Baltikum 3 – Kurische Nehrung in Litauen

Freitag, 17.07.2020

Von Klaipeda fährt die kleine Fähre, welche etwa Platz für 30 Autos hat, hinüber auf die kurische Nehrung. Dies ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands mit schönen Sandstränden, Pinienwäldern und Dünen. Über das Festland ist sie nur über Russland zu erreichen. Seit 1945 gehören die oberen 52 km zu Litauen. Dieser Teil ist somit nur mit der Fähre erreichbar. Die kurische Nehrung ist ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel der Touristen und Einheimischen. Wir sind gespannt, was uns erwartet. 10 Minuten dauert die Überfahrt und dann folgen wir, der einzigen Strasse, welche durch Pinienwälder südwärts führt. Da der grösste Teil Nationalpark ist, muss man 30 Euro Eintritt bezahlen. Man darf im Nationalpark nicht frei übernachten und es gibt nur einen einzigen Campingplatz. Deswegen fahren wir nun schnellstmöglich auf den Campingplatz in Nidda, nahe der russischen Grenze. Der Platz ist ziemlich gut belegt, aber da wir so früh sind, haben wir Glück und finden noch ein schönes Plätzchen unter den Pinien. Um den Schatten sind wir froh, denn das Thermometer zeigt sehr sommerliche Temperaturen an. Schnell sind wir eingerichtet und grillieren eine Bratwurst. Zum Dessert gibt es Schoggibananen vom Grill. Mmh, wir lassen es uns schmecken und geniessen den Nachmittag.

Auf dem Campingpatz entdecken wir auch die Touristen, welsche wir bis jetzt vergeblich auf den Strassen gesucht haben. Schweizer begegnen uns nicht, aber einige Deutsche, Norweger und Finnen.

Gegen Abend verlassen wir zu Fuss den Campingplatz und spazieren zur grossen Düne, welche im Abendlicht schön aussehen soll. Auf Bretterwegen kommen wir zu einer grossen Sonnenuhr und dem höchsten Punkt der Düne. Wir blicken von der Aussichtsplattform Richtung Russland. Auf der einen Seite der Düne das Meer, auf der anderen Seite der Wald und wieder Wasser. Die Landzunge ist wirklich schmal. Ich (Ursi) kann es nicht lassen noch durch den Sand zu stapfen. Mir gefällt die Weite und der Sand unter meinen Füssen.

Mit den letzten Sonnenstrahlen kehren wir auf den Campingplatz zurück. Wir kommen mit unseren Nachbarn aus Deutschland ins Gespräch. Später am Abend setzt sich ein weiteres Paar aus Deutschland zu ihnen und wir werden in die Runde eingeladen. So verbringen wir zu sechst einen geselligen Abend mit guten Gesprächen. Weit nach Mitternacht verabschieden wir uns. Man würde nicht denken, dass es schon 1.30 Uhr ist, denn es werden noch Luftmatratzen aufgepumpt, begleitet von Gelächter und Gesprächen. Den Sommerabend haben anscheinend viele Campingplatzgäste genossen!

Samstag, 18.07.2020

Heute Morgen mache ich mich zu Fuss auf nach Nidda. Ein Fahrrad wäre hier auf der Halbinsel ein willkommenes Gefährt. In Nidda bewundere ich etliche rot-blaue Holzhäuser, welche typisch für diese Gegend sind. Urs geniesst den Morgen auf dem Campingplatz. Da wir erst um 13.00 Uhr den Platz verlassen müssen, frühstücken wir nach meiner Rückkehr ausgiebig. Das draussen Kochen und Essen macht einfach Spass!

Pünktlich um 13.00 Uhr verlassen wir den Campingplatz und fahren durch ein menschenüberlaufenes Nidda nordwärts. So mitten am Tag wird es nicht einfach sein, Parkplätze bei den Sehenswürdigkeiten zu finden. Eigentlich würden wir gerne Baden, die zweite Düne besichtigen, das Dorf Juodkrante anschauen und den Kormoranen einen Besuch abstatten. Die Menschen strömen mit ihren Badetaschen an die Strände und alle möglichen Parkmöglichkeiten scheinen besetzt zu sein. Wir haben aber Glück und finden eine Parklücke! Ein kurzer Weg führt zum Strand und wir geniessen das Baden in der Ostsee. Die Wassertemperatur ist mit 19° recht angenehm, vor allem wenn man erst mal im Wasser ist. Leider gibt es keine Stranddusche, aber für uns ist dies kein Problem. Da der Salzgehalt der Ostsee nicht so hoch ist, fühlt man sich auch nicht so salzig. Trotzdem nutzen wir unsere Kaltwasser-Aussendusche vom VW-Bus und fühlen uns nun ganz erfrischt und sauber. Bis zum kleinen Parkplatz bei der Düne ist es nicht weit. Der Parkplatz ist so voll und wir müssen kurz warten, bis ein Platz frei wird. Sogar mit einem Bus ist es eher eng, aber wir können wenigstens halten. Für den Besuch dieser Düne muss man 5 Euro Eintritt bezahlen. Urs bleibt im Auto und ich mache mich auf zum Bretterweg. «Ich bin bald wieder da», rufe ich Urs noch zu. Das «Bald» entpuppt sich als nicht so schnell, denn nach dem Bretterweg geht’s durch den Sand, durch viel Sand. Die Steigung macht das Ganze nicht einfacher und die Hitze vom Sand bringt mich ins Schwitzen. Vom erfrischenden Bad im Meer spüre ich nichts mehr, fühle mich eher wie in Marokko in der Wüste. Oben angelangt erfreue ich mich am schönen Blick auf die Düne und am Meer. Mit einigen Fotos mehr kehre ich zum Parkplatz zurück.

Unser nächstes Ziel ist der zerstörte Wald der Kormorane. Kahle Bäume so weit das Auge reicht und ein leicht beissender Geruch. Die schwarzen Vögel erwarten uns in ihren Nestern hockend hoch oben in den Ästen oder fliegend am blauen Himmel. Hier ist eine der ältesten und grössten Kormoran- und Reiherkolonien Litauens. Vor 25 Jahren waren es 14 Nester, 2003 zählte man 2500. Im Jahre 2007 begann man mit dem Ausräumen der Nester, um den Bestand in der Kontrolle zu halten und den Wald zu schützen. Ein ausgewachsener Kormoran frisst täglich ca. 400 g Fisch. Man sagt, dass die Vögel in jedem Jahr so viel Fisch fressen, wie die Fischer fangen. Da der Weg renoviert wird und somit abgesperrt ist, führt ein Trampelpfad nebenan in den zerstörten Wald. Natürlich sind Hintermanns mit dabei und stapfen auch in den Wald. Vorbei an Brennesseln und Büschen, welche mehr weiss als grün sind, gehen wir mutig voran. Hoffentlich hinterlässt kein Vogel seine Spuren auf unseren Köpfen! Auf den Kopf nicht, aber es spritzt neben mir auf ein Blatt und dann auf meinen Arm. Wää, das ist unangenehm und zum Glück ist das Desinfektionsfläschchen dank Corona schnell zur Hand. Es ist interessant zu sehen, was die Natur hier alles angerichtet hat. Es ist ein besonderes Erlebnis, diese Vögel zu sehen und zu beobachten.

Nach einem kurzen Halt im Fischerdorf Juodkrante fahren wir aus dem Nationalpark und stellen uns in die Reihe für die Überfahrt mit der Fähre nach Klaipeda. Es ist mittlerweile bald 21 Uhr und wir lassen uns aufs Festland schippern. Eine Schotterstrasse, auf der wir eine grosse Staubwolke hinter uns herziehen, bringt uns zu einem Picknick-Platz am Waldrand. Es ist bereits 21.20 Uhr und wir sind froh einen Platz gefunden zu haben.

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