Sardinien 3 – Erlebnisse im Südwesten

Samstag, 29. Mai 2021

Nach der ruhigen Nacht planen wir unsere weitere Route, anhand der Karte und der Reiseführer. Im Trackreiseführer wird von einer guten Gelateria in Guspini erzählt und wir beschliessen diese aufzusuchen, denn ein Gelati gehört doch zu jeder Italienreise. Die Fahrt durch die bewaldeten Hügel ist kurvenreich und schön. Auch an einer alten stillgelegten Mine kommen wir wieder vorbei. Schon bald sitzen wir auf der „Piazza“ an einem Tischchen mit Blick auf die Kirche und schon bald bringt uns die freundliche Bedienung die Glacekarte. Mmh, nach dem Motto „wer die Wahl hat, hat die Qual“ wählen wir verschiedene Sorten aus und lassen es uns schmecken. Da es so gemütlich ist und wir immer was zum Plaudern haben, ist es bereits 14.15 Uhr, als wir Guspini verlassen.

Wir kommen zum Startpunkt unserer nächsten Offroad Tour mit dem Namen Grugua. Was uns hier wohl erwartet? Mindestbodenfreiheit soll 15 cm betragen und bei de Kategorie Kratzgefahr hat es 2 von 3 Sternchen. Zuerst folgen wir auf einer recht guten Schotterstrasse einem Höhenzug. Danach wird das Strässchen enger und führt hinab zu dem Bauernhof Grugua in einem idyllischen Tal. Frank und Lis fahren voraus und mit genügend Abstand folgen wir. Es dauert nicht lange und durch unser Walkie Talkie hören wir Franks Stimme: „Eues Auto wird spötestens jetzt entjungfert.“ Schon bald spüren wir, was dies bedeutet. Büsche und viele Sträucher schleifen unserem blauen Lack entlang und hinterlassen ihre „Handschrift“. Anfangs würde man sich am liebsten die Ohren zuhalten, denn es tut schon ein bisschen weh, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Die Sicht in die bewaldeten Hügel ist sehr schön und es gefällt uns so in der „Pampas“ zu fahren. Imme wieder halten wir an, fotografieren und an manchen Stellen messen wir auf einem „Buggel“ die noch verbleibende Bodenfreiheit.

So komme wir zum Bauernhof, wo wir auch unsere Freunde treffen. Sie sind im Gespräch mit dem Bauer und er zeigt ihnen seinen Käse. In einem dunklen Keller werden die Laibe gelagert. Der Jüngste ist erst 3 Tage alt, der Mittlere ca. 3 Monate und der Älteste wurde schon  Monate gelagert. Je älter, desto rezenter. Wir verständigen uns in Italienisch, mit Händen und Füssen und mit Tierstimmennachahmung. Mit einem 3 Monate alten Laib im Kofferraum geht’s weiter auf unserer Tour. Ein steiler Aufstieg ist für uns kein Problem, aber auch unsere Freunde schaffen dies mit dem 2WD gut. Die Aussicht ist sehr schön und es macht Spass auf den schmalen Schotterstrassen unterwegs zu sein. Kurvig geht es nun hinab und nach 17 km endet die Route oberhalb Buggeru an der Westküste.

Unser Ziel ist heute Abend das Capo Pecora. Dieses schöne Kap kennen wir aus dem Jahre 2015, als wir dort übernachtet haben. Ob man dies heute noch kann? Wir werden sehen. Über eine historische, staubige Verbindungsstrecke kommen wir dem Capo Pecora immer näher. Immer wieder zeigen sich schöne Ausblicke auf die Berge und die Küste.

Wir kommen auf den bekannten Parkplatz und müssen leider feststellen, dass die Autos nicht mehr ausserhalb des Parkplatzes abgestellt werden dürfen. Alles ist abgesperrt und eine Tafel weist darauf hin, dass freies campieren verboten sei. Wo dieses Verbot genau gemeint ist, ist nicht so ganz klar. Ein grösserer Schotterparkpatz ist neu dazu gebaut worden und auf diesem parken wir. Es stehen noch einige Busse und Kastenwagen da. Wir kochen ein gutes Abendessen. Es gibt Speckwaffeln, welche wir mit dem Waffeleisen aus Norwegen zubereiten. Die anderen Fahrzeuge bleiben auch stehen über Nacht und so geht ein schöner und erlebnisreicher Tag zu Ende.

Sonntag, 30. Mai 2021

Geschlafen haben wir wunderbar bis um 7.30 Uhr, als die „Carabinieri“ vorfährt und bei allen Autos an die Scheiben klopft. „No camping“ teilen sie jedem freundlich mit. Der Parkplatz erwacht, einige sind schon wach, andere schauen schlaftrunken aus ihren Fahrzeugen und wieder andere sind am zusammenpacken. Für eine kleine Fototour am frühen Morgen ist aber auch trotz Polizei noch möglich.

Auch wir räumen zusammen, lassen das Schlafdach hinunter und programmieren unseren ersten Startpunkt beim Tempel Antas ein. Heute sind wir dank der Polizei früh dran und so wollen wir die Zeit auch nutzen. Auf der Strasse begegnen uns immer wieder die verschiedensten Fahrzeuge. Vom Sportwagen bis zum absoluten Offroad-Auto und bis zum Piaggio mit drei Rädern, welcher Stroh transportiert. Um 9.45 Uhr fahren wir den Track Mina Arenas. Wir sind immer noch in einem Minengebiet und wir durchqueren das Minengebiet auch auf der ehemaligen Hauptstrasse. Man kommt auch an einigen Ruinen der ehemaligen Wohnhäuser der Minenarbeiter vorbei.

Immer wieder fahren wir durch Waldgebiete. Es ist feucht und da der Wald nicht geordnet, aufgeräumt ist, kommen wir uns ein bisschen vor wie in einem dunklen Urwald. Moosbewachsene Steine liegen auf dem Waldboden und geben dem Ganzen eine besondere Stimmung. Nun folgt der Schotterfahrweg einem schönen Tal, geht steil mit einigen heiklen Stellen hinab und endet in der Nähe der Karsthöhle Grotta San Giovanni. Auch hier waren wir im Jahre 2015, aber unsere Freunde noch nicht. Leider ist der Eingang von Norden her gesprerrt und es muss Eintritt bezahlt werden. Vor 6 Jahren war dieser beinahe 1 km lange Karsttunnel noch frei zum Anschauen und zum durchlaufen. Wir verzichten auf den Tunnel und besprechen miteinander den weiteren Tagesverlauf.

Auf der Fahrt zum Startpunkt des nächsten Tracks bekomme ich Lust zum Baden, denn es ist herrlicher Sonnenschein bei 27 Grad. Unsere Freunde möchten den Track aber fahren und so werden wir uns am Meer wieder treffen. Wir schauen uns noch die jahrtausendalten Olivenbäume Ortu Mannu an. Der älteste Baum ist eingezäunt und sieht bemerkenswert aus. So dick und mit einem knorrigem Stamm steht das Naturdenkmal da. Auf dem Areal sind etliche Pick Nicktische aufgestellt und der Schatten der Bäume lädt zu einem Mittagsrast ein.

Lis und Frank sind nun unterwegs und wir sind gespannt auf ihr Erzählen, denn auf dieser Tour sind im Buch bei Kratzgefahr 3 Sterne eingetragen. Uns haben die 2 Sterne gereicht und wir fahren nach dem ausgiebigen Mittagshalt auf direktem Weg in den Süden ans Meer. Ganz im Süden, an der Costa del Sud, gibt es eine aussichtsreiche geteerte Küstenstrasse. Wir hoffen dort auch irgendwo einen Badeplatz oder Stellplatz zu finden. Nun sind wir nur noch 200 km von Afrika entfernt. Es ist alles sehr trocken und es scheint schon länger nicht mehr geregnet zu haben. Die Küstenstrasse ist wirklich sehr schön und das Wetter dazu perfekt. Das Meer strahlt in den verschiedensten Blautönen.

Da heute Sonntag ist, zieht es viele Einheimische nach draussen ans Meer. Weniger zum Baden, aber zum „sünnele am Meer“. An den Strassenrändern wird geparkt und die Buchten sind gut besucht. Wir möchten aus Sicherheitsgründen das Auto nicht so gerne an der Strasse stehen lassen, um zu baden. In Torre di Chia liegt ein Stellplatz und diesen fahren wir an. Im Herbst 2012 waren wir einmal hier und treffen heute den Platz noch genauso an. Wir suchen uns einen Platz aus und besetzen den Platz nebenan für unsere Freunde, welche die Tour geschafft haben und noch auf der Küstenstrasse sind. Jetzt hält uns nicht mehr viel, denn es ist heiss und das Meer ruft. An einem kleinen See entlang sind wir schnell am hellen sauberen Strand am Meer. Diesen See werde ich später noch mit meiner Kamera mit dem Tele besuchen, denn zahlreiche Flamingos waten durch das niedrige Wasser. Mit ihren Schnäbeln suchen sie nach Essbarem und dabei tönt es wie im Zoo.

Das Meer hat eine wunderschöne Farbe und ist so klar und sauber, dass es Spass macht darin zu baden. Die Temperatur ist so la la. Wenn man drin ist geht’s gut, aber bis man im Wasser ist kann es eine Weile dauern. Man darf dabei nicht vergessen, dass es immer noch Mai ist. Lis und Frank finden auch den Weg zum Strand und wir horchen gespannt ihren Erzählungen. Es sei sehr eng gewesen und etliche Kratzer seien dazugekommen. Wir sind nicht traurig, dass wir diese Tour nicht gemacht haben. Zurück auf dem Platz nutzen wir die spartanischen Duschen, bevor wir uns ans Kochen machen.

Leider ist in unserem Kühlschrank wegen der Kurven und holprigen Strassen ein Creme Fraiche gekippt und ausgeleert. Bis ich diese Sauerei geputzt habe dauert es eine Weile. Unsere Freunde sind schon beinahe fertig mit dem Znacht, als wir erst einmal starten könnnen. Meine Nerven werden noch mehr auf die Probe gestellt, als ich auch noch eine Milch finde, welche einen Riss hat und ausläuft. Alles im kleinen Bus-Wohnraum auszubreiten und sauber zu machen ist eine echte Herausforderung. Das sind so Momente, in denen ich das Wohnmobil herbeisehne. Da Lis morgen ihren Geburtstag hat, bereite ich vor dem Znacht noch einen Brotteig zu. Endlich ist alles geschafft und der Abend kann genossen werden. Das Brot backe ich nicht im Dutch Oven, sondern im Omnia (Camping Backofen) Der Boden ist so trocken, dass das Kochen mit Kohle nicht mehr so gut möglich ist. Nach Mitternacht durftet es herrlich nach frischem Brot und wir gehen ins Bett.

Montag, 31. Mai 2021

Nachdem ich aufgewacht bin, unternehme ich, wie oft am Morgen, eine Entdeckungstour mit der Kamera. Die Flamingos haben wir bis spät nachts gehört und auch am frühen Morgen. Sie faszinieren mich und ich beobachte sie eine Weile. Es ist immer wieder was anderes Tiere in der Natur zu beobachten, als im Zoo. Auch die Felsen, welche die Chia Bucht einrahmen sind ein schönes Motiv.

Wieder zurück werde ich erwartet und das Frühstück ist bereit. Es ist schön, dass wir mit Lis in dieser herrlichen Umgebung  Geburtstag feiern dürfen. So ergibt es sich, dass wir relativ spät den Stellplatz verlassen. Es ist schon 14.40 Uhr, als wir uns wieder beim Startpunkt einer Tour treffen. Dieser Track ist mit 25,7 km einer der längsten in Sardinien. Wir überqueren die Gebirgszüge im Westen Cagliaris. Zuerst geht’s auf einem schmalen Teersträsschen entlang durch eine liebliche Landschaft. Links und rechts der Strasse wachsten weisse Blümchen und dahinter der Steineichenwald. Der Teer hört auf und die Schotterstrasse beginnt. Wir fahren durch Feuerschneisen und schmalen Versorgungswegen der Waldarbeiter. Es ist immer wieder lustig, wenn man auf diesen Strässchen Strassentafeln sieht. Jetzt geht’s bergab, ziemlich steil und es kommen immer wieder kleine Steintreppenstufen. 60 – 70% steil hinab und Treppenstufen, welche wir immer wieder vor dem Befahren begutachten. Wo ist der beste Weg, die kleinsten Steine, die geringste Höhe, so geht es langsam beinahe im Slalom die Stufen hinab. Es ist hilfreich zu Viert zu sein, zu diskutieren und zu beraten und nach dem idealen Weg zu suchen. Urs macht das super und ich übernehme das Einweisen, das Filmen und Fotografieren.

Kurz vor Ende kommen wir an einem grossen Pick Nickplatz vorbei. Hier möchten wir die Nacht verbringen. Im Nirgendwo, im Wald und einem Froschgequacke im Hintergrund. Zu Viert ist es super hier im Dunkel bei Kerzenschein zu sitzen und zu übernachten, obwohl der Blick immer wieder mal in den dunklen Wald schweift. Alleine wäre ich sicher nicht da geblieben und zu Zweit hätten wir uns vielleicht schon im Auto verkrochen, aber so geniessen wir die Ruhe inklusiv den Fröschen in vollen Zügen. Mit einem feinen Geburtstagdessert und einem herzlichen Happy Birthday runden wir den schönen Tag ab.

3 Kommentare to “Sardinien 3 – Erlebnisse im Südwesten”

  1. Eliane+Emil

    Ihr lieben Outbacker.
    Das ist ja abenteuerlich mit Euch unterwegs zu sein. Ich staune über Euren Mut und die Flexibilität sowie die ausgetüfftelte Ausrüstung und Einrichtungen – es scheint an Nichts zu fehlen und Nichts scheint unmöglich.
    Nenbst all dem geniesst Ihr die ursprüngliche Natur in vollen Zügen. Weiterhin alles gute. Liebe Grüsse Emil und Eliane.

Schreiben Sie einen Kommentar