Sardinien 4 – Unterwegs an der Ostküste

Dienstag, 1. Juni 2021

Heute Morgen geniessen wir auf unserem abgelegenen Parkplatz im Wald ein feines Frühstück mit Käse, Rohschicken und süssen Brotaufstrichen. Die Ruhe ist herrlich, aber um 13 Uhr verlassen wir den Platz. Während Lis und Frank sich schon auf die nächste einfache Tour machen, ist unsere nächste Aktion klar. Wir brauchen eine Tankstelle, denn man sollte genügend Diesel für die Touren in der Pampas mit dabei haben. So haben wir auf unserer schwierigen 2. Tour doch 48 Liter/100 km verbraucht. In einem 10 km entfernten Dorf werden wir fündig und beginnen unseren Dieseltank zu füllen. Auf einmal wird Urs stutzig, stoppt und hängt den Einfüllstutzen in die Zapfsäule. Er traut seinen Augen nicht, denn auf der anderen Strassenseite, dieselbe Tankstelle Tamoil, aber der Liter 24 Cent billiger. So fahren wir auf die andere Strassenseite und füllen den restlichen Tank. So was haben wir noch nie gesehen. Bei unterschiedlichen Tankstellenfirmen ja, aber nicht bei derselben auf der anderen Strassenseite. Nun sind wir auch wieder den Abfall los und jetzt sind auch wir bereit für die nächste Schotterstrecke. Es ist eine einfache ältere 39 km lange Überlandstrasse von Süd nach Südwesten. Auf der staubigen SP1 begegnen uns nur wenige Autos, dafür eine kleine Ziegenherde mit zwei Hütehunden. Auch die Hunde tragen eine Glocke um den Hals. Die Strasse führt einem, bis auf wenig Wasser, ausgetrockneten Bach entlang, dessen Ränder von zahlreich blühenden Oleandern bewachsen sind. Bei uns werden Oleander in Töpfen gehalten, in Sardinien wachsen sie wie Unkraut an Bachbetten und an Strassenrändern. Es sieht aber sehr schön aus.

Auf einmal sind wir in Cagliari, der Hauptstadt von Sardinien. Die Industrie sehen wir als Erstes und macht nicht so einen einladenden Eindruck. Wir sind froh auf der Schnellstrasse die Stadt umfahren zu können. Der nächste Höhepunkt ist die schöne, 20 km lange, kurvige, asphaltierte Strecke,  zwischen San Gregorio und San Priamo. Die Strasse führt entlang des Flusses Rio Cannas durch die rosa Granitschlucht. Immer wieder gibt es tolle Ausblicke. Auch hier wachsten unten am Bach Oleander. Die roten Steine sehen imposant aus und wären sicher bei Abendsonne noch schöner. Auf einem Parkplatz halten wir und essen einen eine Kleinigkeit. Hinter uns hören wir ein Auto kommen und entdecken unsere Freunde. Sie haben uns in einem in einem Ort bei einem Kaffee vorbei fahren sehen. Sie fahren bald weiter, während wir noch länger hier Pause machen. Wir werden uns irgendwo am Strand auf einem passenden Platz zum Übernachten treffen. Sie werden etwas suchen und uns dann die Koordinaten schicken.

Uns reizt noch einen Abstecher zu der ehemaligen Silbermine von Monte Narba. Über einen Schotterweg sind wir schnell bei den Ruinen der Mine, welche in den 30ern des vorigen Jahrhunderts aufgegeben wurde. Besonders die Erdrutsche der Unwetter der vergangenen Jahre haben viel mitgerissen und noch mehr zerstört. Während Urs die Drohne steigen lässt, inspiziere ich die Gegend und die verfallenen Häuser.

Jetzt ist es mittlerweile ziemlich spät geworden, unsere Freunde haben sich schon länger auf einem Platz eingerichtet und so kehren wir um und sind eine knappe Stunde später auch dort. Es stehen noch ein paar andere Fahrzeuge da, aber das Stehen hier scheint kein Problem zu sein. Lis schwärmt vom bisher wärmsten Wasser und so zögern wir nicht auch noch ein Bad zu nehmen. Der Strand ist steinig und das Wasser schön klar. Frank hat mit seinem Boiler warmes Wasser und so kommen wir im Anschluss in den Genuss einer kleinen warmen Dusche. Wir haben keinen Boiler und somit kein warmes Wasser. Bei unserer Aussendusche kommt das Wasser manchmal lauwarm, je nachdem wie die Sonne die Seitenwand des Autos mit dem Wassertank aufgeheizt hat.

Leider haben wir ein SMS von der Fährgesellschaft bekommen. Wir müssen die Fähre umbuchen, denn unsere gebuchte Fähre am Mittag am 5. Juni fährt nicht. Wir probieren mehrmals die Fähre am Samstagabend zu buchen, aber es geht nicht. Wir können nur die Fähre am Freitagabend 4. Juni buchen. So werden wir diese Nachtfähre nehmen müssen. Wir mussten ja auch schon den Hinweg umbuchen, denn es scheint, dass zur Zeit nur die Nachtfähren zwischen Livorno und Sardinien zirkulieren. Vielleicht liegt dies an der coronabedingten Ausgangssperre ab 22.00 Uhr. Ich bin ein bisschen enttäuscht, denn ich habe mich noch auf zwei Ausflüge in den Bergen gefreut. Dies wird nun nicht mehr alles möglich sein.

Mittwoch, 2. Juni 2021

Unser Ziel ist es, heute frühzeitig loszufahren. Kurz vor 10 Uhr verlassen wir den Strandplatz und fahren zum Startpunkt des nächsten Tracks. Eigentlich wollten wir zuerst einen anderen Track versuchen, aber da eine Bodenfreiheit von 20 cm und mehr gefragt ist, wollen wir nichts mehr riskieren und lassen es bleiben. Nun steht die Cala Sisine mit der Cordula Sisine Schlucht auf dem Plan. Dieser Strand in der Oroseibucht ist nur per Boot oder vom Ziel des Tracks aus zu Fuss erreichbar. Man kann einen leichteren Einstieg oder einen schwereren Einstieg in die Schlucht wählen. Wir entscheiden uns für den anspruchsvolleren Weg und so fahren wir mit unseren Freunden zusammen los. Die Landschaft gefällt uns gut und der gröbere Schotterweg führt auf und ab immer wieder an grossen Steinen und Felsen vorbei. Das ausgetrocknete Bachbett durchqueren wir mehrmals.

Eine Tafel weist auf Wildschweine hin und schon bald sehen und hören wir diese auch in Natura. Während dem ich eine Fahrpassage von Urs filme, raschelt es im Gebüsch und Urs zeigt hinter mich ins Gestrüpp. Langsam drehe ich mich um und sehe einem „wilden Schwein“ ins Gesicht. Diese Schweine sehen nicht wie unsere Wildschweine aus, aber auch nicht wie Hausschweine. Anscheinend gibt es Wildschweine und wilde Schweine in Sardinien. Wie gefährlich wilde Schweine sein können, wissen wir nicht. Ob Wildschwein oder wildes Schwein, ein bisschen ein mulmiges Gefühl kommt doch auf mich.

Nach 6,5 km kommen wir auf eine grosse Weidefläche mit einem Bauernhof und frei herumlaufenden Rindern, Pferde und Esel. Hier kreuzt sich auch der Weg vom schwereren und dem leichteren Einstieg in den Track. Auf dem Rückweg werden wir hier die leichtere Route zurück zur Hauptstrasse wählen. Es kommt Hunger auf und wir finden eine fantastisches Plätzchen bei einem wunderschönen Baum für ein Pick Nick. Ich kochen uns schnell eine Kleinigkeit und so geniessen wir die Pause und die Ruhe in vollen Zügen. Ein Esel kommt neugierig auf uns zu und schaut uns an. Im Hintergrund hören wir Gegrunze  von wilden Schweinen oder Wildschweinen. Also Natur pur!

Um 14.15 Uhr verlassen wir den schönen Platz und folgen weiter dem Track in die Schlucht und zur Bucht. Diese Tour scheint beliebt zu sein. Immer wieder kommen Geländewagen, aber auch normale Pkw. Auch fahren Geländewagen mit dem Aufdruck der Region hin und her und schauen zum Rechten. Quadfahrer in Gruppen haben auch Freude an dieser Strecke und begegnen uns immer wieder. Das Kreuzen ist nicht immer ganz einfach, denn der Fahrweg ist schmal und man muss am Rand auf die grösseren Steine achten. Dieser Track macht grosse Freude, landschaftlich und auch vom Fahren her. Es ist auch hier gut mit einem kleinen Fahrzeug unterwegs zu sein. Auf einmal kommen wir zu einem Schild auf dem klar steht: only 4×4! Nebenan ist ein Parkplatz, auf welchem man nun das Auto abstellen kann. Wir halten und nehmen Rücksprache mit unseren Freunden mit ihrem 2 WD. Franks Antwort ist: „Weiter, wir haben 4 WD.“ Okay, denken wir und fahren weiter. Es geht sehr steil hinab, aber die steilsten, kurvigsten Stellen sind mit Steinen gepflastert. Unsere Freunde wenden und versuchen hinauf zu fahren. Sie wollen testen wie gut es geht. Da alles problemlos ist, wenden sie wieder und fahren erneut hinab und uns hinten nach. Wir kommen immer mehr in die Schlucht und es gefällt uns sehr.

Zwischendurch halten wir um zu Fotografieren und die Drohne fliegen zu lassen. Auch auf dieser Strecke kommen uns Quad und Offroad-Autos entgegen. Man grüsst einander freundlich und sucht gegenseitig Ausweichstellen. Unten angekommen sehen wir uns um und es ist schön über das Erlebte auszutauschen. Von einem Stein haben unsere Freunde einen Schlag in die Radaufhängung bekommen und wird nun natürlich begutachtet. Von hier aus könnte man mit den Badehosen zur schönen Cala Sisine wandern. Um 16.00 Uhr machen wir uns auf den Rückweg. 50 Minuten später beginnt die Teerstrasse nach Baunei. Wir sind müde, aber glücklich und zufrieden und wollen nun möglichst schnell einen Platz zum Schlafen aufsuchen. Auf der schönen bekannten Panoramastrasse fahren wir nordwärts. Aus vergangenen Jahren wissen wir von einem Stellplatz in den Hügeln, welcher nahe der Panoramastrasse SS125 liegt. Diesen Platz fahren wir an und der freundliche Betreiber zeigt uns ein schönes Plätzchen für uns. Wir bezahlen die Gebühr und quartieren uns ein. Eine heisse Dusche ist auch verlockend. Nach dem Abendessen schlafen wir mit den schönen Erlebnissen von Heute ein. Diese Tour heute war ein würdiger Abschuss unserer Sardinientracks.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Die Sonne strahlt vom Himmel und dies ist der ideale Tag, um weiter der Panoramastrasse SS125 zu folgen. Wunderschön ist die Aussicht ins Gebirge und in die bewaldeten Hügel.

Da wir wieder einmal unsere Wasservorräte auffüllen müssen, fahren wir die Quelle Su Gologne an. Urs und ich setzen uns zuerst an ein Tischchen und bestellen ein Wasser und einen Espresso. Im Anschluss füllen wir den Wassertank unseres Buses und den Kanister. Das frische Quellwasser schmeckt sehr gut, im Gegensatz zum dem eher chlorigen Wasser aus dem Hahn von einem Stell- oder Campingplatzes. Lis und Frank sind bereits auf dem Campingpatz Canipero direkt am Strand. Schön, dass der Platz offen hat und wir für eine Nacht buchen können, denn so können wir noch einen Relaxtag einlegen, bevor wir morgen auf die Fähre müssen. Hätten wir einen Tag früher die Fähre nehmen müssen, hätten Urs und ich noch einen Ausflug in die Berge unternehmen. Leider haben wir dafür keine Zeit mehr, aber so gibt es wieder einen Grund nach Sardinien zu fahren. Wir haben noch lange nicht alles gesehen. Um 15.30 Uhr sind auch wir beim Campingplatz. Bevor man die Rezeption betritt, wird Temperatur gemessen. Wir werden sehr freundlich empfangen und schon bald stehen wir neben unseren Freunden. Urs und ich springen als erstes in das immer wärmer werdende Meer. Herrlich ist das Baden an diesem schönen Strand. Nun geniessen wir den restlichen Mittag mit Lesen, Sonne tanken, dösen und Reiseberichte schreiben. Am Abend besuchen wir das Campingplatzrestaurant und essen eine gute Pizza. In schöner Gemeinschaft lassen wir nochmals unsere Ferien vorüberziehen und geniessen den letzten Abend auf der schönen Insel Sardinien. Im Gegensatz zur Schweiz haben wir hier zwei Wochen, mehrheitlich sonnige und warme Tage, verbracht. Ein bisschen wehmütig schlüpfen wir in unsere Betten und mit dem Rauschen des Meeres schlafen wir ein.

Freitag, 4. Juni 2021

Heute Morgen dürfen wir uns Zeit lassen. Wir können auf dem Camping so lange bleiben wie wir wollen. Das ist super für uns, denn die Fähre fährt heute Abend um 20.30 Uhr und wir müssen zwischen 19.00 und 19.30 Uhr in Golfo Aranci am Fährhafen sein. Ein gemeinsames Frühstück zu Viert lassen wir uns nicht entgehen. Während Lis und Frank sich langsam auf den Weg machen, möchten Urs und ich nochmals baden. Die Wellen sind cool und deshalb nehmen wir die GoPro mit. Im Wasser machen wir einige Aufnahmen und dann reissen mir die Wellen die Sonnenbrille vom Gesicht. Diese wird nun irgendwo auf dem Meeresgrund liegen und für immer in Sardinien bleiben. Das Baden macht Spass, aber leider müssen auch wir langsam ans Aufbrechen denken. Nach einer schönen heissen Dusche räumen wir unsere „Sieben-Sachen“ zusammen und fahren um 16.15 Uhr los.

Vergeblich suchen wir in Siniscola einen grösseren Lebensmittelladen. In einem kleinen Laden finden wir sardisches Brot. Dies sind harte, knackige, dünne, leicht gesalzene Scheiben. Sie schmecken sehr gut und sind auch ideal zum Mitnehmen. Wir werden auf de italienischen Festland nochmals ein grösseres Geschäft aufsuchen, um noch unsere Lieblingsprodukte aus Italien einzukaufen. Nun müssen wir uns aber beeilen, so dass wir pünktlich am Hafen sind. Gegen 19.30 Uhr sind wir da und bald auch im Schiffbauch. Wir beziehen unsere Kabine mit Fenster und treffen unsere Freunde. Wir bleiben an Deck bis das Schiff ablegt. Mit einem letzten Blick auf die Insel setzen wir uns in die Bar. Zu Beginn haben wir auf unsere Ferien angestossen und nun stossen wir auf unsere Erlebnisse der letzten zwei Wochen an. Die Überfahrt ist ruhig und so verbringen wir eine gute Nacht.

Samstag, 5. Juni – Sonntag, 6. Juni 2021

Am Morgen werden wir zeitig geweckt und an Deck beobachten wir das Näherkommen von Livorno. Jetzt heisst es den richtigen Abgang zum Autodeck zu finden und dann aus dem Bauch des Schiffes zu fahren. Noch im Hafen von Livorno verabschieden wir uns voneinander. Da rollt bei mir doch auch ein Tränchen über das Gesicht, denn wir hatten eine erlebnisreiche Zeit miteinander verbracht. Winkend verlassen sie das Hafengebiet Richtung Nordschweiz. Auch wir machen uns auf den Weg. Nach La Spezia verlassen wir die Autobahn und fahren Überland Richtung Parma. Diese Strecke ist sehr schön und führt aussichtsreich über die Hügel. Zwischendurch durchqueren wir hübsche Weiler und Dörfer. Es scheint eine beliebte Ausflugsstrecke für Motorradfahrer und Velofahrer zu sein, denn diese zahlreicher vorhanden als Autos und machen das Fahren für den Autofahrer nicht nur einfach.

In der Nähe von Parma finden wir einen grossen Conad, in dem wir noch unsere letzten Italieneinkäufe tätigen. Voll bepackt fahren wir nordwärts und der Himmel bedeck sich immer mehr. Der Verkehr nimmt zu und staut an den Zahlstellen rund um Mailand auf der Autobahn. Endlich haben wir diese Zahlstellen hinter uns und sind 16.10 Uhr am Zoll. Unsere Freunde sind schon am Gotthartstau vorbei. Wir wissen nicht so recht, ob wir noch einmal übernachten sollen, oder ob wir heute nach Hause fahren sollen. Wir entscheiden uns für einen Campingplatz in der Nähe von Bellinzona, aber als wir dort sind, beginnt es zu regnen und wird merklich kühler. Nein, wir fahren weiter über den San Bernardio. In der Nähe von Cazis bei Thusis finden wir in den Bergen auf 1300 m.ü.M. einen idealen Platz zum Übernachten. Es ist bereits 18.30 Uhr, aber wir verbringen einen gemütlichen letzten Abend bei Regenwetter in den Bergen.

Das Muhen und Glockengebimbel der Kühe begleitet uns durch die Nacht und weckt uns sanft am Sonntagmorgen. Ja, wir sind definitiv in der Schweiz angekommen. Während Urs noch länger im Bett in sein Buch vertieft ist, schreibe ich Reiseberichte. Im Bus ist es ganz gemütlich, so dass wir erst um 13.10 Uhr nach Hause fahren. Zu Hause staunen wir sehr, wie extrem alles im Garten gewachsen ist. Dies wurde sicher begünstigt durch das nasse Wetter. Zum Abendessen kommen die „Kinder“ auf Besuch und wir erzählen einander, was wir in den letzten zwei Wochen so alles erlebt haben.

One Kommentar to “Sardinien 4 – Unterwegs an der Ostküste”

  1. Lis+Frank

    Herzlichen Dank für Eure schönen Bilder, Beruchte…so bleiben die schönen Erinnerungen bestehen. Wir kommen gerne wieder mit Euch, war sehr, sehr schön und easy 😃😘🤩
    Danke für die Freundschaft!
    👻

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