand lädt zum Baden ein und über etwas Feines vom Grill freut sich unser Magen. Als krönender Abschluss dürfen wir einen schönen Sonnenuntergang erleben.

Wir bleiben so lange draussen sitzen, bis der Angriff aus der Luft kommt. Schnell ins Auto, denn hinter dem Mückennetz fühlen wir uns sicher.

Donnerstag, 16.07.2020

Wir haben gut geschlafen und Urs lässt sich durch mich (Ursi) zu einem Morgenbad verführen. Es kann ja nicht sein, dass ich einmal mehr baden auf der Liste habe als er. Es ist aber ziemlich frisch, aber wir fühlen uns nun wie frisch geduscht und erfrischt. Da unser Platz nun am Morgen sehr schattig ist, verlassen wir ihn bald. Unsere Fahrt geht Richtung Westen, Richtung Ostsee. In Kauna stehen wir vor einer grossen Herausforderung. Wir suchen einen Bankomaten. Bei uns würde man einfach eine Bank aufsuchen und dann am Bankomaten Geld entnehmen, aber dies ist hier gar nicht so einfach. Banken gibt es genug, aber keine Bankomaten. Nun heisst das Motto: hineingehen und fragen. Durch eine grosse schwere Türe kommen wir in eine grosse alte Halle mit viel dunklem Holz und diversen Schaltern. Man muss eine Nummer ziehen, aber wir fühlen uns hier ziemlich fehl am Platz. Wieder draussen suchen wir weiter und fragen zwei Frauen. Sie überlegen hin und her und meinen, dass es bei der Bank schwierig sei Geld zu bekommen. Vielleicht hat es im grossen Einkaufszentrum einen Geldautomaten. Wir finden dieses Einkaufszentrum im Navi schnell und steuern es an. Hier haben verschiedene Banken ihre Automaten aufgestellt. So, diese Hürde haben wir genommen! Nun kaufen wir die nötigen Lebensmittel ein und vor allem auch Wasser. Da unser 30 Liter Wassertank vom VW-Bus beinahe leer ist, müssen wir Wasser füllen. Wir haben an Tankstellen geschaut, aber erfolglos. Wir sind stolz, dass uns 30 Liter so lange gereicht haben. Man geht im Bus noch viel sparsamer mit dem Wasser um als im Wohnmobil, in dem man 100 l zur Verfügung hat. Wir haben in den letzten zwei Tagen auch mit Seewasser abgewaschen und das geht problemlos. Für uns besteht auch immer wieder die Gefahr, dass wir zu viel einkaufen und im Bus und Kühlschrank gar nicht alles verstauen können.

Nach der Besichtigung vom Schloss Panemune von aussen, wäre unser nächstes Ziel die Storchenkolonie von Bitenai, wenn uns ein heftiger Platzregen nicht unsere Pläne durchkreuzt hätte. Es regnet so extrem, dass sich auf den unebenen Strassen grosse Wasserlachen bilden und das Fahren anstrengend und auch gefährlich wird. Sehr unebene Strassen und Strassen mit Spurrillen sind mit einer speziellen Tafel markiert. Die Asphaltstrassen sind aber generell relativ uneben und es schaukelt bei der Fahrt doch oft hin und her. Da man nicht überall solche Schilder aufstellen kann, sind daher nur die extrem unebenen Stellen markiert.

Wir finden in der Nähe der Storchenkolonie einen Schlafplatz bei einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Grenzfluss zu Russland. Wir realisieren, dass wir sehr nahe der russischen Grenze stehen. Beim Handy werden die Daten abgestellt, denn Urs hat bemerkt, dass er im russischen Netz ist. Der Regen hat wieder aufgehört, übrig bleiben davon nur noch die grossen Wasserlachen auf unserem Wanderparkkplatz.

Freitag, 17. 07.2020

Der Himmel ist wieder blau und wir machen uns auf zur Storchenkolonie. Dies ist eher aussergewöhnlich, da Störche eigentlich nicht in Kolonien leben und in Bäumen nisten. Kaum ausgestiegen begrüsst uns schon das Klappern der Störche. Rund 23 Nester sind auf den Baumwipfeln am Dorfrand von Bitenai zu sehen. Ein tolles Erlebnis Störche so in freier Natur zu erleben.

Wir sind nun nicht mehr weit von Klaipeda entfernt. Dies macht sich auch durch den Verkehr bemerkbar. Wir kommen sogar in den ersten Stau unserer Reise. An einer Tankstelle stillen wir noch den Durst des Autos mit günstigem Diesel. Von solchen Preisen sind wir in der Schweiz weit entfernt.

Ich traue meinen Augen nicht, als mein Blick zu der Waschanlage schweift. Pinke Autos, also pinker Schaum auf den Autos! So etwas haben wir noch nie gesehen. Ob dies bei jeder Waschanlage so ist oder nur hier? Wir werden unsere Augen offenhalten.

Jetzt geht’s mit der Fähre auf die kurische Nehrung. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

One Kommentar to “Baltikum 2 – Unterwegs im Süden Litauens”

  1. Lis+Frank

    und wieder ein super schöner Bericht!
    ja wir sind verwöhnt in der Schweiz mit Bankautomaten….“ nur bares ist wahres“
    ☺️🤪🤪😂
    habe grad eine Zwischenstunde und mache einen Spaziergang, da ist Eurer Bericht eine Wohltat!!!
    Danke Ihr Lieben!!!
    Geniesst es weiter!!!

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