Pyrenäen 4 – Andorra und Caranca-Schlucht

26. August – 29. August 2019

Am nächsten Morgen sammle ich noch Schwemmholz. Hoffentlich schaut Urs nicht so genau, was ich ins Auto packe. Um 14.25 Uhr holpern wir zurück über die Steine zur Strasse. Kaum auf der Strasse meldet das Kontrollsystem des Autos, dass ein Pneu zu wenig Luft hat Oh nein, dumme Sache. Haben wir ein Loch? Wegen der Steine oder sind wir in einen Nagel oder Schraube gefahren? Wir fahren im nahen Ort zu einer Tankstelle und pumpen den Pneu auf, dann geht’s zum nahen Stellplatz beim Bahnhof. Hier möchten wir eine Stunde warten und dann nochmals zur Tankstelle, um den Druck zu prüfen. Während dieser Stunde liest Urs die Anleitung über das Herunternehmen des Reserverades. Hoffentlich müssen wir dies nicht tun, denn dies könnte ein Krampf werden. Zudem würde jeder sofort sehen, auch die Polizei, dass wir mit zwei unterschiedlichen Rädern an einer Achse herumfahren. Was sollen wir machen? Nach gut einer Stunde fahren wir wieder zur Tankstelle und prüfen unser Luftdruck. Wir haben wenig Druck verloren, entscheiden uns dennoch weiterzufahren. Wir müssen uns irgendwo eine Pumpe und einen Druckmesser kaufen. So gelangen wir nach Andorra. Kaum in diesem kleinen Land kommen links und rechts am Strassenrand die ersten Einkaufsgeschäfte und Einkaufszentren. Es ist unglaublich was es hier alles zum Kaufen gibt. Z.B Oliven in den verschiedensten Variationen, Öle zwei lange Gestelle und auch Gewürzgurken. Viele Lebensmittel mit einer immensen Auswahl in den verschiedensten Variationen. Wir kommen kaum mehr aus dem Staunen heraus. In einer Abteilung für Autozubehör finden wir einen Druckmesser und eine Pumpe für 3,10 Euro. Was die wohl taugt bei diesem Preis? Sie wandert aber in unseren Einkaufswagen. Es ist eine Handpumpe und so kommt sie schon in der Tiefgarage zum Einsatz.

Wir fahren Richtung Frankreich durch die Berge von Andorra. Oben auf einem Parkplatz betrachten wir die Landschaft und da klingelt das Telefon. Urs Papi ist am Apparat und tönt etwas sonderbar. Mit Hilfe einer Schwester aus der Sawia ruft er an und es tönt irgendwie so nach Abschied und müde Dieses kurze Telefongespräch verunsichert uns ein bisschen und wir machen uns Gedanken wie es ihm wohl geht. Wie schon in Andorra sind hier Skigebiete und Wohnungen auf gut 2000 m. Es ist an der Zeit, dass wir einen Übernachtungsplatz finden. Wir überfahren nochmals schnell die Grenze nach Spanien zu einem grenznahen Stellplatz.

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Nach dem Aufstehen heisst es Luft kontrollieren und pumpen mit der Fusspumpe. Das sieht ein bisschen komisch aus. Einen Bus aufpumpen mit einer Fusspumpe. Sie erinnert an eine Velopumpe, und es braucht schon ein bisschen Ausdauer. Es beginnt leicht zu regnen und wir fahren ins nahe Frankreich und hinab bis Thués Entre Valls. Unser nächstes Ziel ist die Caranca-Schlucht. An der Bar bekommt man einen Plan und Infos zu den Wanderungen in der Schlucht. Leider sind die interessantesten Stellen des Weges durch die Schlucht wegen Bauarbeiten gesperrt. Wir wandern bis zur Baustelle und können wenigstens ein bisschen auf dem in den Fels gehauenen Weg wandern. Es geht zuerst einige Meter in die Schlucht hinein, dem Bach entlang. Zum Glück regnet es hier nicht, denn dann wäre der Weg gefährlicher. Es wird von uns sowieso Schwindelfreiheit erwartet. Dann biegen wir rechts ab und es geht im Zickzack hoch zum Felsenweg. Am rechten Rand ist ein Seil angebracht, denn auf der linken Seite geht es zig Meter den Abhang hinunter. Ein abenteuerlicher Weg, aber schade, dass er gesperrt ist. Wir kehren nach beim verschlossenen Tor um und es geht wieder hinab. Auf der anderen Hangseite wandern wir noch eine Weile hoch. Wegen der Höhendifferenz ist die Kniebelastung hoch und Urs spürt seine Knie auch deutlich. Wir entscheiden uns auf dem angrenzenden Stellplatz zu übernachten.

Am nächsten Morgen werden wir mit einer nicht so tollen Nachricht von Urs Schwester konfrontiert. Sie teilt uns mit, dass es Papi schlecht gehe. Wir sollen auf dem Heimweg über Zürich fahren, wenn es dann nicht schon zu spät sei. Wir überlegen nicht lange und beenden unsere Ferien ein paar Tage früher. Wir fahren noch zu unserer Olivenmühle, decken uns mit Öl ein, bevor wir den Heimweg antreten. Pausen nutzen wir nur, um unseren Pneu zu pumpen, um die Beine zu vertreten und etwas Kleines zu essen. Es ist emotional nicht so einfach, so abrupt die Ferien abzubrechen und nach Hause zu fahren.  Einerseits wegen dem was uns in Zürich mit Papi erwartet, andererseits, dass so prompt unsere lange Reisezeit endet. Wir schaffen es noch bis in die Schweiz, übernachten aber nochmals auf dem Mont Vully. Mit Papi konnten wir telefonieren und werden ihn morgen besuchen, Wir sind körperlich und emotional müde. Dies ist aber auch verständlich, nach diesem hastigen Aufbruch und dem langen Fahren.

Am nächsten Morgen sehen wir Urs Vater und es geht ihm gar nicht so schlecht. Da sind wir froh und dankbar. Nach dem Besuch bei ihm, kreuzen wir bei meiner Mutter auf. Sie ist völlig überrascht, freut sich aber sehr uns nach so langer Zeit zu sehen. Sie strahlt übers ganze Gesicht und wir erzählen von unserer Skandinavienreise, den Pyrenäen und von der turbulenten, schnellen Heimreise. Nun heisst es, sich wieder in den Alltag einzufinden.

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