Sardinien 8 – Herausforderung auf der Tour

Montag, 18. Oktober 2021

Nach dem Kaffee und Tee trinken fahren wir um 10h50 ins 14 km nahe Nebida. Mitten im Dorf liegt der Parkplatz, von dem man einen schönen Rundweg um einen Hügel unternehmen kann. Diese Gelegenheit nutzen auch wir und freuen uns am schönen Ausblick aufs Meer und die Felsbrocken, welche nahe der Küste aus dem Meer ragen. Der Pan di Zucchero ist 133 m hoch und damit der höchste und imposanteste Fels. Eine Bar, mit wunderbarer Aussicht, lockt die Spaziergänger auf einen Drink oder ein Essen. Wir lassen die Bar hinter uns und der Rundweg führt uns wieder zum Auto zurück.

Unser nächstes Ziel ist die Bucht Domestica. Wir folgen der, mit 13 % Steigung, führenden Strasse durch die Berge Richtung Buggeru. Unser nächstes Ziel ist die Cala Domestica. Diese Bucht haben wir vor ca. 9 Jahren schon einmal besucht und in bester Erinnerung. Heute sieht die Situation ein bisschen anders aus. Damals konnte man auf dem asphaltierten Parkplatz ohne Probleme übernachten, aber heute ist dieser Parkplatz für Wohnmobile gesperrt. Stattdessen ist der Wohnmobilstellplatz geöffnet, der damals im Oktober geschlossen war. Wir entscheiden uns für den Wohnmobilstellplatz und quartieren uns ein. Heute steht ein Badenachmittag auf dem Programm! Mit Badetasche, Schwimmnudeln, Taucherbrillen und Schnorchel machen wir uns auf den Weg zum schönen Sandstrand der Bucht. Mittlerweile wurden zwei Strandbars gebaut, welche nun winterdicht gemacht werden. Die Wassertemperatur ist herrlich und wir geniessen das schnorcheln in vollen Zügen. Schwärme kleiner Fische und andere Fische dürfen wir beobachten und mit der neuen Gopro (Action Kamera) versuchen wir zu filmen und zu fotografieren. Rechts der Bucht verläuft ein kleiner Weg über die Felsen zu einem Felsloch, durch das man eine andere idyllische Bucht sehen kann. Während Erich sich zögerlich barfuss auf diesen kurzen Weg macht, bin ich sehr froh um meine Schuhe.

Nach dem ausgiebigen baden im glasklaren Wasser kehren wir auf den Stellplatz zurück. Urs und ich duschen uns mit der Aussendusche und fühlen uns frisch und munter. Kurze Zeit später folgen wir zu Viert dem Wanderweg links an der Bucht entlang hinauf zum Torre Domestica. Die Sonne steht tief und taucht die Steine, die Büsche, die Felsen und den Turm in ein oranges Licht. Wir dürfen einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben!

Gegenüber des Sonnenuntergangs geht der Beinahe-Vollmond auf und wird von der Sonne angeleuchtet. Diese Naturereignisse sind einfach zum bestaunen! Beim Antreten der Dämmerung umgeben rosa Wolken den Turm. Leider müssen wir uns von diesem schönen Ausblick verabschieden, denn den Rückweg meistert man lieber noch bei Licht, statt bei Dunkelheit. Urs hat zur Sicherheit seine gute und starke Stirnlampe mitgenommen. Rechtzeitig sind wir zurück und der Hunger meldet sich.

Während Annette und ich uns in die Wohnmobilküche stürzen, sorgen Urs und Erich für die Beleuchtung. Wir machen es uns sehr gemütlich und geniessen das Draussensein. Die Idylle stört nur der Traktor, welcher im Dunkeln die Pedalos vom Strand ins Winterquartier abtransportiert.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Am Morgen unternehme ich nochmals einen Spaziergang zum Torre Domestica. Nun erscheint er in einem völlig anderem Licht als gestern Abend. Auch das sonnenbeschienene Wasser der Bucht ist leuchtend türkis.

Unsere Route führt uns nach Buggeru. Während Forsters im Dorf ihr Wassertank auffüllen, beginnen wir schon mal mit dem Track «Düne». Diese Schotterstrasse kann, laut Buch, mit allen Fahrzeugen befahren werden. Schon nach wenigen Kilometern begegnen uns aber tiefhängende Äste und Büsche, so dass wir unseren Freunden von dieser Tour eher abraten. An einer kleinen Sanddüne unterbrechen wir die Fahrt, um diese anzuschauen. Die Düne gibt uns einen Vorgeschmack auf Marokko im nächsten Jahr.

Nach dem Luft ablassen fahren wir weiter und geniessen diese entspannende Tour. Es ist eine historische über die Hügel führende Verbindungsstrecke zwischen Strand und der Strasse 126. Der Weg ist gut befahrbar, dennoch begegnet uns kein einziges Auto. Es gefällt uns, auf solch geschotterten Nebenstrecken unterwegs in der Natur zu sein. Mit Annette und Erich haben wir am Startpunkt der nächsten Tour abgemacht. Unzählige Kurven bringen uns an diesen Treffpunkt. Wir essen bei der kleinen hübschen Kapelle eine Kleinigkeit.

Gestärkt stellen wir uns der nächsten Herausforderung. Annette und Erich machen es sich auf unserer Rückbank bequem, denn für ihr Bimobil wird dieser Track nichts sein. In der Beschreibung wird diese Tour als empfehlenswerte Sackgasse beschrieben, welche in etlichen Serpentinen auf eine Hochebene führen soll. Nach knapp einem Kilometer endet der Asphalt und die Strecke führt uns durch ein Gebirgstal. Das Strässchen ist schmal und immer wieder klatschen Büsche und Pflanzen an unsere Frontscheibe und Seitenspiegel. Zum Glück ist ausser uns niemand unterwegs, denn wir benötigen die ganze Breite. Der Belag des Strässchens wird steiniger. Zwischendurch sollen Asphaltplatten helfen, welche aber grössere Absätze mit sich bringen.

Nun beginnt der Anstieg mit den Serpentinen. Es wird immer steiler und der Schotterweg steiniger mit etlichen Auswaschungen. Urs spürt das Meergewicht von 4 Personen, aber VW-Bus und Fahrer meistern Kurve um Kurve, Meter um Meter. Der Strassenbelag ist mal besser, mal schlechter, doch Urs entscheidet sich für mehr Luft ablassen. Wir möchten möglichst keinen defekten Reifen riskieren. Bald danach stehen wir vor einer schwierigen Passage, welche zuerst begutachtet werden muss. Über den besten Weg wird diskutiert und dann macht sich Urs ans Werk. Erich hilft ihm mit Anweisungen und ich nehme meine Position als Filmerin ein. Durch die Kamera sehe ich plötzlich das Vorderrad des Autos in der Luft. Die restlichen Räder spulen durch und nichts geht mehr. Nur noch zwei Räder haben Bodenkontakt und somit zuwenig Gripp um vorwärts zu kommen. In dieser Verschränkung kommen wir nur mit unserer zuschaltbaren Differenzialsperre vom Fleck. Urs setzt zurück und versucht es erneut. Mit der Sperre klappt es und wir atmen auf. Weiter geht’s steil hinauf und die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten. Diesmal müssen wir den Rampenwinkel im Auge behalten und Urs verlässt sich auf unsere Anweisungen. Wir sind dankbar um die Seitenschweller und den Unterbodenfahrschutz!

Auch die nächste Kehre meistern wir gut und das Auto «klettert» über den steinigen Belag des Weges. Ein Blick um die nächste Kurve genügt, um die Ausbuchtung in der Kurve für einen Stopp zu nutzen. Mit kritischen Blicken begutachten wir den Zustand der Piste und entscheiden uns vernünftigerweise für die Umkehr. Wir wollen nichts riskieren! Der VW-Bus hätte es sicher noch weiter geschafft, aber ohne geländetaugliches Begleitfahrzeug wäre dies unvernünftig. 5,2 km haben wir geschafft und darauf sind wir stolz.

Es heisst nun den ganzen Weg wieder zurück und diesmal müssen wir auf die Frontschürze des Autos achten. Es darf nicht passieren, dass wir wegen des Gefälles und der Unebenheiten zu tief geraten und deshalb touchieren. Mit Hilfe des Bergabfahrassistenten und Beobachteraugen kommen wir gut über alle Passagen.  Fahrer und Auto haben es super gemacht! Wer von uns vieren bei unserem Abenteuer am meisten angespannt war, lassen wir offen! Wir sind uns aber einig: es war ein tolles und interessantes Erlebnis! Bei der Kapelle werden die Räder gepumpt und Forsters ziehen wieder in ihr Bimobil ein.

Im Frühling haben wir in Giuspini eine Gelateria besucht, welche wir auch jetzt aufsuchen möchten. Hoffentlich lässt sich einen geeigneten Parkplatz finden, denn die Gelateria befindet sich mitten im Zentrum bei der Piazza der Kirche. Tatsächlich hat es noch zwei Plätze direkt an der «Piazza» frei und Erich parkt das grosse Auto gekonnt in die Parklücke. Dies sorgt jedoch für Aufsehen bei den Männern, welche auf der «Piazza» ihr Plauderstündchen abhalten. Ihre Augen werden gross und es wäre spannend zu verstehen, was sie jetzt zum Diskutieren haben. Wir schlendern zur gegenüberliegenden Gelateria und suchen uns mit Freuden je 4 Kugeln Glace aus. Auf dem grossen Platz vor der Kirche setzen wir uns an einen Tisch und lassen uns das Glace schmecken. Haben wir uns dies doch heute redlich verdient!

Leider ist es schon ziemlich spät und wir müssen aufbrechen. Da es im Herbst merklich früher dunkel wird, muss man rechtzeitig einen Übernachtungsplatz anfahren. Fündig werden wir in Santa Giusta mit dem offiziellen Wohnmobilstellplatz. eine schöne Abendstimmung hat uns auf dem Weg begleitet. Heute hätten wir Lust auf eine Pizza und durchforsten die Ortschaft auf «google maps» nach einer Pizzeria.  Mit dem VW-Bus ist diese schnell erreicht. Da Urs und ich kein Zertifikat haben, müssen wir draussen Platz nehmen. Es ist genug warm und so ist dies für uns kein Problem. Wir setzen uns an ein quadratisches Vierer-Tischchen und die Servierfrau fragt, ob wir nicht an einen grösseren Tisch sitzen wollen. Da wir so Platz haben verneinen wir. Erst später stellt sich heraus, warum uns ein grösserer Tisch angeboten wurde, denn die Pizzas sind so riesig und lappen weit über den Tellerrand. Die Platzreserven auf dem Tisch halten sich nun tatsächlich in Grenzen. Genüsslich verzehren wir die gute Pizza. Heute haben wir viel erlebt und schlafen bestens auf dem städtchennahen Stellplatz von Santa Giusta.

One Kommentar to “Sardinien 8 – Herausforderung auf der Tour”

  1. Lis+Frank

    Woah, was für eine cooooole Tour!! Das braucht auch Grösse umzukehren 😎
    Sieht super aus euren Cali aufgestellt mit einem Bein in der Lift!! Zum Blück habt Ihr die Sperren! Schön was Ihr alles erleben konntet!😍💐

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