Dienstag, 5. Oktober
Am Morgen gibt es Dehnübungen mit Annette! Die Bewegung soll in den Ferien nicht leiden! Dazu nützen wir die Seitenwand des Bimobils und den Tisch mit seinen Holzbänken. Die Sonne scheint und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Gegen Abend soll Wind aufkommen, aber momentan spürt man davon noch nichts.
Urs «spielt» den Harten und duscht sich mit unserer kalten Aussendusche. Ich warte lieber auf eine andere Gelegenheit. Eigentlich wollen wir nun abfahren, aber wir suchen überall nach dem Autoschlüssel. Kästen werden durchforstet, der Kofferraum inspiziert, alle Taschen durchsucht, aber nirgends lässt er sich finden. Wir haben schon noch einen Ersatzschlüssel dabei, aber es ist doch dumm einen Schlüssel nicht mehr zu haben. Heute Morgen haben wir ihn noch gebraucht, aber wir haben keine Ahnung, wo wir ihn hingelegt haben. Ich bin froh, dass Urs ihn zuletzt gehabt hat, denn die ist für die Stimmung sicherlich besser. Erich und Annette suchen auch mit und erkunden auf diese Weise unser Auto. Sie wissen am Schluss gut, wo was bei uns im Auto verstaut ist. Der Schlüssel ist einfach nicht auffindbar, so dass wir auch draussen beim Picknicktisch suchen. Vielleicht ist er ja beim Morgendehntraining aus der Hosentasche gefallen. Sollen wir annehmen, dass er irgendwo im Auto ist und weiterfahren, oder Erichs Tipp beherzigen und das ganze Auto ausräumen? Da fragt Annette: «Händ ihr scho unter em Brätt vom Chochherd glueged?» Und siehe da: Unter dem Brett liegt der Schlüssel! Wir sind happy und kurz vor 13h verlassen wir den schönen Platz, fahren zurück und füllen bei der Quelle «Su Gologne» Wasser in den Calitank.
Die Durchfahrt durch Oliena entpuppt sich als schwierig, denn hier zeigt das Navi nach links, um auf die Strasse zum Monte Corrasi zu kommen. Unsere Freunde suchen sich auch den Weg durch das Dorf. Wir folgen dem Navi und auch mit dem Bus bleiben wir in den engen Gassen eher stecken. Wir wenden und suchen auf der «Hauptstrasse» nach weiteren möglichen Abzweigungen. Endlich sind wir auf der richtigen Strasse und folgen den Wegweisern. Die Strasse wird schmal und führt zunächst asphaltiert in Serpentinen hoch. Wir gewinnen schnell an Höhe und langsam kommt bei uns der Gedanke auf, ob dieses Strässchen für unsere Freunde wohl gut ist? Unterwegs begegnen wir einem Kastenwagen, welcher am Strassenrand steht und hinter den Rädern mit Steinen gesichert ist. An ihm vorbei und weiter geht’s in die Höhe. Nun ist der Weg geschottert und wir greifen zum Telefon, um Forsters von dieser Strasse abzuraten. Kurz vor dem Tippen der Telefonnummer sehen wir durch die Bäume einen Bimobilhinterteil aufblitzen. Sind das tatsächlich unsere Freunde? Oh, hoffentlich kommt das gut…
Wir fahren hinter ihnen her und beobachten, wie sich ihr Auto schaukelnd unter den bäumen hindurch schlängelt. An einer breiten Stelle bleiben sie stehen, parken und wir besprechen die Lage. Ob sie weiterfahren sollen? Zum Glück müssen wir dies nicht entscheiden. Wir könnten auch mit dem Cali die letzten 2,7 km hochfahren und den Weg begutachten oder sie kommen mit uns mit und lassen das Bimobil stehen. Die Entscheidung ist gefallen und Annette und Erich kommen mit einem Sack voll Picknick zu uns ins Auto und zu Viert fahren wir weiter. Schon sehr schnell wird klar, dass es von nun an mit dem hohen Auto nicht mehr geht. Die Äste der Bäume hängen zu tief und die Kehren werden immer enger und steiler.
Urs lässt die Luft auf 2 Bar vorn und 2,5 Bar hinten ab. So kriechen wir den Berg hoch! Die Aussicht ist phantastisch, aber das Schottersträsschen nicht ganz «ohne». Urs macht es super und ist eigentlich noch recht entspannt, während Annette eher nervös und unruhig ist. Auf der einen Seite ist der Berg und auf der anderen Seite der Abgrund. Es gibt ein paar heikle Stellen, an denen der grobe Schotter lose auf dem Weg liegt. So könnte man eher ins Rutschen kommen. Unser Auto klettert den Berg hoch und dann haben wir es geschafft! Auf dem Parkplatz stellen wir das Auto ab und suchen uns hinter Steinen eine windgeschützte Ecke für unser Picknick. Die Aussicht ist grandios. Der Monte Corrasi gehört zu einem der höchsten Berge von Sardinien und es ist ein cooles Gefühl hier oben zu sein.
Kein anderes Auto ist da, nur Wanderer, welche alle hochgelaufen sind. Nach de Essen machen wir uns auf einen Spaziergang und freuen uns an der Natur, an der Aussicht und an den sardischen Mufflons, die wir entdecken. Wir geniessen es in vollen Zügen. Inmitten der Berge ist der Mensch doch ein kleines «Würmchen»!
Wieder auf dem Parkplatz sehen wir die Familie vom auf der Strecke stehenden Kastenwagen. Eines der Kinder fragt: «Papi, wieso sind mir nöd da ue gfahre?» Der Papa meint: «Mir hetet das mit eusem Auto nöd gschafft.» «Aber mit hetet doch au so Pneu chöne häre mache…» Urs und ich überlegen uns, ob wir hier oben übernachten sollen. Da laut Wetterprognosen hohe Windgeschwindigkeiten am nächsten Tag möglich sind, wagen wir es nicht. Wir wären hier auf mehr als 1200 m sehr exponiert. Annette möchte zu Fuss runter laufen, ich fahre oder laufe wegen dem Filmen und Erich fährt mit Urs. Mit Hilfe des Bergabfahrassistenten kommen wir Meter um Meter hinunter und es klappt sehr gut.
Die Familie aus der Schweiz ist mit ihren Kindern auch wieder am runter laufen und sie haben noch einen längeren Weg vor sich bis zu ihrem Auto. Nachdem wir die extremste Stelle hinter uns haben, bleiben wir mit dem Cali an einem schönen Plätzchen bei einem deutschen grösseren Auto stehen. Hier werden wir für die Nacht bleiben. Forsters nehmen noch gut einen Kilometer Weg unter die Füsse bis zu ihrem Bimobil. Sie werden dort die Nacht verbringen. Wenige Schritte von unserem Auto entfernt steht ein Steinunterschlupf, ein unfertiger Holztisch und ein Aussichtspunkt. Von hier aus kann man bis nach Nuoro sehen. Wir geniessen den Ausblick und den wunderbaren Blick auf den Monte Corrasi, welcher im Abendlicht so schön leuchtet. Wir bleiben bis die Sonne verschwunden ist. Der Sonnenuntergang ist der krönende Abschluss eines erlebnisreichen und abenteuerlichen Tages!
Mittwoch, 6. Oktober 2021
Mit den undefinierbaren Geräuschen irgendwelcher Tiere haben wir wunderbar geschlafen. Punkt 6h30 ist es damit aber vorbei. Wir werden durch heranfahrende Autos geweckt. Ich schaue aus dem Aufstelldachguckloch und da kommen doch tatsächlich etwa 5 Autos voll mit Arbeitern. Der Erste macht sich durch Hupen bemerkbar. Okay, das hätten wir jetzt nicht gebraucht. Um 7h ist anscheinend der letzte Arbeiter eingetroffen und diskutierend tragen sie Werkzeug aus dem Auto. Ein Generator wird aufgestellt und irgendwann beginnt dieser zu laufen. Jetzt ist es mit der Ruhe endgültig vorbei. Bald beginnt als Krönung noch die Kettensäge an zu laufen. Zwischendurch hören wir aber auch das Gebimbel von Glocken einer Ziegenherde. Eine schöne Ergänzung zum Generator und der Kettensäge. Anscheinend wird hier bei dem Steinunterschlupf und den Tischen gearbeitet. Also auch in Italien beginnt man früh am Morgen zu arbeiten. Es beginnt auch leicht zu regnen, aber sie lassen sich nicht stören. Mit unseren Freunden haben wir um 10h30 Uhr abgemacht.
Wir fahren hinab bis Oliena. Diesmal finden wir die Durchfahrt besser und gelangen zum Conad. Dies ist ein typisch italienischer Einkaufsladen, der uns immer wieder gut gefällt. Wir kaufen gerne italienische Produkte und werden in diesen Läden immer fündig. Das Auto muss auch mit Diesel gefüllt werden und jetzt müssen wir nur noch einen Abfalleimer suchen. Dies ist gar nicht immer so einfach, denn viele Container sind privat und daher auch abgesperrt. Öffentliche Abfalleimer gibt es nicht so viele, aber bei Spielplätzen und Parkanlagen hat man meistens Erfolg. In Dorgali werden wir fündig und nun geht s zügig auf die Panoramastrasse SS125. Auf dieser Strasse hat man einen wunderschönen Blick in die Hügel und Berge von Sardinien.
Unser nächstes Ziel ist der Startpunkt eines weiteren Tracks aus dem Sardinienbuch. Mit unseren Freunden haben wir auch hier abgemacht. In Anbetracht der Zeit entscheiden wir, in der Nähe des Tracks zu übernachten. Wir sind auf einer Hochebene auf ca. 960 m. Der Wind bläst uns zügig um die Ohren und wir sind froh und dankbar für die gemütliche Sitzgruppe des Bimobil. Wir spielen zu Viert zwei Spiele und dies macht uns allen Spass!
Es stockdunkel, als wir in unser Auto kommen und Urs und ich schauen uns noch einen Film auf dem Notebook an. Wir haben es richtig gemütlich. Heute Nacht werden wir das Dach vom VW-Bus wegen der heftigen Windböen unten lassen und somit unten schlafen. Das heisst für uns umbauen. Die Stühle werden auf den Fahrersitz gestellt, die restlichen Utensilien vor die Sitze gestellt, so dass wir die Rückbank umklappen können. Leider können wir inmitten der Nacht die zweite Luftmatratze nicht finden. Wir geben das Suchen auf und klappen die Rückbank nach unten, bringen sie dann aber irgendwie nicht mehr hoch. Dies können wir dann morgen bei Tageslicht versuchen, denn jetzt brauchen wir sie sowieso umgeklappt. Darüber legen wir unseren Topper, aber leider ohne Luftmatratzen. Dies wird eine härtere Nacht werden. Forsters liegen sicher schon lange in ihren Betten, während wir noch beschäftigt sind mit unserem Bett und am Umräumen inmitten der Nacht. Ja, dies ist gehört auch zu einem Cali-Leben und wir müssen über unsere Situation lachen. Ob wir am nächsten Morgen Rückenschmerzen haben?
Haha… dass war ja wiedermal spannend!!
Woahhh, was für ein grandioser Berg!!
Da wären wir auch gerne mitdabei!!
Toller Reisebericht, danke für diese tolle Arbeit und Eindrücke, da kann man richtig miterleben!! Weiter viel Spass und liebi Grüessli!