Sardinien 4 – Wandern und Baden

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Der Wind hat in der Nacht immer wieder unser Auto durchgeschüttelt, aber wir haben unten trotz Härte unseres Schlaflagers, gar nicht so schlecht geschlafen. Die Sonne scheint und dies passt zu unserem Vorhaben. Während unsere Freunde sich einen Platz mit gutem Mobilfunknetz suchen müssen, folgen wir einem Track aus dem Sardinienbuch. Auf dem Hochplateau führt die Schotterstrasse Richtung Canyon Gorropu. Wir begegnen etlichen Kühen und Schweinen, die sich für uns nur wenig interessieren. Die Weite, die Sträucher, Steineichen, Felsen und Steine gefallen uns sehr. Wir staunen immer wieder, wie Steineichen auf solch steinigem und felsigem Untergrund wachsen können.

Der erste Teil der Tour wäre auch mit einem grossen Fahrzeug zu befahren, aber ab der Steinbrücke über ein ausgetrocknetes Bachbett, hängen die Äste zu tief. Die Tour macht Spass und ist landschaftlich sehr reizvoll. Wir haben Luft aus den Rädern abgelassen und so kommen wir bestens die Steigungen auf Schotter hoch. Heiklere Passagen sind mit Steinen gepflastert. Die Wolken am Himmel weisen die ganze Wolkenfarbenpallete auf. Von weiss bis dunkelgrau und so entstehen schöne Stimmungen. Wir dürfen sogar einen wunderschönen Regenbogen erleben, welcher sich über die Bäume im Tal spannt. Auch kreuzen immer wieder Tiere unser Strässchen.

Für die 13 km brauchen wir knapp eine Stunde, denn es gibt immer wieder Stopps um zu fotografieren oder um einfach die Natur zu bestaunen. Am Ende angekommen stellen wir das Auto auf dem Parkplatz ab und nun geht’s zu Fuss weiter. Zuerst müssen wir an etlichen Schweinen vorbei, welche mehr oder weniger friedlich am Boden liegen oder uns mit ihren “Schweinsäuglein” beobachtend anstarren. Anhand des Handys finden wir den Wanderweg Richtung Schlucht. Über Stock und Stein geht es stetig hinab. Zu stark am Gedanken hängenzubleiben, dass man hier alles wieder hochlaufen muss, macht keinen Sinn. Meter um Meter geht’s hinab und wir kommen der Schlucht immer näher. Für uns ist klar, dass wir nicht bis zum Eingang der Schlucht wandern werden, denn so geübte und durchtrainierte Wanderer sind wir nicht. Die Knie von Urs und mein Fersensporn sollen dabei auch nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir wandern so weit hinab, bis wir eine sehr schöne Rundsicht auf die Berge, die Schlucht und die weitere Umgebung haben. Wir setzen uns hin und geniessen die Stille und die Einsamkeit mit der wunderbaren Aussicht in vollen Zügen.

Dank den Wolken ergeben sich wunderbare Stimmungen. Faszinierend sind auch die Löcher in den Felsen und die verschiedenen Steinschichten.

Leider müssen wir wieder an den Rückweg denken und so steigen wir wieder hoch. Schnell gewinnen wir atmend an Höhe und kommen zum Parkplatz. Neben uns steht nun noch ein höher gelegter VW-Bus mit Allterrain-Reifen. Das deutsche Paar begrüsst uns und wir kommen ins Gespräch. Sie erzählen von ihrer letztjährig geplanten Marokkoreise, welche sie begonnen und abrupt, wegen der Schliessung des Landes, abbrechen mussten. Spannend für uns, planen wir doch zu Siebt nächsten Frühling eine Reise nach Marokko. Begegnungen mit anderen Reisenden sind immer wieder etwas Besonderes. Jetzt fahren wir dieselbe Strecke zurück

Wir sehen von Weitem unsere Freunde, welche nicht weit von unserem letzten Übernachtungsort, einen Platz für die nächste Nacht gefunden haben. Da der Wind wieder zunimmt und es ziemlich kühl ist hier in den Bergen, sind wir froh um das “grosse Wohnzimmer” von Erich und Annette. Zu viert lassen wir den Abend ausklingen. Es ist stockdunkel und wir kriechen ins Aufstelldach mit der Hoffnung, dass der Wind uns nicht mitten in der Nacht ins untere Bett zwingt. Kaum liegen wir bequem im Bett, bemerken wir, dass der Wind doch stark an unser Gestänge des Aufstelldaches bläst und es sehr laut ist. Wir entscheiden uns für unten schlafen und müssen somit noch umräumen und uns einrichten. Vorsichtshalber schliessen wir auch das Dach. Zum Glück haben wir auch die fehlende Luftmatratze gefunden, so dass wir eine angenehm weiche Nacht vor uns haben.

Freitag, 8. Oktober 2021

Wir haben sehr gut geschlafen und machen uns 10h15 auf den Weg. Wieder zurück auf der Panoramastrasse SS125 geht es südwärts. Durch das Dorf Baunei wird es eng. Ein Wohnmobil kommt uns entgegen und nun zählt jeder Zentimeter. Auf der einen Seite das Wohnmobil und auf der anderen Seite Holzpalet und ein Gestell vor einem Laden. Urs meistert solche Situationen sehr gut und bald haben wir Baunei hinter uns.

Spontan kommt uns die Idee, die roten Felsen von Arbatax zu besuchen. Diese Felsen sieht man oft auf Postkartenbildern oder Prospekten von Sardinien. In der Abendsonne leuchten die Felsen ganz besonders schön, aber auch jetzt sehen sie hübsch aus. Die Wellen umspülen die Felsen und spritzen auf. Dies ist ein faszinierender Anblick. Die Wucht des Wassers wird in solchen Momenten deutlich.

In einem kleine Lebensmittelladen kaufen wir Wasser und Brötchen. Für ein Frühstück oder Picknick ausgerüstet folgen wir der Strasse in den Süden. Mit Annette und Erich haben wir bei den “Piscinas” abgemacht. Die Asphaltstrasse endet vor einem Campingplatz, aber zuvor zweigt eine Schotterpiste Richtung «Piscinas» ab. Wir sind gespannt auf diese Naturbadegumpen. Forsters sind schon da und essen Sandwiches. Da sie heute Nachmittag unbedingt nochmals stabiles Telefonnetz brauchen, schauen sie sich die Badebecken vor uns an. Wir essen zuerst noch die frischgekauften Brötchen, danach machen wir uns auch auf den kurzen Weg. Wir haben die Badetasche dabei, denn wir haben vor zu baden. Ich bin ganz begeistert von dieser Naturschönheit! Natürlich reizen diese Naturbecken zum fotografieren.

Mit Freuden geniessen wir das Baden in der Natur, in dieser schönen Umgebung. Es sind etliche Wassergumpen und in unserem Becken hat ein einen kleinen Wasserfall. Wir stellen uns unter das hinabfliessende Wasser. Es ist wärmer als gedacht. Im Anschluss gönnen wir uns ein paar Guetzli und eine Flasche voll Tee. Während Urs im Tolino liest, mache ich mich auf Fototour.

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge, doch bevor wir uns auf den Rückweg machen, schauen wir uns auch die letzten Badegumpen noch an. Herrliche Gegend! Mit dem Auto fahren wir einen kurzen Moment zurück, bis wir auf einem Schotterplatz stehen und uns entscheiden hier zu übernachten. Völlig in der Pampas verbringen wir unter einem herrlichen Sternenhimmel einen wunderbaren lauen Abend und eine ruhige Nacht. Dies war ein wunderschöner Ausflug!

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