Dienstag, 21. Juli 2020
Was ist denn das für ein Lärm um 6.30 Uhr? Ausgerechnet heute Morgen scheint der Auftrag der Gärtner zu sein, die Wiesenränder mit Rasentrimmern zu mähen. Uns hält nichts mehr lange im Bett und so machen wir uns auf zur Abfahrt. 7.15 Uhr abfahren, das ist für uns eine Meisterleistung! Unsere Tochter würde jetzt sagen: «Ein früher Vogel fängt den Wurm.» So sind wir eine Stunde später bereits an der Grenze zu Lettland. Ohne Kontrollen reisen wir ein und steuern das Schloss Rundale an. Wir müssen noch eine Stunde warten bis das Schloss um 10h öffnet.
Das bekannte Schloss ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Lettland. Das Schloss wurde im Auftrag der russischen Zarin als Sommerresidenz für einen Grafen 1736 – 1740 gebaut. Im 1. Weltkrieg wurde es als Militärlazarett genutzt. Seit 1963 begann man das Schloss mit seinen 138 Zimmern wieder in den Zustand des 18. Jhd. zurückzuversetzen.
Nach dem Ticketkauf bekommen wir blaue «Überziehschuhe» aus Plastik und die Besichtigung der Innenräume kann beginnen. Schön sind die Zimmer eingerichtet und die damalige Zeit wird einem vor die Augen geführt. Bemerkenswert sind die wunderschön gearbeiteten Decken und auch Wände der Räume, das Porzellan, die Bilder und Möbel. Dieser Rundgang durchs Schloss ist interessant und lohnt sich.
Im Anschluss schlendern wir durch den grossen, blumengeschmückten Schlossgarten. Alleen mit Linden, einen Rosengarten, Pergolen, einen Springbrunnen und einen orientalischen Pavillon zieren den Garten. Dass ein solcher Garten viel Arbeit mit sich bringt, sieht man auch an den Gärtnern, welche jäten, schneiden und die Buchsbäumchen wieder in ihre Form bringen. In einem kleinen Schlossgartenkaffee beenden wir unseren Besuch mit einer sehr guten Omelette mit Pilzen, Käse und Schinken.
Bei unserer Weiterfahrt fallen uns die zum Teil erbärmlichen Wohnhäuser auf. Es gibt nicht mehr so viele Holzhäuser wie in Litauen, aber Betonbauten und hellgraue Backsteinhäuser. Immer wieder begegnen uns auch verfallene, leerstehende Gebäude.
Nachdem wir uns in Dobele die Burgruine angeschaut haben, machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Uns zieht es in die Natur und so steuern wir den Nationalpark Kemeri an. Am Rande des Nationalparks liegen die Dunduru-Wiesen und wir finden einen für uns idealen Platz. Herrlich ist es hier! Die Halbwildpferde grasen auf der riesigen Weide. Es sind sicher gut 60 Tiere. Auch die Auerochsen sehen wir in der Ferne. Leider windet es ziemlich, so dass es am Abend recht kühl wird und wir um ein warmes Auto froh sind. Die Weite, absolute Stille und die Einsamkeit gefallen uns. Auf einem Holzturm lassen sich die Pferde und Ochsen gut beobachten, sofern sie in der Nähe sind, denn ihre Weide ist riesig.
Mittwoch, 22. Juli 2020
Wir haben wunderbar geschlafen in dieser Einsamkeit und machen uns nun auf zum Wanderparkplatz des Nationalparks. Wir machen uns auf die 3,2 Kilometer lange Rundwanderung. Schon bald werden wir von etwas ganz Besonderem aufgehalten. Der Waldboden ist bedeckt mit Heidelbeeren soweit das Auge reicht. Etliche kleine Beeren finden den Weg in unseren Mund und sie schmecken super. Leider zeigt sich das Wetter nun nicht mehr nur von der Sonnenseite und es beginnt zu regnen. Wir waren bei unserem Start anscheinend zu optimistisch und haben den Regenschutz im Auto gelassen. Da wir noch nicht weit sind, mache ich mich auf den Rückweg, um die Regenkleidung zu holen. Ich bringe noch eine Dose mit, denn so können wir auf dem Rückweg nochmals Heidelbeeren pflücken.
Nun sind wir ausgerüstet und es geht auf einem Bretterweg durch eine interessante Moorlandschaft. In diesem Moor liegen sehr viele Wassertümpel. Knorrige Kiefern, kleine Büsche und Moorpflanzen wachsen hier und die Landschaft ist herrlich. Wir sind nicht die Einzigen, welche diese Wanderung unternehmen, aber dies macht nichts und wir geniessen es in vollen Zügen. Leider fallen immer wieder Regengüsse auf uns herab, aber die Landschaft entschädigt uns dafür. Auf einem Aussichtsturm kann man die vielen Seelein von oben bewundern. Wieder im Wald bleiben wir nochmals bei den Heidelbeeren stehen und füllen unsere Dose. Wir werden diese gesammelten Beeren mit Waffeln essen.
Im VW-Bus ist es nicht so einfach gleichzeitig mehrere nasse Sachen zu trocknen, aber wir schaffen es alles aufzuhängen und fahren ins nahe Riga. Wir möchten auf dem City-Camping übernachten. Der Platzwart erzählt uns, dass sie dieses Jahr wegen Corona bis 40% weniger Gäste haben. So finden wir ohne Probleme einen Platz. Der Campingplatz ist nicht besonders schön, aber zweckmässig für einen Besuch der sehenswerten Hauptstadt Riga. Zum Abendessen geniessen wir salzige und süsse Waffeln mit Heidelbeeren. Mmmh, wir lassen es uns schmecken!
Mami und ihri Heidelbeeri 🙂 Guet hets gregnet und ihr hend nomal en Grund gha zum umkehre und es Schäleli z hole 😉
sehr schöni Plätzli händer da… und das Schloss, fast wie in Wien!!