Samstag, 25. Juli 2020
Der Himmel ist bedeckt und wir lassen uns heute Morgen Zeit. Wir haben es gemütlich im Auto und schreiben Berichte für die Webseite. Kurz nach 14h machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel. Wir besuchen in Krimuldas eine der ältesten Steinkirchen Lettlands. Die evangelisch-lutherische weisse Kirche wurde 1205 gegründet und steht abseits des Dorfes. Früher konnte man sich für 1 – 4 Taler eine Gruft kaufen. Je weiter vorn je teurer. Der vorderste Teil war den Pfarrern vorbehalten.
Immer wieder kommen starke Regengüsse vom Himmel. Ohne Schirm oder Regenschutz kann man nichts besichtigen. In Turaida weckt die Burg unser Interesse. Durch ein weitläufiges Parkgelände kommen wir zuerst zu einem Haus mit Museum. Hier wird das Leben aus der damaligen Zeit dargestellt sowie Fundstücke von Ausgrabungen ausgestellt. Bald darauf sind wir bei der Burg. Bis jetzt haben wir Glück und der Schirm blieb noch ungeöffnet. Die Sonne zeigt sich sogar für einen Augenblick und wir nutzen die Gelegenheit, die Burgruine vom Turm aus bei Sonnenlicht zu betrachten. Im Anschluss sehen wir uns noch die restlichen Räume mit den Ausstellungen an. Wir erfahren Interessantes aus der Geschichte der Burg.
Wir sind froh, dass das Wetter für unseren Burgbesuch gehalten hat und verlassen u 17h30 Uhr Turaida. Wo sollen wir schlafen? Dies ist eine der meist gestellten Fragen auf so einer Reise. Dies stört und stresst uns nicht, denn hier im Baltikum gibt es zahlreiche Freistehmöglichkeiten. Es gäbe auch etliche Campingplätze, doch wir bevorzugen Freistehplätze. Nun haben wir einen solchen Platz im Navi einprogrammiert und steuern ihn an. Bei der Anfahrt muss man sich immer wieder über den Zustand der Schotter- und Waldwege überraschen lassen. So entpuppt sich auch dieser Sandweg als herausfordernd. Mit dem Wohnmobil wäre es gar nicht möglich und mit dem Bus wagt man einfach mehr. An einer Stelle geht’s bergauf auf Sand und das Auto hat nicht mehr so viel Haftug auf dem Untergrund. Hoffentlich sind wir bald am Ziel! Urs macht sich schon Gedanken über den Rückweg am nächsten Morgen, vor allem da es dann an dieser Stelle den Hügel im Sand hinab geht. Bald stehen wir an einem schönen Moorsee mit etlichen Picknicktischen aus Holz und Feuerstellen. Wir sind nicht die Einzigen, finden aber ein schönes Plätzchen neben Tisch, Feuerstelle und Einstieg ins Wasser. Wow, hier gefällt es uns. Die Abendsonne strahlt uns an und wir haben Lust unsere Outdoorkochmöglichkeiten auszukosten. Für einen Moment fragen wir uns noch, wie die Einheimischen hierher gekommen sind mit ihren Autos. Da muss es noch einen anderen Weg als Zufahrt geben. Und den gibt es! Wir entdecken noch einen anderen Waldweg und wissen jetzt schon, dass wir diesen für unsere Rückfahrt wählen werden. Nun wird gekocht und wir geniessen das Outdoorleben in vollen Zügen. Auf dem Spirituskocher wird Reis mit Gemüse gekocht und auf dem Gaskocher braten wir mit der Grillpfanne ein Stück Fleisch. Mit Blick auf den See lassen wir es uns schmecken!
Während dem Essen kommt ein Lettländer mit seinem Sohn. Der Sohn badet und der Vater steht am Ufer und schaut ihm zu. Wir bieten ihm unseren Campingstuhl an und wechseln ein paar wenige Worte. Der ca. 12 Jährige Sohn übersetzt in Englisch. Der Lettländer sagt uns, dass er ein Restaurant nicht weit von hier habe. Er zeigt währenddessen mit der Hand in eine Richtung. Er sagt etwas von Forelle zum Essen…wir verstehen nicht alles. Urs fragt ihn, ob er morgen offen habe. „Ja, ja!“, meint er und wir sagen, dass wir vielleicht am nächsten Tag vorbeikommen. Ein kurzes Nicken und weg sind sie. Nach dem Essen suchen wir in Google Maps nach einem Restaurant in der Nähe. Wir finden ein Lokal in 2,5 km Entfernung. Es steht bei den Kommentaren auch was von Fisch und wir denken, dass es dieses Restaurant sein könnte. Wir bleiben lange draussen sitzen und sind froh diesen schönen Platz gefunden zu haben.
Sonntag, 26. Juli 2020
Heute begrüsst uns ein strahlend blauer Himmel. Wir sind im Moment noch im Schatten. Auf der anderen Seeseite sehen wir auch einen Bus stehen und auch weiter oben auf unserer Seite ist ein Zelt aufgestellt. Wir haben so ein schönes Plätzchen gefunden, dass wir uns entschliessen dazubleiben. Was machen wir mit dem Restaurant? Entweder gehen wir zu Fuss, nehmen das Auto und geben somit unserern idealen Platz frei oder lassen es bleiben. Montag und Dienstag hat das Restaurant Ruhetag. Um 11h30 Uhr machen wir uns zu Fuss auf den Weg. Anhand der Kartenapp finden wir die entsprechenden Waldwege, auf denen wir gut 30 Minuten zum Restaurant kommen. Ein schönes Holzgebäude an einem Teich erwartet die Gäste. Ein Kellner steht am Eingang mit einer gossen Tafel in der Hand. Darauf stehen mit Kreide geschrieben die Menus. Urs wählt die traditionellen Würstchen und ich das Fischfillet. Als Vorspeise bestellen wir eine Pilzsuppe. Wir setzen uns im Garten unter den Sonnenschirm. Es sind nur noch wenige Gäste anwesend. Leider führt die relativ stark befahrene Strasse direkt hinter den Büschen am Restaurant vorbei. Ob wir im Lokal des Letten von gestern Abend sind? Urs fragt den Kellner, ob der Besitzer dieses Lokals einen ca. 12 jährigen Sohn hat. Dieser bejaht und wenig später sehe ich den Jungen im Haus. Wir sind also am richtigen Ort. Die Suppe und auch das Essen kommt sehr schnell und wir lassen es uns schmecken. Das Essen ist schön angerichtet mit verschiedenen Salaten, Kartoffeln und natürlich mit Fisch oder Würstchen. Kaum fertig mit essen kommt der Lettländer aus dem Haus. Das ist der Mann von gestern Abend. Er schaut kurz zu den Tischen im Garten, ich nicke lächelnd zu und dann erkennt er uns. Voll Freude kommt er auf uns zu, begrüsst uns und sagt: „Moment, mein Sohn…“ Er holt seinen Sohn und seine Tochter als Übersetzungsteam. Strahlend kommen sie mit einer Flasche in der Hand zu unserem Tisch. Er schenkt uns etwas 40% ein, was es ist wissen wir nicht so genau. Durch seine Kinder lässt er fragen woher wir kommen und woher wir diesen See kennen. Ihn interessiert auch wie wir sein Restaurant gefunden haben und wo unser Auto sei. Wir erzählen ihm woher wir kommen und dass wir im Google Maps sein Restaurant gefunden haben und zu Fuss hergekommen sind. Er freut sich, lädt uns ein auch mehrere Tage hier mit dem Auto zu stehen. Sie verschwinden wieder im Haus und wir trinken unseren Drink. Es schmeckt besser als der Whisky der Polen. Da Urs vorher schon ein Bier gehabt hat, spürt er den Alkohol ziemlich. Wir sind uns auch nicht gewohnt so Hochprozentiges zu trinken. Wir dürfen aber nicht schlapp machen, trinken das Gläschen leer und schon kommt der Besitzer mit seinem Gefolge wieder zu uns. Er bietet uns an, uns mit seinem Auto zurück zum See zu bringen. Dieses Angebot nehmen wir sehr gerne an! Eine Ablehnung wäre wohl auch eine Verletzung der Gastfreundschaft. Kurze Zeit später sitzen wir im Auto und Vater und Tochter bringen uns zurück. Als Abschiedsgeschenk bekommen wir noch einen sauren Most. Wir würden ihnen gerne auch etwas schenken und Urs fragt sie, ob sie Lust haben den VW-Bus anzuschauen. Ein freudiges „Ja, ja“ folgt auf sein Angebot. Sie schauen sich alles an, denn so etwas gibt es in Lettland nicht fast nicht. Es gibt VW Busse und höchstens noch den Mulitvan, aber dieser ist sündhaft teuer hier in Lettland. Uns ist schon aufgefallen, dass es im Baltikum praktisch keine VW-Busse der neueren Generation gibt. Alte und zum Teil verrostete T4 sind hier im Einsatz, obwohl viele Einheimische auch neuere und schicke Autos fahren. Nach einem Abschiedsfoto verabschieden wir uns winkend. Noch lange denken wir an dieses schöne Erlebnis.
Wie kam dies alles zustande? „Nur“ wegen eines Angebotes von einem Campingstuhl… Während Urs ein Schläfchen macht, pflücke ich Heidelbeeren, welche zahlreich um uns herum wachsen. Wir verbringen einen schönen Nachmittag mit Lesen, Baden und Nichtstun. Es kann doch nicht sein, dass wir neben einer Feuerstelle stehen und nie ein Feuer machen! Im Wald suche ich Holz zusammen, so dass wir gegen Abend ein schönes Feuer machen können. An unseren Grillspiessen braten wir Schweizer Servelats. Je dunkler es wird, desto besser sieht man rund um den See drei Feuer brennen. Wir sitzen noch lange am Feuer und geniessen die schöne Stimmung.
Montag, 27. Juli 2020
Am Morgen pflücke ich nochmals eine Schale voll Heidelbeeren, danach essen wir ein wunderbares Frühstück mit einem selbstgemachten Brot. Heute verlassen wir „unseren See“ und möchten die Region um Cesis herum besuchen. Wir fahren auf Schotter durch kleine Dörfer und auf einmal endet die kleine Strasse am Fluss Gauja bei Ligatne. Da muss es eine Fähre geben, aber wir suchen schnell im Navi nach der nächsten Brücke. Ein Mann kommt und winkt uns herbei. Also geht’s auf die Fähre. So eine Fähre wie diese haben wir noch nie gesehen. Wir fahren hinab auf eine winzige Holzfähre, auf der ausser uns kaum noch ein Auto Platz hätte. Wir werden per Handbetrieb mit Hilfe der Strömung an einem Seil über den Fluss gebracht. Diese kurze Überfahrt ist für uns ein spezielles Erlebnis. Mit dieser kleinen Fähre wurden früher die Arbeiter der Papierfabrik über den Fluss gebracht, nachdem die Brücke im 2. Weltkrieg zerstört worden ist.
Bei der Papierfabrik halten wir schnell an und schauen uns die in den Fels gehauenen Vorratsräume an. Unsere nächsten Ziele sind rote Sandsteinfelsen, welche in dieser Gegend am Fluss Gauja an mehreren Orten zu bewundern sind. Immer wieder sehen wir Kanustationen, denn dieser Fluss ist beliebt für Kanutouren. Die Burg in Cesis können wir leider nur von aussen besichtigen, da sie montags geschlossen ist. Wir schlendern durch das Städtchen und erfreuen uns an einem Glace.
Gewitterwolken sind im Anzug und wir entscheiden uns zurück zu „unserem See“ zu fahren. Hier wissen wir, dass wir auch bei Regenwetter wieder gut durch die Waldwege kommen. Diesmal fahren wir auf die andere Seite des Sees, denn so haben wir evtl. am nächsten Tag Morgensonne. Wir schaffen es vor dem Regen gerade noch eine Suppe und unsere Migros-Tortenbödeli mit Vanillecreme und Heidelbeeren zu essen.
Hei,ei,eiiiii, wie findet Ihr nur immer diese wahnsinns Plätze? Da möchte man gerne auch gleich bei Euch dabei sein und mit fürlimache, dessert essen und und und!!! Ja, dass sind die schönen Begegnungen mit Mensch und Kultur, die man eher selten auf einem Camping macht…
Tolle Überfahrt, mit Manpower-Fähre! Unglaublich…. wir haben so Freude, eure Berichte, Fotos und Video‘s zu sehen!,