Freitag, 22. April 2022
Gestern haben wir bei unserem Auto bemerkt, dass der Booster irgendwie nicht so funktioniert wie sonst. Das wäre für unsere Stromversorgung gar nicht cool, denn so müssten wir nur vom Solarstrom leben und könnten den Notebook, unser Waffeleisen etc. nicht mehr benützen. Wir sind gerade etwas frustiert ab dieser Erkenntnis, insbesondere da die Ferien erst gerade begonnen haben. Die Wohnraumbatterien werden so auch während der Fahrt nicht mehr geladen werden.
Zum Glück haben wir an dieser Stelle gute Verbindungen und so schreiben wir an Retro von calisolar.ch – er hat uns den Booster und die Solaranlage eingebaut – was wir wo und wie prüfen können. Es könnte verschiedene Ursachen haben wie z.B. defekte Sicherung, unterbrochene Zuleitung, tatsächlicher Defekt des Geräts etc. Postwendend erhalten wir von Reto alle Angaben, das Anschlusschema und eine kurze Bilddokumentation. Super!
Bevor wir uns die Mühe machen den Fahrersitz auszubauen, versuchen wir es auf die einfache Weise mit einer Art Hausmittel. Wir zapfen soviel Strom mit Notebook und Heizung, dass unsere Batterien wirklich ziemlich entladen sind. Dann schalten wir die Stromversorgung für den Wohnraum bewusst aus und nach einer kurzer Zeit wieder ein und sind gespannt, was der Booster dann bei der Fahrt macht. Und siehe da – er hat dann funktioniert und tut es bis heute . Wir sind sehr froh darüber – und Reto auch.
Heute Morgen verlassen Lis, Frank und Hermann mit ihren Fahrzeugen zuerst unseren Lagerplatz. Sie haben die Neda Wasserfälle schon gestern besucht und haben uns mit ihren Erzählungen neugierig gemacht. Nach einem gemütlichen Frühstück machen auch wir uns auf den Weg. Annette und Erich steigen bei uns ein und lassen ihr Fahrzeug hier stehen. Da man in einigen Berichten aus dem Internet von eingeschlagenen Autoscheiben und Diebstahl gelesen hat, fahre wir so nahe an die Wasserfälle ran wie möglich. Für das grosse Bimobil ist es zu eng und zu niedrig. Auf einem teils Schotter, teils asphaltiertem Strässchen geht’s in Kehren hinab bis zu einer fotogenen alten Brücke. Es gibt wenig Raum zum Wenden und so erledigen wir dies jetzt schon, so dass wir nicht in die Gefahr laufen, von anderen Pkw zugeparkt zu werden. Von unseren Freunden haben wir eine Wegbeschreibung erhalten, so dass wir den Weg auf Anhieb finden. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man auch die gelben angebrachten Pfeile auf den Steinen. Zuerst führt der Trampelpfad hinauf, danach aber über Stock und Stein hinab bis zum Fluss. Zuerst kommen wir nach ca. 20 Minuten zum ersten Wasserfall. Ein sehr schöner Anblick, wie dieser in ein türkisfarbenes Wasserbecken stürzt. Die blühenden Judasbäume runden das Bild ab.
Eine Brücke führt über den Fluss und wir folgen dem fortführenden Wanderweg zum zweiten Wasserfall. Kurz vor dem Ziel zweigt ein kurzer Weg zu einer Kapelle ab, welche wir natürlich auch noch kurz besichtigen. Hinter der Kapelle sei noch eine Einsiedelei im Felsen, erzählt uns ein Franzose. Also steigen Urs und ich die wenigen Meter noch unter die Füsse und sehen in einem Felsloch eine kleine Höhle mit Resten eines Zwischenbodens. Wie man hier so alleine auf winzigem Raum im Felsen leben kann? Eine sehr gute Frage von einem Wohnmobilist, der sich auch auf wenige Quadratmeter einschränkt…
Nun ist es nicht mehr weit bis zum zweiten Wasserfall. Dieser übertrifft mit seiner Schönheit und dem “Karibikfeeling” noch den ersten Wasserfall. Das Wasser ist türkis und wunderschön. Unsere Freunde haben gestern hier gebadet und Urs und ich möchten dies natürlich auch. Deshalb haben wir schon am Morgen unsere Badehosen angezogen. Wir wagen uns ins schätzungsweise 10 – 12° kalte Wasser. Es ist wirklich extrem kalt und die Beine werden ganz rot vor Kälte. Wenn man nicht stehen könnte, wären wir nicht hineingegangen. Es sind noch einige Besucher da und es wäre spannend, ihre Gedanken lesen zu können. Ihren erstaunten Blicken ist zu entnehmen, dass sie es nicht für möglich gehalten hätten, dass jemand baden geht. Annette und Erich bevorzugen auch die Wärme und bleiben draussen. Nach dem Bad ist das Körpergefühl sehr angenehm. Man fühlt sich wunderbar erfrischt. Es gibt noch einiges zu Fotografieren und wir geniessen es hier zu sein. Urs und ich lassen uns sogar ein zweites Mal auf ein Bad ein und es fühlt sich sogar weniger kalt an.
Jetzt heisst es umziehen und zurück wandern und hoffen, dass das Auto noch so dasteht, wie wir es abgestellt habe. Wir sind dankbar, dass alles gut ist und so fahren wir wieder das Strässchen hoch zu unserem Übernahtungsplatz. Auch Forsters Auto steht noch unberührt da und wir machen es uns an unserem Traumplätzchen bequem. Die nassen Badehosen und Badetücher werden über ein, vom Auto zum Baum, gespanntes Seil gehängt. Wir sitzen draussen, arbeiten bei wunderbaren Internetverbindungen an der Webseite. Der Himmel bedeckt sich immer mehr und auch der Wind bläst, wie im Wetterapp angekündigt, ziemlich kräftig. So nehmen wir sehr gerne zum Abendessen Platz am schönen Tisch im geräumigen Bimobil von Erich und Annette.
Samstag, 23. April 2022
Um 9:30 Uhr sind wir abfahrbereit und wir verabschieden uns voneinander. Jeder fährt für sich und das hat sich in den letzten Tagen sehr bewährt. Wir haben die grobe Route miteinander besprochen und auch die Region, in der wir die nächste Nacht verbringen werden. Heute stellt sich ausserdem die Frage, ob wir in einer Stadt das griechische Osterfest miterleben sollen. Die Griechen feiern erst dieses Wochenende Ostern und dies auf eine besondere Art und Weise, die für uns neu ist. Wir entscheiden uns nach Absprache mit Frank, Lis und Herrann, die Osterfeier in Pyrgos zu besuchen. Nun sind wir aber auf dem Weg zu einer Besonderheit. Aus einer kleinen Steinkirche wachsen Bäume aus dem Dach und im Innern sieht man davon so gut wie nichts. Unsere Route führt uns durch schmale Bergdörfer, durch Olivenhaine aber auch durch verbrannte Gebiete. Auffallend sind auch immer wieder die von den Hängen gefallenen Steine, welche am Strassenrand liegen.
So kommen wir zur Kirche mit den aus dem Dach wachsenden Bäumen. Das ist wirklich erstaunlich und faszinierend. Die Bäume müssen so in den Kirchenmauern verschwunden sein und man fragt sich, was zuerst stand, die Kirche oder der Baum. Nach der Besichtigung erfreuen wir uns an einem Picknick. Wir entscheiden uns für heute Nacht einen Campingplatz in der Nähe von Pyrgos anzufahren. Wegen Ostern rufen wir an um zu reservieren, was allerdings nicht nötig ist.
Um 13:50 Uhr verlassen wir die bemerkenswerte kleine Kirche und fahren weiter zu den Ausgrabungen von Messene. Hier soll eine grosse und interessante Ausgrabungsstätte sein. Kurz vor dem Ziel sehen wir schon einen kleinen Teil von alten Bauten und das Besondere daran ist, dass die Strasse durch einen Kreis, welcher mit einer Steinmauer umrundet ist, führt. Wir halten an und merken, was für eine unglaubliche Akkustik hier herrscht. Das Sprechen hallt und auch der Motor des Fahrzeuges hört sich voluminöser an.
Kurz danach stehen wir vor dem Eingang des Ausgrabungsgeländes. Leider schliesst die Stätte bereits in 30 Minuten um 15:30 Uhr wegen Ostern. Schade, aber 30 Minuten ist doch zu kurz für eine Besichtigung. Auf dem Weg zum Campingplatz werden am Strassenrand immer wieder Orangen zum Kauf angeboten. Das lassen wir uns nicht entgehen und kaufen einen grossen Sack – wohl etwa 5 kg – für 5 Euro. Nah 90 Minuten Fahrzeit treffen wir auf dem Campingplatz Navarino ein.
Wir wählen uns einen Platz aus und machen es uns gemütlich. Forsters und wir kochen uns ein kleines Abendessen, da wir vielleicht, je nach Platz, in der Stadt am Ostefest noch etwas essen werden. Unsere Freunde Lis, Frank und Herrann haben heute Mittag Pyrgos angeschaut und die Parkiermöglichkeiten gecheckt. Viele Leute seien unterwegs und die Parkplatzmöglichkeiten hätten sich gefüllt. Ob man an solch einem Fest das Auto einfach so am Hafen einer Stadt (ca. 5000 – 6000 Einwohner) stehen lassen will ist auch fraglich. Uns wird um 20:00 Uhr ein Taxi hier beim Campingplatz abholen. Sind wir doch gespannt, was uns heute Abend erwartet! Im nächsten Bericht erzählen wir über das Osterfest.
Wunderschöne Fotos von der Kirche mit den aus dem Dach wachsenden Bäumen. Herzlichen Grüsse Lis und Franky