GR 6 – Osterfest

Wie wird Ostern in Griechenland gefeiert? In einem Internetartikel finden wir eine Beschreibung des Osterfestes, welches nicht zum selben Zeitpunkt unserer Ostern stattfindet. Aus dem Bericht:

Für die griechisch-orthodoxen Christen ist Ostern das höchste Kirchenfest im Jahr. Zeitlich richtet es sich nach dem alten Julianischen Kalender. Mit dem Rosenmontag hat die Fastenzeit in der Osterkirche begonnen. Es werden weder Fleisch, Fisch noch Milchprodukte gegessen. Die jüngeren Griechen halten sich manchmal nicht mehr so genau daran und essen teilweise heimlich etwas. Am “Grossen Donnerstag” findet der Gottesdienst der Ölsalbung statt und erinnert an die Myrrhe salbende Frau, die Jesus wenige Tage vor seinem Einzug nach Jerusalem die Füsse mit Öl gesalbt hat. Jetzt beginnt die heilige Eucharistie. Schon morgens werden die Ostereier rot gefärbt, was an das Blut Jesu und an das gechlachtete Lamm erinnern soll. Abends findet der Gottesdienst der Kreuzigung statt. Am Freitag wird das symblische Grabtuch mit Blumen geschmückt und Jesus wird auf dieses weisse tuch gelegt. Abens wird da Epiaphios (ein liturgischer Gegenstand, das Tuch) um die Kirche oder durch die Strassen getragen und danach findet ein Gottesdienst mit Lobgesängen aus byzantinischer Zeit statt. Am Ostersamstag gilt das strengste Fastengebot, selbst Olivenöl wind nicht verwendet. Die Frauen backen das traditionelle Osterbrot. In der Osternacht gehen die Menschen mit geschmückten Kerzen in die Kirche. Kurz vor Mitternacht verlöschen die Lichter und der Pope tritt mit der geweihten Osterflamme heror und verkündet: Christus ist auferstanden, worauf die Gemeinde sagt: er ist wahrhaftig auferstanden. Das Ganze endet in lauter Knallerei und Feuerwerk. Die Flamme wird nach Hause getragen und darf auf dem Heimweg nicht verlöschen. Zu Hause gibt es dann die traditionelle Ostersuppe aus Lamminnereien. Damit ist die Fastenzeit offiziell beendet. Am Ostersonntag wird überall im Freien ein Lamm oder eine Ziege gegrillt und es wird kräftig gefeiert.

Dies wissen wir und sind nun gespannt, was auf uns zu kommt an diesem Ostersamstag.

Mit 15 Minuten Verspätung werden wir von unserem bestellten Taxi abgeholt. Wir sind sehr gespannt, was uns heute Abend erwartet. Wenn am Nachmittag in Pyrgos so viel los war, dann muss heute Abend ja erst recht viel Betrieb herrschen. 6 – 7 km weiter steigen wir am Hauptplatz aus und bezahlen 10 Euro. Wir fragen die Taxifahrerin nach ihrer Telefonnummer, so dass auch unser Rückweg gesichert ist. Sie gibt uns uns ein Kärtchen und erfahren aber noch, dass sie nur bis 23:00 Uhr ihr Taxidienst anbietet. Alles klar, so müssen wir uns eine andere Rückfahrt organisieren. Es wird ja sicher noch andere Taxiunternehmen geben, welche nach einem solchen Fest froh sind einige Euros zu verdienen. In wenigen Minuten stehen wir auf dem Parkplatz am Hafen und da kommt auch der gelbe Caddy von Herman mit Lis und Frank. Schön, miteinander diesen Abend verbringen zu können. Wir lassen den Blick rundum schweifen und schauen einander fragend an. Wo sind denn all die Menschen vom Nachmittag? Die Restaurants sind leer, der Parkplatz mit vielen freien Parkplätzen und auch die Strassen sind nicht besonders belebt. Wir wissen ja aus dem Artikel, dass die Messe erst um 23:00 oder um Mitternacht beginnt, je nachdem mit wem man spricht. Da unsere Freunde noch nichts gegessen haben, suchen wir ein Restaurant auf. In einer Taverne direkt am Meer laden schön gedeckte Tische mit roten Ostereiern auf dem Tisch, zum Essen ein. Wir fragen nach einem Platz und er schaut sich um und erklärt, dass wir um 23:00 Uhr mit dem Essen fertig sein müssen, da er ab dann ausgebucht ist. Die Fastenzeit endet dann und dann kommen die Leute zum Essen. Er rückt für uns neben den schön gedeckten Tischen aber schnell zwei Tische zusammen. Für uns beginnt nun das zweite Abendessen und wir wählen nur ein einfaches Menu. Wir lassen es uns schmecken und so um 22:30 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Kirche.

Sie steht etwas oberhalb des Städtchens und die blaue Kuppel sieht man schon von Weitem. Auch auf dem grösseren Platz davor sucht man die Menschenmassen vergeblich. Nur wenige stehen da und so warten wir mal ab. Die Kirchentür steht offen und auch draussen ist ein Mikrophon aufgestellt. Wir sind wohl einfach noch zu früh.

Etliche Minuten verstreichen und dann kommen immer mehr schön gekleidete Personen auf den Platz zur Kirche. Die Frauen haben sich mit einem festlichen Rock gekleidet. Aus de Lautsprecher ertönt nun eine Männerstimme, welche in einem monotonen Gesang eine Botschaft vermittelt, von der wir aber kein Wort verstehen. Wir beobachten, dass die Griechen eine Kerze mit dabei haben und in die Kirche gehen. So schliessen wir uns an und treten in die hell erleuchtete Kirche. Im Innern sieht es so aus wie in einer griechisch orthodoxischen Kirche. Es scheint, als durchlaufen die Menschen einige Stationen. Zuerst nehmen sie eine dünne, längere brennende Kerze und stecken sie in ein Gefäss, welches mit Sand gefüllt ist. Danach bekreuzigen sie sich vor einem Bild und Küssen die Maria auf dem Bild. Einige gehen weiter und einige verlassen danch die Kirche wieder. Wir lassen uns einfach darauf ein und beobachten interessiert was geschieht. Nach einer Weile in der Kirche stehen wir wieder mit vielen anderen auf dem Platz. Immer noch kommen Menschen von allen Seiten, gehen in die Kirche und kommen wieder heraus und bleiben auf dem Platz wartend stehen. Mittlerweile stehen noch ein paar Männer in festlich gekleideten Gewändern vor dem Eingang der Kirche. Sie halten ein goldenes Kreuz und scheinen auf etwas zu warten. Kurz vor Mitternacht kämpft sich ein Auto durch die Menschen, welche aber schnell Platz schaffen. Ein ebenfalls festlich gekleideter Mann steigt mit einer brennenden Kerzenlaterne aus und übergibt diese an die wartenden Männer.

Sie tragen das Licht in die Kirche und bald darauf gehen die Lampen der Kirche aus. Die Gesänge ertönen aus der Kirche und über Lautsprecher auf dem Platz. Es herrscht eine sehr feierliche Stimmung. Nun ist Mitternacht und während den Gesängen erklingen immer mal wieder die Kirchenglocken in einem nicht sehr harmonischen Glockenspiel und dazu werden nebenan Böller abgeschossen. Bei diesem Knall zuckt man zusammen. Dies wiederholt sich etliche Male in unterschiedlichen Abständen. Das Licht wird wieder ins Freie getragen und nun werden die ersten mitgebrachtn Kerzen damit angezündet. Die brennenden Kerzen zünden wiederum andere Kerzen an und so brennen immer mehr, der mitgebrachten Osterkerzen.

Fasziniert schauen wir zu und dürfen so ein griechisches Osterfest miterleben. Nun wird die Auferstehung Christi ausgerufen und gefeiert. Als krönender Abschluss gibt’s nebst Böllerschüssen und Kirchenglocken noch ein schönes Feuerwerk über der Kirchenkuppel zu sehen. Danach löst sich die Menschenmenge immer mehr auf und alle gehen mit ihren brennenden Kerzen zu Fuss oder mit dem Auto nach Hause. Sogar im fahrenden Auto brennnt die Kerze noch. Sie bringen das ihnen überbrachte Licht und die Botschaft der Auferstehung Christi in ihr zu Hause. Eigentlich ein ganz schöner Brauch!

Nun ist es auch für uns an der Zeit an unsere Rückkehr zu denken. Woher ein Taxi nehmen wenn keines da steht? Vielleicht kann der Kellner im Restaurant, in dem wir gegessen haben, helfen und eines bestellen. Urs und Erich nehmen sich dieser Sache an, kommen aber ohne Erfolg wieder zurück. Es gäbe keine Taxis, war seine Antwort. Einen Notnagel haben wir noch, nämlich Herman mit seinem gelben Caddy. In zwei Furen werden wir von ihm nach Hause auf den Campingplatz chauffiert. Nicht ganz Regelkonform, aber es bleibt uns nichts anderes übrig. Wir sind Herman sehr dankbar für den Taxidienst! Müde, aber voller Eindrücke schlafen wir bald ein.

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