Donnerstag, 5. Mai 2022
Jetzt verlassen wir endgültig die Meteoraklöster. Wir treffen uns am Startpunkt der nächsten Tour. Es gibt auf dem Festland noch einige Offroad-Touren, die man unternehmen kann. Frank, Herman und Lis haben weiter südlich in Höhenlagen von Schnee berichtet. Dies veranlasst uns nun, die Touren entsprechend der Höhe zu wählen. Wir erfahren, dass dieses Jahr aussergewönlich spät noch Schnee gefallen sei und andere routinierte Griechenland-Camper erzählen uns, dass sie noch nie einen solch kühlen Frühling erlebt hätten. Wir treffen uns am Startpunkt der ausgewählten Tour auf einem Pass. Die Tour führt uns zuerst auf einer guten Schotterstrasse durch karge Berglandschaft in einen grossen Nationalpark. Frank und Lis führen die Truppe mit ihrem Cali an, dann folgt Heran mit seinem gelben Caddy, danach folgen Urs und ich und das Schlusslicht übernehmen Annette und Erich mit dem Bimobil. Mit vier Walkitalkis sind wir miteinander in Verbindung.
Schon bald wird der Untergrund matschig. Die Regenfälle der letzten Tagen und die Schneeschmelze sind dafür verantwortlich. Mit groben Steinen legen wir eine Fahrspur und so geht’s für alle problemlos weiter. Nach einiger Zeit hören wir eine aufgeregte Stimme im Walkitalki: “Äntlich….” Alles verstehen wir nicht, es tönt aber nach Begeisterung. Da sehen wir auch schon bald den Grund für die Freude. Quer über den Schotterweg liegt ein dünner Baumstamm mit vielen grossen Ästen. Um das Durchkommen zu ermöglichen, muss dieser zur Seite geschafft werden. Eifrig werden die Werkzeuge hervorgenomen und schon bald werden Äxte geschwungen und mit Elan gesägt. Während einige von uns sich voll im Element fühlen, übernehmen andere das Filmen und Fotografieren.
Geschafft! Wir fahren langsam weiter und überqueren bald eine Strasse. Wir folgen dem Schotterweg und fahren im lichten Laubwald. Wo wir ohne Probleme durchkommen, kratzen doch immer wieder Äste am viel höheren Bimobil. Was den Komfort anbelangt sind wir mit den kleinen Fahrzeugen deutlich im Nachteil, aber was die Wendigkeit und das Durchkommen anbelangt, haben wir klar einen Vorteil. Im Wald, wo die Sonne nicht immer durchkommt, liegen noch Schneefelder.
Für den 2WD von Lis und Frank ist dies mehr eine Herausforderung als für die andern mit 4WD. Wir meistern zusammen ein paar heikle Stellen. Auf einmal hören wir im Walkitalki: “Mir sind stecke blibe.” Das ist Annettes Stimme. Schnell halten alle an und die Sache wird begutachtet. Tatsächlich steckt das grosse Bimobil in einem Schneefeld fest. Jetzt kommen die Schaufeln zum Einsatz. Kräftig wird Schnee geschaufelt, aber lange bewegt sich das Auto keinen Zentimeter. Unter dem Auto hat sich viel Schnee gesammelt und die Männer zeigen beim freischaufeln ihre Muskelkraft. Erich versucht es immer wieder. Komisch, es tut sich immer noch nichts und es stellt sich heraus, dass er irgendwann die Handbremse angezogen und nicht wieder gelöst hat. So kommt man natürlich nicht vom Fleck. Wir schmunzeln über die Situation und sind froh, dass wir das Bimobil freibekommen haben. Urs steckt barfuss in seinen Treckingsandalen und Frank hat die Badeschuhe angezogen, eigentlich die idealen Schuhe, aber die eiskalten Füsse schmerzen nun schon ein bisschen.
Kurz danach kommt wieder die Meldung durchs Walkitalki: “Dasmal stecked mir fescht.” Diese Nachricht kommt aus dem “Hause Tenders”. Wieder sind alle zur Stelle und diesmal kommen die Schaufeln und die Mäxträxx (Sandbleche) zum Einsatz. Urs, Herman und Frank können es nicht lassen eine kleine Schneeballschlacht zu veranstalten. Schnee im Mai, dies muss ausgekostet werden.
Nun sind sie durch, Herman schlingert ein wenig durchs Schneefeld, unser Cali und Urs meistern diese Stelle ohne Probleme. Erich und das Bimobil kommen auch schlingernd durch. Sollen wir umkehren? Wäre dies vernünftiger? Während Frank die Schneeketten montiert, fahren Urs und ich weiter, um den weiteren Wegverlauf zu prüfen und testen. Nach einigen Hundert Metern stehen wir vor einer schmalen Brücke, welche mit einem Schneewall bedeckt ist. Man müsste alles wegschaufeln, aber dies scheint uns dann doch ein bisschen zu mühsam auch ohne zu wissen, wie es noch wird. Ich lotse Urs mit Handzeichen rückwärts zurück. Tenders sind froh um die Schneeketten und alles klappt auf der Rückfahrt ohne Probleme. Obwohl das Übernachten im Nationalpark grundsätzlich nicht erlaubt ist, bleibt uns nichts anderes übrig. Es ist nämlich bereits 18:20 Uhr und eine breite Kehre bietet sich als Nachtlager an. Obwohl wir die Tour abbrechen mussten, war es ein abenteuerliches und tolles Erlebnis und wir spürten das coole Miteinander!
Freitag, 6. Mai 2022
Geschlafen haben wir nach den gestrigen Strapazen alle wunderbar. Entspannt fahren wir weiter. Die Strasse schlängelt sich dem See entlang durch einsame Gegend. Verlotterte Ställe, Schafe und Kühe prägen die karge Landschaft. Wir kommen uns ein bisschen wie in Island vor. Nur die Bäume würden dort fehlen. Am See entdecken wir beim Vorbeifahren einen Pelikan – ein Fotostopp ist angesagt.
Auf dem grossen Parkplatz dürfen wir alle eine Runde mit dem Bimobil drehen! Erich sitzt nebenan und passt auf, dass wir nicht übermütig werden. Die einzigen Zuschauer sind einige friedliche Strassenhunde. Jetzt ist es Zeit um die nächste Schotterpiste in Angriff zu nehmen. Diese Tour ist einfach und sollte für uns alle kein Problem darstellen. Abwechselnd auf Schotter und Asphalt fahren wir durch einsame Bergdörfer. Die Dächer der Häuser sind mit Steinen bedeckt. Gepflasterte Wege und Strässchen führen durch die Dörfer.
In einem kleinen, aber gut assortierten Laden, sichern wir die Ernährung für die nächsten Tage. Unsere nächsten Ziele sind ein paar alte Steinbrücken, welche früher als Verbindungswege zu den Bergdörfern dienten. Malerisch stehen diese in dieser steinigen Landschaft.
Es geht hinauf auf 1370 m in die Berge. Die Landschaft ist sehr steinig, aber sehr eindrucksvoll. Immer wieder benutzen auch Kühe die Strasse. Als Übernachtungsplatz haben wir den Parkplatz zum Beloi-Aussichtspunkt an der Vikosschlucht ausgesucht. Die Platzverhältnisse sind nicht üppig, aber es reicht. Zur Abendessenszeit fahren wir mit zwei Autos ins nahe Dorf, um die Taverne aufzusuchen. Der Betreiber begrüsst uns schon auf dem Parkplatz und heisst uns willkommen. Während des ganzen Abends zeigt er immer wieder grosse Freude an unserem Besuch. Er kann nicht so gut englisch und wir eigentlich kein Griechisch. Er stösst freudig mit uns an. In seiner Gaststube sind wir und ein holländisches Paar die einzigen Gäste. Schön, wenn man willkommen ist und die Freude des Betreibers so spürt.
Woah, habe grad alles wieder durchlebt. Ist schon schön, diese Abenteuer aus anderer Sicht zu sehen und nochmals zu erlaben. Danke für die schönen Fotos und Beschreibungen!👏👏🤘👍🤙🥰👻