Sonntag, 24. April 2022
Heute Morgen lassen wir uns Zeit. Die Sonne scheint und an unseren zusammengestellten Tischen essen wir alle miteinander ein reichhaltiges Frühstück mit frisch gepresstem Orangensaft. Im Anschluss wird die weitere Route geplant und danach aufgeräumt. Urs und ich freuen uns noch an einem Bad im Meer und an der anschliessenden Dusche des Campingplatzes.
Unser erstes Ziel heute ist die Methoni Burg und Festung an der Südspitze dieses Zipfels des Peloponnes. Wir parkieren am Strand am ortsnahen Strand und machen uns auf unseren Rundgang. Leider ist die mächtige Burg am Ostersonntag geschlossen, aber auch von aussen sind die Burgmauern sehenswert. Nebenan wird in einem Garten zu griechischer Musik ein Lamm am Spiess gedreht. Laut Osterbericht, ist das Grillieren eines Lammes ja Teil des Osterbrauches. Im Verlauf des Tages sehen wir noch öfters Griechen am Grillieren und Tavernen, in denen gefeiert wird.
Zum Mittagessen in einem Restaurant treffen wir uns mit Annette und Erich bei Crèpe und Glace. Um 15:30 Uhr verlassen wir Methoni und fahren Richtung Kalamata. Am Meer finden wir einen geeigneten Übernachtungsplatz. Alle unsere Freunde treffen ein und mit einem fröhlichen Abend lassen wir den Tag ausklingen. Solch ein Lagerleben ist etwas Besonderes und gefällt uns sehr! In der Feuerschale flackert ein Feuer, Fleisch bruzelt auf dem Grill und mit einem Glas Wein in der Hand singen wir in fröhlicher Stimmung mit zum Lied “griechischer Wein”.
Montag, 25. April 2022
Der Tag beginnt für mich mit dem Bellen der Hunde. Ich nutze die frühe Morgenstunde um einen Blogbericht hochzuladen. Das Internet ist extrem instabil und an vielen Orten haben wir gar keinen Empfang. Langsam kommt Leben in die Gruppe und ein Frühstück mit Sicht aufs Meer lockt alle hinaus.
Heute fahren wir nach Kalamata und dann entlang der schönen Strasse 82 durch die Berge. Die Strasse windet sich den Bergen entlang und wir dürfen immer wieder interessante Ausblicke geniessen.
An einem Aussichtspunkt entdecken wir einen Kastenwagen mit Solothurner Autonummer. Es ist das Paar, mit dem wir auf der selben Fähre waren und gesprochen haben. Nach einem fröhlichen “Hallo zusammen” tauschen wir kurz unsere Erlebnisse und noch kommende Ziele aus. Sie berichten uns von einem Schweizer VW Bus und einem gelben “Pöstler – Caddy”, die vor kurzem hier waren. Das waren mit Sicherheit unsere Freunde, erklären wir lachend. Bald sind wir wieder unterwegs und weiter geht’s der 82 entlang.
Imposant ist der Strassenverlauf durch die Felsentunnels. In Kehren geht’s die Strasse hinab. Wir folgen der Abzweigung nach Mystras zu den bekannten Ausgrabungen. Auf dem unteren Parkplatz parkieren wir und entscheiden uns für einen Besuch der UNESCO Weltkulturstätte. Schon im Jahr 2011 besuchten wir die ehemalige Stadt und auch heute schauen wir uns die Kirchen, Ausgrabungen und das Frauenkloster, welches noch von 6 Nonnen bewohnt wird, an. Die sehr schöne Kirche beeindruckt mit den Wandmalereien.
Das Gelände von Mystras ist gross und mit der Besichtigung der Kirchen und Ruinen sind schnell 90 Minuten vergangen. Da die alte Stadt am Hang liegt, gibt es zwei verschiedene Eingänge und Parkplätze. Wir schauen uns heute den unteren Teil an und die Burg ganz oben betrachten wir nur aus der Ferne. Die alten typischen Steinkirchen mit ihren Gemälden gefallen uns sehr gut.
Jetzt ist es Zeit für uns, denn wir möchten noch den Beginn der Offroadtour erreichen. Der erste Teil der Tour ist asphaltiert und führt hinauf zu einem Kloster. Immer wieder fahren wir an verbrannnten Berghängen vorbei. Diese sehen gespenstig und auch beängstigend aus. Die Macht des Feuers wird uns hier wieder klar vor Augen geführt. Am Strassenrand steht ein Traktor und ein Auto, welche vom Feuer, der Hitze und Witterung gekennzeichnet sind.
Stetig hinauf und durch etliche engere Dörfer gelangen wir zu einem Kloster. Hier warten Erich und Annette auf uns. Bei Herman’s Auto hat vor einigen Minuten eine orange Kontrolleuchte aufgeblinkt. Wir studieren in den VW Unterlagen, was dieses Lämpchen bedeutet. Im Handbuch lesen wir “Motorsteuerung”, Garage aufsuchen. Nicht so cool, denn hier oben ist keine Garage verfügbar. Er wird die orange Lampe im Auge behalten müssen. Der Wind bläst ziemlich krätig und wir entscheiden uns, einen etwas windgeschützteren Übernachtungsplatz zu suchen. Ab hier geht unsere Tour in Schotter über. Kurze Zeit später fahren wir hinauf zu einer Kuppe, hinter der wir ein Plätzchen finden. Die Aussicht ist super und wir freuen uns über unseren schönen Platz! Schnell richten wir uns ein und schon bald machen wir es uns um das Feuer bequem. Bei uns gibt es Waffeln zum Essen und das geniessen wir in vollen Zügen. Hier sind wir völlig für uns alleine und die Stille wird nur durch unsere Gespräche und unser Lachen unterbrochen. Es ist schon spät und wir Frauen ziehen uns in die Autos zurück. Bald darauf kommt auch Urs ins Auto während Erich und Frank mit dem Stativ versuchen Astroaufnahmen zu machen. Auf einmal hören wir es heulen und fragen uns, was dies wohl für ein Tier war. Hat es hier Wölfe? Ich habe gelesen, dass jemand in der Wildnis nachts Schakale gehört hat. Wir lauschen gespannt und hören, wie Erich und Frank rassig ihre Sachen zusammenpackten und schnell ins Auto verschwinden. Sie erzählen am Morgen, dass das Heulen immer näher gekommen sei und Lis meinte, dass Frank noch nie so schnell ins Auto kam. Wir schlafen bestens in dieser Einsamkeit.
Dienstag, 26. April 2022
Mit fantastischer Aussicht geniessen wir unser Frühstück. Wir lassen die Drohne steigen, solch ein Panorma will festgehalten werden. Danach geht es weiter auf unserem Track. Hermans Kontrolleuchte ist nicht mehr erschienen, so sind wir frohen Mutes und machen uns auf den Weg. Der erste Teil war ja geteert und nun liegt der nicht unbefestigte Teil vor uns. Gemäss Tourenbuch handelt es sich um eine ganz einfache Route, dass eine oder andere Hindernis sollte uns dann noch überraschen. Zwei Fahrzeuge sind uns voraus. Auch wir verlassen unseren schönen Platz und folgen dem Track. Erich und Annette bilden das Schlusslicht mit ihrem Bimobil. Nach kurzer Zeit sehen wir vor uns den gelben Caddy mit offener Motorhaube stehen. Ojee, wir ahnen nichts Gutes. Nun stehen wir alle um den Caddy und schauen den Motor an. Da niemand von uns wirklich viel von Motoren versteht, sind wir eher ratlos. Während der Fahrt hat sich der Motor verabschiedet und das Auto sprang nicht mehr an. Nach dem kurzen checken der Flüssigkeiten diskutieren wir über den nächsten Schritt. Wir stossen das nicht mehr anspringende Auto an den Rand der Schotterpiste. Es muss ja so sein, aber hier haben wir keinen Handyempfang. Herman, Frank und Lis werden hier bleiben und bei unserem Übernachtungsplatz den Pannendienst anrufen. Da es keinen Sinn macht, dass alle hier warten verabschieden wir uns von den Dreien und folgen dem weiteren Verlauf der Offroadtour. Unsere Gedanken sind immer wieder bei ihnen und wir warten gespannt von ihnen zu hören.
Auf der ganzen Tour erleben wir immer wieder sehr schöne Ausblicke in die Berge und bis an die Küste. Zahlreiche Stopps führen zu etlichen Bildern in der Kamera. Aufffallend sind die niedergefallenen Steine, die oft an den Rändern der Schotterpiste liegen. Wir passieren zwei nicht ganz einfache Stellen, welche vor dem Fahren begutachtet weden müssen. Bei einer Stelle muss Urs sogar unsere Differenzialsperre einschalten, um weiterzukommen. Einige Kilometer weiter kommen wir erneut nicht mehr weiter. Diesmal nicht wegen der Piste, sondern wegen auf der Fahrbahn liegenden Felsbrocken. Hmm, wir betrachten das Ganze, aber diese Felsbrocken lassen sich nicht einen Centimeter bewegen. Für unser Fahrzeug ist der noch vorhndene Platz breit genug, um daran vorbeizukommen. Ist die Fahrt für Annette und Erich nun zu Ende? Sie schätzen die Situation ab, messen nach und legen noch ein paar Steine an den Pistenrand. Keinen Zentimete zu viel bleibt übrig, um daran vorbei zu kommen und sie schaffen die Hürde.
Trotz den Hindernissen geniessen wir die Tour in vollen Zügen, denn die Gegend ist sehr schön. Nach etlichen Kilometern schlängelt sich die Strasse hinab an die Küste nach Kardamili.
Nun werden auch wir überrascht mit eine orangen Kontrolleuchte. Wieder kommt das Handbuch von VW zum Einsatz und bei unserm Symbol heisst es: “Dieselpartikelfilter, siehe Handbuch” Dies fehlt uns gerade noch, ein Autoproblem unserer Gruppe ist eigentlich genug. Im Handbuch steht, dass man bei einer Geschwindigkeit von mind. 70 km/h mind. 15 Minuten fahren soll, um die Russpartikel zu verbrennen. Ansonsten kann dies zu Problmen und einem Garagenbesuch führen. Wo sollen wir eine Autobahn hernehmen, wenn weit umd breit nur eine kurvige Küstenstrasse und eine Bergstrasse zur Verfügung stehen? Bevor wir uns diesem Problem annehmen, möchten wir uns das restaurierte Stätchen anschauen. Viele schöne Ecken und Tavernen begegnen uns auf unserem Rundgang. In der Nähe des Hafens lassen wir uns ein Glace schmecken.
Es macht Freude durch die Strassen zu schlendern und zu fotografieren. Auch die alte Kirche und die Burgruine von Kardamili lassen wir uns nicht entgehen. Immer wieder entdecken wir hübsche Ecken.
Nun müssen wir uns aber um unser Problem kümmern, denn es wird bald Abend. Urs und ich verabschieden uns von Forsters und machen uns auf die “Suche” nach einer Autobahn oder Schnellstrasse. Selten haben wir in unserem Leben eine Autobahn so herbeigesehnt. Urs schaltet von Hand und lässt den Motor hochtourig laufen. Trotz kurvenreiche Küstenstrasse kommen wir gut voran. In Kalamata beginnt die Autobahn und nun heisst es “ab die Post”. Die Kontrolleuchte hat sich zum Glück ausgeschaltet, aber uns ist das vorgeschriebene Ausbrennen wichtig. Nach gut 15 Minuten wenden wir und es geht zurück nach Kardamili. 120 km hat uns unser Dieselpartikelfilterausflug gekostet! Solche Probleme hatten wir noch nie. Vielleicht hat es einen Zusammenhang mit dem vielen Anhalten während unserer Tour, ohne dass das Auto zuvor richtig warm laufen konnte. Keine Ahnung, aber nun ist alles wieder gut. Von unserern steckengebliebenen Freunden erfahren wir, dass sie immer noch auf den Abschleppdienst warten. Ein Abschleppdienst sei zwar von Kalamata aus gestartet, aber auf der Tour stecken geblieben. Jetzt vesuchen sie es von der anderen Seite, von Sparta aus. Frank hat Herman mit dem VW Bus bis zum Kloster abgeschleppt und wir sind alle froh, dass dies gut geklappt hat.
Da wir keine Lust haben zum Kochen, entscheiden wir uns zusammen mit Annette und Erich eine der vielen Tavernen in Kardamili aufzusuchen. An einem schönen Tischchen essen wir mit den letzten Sonnenstrahlen ein feines Lammfleischgericht. Dies war heute aber ein aufregender Tag!
Mittwoch, 27. April 2022
Unsere Freunde wurden in der Nacht vom Lärm von Wildschweinen gestört, welche sich in der nebenan liegenden Deponie gemütlich gemacht haben. Wir haben davon nichts gehört. Nach einem gemütlichen Morgen ohne Bad geht es weiter. Zuvor werden wir jedoch von einem fliegenden Gemüse-/Obsthändler, der nur griechisch spricht und wohl kaum rechnen kann über den Tisch gezogen. Für die wenigen Produkte werden uns 15 Euro in Rechnung gestellt…
Herman’s Auto ist gestern spät abends noch vom Kloster aus aufgeladen worden und nach Sparta in eine VW Garage gebracht worden. Heute Morgen wurde das Auto angesehen und es stellte sich heraus, dass wegen einer defekten Schraube der Keilriemen gerissen sei. Die nötigen Teile werden nun bestellt und sollte mit etwas Glück morgen in der Garage eintreffen.
Wir verlassen unseren Platz mit Sicht aufs Meer und 10 Minuten später kommen wir zu einem Parkplatz an der Küstenstrasse. Von hier müssen wir ca. 50 m in die Tiefe steigen und entdecken den engen Spalt, der uns in eine Höhle führt. Drinnen angekommen sieht man mal fast gar nichts. Nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben entdeckt man zwei Lichtschimmer. Bald wird klar, dass es sich um Sonnenlicht handelt. Links ist es heller und türkis blau während rechts lediglich ein tiefblau wahrnehmbar ist. Ein faszinierendes Lichterspiel im Wasser in der dunklen Höhle.
Der nächste Stop soll bei einem Olivenölladen stattfinden. Während ich (Urs) mir bereits Sorgen mache, wo wir all das gekaufte dann verstauen sollen, stellen wir fest, dass der Laden erst ab 15. Mai geöffnet hat. Vathia, das Dorf mit den kleinen Türmen liegt ebenfalls auf unserer heutigen Strecke. Wir waren vor 11 Jahren schon mal hier. Im Dorf scheinen weniger als eine handvoll Parteien zu wohnen. Die meisten dieser Wohntürme sind verlassen, davon sind einige zugänglich. Nur kleine Räume, mit kleinsten oder teilweise gar keinen Fenstern erwarten uns – nichts für uns wohnverwöhnten Schweizer. Vahtia liegt idyllisch mit Blick aufs Meer. Wir finden einen Übernachtungsplatz etwas oberhalb des Dorfes. Wir machen einen leckeren Auflauf in unserem Dutch Oven und Annette grillt für uns alle die Koteletts auf ihrem Grill.
Donnerstag, 28. April 2022
Die Nacht auf dem verlassenen Basketballplatz von Vathia war sehr ruhig. Während einem Kaffee schreiben wir an unseren Reiseberichten. Wir kommen mit einem griechischen, in Amerika aufgwachsenen Schweden ins Gespräch. Der scheint die ganze Zeit in seinem Renault Scénic unterwegs zu sein und schläft auch darin. Er kennt die schönsten Plätze und gibt Tipps. Ja pensioniert müsste man sein, dann könnte man ganz gemütlich rumtingeln. Wir erhalten die Nachricht, dass die Ersatzteile für Hermans Auto eingetroffen sind. Hoffentlich taucht da nicht noch ein Defekt auf.
Es geht südwärts Richtung Kap Tenaro. Annette und Ursi entschliessen sich die knapp zwei Kilometer über Stock und Stein zum Leuchtturm unter die Füsse zu nehmen, während Erich und ich ein erfrischendes Bad im knapp 15° warmem (oder kaltem?) Wasser nehmen.
Wir wollen noch das Schiffswrack in der Nähe von Gythios besuchen und dort in der Umgebung einen Übernachtungsplatz suchen. Der Manizipfel des Peloponnes ist sehr schön, geprägt von der kargen Landschaft und den typisch hohen Steinhäusern.
Unterwegs finden wir einen grossen Lebensmittelladen und wir gehen auf Einkaufstour. Es lachen uns Erdbeeren an, welche von uns unbedingt gekauft und gegessen werden wollen. Auf dem Parkplatz des Schiffswracks stehen schon einige Wohnmobile so erküren wir das zu unserem Übernachtungsort. Mit den letzten Sonnenstrahlen werden dutzende von Fotos von der Dimitrios geschossen. Die Dimitrios war ein Küstenmotorschiff, das am 23. Dezember 1981 auf dem Strand in Valtaki (Gemeinde Evrotas), strandete. Es ist wegen seiner Lage auf dem Strand ein bekanntes Fotomotiv.
Hoi zäme
Das ist bei euch ja einiges los. Griechenland scheint wirklich Spass zu machen, wenn ich eure Bilder und Kommentare studiere. Es ist spannend, eure Erlebnisse mitverfolgen zu können. Wie ihr richtig bemerkt habt, sollte man bereits pensionsiert sein und über genügend Zeit für längere Aufenthalte zu verfügen. Wie sagt man so schön: Vorfreude ist die schönste Freude.
Wir wünschen euch weiterhin pannenfreie Kilometer – der Diesel-Partikel-Filter-Umweg wird nicht als Panne gezählt – und viele neue Eindrücke.
Gruss vom Wasserschloss, Beat und Gaby