Sardinien 9 – Letzte Erlebnisse und Heimreise

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Heute Morgen begrüsst uns ein frischer Brötchenduft. Da muss doch irgendwo in der Nähe eine Bäckerei sein? Annette und Urs machen sich auf die Suche und kommen mit einem Sack frischen Brötchen zurück. Schnell sind die Tische aufgestellt und ein Frühstück wartet auf uns.

Heute werden wir uns von unseren Freunden trennen, da sie noch einige Tage länger in Sardinien bleiben werden. Es war schön, zusammen unterwegs zu sein. Danke für eure Freundschaft! Wir werden die Insel durchqueren, um uns in zwei Tagen pünktlich im Fährhafen einzufinden. Im Navi sind verschiedene Ziele einprogrammiert und wir verabschieden uns winkend. Den ersten Stopp machen wir bei der Kirche Santa Maria in Bonarcado. Durch einen eher verwahrlosten Park kommen wir zur grossen Kirche. Nebenan steht eine kleine Kapelle, welche in Sardinien ein Heiligtum ist und zur Ehre der Maria von Bonacattu zwischen dem 7. Und 8. Jahrhundert errichtet wurde.  Dieser religiöse Gebäudekomplex ist Sitz des ältesten Marienkultes der Insel. Wie in allen Dörfern Sardiniens zeigen die Bewohner von Bonarcado ihre Verehrung und Verbundenheit zu den Dorfheiligen bei den Heiligenfesten, an dem sich alle Dorfbewohner beteiligen. Von solch einem Dorffest im September erzählt uns ein Mann, der auf der Treppe vor der Kirche sitzt. Er schwärmt von diesem Fest und der dazugehörigen religiösen Prozession, bei der die Statue der heiligen Jungfrau durch die engen Gassen der Altstadt getragen wird. Danach gibt es Degustationen sardischer Produckte, eine Ausstellung lokaler Handwerkskunst und musikalische Darbietungen. Leider ist die bedeutende kleine Kirche mit einem Baugerüst umstellt, denn Teile davon werden saniert.

Wenige Kilometer später stehen wir auf dem Parkplatz unseres nächsten Zieles. Hier erwartet uns eine gespenstige Atmosphäre. Haben wir vor einigen Minuten noch frische grüne oder herbstlich gefärbte Blätter an den Bäumen gesehen, ist hier alles schwarz, abgestorben, verbrannt. In diesem Sommer ist in Sardinien geschätzte 20 000 Hektar Land verbrannt. Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Bis jetzt sind wir noch durch keine brandgeschädigten Gebiete gefahren, aber jetzt in der Region Santu Lissurgiu ist es soweit. Die Sonne scheint, aber es sieht alles trostlos und leblos aus. Es wird lange dauern, bis man hier nichts mehr davon wahrnimmt. Der geplante Ausflug zur Molinos-Schlucht und dem Wasserfall ist gesperrt. Es ist irgendwie ein deprimierendes Gefühl, durch diese Gebiete zu fahren. Schwarze Bäume, Büsche und versengte Strassentafeln sind noch einige Zeit unsere Begleiter.

Wir kommen zu der uns bekannten Quelle San Leonardo. Hier füllen wir den Wassertank im Auto und unseren portablen Kanister mit frischem Quellwasser, welches auch die Sarden gerne in Dutzende von Kanistern abfüllen.

Danach unterbrechen wir unsere Fahrt bei der Nuraghe-Ausgrabungsstätte Tamuli. Wir sind die einzigen Besucher, aber dies stört uns nicht. In Ruhe streifen wir durchs Gelände und schauen uns die Überreste der Nuraghe-Siedlung an. Dies sind prähistorische Turmbauten, Grabstätten und Wohn- und Befestigungsbauten der Bonnanaro Kultur (2200 – 1600 v.Chr.) und der nachfolgenden Nuraghenkultur (1600 – 400 v.Chr.)   In Sardinien gibt es sehr viele Überreste dieser Bauten und etliche davon sind zu besichtigen. Ausserhalb der Wohnbauten sind zwei Grabstätten mit jeweils drei männlichen und drei weiblichen Gedenksteinen der Gottheiten. An erhöhter Stelle die Ruine des Turmes und zu dessen Füssen die Überreste der Wohnbauten. Faszinierend, wie man ohne Maschinen Stein um Stein in einer Präzision aufeinandergelegt hat.

Jetzt ist es 15h und wir verlassen die Ausgrabungsstätte. Wir wählen nicht die Hauptstrasse, sondern eine Nebenstrasse, die sich am Hang eines Hügel durch die Dörfer schlängelt. Kurvig geht’s voran und man braucht sicher mehr Zeit um voranzukommen, aber die Sicht auf die Ebene ist schön. Bevor diese Strasse wieder in die Hauptstrasse mündet, begegnet man vielen Korkeichen. Diese Bäume sind faszinierend und die frisch geschälten Bäume leuchten in der Abendsonne in einem kräftigen Orange.

In der Nähe von Budduso wartet eine letzte Tour auf uns. Vielleicht finden wir auf diesem Track auch einen geeigneten Übernachtungsplatz in der Einsamkeit. Der Schotterweg ist gut zu befahren. Wir kommen an etlichen Korkeichen, Nadelbäumen und an Windrädern vorbei. Neben einem Windrad wäre ein schönes Plätzchen für die Nacht, aber vielleicht können wir auch am Trackende übernachten. Der Name «Pilgerweg» passt zu dieser Tour, denn sie endet bei einer kleinen Kapelle. Rundum sind grosse Steintische mit Sitzbänken aufgestellt. Es scheint somit ein beliebter Ort für Treffen, Ausflüge oder Feste zu sein. Übernachten möchten wir auf diesem grossen Platz nicht, aber die letzten Sonnenstrahlen geniessen. Jetzt kehren wir zurück zu unserem Platz beim Windrad. Es ist hier auf 880 m.ü.M. kühl geworden. Ob wir nachts die Heizung brauchen werden, wissen wir noch nicht. Das Geräusch des Windrades hält sich in Grenzen und wird kein Problem sein. Doch da haben wir uns getäuscht, denn nachts muss sich der Wind gedreht haben. Vor 5h morgens kann ich wegen dem monotonen, regelmässigen Drehen des Windrades nicht mehr schlafen. Ich ziehe die Decke über den Kopf, aber erfolglos. Nur das Lesen im Tolino bringt mich irgendwann wieder zum Einschlafen. Nun mein Tipp an euch: Schlaft nie in einem Zelt oder in einem Aufstelldach neben einem Windrad, denn der Wind kann bekanntlich drehen und die Geräuschkulisse ist vorprogrammiert!

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Die Heizung lief nachts auf kleiner Stufe. Ich klettere aus dem Aufstelldach und ein kleiner Spatz begrüsst mich schon bald. Er hat auf unserem Seitenspiegel Platz genommen und schaut interessiert umher. Das Frühstück geniessen wir draussen, bevor wir die Gegend verlassen.

Unseren letzten Tag möchten wir nochmals, wie zu Beginn unserer Ferien, am Strand Poltu Manzu verbringen. Der Kreis unserer Sardinienreise hat sich somit geschlossen. Ob es wieder so viele Wohnmobile hat? Ja, es stehen schon ca. 8 Mobile da, aber wir finden an der schönsten Ecke einen freien Platz. Das freut uns sehr! Schnell machen wir es uns gemütlich und stürzen uns in die Badehosen. Vielleicht hat es zwischen den Steinen auch Fische? Wir entdecken sogar einen Seestern, einige Seegurken mit Stacheln, Fische und Seeigel. Es macht Spass und das Wasser ist noch genügend warm. Das Thermometer zeigt immer 22°an, doch ist das Wasser immer gleich warm, oder ist der Thermometer defekt? Urs muss dies prüfen und steckt ihn erwartungsvoll in kühles Wasser. Der Thermometer ist nicht defekt, denn die Anzeige sinkt auf 17°. Ist also auch diese Frage geklärt.

Im Verlauf des frühen Abends verlassen, bis auf ein Wohnmobil, alle den Platz. Drei deutsche Kastenwagen verabschieden sich, denn sie müssen auf die Fähre.  Wir geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang und ein gemütliches romantisches Abendessen bei Kerzenschein.

Ich schaue auf zum Himmel und über unserm Auto beleuchtet der Mond viele kleine «Schäfchenwölkchen». Man kommt sich unter diesem wunderbaren Himmel so klein vor.

Freitag, 22. – Sonntag, 24. Oktober 2021

Den Morgen verbringen wir mit Berichte schreiben und Fotochips leeren. Heute um 12h30 haben wir unseren schon zu Hause gebuchten und bezahlten Testtermin im Testzentrum am Flughafen Olbia. Wir finden das Zentrum ohne Probleme, denn besser angeschrieben könnte es nicht sein. Beim Eingang wird der Termin kontrolliert und alles Schriftliche wird bei der Anmeldung erledigt. Alles ist modern und digital eingerichtet und wir kommen schnell an die Reihe. Uns wird versichert, dass das Resultat in 30 Minuten per Mail mitgeteilt wird. Für mich ist diese Angelegenheit nun erledigt, aber Urs besteht darauf, dass wir nicht ohne das Zertifikat wegfahren. Wie recht er hat! 30 Minuten sind beinahe um und wir machen uns zu Fuss wiederholt auf den Weg zum Testzentrum. Wir müssen jetzt reagieren, denn das Zentrum schliesst um 13h. Um 13h10 kommt eine deutsche Familie mit ihrem Wohnmobil, müssen aber unverrichteter Dinge wieder abfahren und sich eine andere Testmöglichkeit suchen. Wir teilen mit, dass wir kein Mail erhalten haben und der Mann an der Türe kann dies kaum glauben. Die Frau am Computer schaut nach und schickt das Mail mit dem Resultat nochmals. Sie zeigt uns, was wir nach ca. 10 Minuten tun sollen. Man muss anhand der ID-Nummer und eines Codes das Zertifikat auf einer italienischen Seite herunterladen. Ein Mail hat uns bis jetzt immer noch nicht erreicht. Das Testzentrum schliesst und mit einer Telefonnummer im Sack und dem Versprechen, dass in 10 Minuten das Mail kommen wird, verabschieden wir uns. Hoffen wir das Beste und mit dem Auto fahren wir zum nahen Conad. Urs wird den Notebook aufstarten und die Zertifikate herunterladen, während ich unsere Lieblingslebensmittel für zu Hause einkaufe.

Als ich wiederkomme, wirkt Urs gestresst und angespannt. Es hat nicht geklappt, denn er konnte nur mein Zertifikat herunterladen. Super…was tun? Für die Fähre brauchen wir nicht nur das Testresultat, sondern auch den QR-Code des Zertifikats. Nach zwei erfolglosen Telefonaten entscheiden wir uns für die Suche nach der Apotheke, in der die deutsche Familie sich getestet hat. Urs hat die Familie während meinem Einkauf gesehen und mit ihnen geredet. Nach einigem Suchen, entdecken wir die genannte Apotheke und Urs lässt sich erneut testen. Diesmal klappt alles wie am Schnürchen. Ein Vorteil, wenn ein und dieselbe Person alles erledigt. Kurze Zeit später hält Urs sein Zertifikat erleichtert in den Händen. Mittlerweile haben wir eine Vermutung, was alles zu unseren Schwierigkeiten geführt haben könnte. 1. Mache nie einen Termin ab, wenn 30 Minuten später geschlossen wird. 2. Lasse nie zwei Tests auf eine Mailadresse senden und 3. Hoffe, dass du nicht die gleichen Initialen hast wie dein Partner, so wie bei uns Ursi und Urs Hintermann. Dies alles hat uns viel Zeit und Nerven gekostet. Es ist spät geworden und von unserem letzten Tag ist nicht mehr viel übrig. Wir kehren dennoch für 2 Stunden an unseren Platz zurück. Nach einem warmen Essen drängt es mich nochmals zu einem letzten Bad im Meer. Wow, so cool, am 22. Oktober nochmals baden zu dürfen!

Kurz vor 18h verlassen wir den Platz und fahren in 50 Minuten zum Fährhafen Golfo Aranci. Das Schiff sehen wir von Weitem und wir stellen uns in die Kolonne. Ticket und Zertifikat werden gescannt und schon stehen wir in der richtigen Reihe. Es dauert nicht lange und wir fahren in den Bauch der Fähre. Dumm, dass wir so früh hineinfahren müssen, denn wir werden ganz nach vorn an die Wand gestellt. Ich habe kaum Zeit auszusteigen und es ist gut, dass wir alles für die Nacht in der Tasche bereit haben. Die Autos werden bis auf wenige Zentimeter aneinandergestellt. Wir beziehen unsere Kabine und beobachten von Deck aus, das Geschehen am Hafen. Mit mehr als 40 Minuten Verspätung verlassen wir Sardinien Richtung Festland.

Schon seit einigen Tagen wissen wir dank eines Mails der Reederei, dass wir morgen in Livorno 3 Stunden später ankommen werden. Erst am frühen Morgen (5h30) wird uns klar warum. Unsere Fähre macht einen Umweg nach Bastia, einer Stadt in Korsika. Um 10h20 legt das Schiff in Livorno an. Es dauert eine Ewigkeit, bis wir zu unserem Auto können. Wenn man als einer der ersten reinfährt, fährt man als einer der letzten wieder hinaus. Um 11h haben wir es geschafft und schnell bringen uns die Wegweiser auf die Autobahn. Vorbei an den Marmorabbrüchen bei Carrara kommen wir nach La Spezia. Wir biegen rechts ab und gelangen über die Hügel nach Parma. Je näher wir der Po-Ebene kommen, je mehr Nebel kommt auf. Erst nach Mailand kann sich die Sonne wieder ein bisschen durchsetzen. Zeit verlieren wir im Stau zwischen Mailand und Chiasso. Mit wenigen Pausen kommen wir gut voran. Um 15h45 sind wir am Zoll, aber unsere Einreise interessiert niemanden. Zum Glück verlieren wir nur 30 Minuten am Gotthard, obwohl heute das grosse Nachhausekommen der Schweizer und auch Deutschen ist. Unsere letzte Nacht verbringen wir in Rotkreuz auf einem Parkplatz, denn am Sonntagmorgen machen wir noch einen Abstecher im Altersheim, um den Vater von Urs zu besuchen.

Nach unserem Sonntagmorgenbesuch im Altersheim fahren wir nach Hause. Wunderschöne, erlebnisreiche und erholsame Ferien finden leider ein Ende. Schön, dass uns die angenehmen Temperaturen in Sardinien den Sommer ein wenig verlängert haben.

One Kommentar to “Sardinien 9 – Letzte Erlebnisse und Heimreise”

  1. Lis+Frank

    Einfach genial! Was durftet Ihr nicht alles erleben! Grandios!
    Der letzte Stellplatz am Sandstrand war ja der Hammer!!!
    Hoffentlich ist der Arbeitsschock nicht zu gross für Euch gewesen!! Wir sehen uns ja bald in Bern, oder? Herzlichi Grüessli!!

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