Sonntag, 19.07.2020
Unser Übernachtungsplatz liegt ja wirklich ab vom Schuss, trotzdem findet immer wieder mal ein Auto den Weg an unserem Platz vorbei, ja es gibt sogar welche, die bei uns parkieren!!! Und erst noch frühmorgens, so dass wir aus unseren süssen Träumen katapultiert werden. Unser Auto wird bestaunt und die Kennzeichen geben Raum für Spekulationen. Italia hören wir den einen sagen, der andere meint Austria, beim Weggehen wird gar Australia erwähnt – nicht schlecht deren Geografiekenntnisse…
Die Strecke führt uns weiter die Schotterstrasse entlang. Unser nächstes Ziel ist eine grün gestrichene Holzkirche mit separatem Turm in Kalnalis. Die Kirche ist schön gelegen und sieht gut aus, leider können wir sie nur von aussen besichtigen. Nach diesem kurzen Zwischenhalt geht’s weiter nach Salantai zu Orvydas Garten. Orvyda war ein Steinmetz. In den 60er Jahren ordnete der russische Präsident an, alle Grabsteine von Friedhöfen zu entfernen. Man brachte dann diese in den Garten von Orvyda. Die sowjetischen Behörden versuchten mehrmals den Garten zu zerstören, was ihnen aber nicht wirklich gelang. Heute ist er ein märchenhaftes Labyrinth aus alten Grabsteinen, Steinskulpturen, Findlingen und Kunstwerken.
Wir haben noch nicht genug. Das Museum zum «kalten Krieg» will von uns besichtigt werden. Der Weg dahin erfordert jedoch einiges an Nerven. Diverse Teile führen über Schotterstrassen, was uns nicht besonders beeindruckt. Plötzlich stehen wir vor einer Baustelle mit Ampel, da nur eine Spur befahrbar ist. Auch das ist nicht weiter ungewöhnlich. Nach einem langen Warten wird es endlich grün und wir düsen los. Das Herz stockt jedoch urplötzlich, als auf unserer Spur plötzlich Fahrzeuge entgegen kommen. Was nun? Zum Glück kann gut auf den Radweg ausgewichen werden und so können wir kreuzen. Uff – das ging ja noch einmal gut. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 30 signalisiert, was je nach Stelle zu schnell, aber auch zu langsam ist. Wir tuckern also vor uns hin. Die nächsten Schweissausbrüche stehen jedoch noch bevor. Bereits kommen die nächsten Fahrzeuge entgegen, sogar ein Wohnmobil will/muss mit uns kreuzen. Meine Bemerkung auf Englisch, wir hätten grün gehabt, wird nicht geglaubt. Es wird eine Millimeterarbeit. Kurz danach haben wir den Einbahnteil hinter uns. Es scheint, dass die Bauarbeiter die Abstimmung der Signalisation falsch vorgenommen haben. Die einzelnen Zyklen hätten bei dieser Strecke und den herrschenden Bedingungen wesentlich länger sein sollen. Wir sind froh, dies ohne Schaden hinter uns zu haben.
Im Museum angekommen lösen wir die Tickets und gleichzeitig auch ein Audioguide auf Deutsch. Das Museum ist in der ersten sowjetischen Atomraketen Basis untergebracht, welche ausser Betrieb genommen wurde. Die Anlage wurde von 1960 – 1962 unter grössten Sicherheitsvorkehrungen und Geheimhaltung gebaut. Vier 30 m tiefe Raketensilos waren über Gänge miteinander verbunden. Im Zentrum der Anlage lag die Kommandozentrale, der Funkraum etc. Heute wird in all diesen Räumlichkeiten die Geschichte des kalten Krieges beschrieben und mit Bildern, Filmclips und Ausstellungsgegenständen dokumentiert. Sehr interessant, aber man spürt auch den Ernst, das Grausame der Vergangenheit.
Da es heute gut 28° heiss ist, wählen wir einen Übernachtungsplatz an einem See aus. Der Weg dahin ist geradewegs entspannend, da wir uns an einer Fahrzeugkolonne anschliessen und mit ihnen zusammen die Baustelle durchfahren. Und prompt haben wir am Ende beinahe das gleiche Problem. Da wir jedoch bereits am Ende der Strecke sind, warten die entgegenkommenden Fahrzeuge noch beim Rotlicht, obwohl sie grün hätten…
Da wir erst um 19:30 Uhr am See ankommen, sind schon viele Badegäste wieder nach Hause gegangen. Wie wir erfahren haben, wäre es am Nachmittag kaum möglich gewesen einen Parkplatz zu ergattern. Aber jetzt – perfekt. Der See lädt zum Bade und ist herrlich erfrischend. Danach gibt es Bratwürste auf dem Grill und zum Dessert Schoggi-Bananen.
Montag, 20.07.2020
Der gestrige Tag war ja sehr intensiv, so entscheiden wir uns, es heute ganz gemütlich angehen zu lassen. Der Tag ist geprägt von faulenzen, lesen, baden, nichts tun und ausspannen. Unser schöner Platz eignet sich bestens dafür. Am späteren Nachmittag ziehen Gewitterwolken auf und es beginnt zu winden. Wir haben eh nicht vor, nochmals hier zu übernachten, so räumen wir alles zusammen und machen uns um ca. 17:00 Uhr auf den Weg. Der Regen lässt nicht lange auf sich warten und es schüttet wie aus Kübeln. Das Fahren auf Litauens unebenen Strassen bei solchem Starkregen ist nicht so angenehm. Uns fällt auf, dass immer wieder Einheimische mit Warnblinkern am Strassenrand stehen bleiben und auf bessere Zeiten warten, dies nehmen wir jedenfalls an.
Der «Berg der Kreuze» ist unser heutiges Ziel. Dies ist ein katholischer Wallfahrtsort hier in Litauen. Am 07.09.1993 hat sogar Papst Johannes Paul II ihm einen Besuch abgestattet und eine Messe gelesen. Es bestehen Legenden wie der Berg der Kreuze anfänglich entstanden sein soll, Wikipedia weiss Rat, für alle die es mehr interessiert. Die Litauer rebellierten im 19. Jahrhundert zweimal gegen die russische Obrigkeit. Beide Aufstände wurden jedoch durch die Russen blutig niedergeschlagen. Zu dieser Zeit sollen die Bewohner der Umgebung begonnen haben, auf dem Hügel Kreuze für ihre bei den Aufständen getöteten Angehörigen aufzustellen. Anfang der 1990er Jahre wurde von Studenten der Universität Vilnius ein Versuch unternommen, die Zahl der Kreuze, die sich inzwischen auf einer Fläche von einem Hektar neben dem Hügel ausbreiten, zu bestimmen. Bei 50.000 Kreuzen haben sie zu zählen aufgehört…
Wir brechen vom Parkplatz, auf welchem wir auch übernachten werden, zu Fuss auf Richtung Kreuzhügel und werden mit einem wunderbaren Regenbogen belohnt. Dieser hat uns mehr berührt als die zig-Tausend Kreuze. Es ist sicher interessant dies hier einmal gesehen zu haben, aber es gehen uns dabei die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Ist es für die einen ein spezieller und besonderer Ort, ist es für andere eher Tourismus, abstossend und nichtssagend.
Unglaublich, dieses Chaos mit den Signalen… nochmals gut gelaufen
heber Euch sorg Ihr Liebe